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Die Stimme · 1935-08-23 · Heft 477 (23.8.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 477 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer SO g V. b. b. Ms*. /4Tf*f I WSam <•* Atiofie# «flie I Hedaktion und Administration, tfian, «laro-Aurel-StraBs *. 11 ** i i I ”»Wlj üugUSl *^§99 I TeU U 22-3-91 .1edaktlonssch|u8 Montag und Mittwoch vorm. JÜDISCHE ZEITUNG I N U NEAPEL-HAIFA mit dem Riesen-Ozeandampfer »ROM AÄ (33.000 Tonnen) ab Genua 2., ab Neapel 3. September III. Klasse von NEAPEL-HAIFA mit vorp züglicher, auch koscherer I - / PA % Verpflegung und Kabine ftellv 0<JVr p 50% Ermäßigung auf den | k ö n i g I i ch it a I i e n i sch e n B a h n en p Auskünfte: »ITALIA«-COSULICH, % lv Kärntnerring 6 p .^\\\\\\\\m\\\w $ (24* Aw S69S) | 8. Jahrgang Der XIX. Zionistenkongreß in Luzern eröffnet Weitzmann Präsident des Kongresses Telephonbericht unseres Sonderkorrespondenten Luzern, 22. August. Die Verhandlungen zwischen den Parteien wegen Bildung einer großen Koalition sind noch immer nicht recht in Schwung gekommen. Die entscheidenden Verhandlungen zwischen dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten, der Weltvereinigung und den Linken beginnen heute. In der gestrigen Sitzung erstattete Ben G u r i 0 n ein von nationalem Pathos er fiilites Referat, nach ihm sprachen Bro d e t z k y und Kaplan. Am Abend fand eine Trauersitzung für die während der letzten zwei Jahre verstorbenen führenden Zionisten statt. Die Gedächtnisrede hielt Sokolow. In der Nachmittagssitzung fand die Wahl des Kongreßpräsidiums statt, der eine üble Kulissenpoiitik vorausgegangen war. Die Linken hatten nämlich zunächst in Gesprächen erklärt, daß sie keinen Kandidaten vorzuschlagen haben, worauf seitens der Vertreter des Weltverbandes Ussischkin nominiert wurde. Weder die Linken noch die Weltvereinigung sprachen sich in diesem Gespräch gegen die Kandidatur Ussischkins aus. Ussischkin selbst war bereit, das Amt des Kongreßpräsidenten zu übernehmen. Plötzlich wurde jedoch in derSitzungdesAktionskomitees ohne vorherige Verständigung des Weltverbandes von den Linken und der Weltvereinigung Prof. W e i t zmann kandidiert. Unter Protest gegen diese Brüskierung des Weltverbandes und Ussischkins erklärte namens des Weltverbandes Mossinson im Plenum des Kongresses, daß der Weltverband sich an der Wahl des Präsidenten nicht beteiligt. Die Judenstaatspartei gab im Plenum des Kongresses die Erklärung ab, daß sie gegen Weitzmann stimme. Der M i s r a c h i gab die Erklärung ab, daß er sieh weder an der Wahl des Kongreß- Präsidiums noch an den Sitzungen der Kommissionen beteiligen werde, solange nicht die vom XVIII. Kongreß gefaßten Beschlüsse religiöser Natur von den Linken durch-j geführt würden. Nach Abgabe dies er Erklärungen wurde Weitzmann unter lebhaften Akklamationen von den Linken wie der Weltvereinigung z um Präsidenten gewählt. Weitzmann, der erst am Vormittag in Luzern eingetrolfen war, erklärte, die Wahl anzunehmen. Er gedachte zunächst seines Vorgängers Motzkin und erklärte weiter — dies auf Grund von Verhandlungen mit MisrachJ, die vor dem Wahlgang stattgefunden hatten —, daß er sich bemühen werde, diegerechtenForderungen des Misrachi zu erfüllen. Daraufhin verlas ein Vertreter des Misrachi eine bereits vorbereitete schriftliche Erklärung, worin die Vermitt- Iungstätigkeit Weitzmanns mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Hierauf