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Die Stimme · 1935-08-20 · Heft 476 (20.8.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 476 (20.8.1935)
Date
1935-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 476 — 26. August 199S DIS STIMM! fielt« 3 Vor der Eröffnung des Kongresses Luzern, 18. August. (2. T. A.) Zwischen den Führern der verschiedenen zionistischen Fraktionen werden schon seit einigen Tagen zwanglose Besprechungen betreffend die Zusammensetzung der neuen Zionistischen Exekutive gepflogen. Durch eine Verständigung in dieser Frage will man erzielen, daß die Kongreßberatungen yon Anfang bis zu Ende in einer ruhigen Atmosphäre vor sich gehen und der Kongreß seine ganze Energie den konstruktiven Zielen der Bewegung widmet. Erstrebt wird die Schaffung einer Koalition auf breitester Grundlage. Fast alle Kongreßdelegierten weilen bereits in Luzern und nehmen an verschiedenen Besprechungen teil, die auch mit der allgemeinen politischen Haltung deT Exekutive in Zusammenhang stehen. Lebhaft diskutiert werden die aktuellen politischen Probleme der zionistischen Bewegung, insbesondere die Frage der Stellungnahme zum Plan eines Legislative Council in Palästina. Es heißt, daß führende Kongreßkreise •beabsichtigen, mittels Aeroplans eine Delegation nach London zu entsenden, die mit dem Kolonienminister Mal com MacDonald und dem jetzt in London weilenden High Commissioner Sir Arthur Wauchope über Legislative Council und andere politische Probleme verhandeln soll. Es wird nämlich erwartet, daß die Frage' des Legislative Council in London just während der Dauer des Kongresses in Luzern entschieden werden soll. Die Kreise des Londoner Colonial Office scheinen bereit zu sein, in einigen Fragen Entgegenkommen zu zeigen, jedoch an dem Plan der Bildung des Legislative Council fesfczuhalten. In den Kreisen der Exekutive der Jevish! Agency ist man überzeugt, daß ihre Bemühungen gegen den Legislative Council von allen auf dem Kongreß vertretenen Richtungen, vom gesamten Jisohuw in Palästina und den jüdischen Gemeinschaften überall in der Welt gebilligt werden; eine ao geschlossene Haltung des gesamten Judentums gebe der Exekutive die Möglichkeit zum verstärkten Widerstand gegen den Plan des Legislative Council. Pension Eckstein - Imm Meir Berlin, Fisfiman und Färb• Stein aus der Leitung des Misrachi ausgeschieden Krakau, 18. August. (2.T. A.) ln der Schlußsitzung der Krakauer Misrachi-Welt konferenz wurde die Neuwahl der Leitung durchgeführt. Der neuen Exekutive gehören an: Rabbi Gold, Dr. F e 1 d m a n n, Prof. Pick, Rabbi N e u f e 1 d, Mosche S c h a p i t o und A. M. G e n a c h o w s k i. Ein Sitz in der Exekutive wurde für den Merkas Arzi in Erez Israel reserviert. Ferner wurde der Waad Haroschi (Zentralrat) gewählt, an dessen Spitze Rabbi Fishman steht. Die Konferenz beschloß die Bildung eines Merkas Olami für Kultur- und Erziehuugsfragen In Palästina und in den Galuthländern, sowie die Schaffung einer Zentrale für den Keren Erez Israel unter Leitung von Rabbi Fishman. Den ausscheidenden Mitgliedern der Exekutive, Rabbi Berlin, Rabbi Fishman und H. Färbst ein, wurde der Dank für ihre Arbeit ausgesprochen. In der Frage des zionistischen ßchoköl wurde kein Beschluß gefaßt, sondern die endgültige Stellungnahme der Exekutive überlassen; doch wurde aus den Statuten der Passus entfernt, in dem jedes Miisrachi-Mitglied zum Kauf des Schekels verpflichtet wird. Hiezu gab Rabbi Ostrowski namens des Misrachi Hawatik die Erklärung ab, daß dieser keine Mitglieder aufnehmen werde, d i e nicht S o h e k e 1 z a h 1 o r Bind. H. Farbstein