erfolgte die Wahl der Vizepräsidenten. Für den Weltverband wurde Mossinson gewählt. Die Wahl der Vizepräsidenten erfolgte einstimmig. Uber die Bildung der neuen Exekutive gibt es nur Mutmaßungen. Es ist keineswegs sicher, daß Weitzmann Präsident der Organisation wird, da ein Teil der Linken ihm Bedingungen stellen will und auch schwierige Personalfragen zu bereinigen sind. Es heißt, daß Weitzmann die beiden Leiter der politischen Abteilungen in London und Jerusalem, Brodetzky und Schertok, durch Leonard Stein, seinen ehemaligen Sekretär, und den derzeitigen Vertreter beim Völkerbund, Dr. Becker, ersetzen will. In der heutigen Vormittagssitzung halten R u p p i n, Us s i s c h k i n und J a f f e ihre Referate. In den Abendstunden beginnt die Generaldebatte, deren Umfang stark eingeschränkt ist, da auf einen Delegierten nur 2K> Minuten Redezeit entfallen. Falls die Verhandlungen zwischen den Parteien zu einem befriedigenden Resultat führen, könnte der Kongreß am Mittwoch nächster Woche h eendetwerden. Die feierliche Eröffnungssitzung Von unserem Spezialkorrespondenten. Luzern, 20. August. j Komitees in Genf, den High-CommLseioner Stadt Luzern steht im Zeichen des I für das Flüchtlingssekretariat, James Mac- Zionistenkongresses. Von dem im- Dio XIX. posanten neuen Kunst- und Kongreßhalle der Stadt Luzern, in dessen Räumen der Kongreß tagt, wehen riesige blauweiße Fahnen. Die ganze Umgebung des Kongreßhalle es mit dem herrlichen Panorama des Vierwaldstättersees, den Bergen und dem wogenden Menschenmeer von aus aller Herren Länder zusammenströmenden Gästen bietet ein vielfarbiges und imposantes Bild. Auch die großen Hotels in der Stadt haben blauweißen Flaggenschmuck angelegt. Das Interesse, das diesmal vom Publikum der großen zionistischen Tagung entgegenge bracht ivird, ist außerordentlich groß. * Das gewaltige Interesse kam gleich bei der Eröffnungssitzung des Kongresses, die heute um 9 Uhr abends unter allen Zeichen eines großen Ereignisses vor sich ging, zum Ausdruck. Viele hunderte Gäste, darunter sehr viele Schweizer Bürger, umlagerten das Kongreßhaus, ohne Eintritt finden zu können. Selbst die Übertragung im Stadttheater fand vor einem gänzlich ausverkauften Hause statt. Etwa viertausend Menschen, Kopf an Kopf dicht gedrängt, füllten den großen Kongreßsaal. 450 Delegierte nehmen das vordere Parkett ein; auf der Tribüne haben Exekutive, Aktionskomitee und die Prä skiion der Fonds ihro Plätze. Zwischen Parkett und Tribüne sind die langon Tisohroihen von über 200 Pressevertretern aus aller Welt, vollbesetzt. An der Stirnwand hängt ein riesengroßes Herzl-Bild. Man sieht zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps, Vertreter des Nansen- Simse Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenheiten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch* Reisebüro „in " (Dr. S. Tocker) IX., Liechteneteinstr. 2, Tel. A14-504 Donald, Vertreter der schweizerischen Regierung, des Bundesrates, der Staats-, Kanton- und Kommunalregierung, Repräsentanten der Stadt Luzern sowie zahlreiche Vertreter jüdischer und nichtjüdischer Korporationen. Die drei traditionellen Hammerschläge durch den Leiter des Kongreßbüros, Doktor Franz K a h n, künden den Eintritt der Exekutive, die bei ihrem Erscheinen, mit Sokolow an der Spitze, mit einer langanhaltenden Ovation begrüßt wird. In hebräischer Spracho — der Sprache des Kongresses — eröffnet Präsident Sokolow den XIX. Zionistenkongreß mit dein Willkommensgruß eines herzlichen Schalom an die Delegierten. (Die Rede Sokolows bringen wir an anderer Stelle de« Blattes. — Die Red.) Hierauf begrüßte Sokolow den Vertreter des Schweizer Bundesrates und die Stadtregierung von Luzern, den Vertreter des Nansen-Amtes in Genf, den Vorsitzenden des Flüchtlingskommissariats, James M a e- Donald, den Vertreter des britischen Gesandten in Bern, die konsularischen Vertreter Polens, Italiens, Finnlands u. a. m. Von den Eröffnungsansprachen fiel durch die Herzlichkeit des Tones die Ansprache des Vertreters des Luzerner Stadtrats, des Regierungsrates Walther, auf, der in überaus warmen Worten im Namen des Bundespräsidcnteu und des gesamten Schweizer Volkes dt i Kongreß willkommen hieß. Die Aufrichtigkeit dieser Begrüßung wurzelt im tiefen Verständnis des Schweizervolkes für den Zionismus. Redner erinnerte an den gewaltigen Eindruck, den das erste Auftreten Herzls in der Schweiz machte. Er erachte es als seine Pflicht, hier zu erklären, daß das Schweizer Volk, das selbst lange um seine eigene Freiheit kämpfte und noch immer kämpft, dem Freiheitskampfe eines anderen Volkes mit Sympathie und Verständnis gegenüberstehc. Nachdem noch der Vertreter der britischen Gesandtschaft den Kongreß begrüßt und seinen Arbeiten Erfolg gewünscht hatte, und die Begrüßungsbotschaften unter großem Applaus zur Verlesung gekommen waren, hielt Sokolow eiii großangelegtes Referat, das berühmte „Nordausche Referat“, über „Die Lage der Juden in der Welt“. Mit dem Absingen der „Hatikwah“ fand gegen Mitternacht die feierliche Eröffnungssitzung des XIX. Zionistenkongresses ihr Ende. Begrüßungsbotschaft Lloyd Georges an den XIX. Zionistenkongreß (Von unserem Son derberichterstatter) Lloyd George sandte die folgende Begrüßungsbotschaft an den XIX. Zionistenkongreß: „Die große Aufgabe der Wiedererrichtung Zions und des Aufbaues eines Heimatlandes auf den Bergen und Ebenen Palästinas erfordert große Geduld, Entschlossenheit und staatsmännisches Handeln. Ich beglückwünsche den Zionistenkongreß wärmstens zu den bemerkenswerten Fortschritten, die bereits erreicht worden sind. Wenn das Volk Israel sich wieder einmal von einer grausamen Verfolgung bedroht sieht, so ist es doch herzerfrischend, wenigstens zu wissen, daß es auch im Begriffe ist, für viele seiner Söhne und Töchter eine Zuflucht in dem Lande zu finden, dem seine Vorfahren unsterblichen Ruhm erworben haben. Ich vertraue darauf, daß der diesjährige Kongreß sich dadurch bewähren wird, daß er sich von jenem Geiste der Weisheit, des Opfers und der unbeugsamen Entschlossenheit leiten lassen wirdj die einen so großartigen Fortschritt ermöglicht haben und durch den allein die zionistischen Hoffnungen schließlich der vollen Verwirklichung entgegengeführt werden können. Gez. Lloyd George.“ Glückwunsch des Parlamentarischen Palästina-Komitees in England Das englisch-parlamentarische Palästina- Komitee sandte folgendes Schreiben: Lieber Dr. Sokolow! Wir würden uns freuen, wann Sie dem Kongreß herzliche Grüße von der Exekutive dee Parlamentarischen Pal üstina- Komitees überbringon wollten. Wir senden unsere besten Wünsche für einen vollen Erfolg seiner Beratungen und für die Förderung der großartigen Aufbauarbeit in Palästina. Ihnen ergeben goz. Josiah W 0 g w 0 o d, H a r t i n g t. 0 n, Bamett Jauner, / 43

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