referierte über die Haltung iÜes Misrachi auf dem XIX. Ziomistenkongreß in Luzern. Er erklärte, die zionistische Exekutive verweigere dem Misrachi die Gleichberechtigung auf den Gebieten der Einwanderung und der Kolonisation und zeige kein Verständnis für roligiöso Forderungen. Trotzdem gehe der M i sraobi zum Kongreß, aber mH dem Losungen: Kampf für religiöse Forderungen, für politische, wirtschaftliche und kulturelle Mitarbeit. Farbstein schilderte die religiöse Lage in Palästina, die sich seiner Weltkonferenz des füdischen Nationalfonds Luzern, 16. August. (2. T. A.) Nach einer Pause von sechs Jahren traten im Kongreßhaus zu L u z e r n am 13. August die Mitarbeiter des Keren Kajemeth Lejisrael aus allen Ländern wieder zu einer Konferenz zusammen, die den Problemen des Bodenerwerbs und der nationalen Bodenpolitik in Palästina gewidmet ist. Anwesend sind Hunderte Delegierte und Gäste. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, eröffnet© die Tagung mit einem Gebet. Namens der Zionistischen Exekutive hielt Prof. Selig B rode t z k y eine Begrüßungsansprache. * In eindrucksvollen zweistündigen Ausführungen behandelte sodann Ussischkin das Thema „Israel ohne Lan d“. Er bezeichnte es als die Tragödie der zionistischen Bewegung, daß sie nach 53 Jahr e n organisierter Arbeit noch immer unter dem Mangel an Boden zu leiden habe. Wohl ■'eigo das Einkommen des Jüdischen Natioualfonds. Wohl erwerbe er fortgesetzt Boden und siedle Juden an, trotzdem aber wäre es falsch, optimistisch über die Lage m berichten. Die Aussichten in bezug auf Bodenetrwerb in Erez Israel seien trübe. Der Redner wies auf die Möglichkeit hin, daß es für Juden überhaupt schwer werden könnte, Boden in Erez Israel zu erwerben, einerseits weil die Zahl der Verkauf swilllgen klein sei, anderseits weil die Regierung dem Bodenerwerb Hindernisse ln den Weg lege. Heute seien nur 6K% des gesamten palästinensischen Bodens in jüdischem Besitz. Hiebei seien sowohl die dem Nationalfonds gehörenden Ländereien als auch diejenigen berücksichtigt, die sich in Privatbesitz befinden. Dabei aber steige der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung dauernd und habe bereits über 26% erreicht. Ussischkiin berührte sodann das Thema Tranejordanien und erklärte, man bemühe sich, die Einwanderungserlaubnis für Juden nach Transjordanien zu erlangen. Aber auch der Erfolg dieser Bemühungen könne das Problem der Erwerbung von Grund und Boden in Erez Israel nicht lösen. Wenn die Juden Boden in Transjordanien erwerben, dann würden sie immer noch hinter sich in Palästina eine arabische Bevölkerung haben, die den Großteil des dortigen Bodens besitzt. Mit ziemlicher Zurückhaltung sprach Ussischkin sodann über Unterhandlungen, die zur Zeit vom Nationalfonds betreffend die Aufnahme einer Anleihe geführt werden, ohne irgend welche Details über diese Anleihe- Verhandlungen bekanntzugeben. Bezüglich der Hule-Konzossion erklärte Ussischkin, daß sich der Nationalfonds an diesem Unternehmen nur dann beteiligen werde, wenn ihm ein 50%iger Anteil eingeräumt wird, und es sich bei den Partnern der restlichen 50% nicht um Privatpersonen, sondern um öffentliche Institutionen handelt, die an der Erschließung des Gebietes im Sinne der Grundsätze des jüdischen Nationalfonds interessiert sind. Ussischkin gab bekannt, daß jetzt großzügige Pläne für die Erschließung der vom Keren Kajemeth in letzter Zeit erworbenen Terrains im Bcisan-Gebiet »usgearbeifcet wurden. Weitere Pläne lägen in bezug auf die Vorbereitung von Ländereien in der Umgebung von Jerusalem für die Ansiedlung von Juden vor. Gegen die Bodenspekulation. — Für Einsetzung einer Zentralbehörde zur Kontrolle von Landkonzessionen. Die Vormittagssitzung vom 14. August war vollständig der Aussprache über das Referat Ussischkins gewidmet. Die Redner, von denen die meisten Mitglieder der Histadruth waren, forderten rücksichtslose Maßnahmen gegen die Boden- Meinung nach während der letzten zwei Jahre verschlechtert hat. Er forderte die Beteiligung der Juden an der Palästinapolizei gemäß ihrer vollen Stärke. Spekulanten. Unter anderem wurde verlangt, daß Kinder von Bodenspekulanten keine Aufnahme in palästinensischen Schulen finden sollen. In einer Resolution werden die jüdischen Institutionen aufgefordert, in Erez Israel und in den Ländern der Galuth eine E i nheitsfront zur Bekämpfung der Bodenspekulation zu bilden. Alle jüdischen Kräfte der Welt sollen zur Aufbringung von Mitteln für den jüdischen Nationalfonds mobilisiert werden. Ferner soll eine zentrale Körperschaft zur Kontrolle von Landkonzessionen geschaffen werden, um der Spekulation auf diesem Gebiet einen Riegel vorzuschieben. Einen entsprechenden Aufruf soll der XIX. Kongreß erlassen. Berl Katzennelson erklärte, die Bodensituation in Palästina sei sehr a k u t; wenn sie sich nicht radikal bessert, entstehe von dieser Seite her eine Gefahr für das Werk. Hernach nahm die Konferenz eine Resolution an, in der die „ernste Besorgnis über die gefährliche Entwicklung der Bodenspekulation in Palästina, die dazu angetan sei, den Jisohuw zu unterminieren“, zum Ausdruck gebracht wird. Eröffnung der Keren Hajessod- Konferenz Luzern, 16. August. (2. T. A.) Bei Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus allen Ländern wurde am 15. August in L uzern die Konferenz des Keren Hajessod eröffnet. Der Direktor des Fonds Leih Jaffe hielt hiebei folgende Ansprache: 15 Jahre Keren Hafessod Ich begrüße Sie alle, Mitarbeiter und Getreue des Keren Hajessod. Unsere Konferenz, führte Jaffe aus, fällt in die Zeit, in der fünfzehn Jahre seit der Gründung des Keren Hajessod vergangen sind. Wir halten Rückschau über diese schwierige Periode, die erfüllt war von Erschütterungen in der äußeren Welt und in unserer Bewegung. Die Arbeit für den Keren Hajessod war stets das Barometer für die innere und äußere Situation unseres Volkes und unserer Bewegung. Derjenige, der abseits stand und diese Arbeit nicht an sich selbst gespürt hat, kann nicht verstehen, wie bitter diese Wanderungen waren, kann nicht begreifen, wie schwer es war, von einem über die Welt zerstreuten, innerlich atomisierten Volke diese Steuer zu erhalten, ohne die Macht des Zwanges. Jeder von Ihnen darf von sich selbst sagen: „Ina baderech kochi“ — „Meine Kraft ist auf dem Wege erschöpft“. Aber jeder einzelne von Ihnen bat doch zugleich die Erkenntnis: in allem, was in Palästina geschaffen worden ist, ist Ihre Mühe und Arbeit. Ich sehe vor mir Freunde, die jahrelang arbeiten. Einige von Ihnen standen bereits an der Wiege des Keren Hajessod und arbeiten seit seinem Gründungstage für ihn. In unserer Mitte weilt ein Mann, der der erste Delegierte des Keren Hajessod war und auf diesem Ehrenplatz bis heute geblieben ist: Dr. Alexander Goldstein. Im Folgenden hielt Jaffe einen warmen Nachruf für alle in der Zwischenzeit verstorbenen Mitarbeiter des Koren Hajessod. Zum Schluß gedachte er Ohaim Naehman B i a 1 i k s, der trotz seiner gewaltigen vielseitigen Arbeit die Zeit fand, für uns nach Amerika zu gehen, Leo Motzkins, der treue und ergebene Freund des Keren Hajessod, Dr. Scbmarjabu Lewins, de Predigers und Erziehers. In Schmerz und Verehrung neigen wir unser Haupt vor ihnen. Ihr Andenken wird in unserer Bewegung und in unserer Arbeit verewigt sein. (Der Nachruf wurde stehend angehört.) Fünfzehn Jahre sind vergangen. Wenn wir die bis heute geleistete Arbeit Überschauen, so wissen wir, wie winzig sie war, gemessen an dem, was wir hätten leisten können und was wir zu leisten hofften, gemessen an den Bedürfnissen des Volkes, an dem Ziele, das wir uns gestellt haben. Mit dem Wachstum unserer Arbeit ist ständig auch unsere Sorge gewachsen. Auch in der Feme, auf unseren Wanderfahrten, leben wir das Leben Palästinas, atmen wir den Atem des Landes. Der sorgenvolle Gedanke um jede noch unbebaute Stelle des Landes, um die jüdische Siedlung1, die noch nicht fest gegründet ist, um das jüdische Kind, das in fremde Schulen verschlagen ist, um das Schicksal des Einwanderers, der verzweifelt und doch voll Hoffnung an die Tore des Landes klopft, diese Sorgen zehren an unserem Herzen. Unsere Arbeit muß wachsen. Wir schließen heute eine Epoche, reich an Mühen und Erfahrungen, ab. Möge die neue Epoche der Beginn neuer segensreicher Arbeit sein. Radioaktivste Therme der Welt J.4, ..Ä®. 1000 Meter Ober dem Meer .6 Aller Komfort Thermalbäder Mäßige Preise Restaurant Weltkonferenz der Palästinaämter in Luzern Luzern, 16. August. (2. T. A.) In Luzern tagt gegenwärtig auch diei Welfckonferenz der Palästina-Ämter der verschiedenen Länder, um die grundlegenden Fragen der Alijah (Palästina-Einwanderung) zn erörtern. Das Mitglied der Exekutive und Leite® des Einwanderungsamtes der Jevish Agency, Jizchak Grünbaum, hielt ein Referat über den Stand der Alijah, in dem er unter anderem ausführte: Die Exekutive der Jevish Agency ist überflutet mit Bewerbungen um Einwanderungszertifikate. Die Bewerbungen kommen nicht allein aus europäischen Ländern, sondern auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Bei der Exekutive in Palästina liegen nicht weniger als 17.000 B e w e rbungen von Palästina-Einwoh-! nern um Ein Wanderungszertifikate für ihre Verwandten im Ausland vor, unter den Bewerbern sind viele Ehemänner, deren Frauen in Polen, Rumänien und in anderen Ländern leben. Sie müssen für den Unterhalt der Frauen durch Geldsendungen sorgen, aber Einwanderungszertifikate für sie können eie nicht erlangen, da Zertifikate für Verwandte nur in beschränkter Zahl ausgegeben werden können. 50% der Zertifikate sind .nämlich für Chaluzim, 20% für Handwerker und 10% »für sephardische Juden bestimmt. Unter dem Druck der Palästina-Regierung gab die Exekutive eine Anzahl Zertifikate an die Agudah ab. Auch den Revisionisten wurden Zertifikate übermittelt. Grünbaum teilte mit, daß in das nächste Budget der Jevish Agency ein Posten von 10.000 Pfund für landwirtschaftliche Ausbildung jüdischer Jugendlicher aus europäischen Ländern eingesetzt werden wird, da die Palästina - Regierung darauf besteht, daß mehr als bisher Chaluzim in die Kolonien gehen und nicht in den Städten bleiben. Die Palästina-Ämter in ganz Europa werden die Weisung erhalten, Einwanderungszertifikate nur solchen Personen zu geben, die das Hebräische beherrschen. Reservefonds der Palästina* Regierung übersteigt den Geldumlauf Nach einer offiziellen Mitteilung der Palästina-Regierung betrug Anfang August der Geldumlauf (Banknoten und Scheidemünzen) in Palästina insgesamt 5,561.223 Pfund. Zur gleichen Zeit beliefen sich die Reserven der Palästina-Regierung auf Grund des stetig wachsenden Budgetüberschusses auf 5,739.489 Pfund. Damit sind die Reserven etwa um 180.000 Pfund höher als der gesamte Geldumlauf. Die Konferenxen vor dem Kongreß

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