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Die Stimme · 1935-08-20 · Heft 476 (20.8.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 476 (20.8.1935)
Date
1935-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIB STIMMI Nr. 476 — 20. August 1935 Huch Polen Mills und bequem Fnsere nächsten Re'sen erfolgen am 11.. 18. und 25. August. Rückfahrten am 1. und 15. September D-ZUge. Pollmwapii and reservierte PIStze Reisebüro „IN DIE WELT" IX., Liech’ensteinstraße 2 — Telephon A 14-504 Selbstverständlich ist es diesen Unglücklichen nicht gestattet, mehr als 10 Mark von ihrem Vermögen ins Ausland zu nehmen. Einem Staatenlosen, der 10 Mark hei sich hatte, wurde an der Grenze der ganze Retrag weggenommen, es wurden ihm nicht einmal die 10 Mark gelassen. Man erführt, daß alle i n a u s L e i p z 5 g etwa 60 Personen wegen Rassenschande im Konzentrationslager ßchmaclitcn müssen. Es ereignen sich hei der Jagd nach Rasscn- «chändern oft grau c n v o 11 o T r a g öd i e n. Von der Hetze werden auch langjährig miteinander Verheiratete betroffen. F a mi 1 i e n w erden von he n t e a uf m o r g o n a n s e i n a n d e r g e r i s s e n. Kinder werden einer ungewissen Zukunft nnsgetsetzt. Billig Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch; Reisebüro „ln die Wett“ IX., Licchtensteinstr. 2, Tel. A 14-504 Nach Streicher — Schacht iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 42 Kolonien zahlen 800,000 Pfund an den Keren Hajessod zurück Jerusalem, 18. August. (2. T. A.) Pas Direktorium des Keren Hajessod hat soeben ein Abkommen mit 42 Kolonien in PaiäM’mi getroffen, demgemäß dio Kolonien sich verpflichten, von den 1,250.000 Pfund, die der Keren Hajessod in sie investiert hat, eine Summe von S00.000 Pfund zu rückzuzahlen und mit diesen Zahlungen sofort zu beginnen. Die deutschen Juden hoffen auf den Kongreß Berlin, 11. August, (2. T. A.) Die soeben erschienene erste Nummer der rJüdischen Rundschau” seit Aufhebung des [Verbotes führt im Leitartikel aus: Die Ju- 'denfrage ist als Weltproblem anerkannt. Es handelt ßich darum, alle Kräfte zu sammeln, die bewirken können, daß Palästina mehr Juden auf nimmt-, und daß diese auf dem Land angesiedelt und mit dem Boden ver- Mmrzelt werden können. In diesem Sinne ■werden auch die Zionisten Deutschlands ihre Forderungen und Vorschläge an den Kongreß stellen, und sie sind sich bewußt, daß sie dabei ale Vorkämpfer aller Juden in Deutschland handeln, ob sie sich zum Zionismus bekennen oder nicht. Kein Jude - in Deutschland dürfte abseits stehen, wo der einzige konzentrierte Versuch, Juden ah ein neues Leben zu führen, gemacht wird. jWas gibt es denn für die deutschen Juden außer Palästina? Es muß von diesem Kongreß die Initiative zu einer großen kolonisatorischen Tat ausgehen. Eine neue Emigration - Eine neue Welle der Emigration ergießt eich jetzt aus Deutschland in die benachbarten Länder: die Emigration der „Rassenachänder“. Die von den zentralen Parteistellen in Deutschland systematisch betriebene Propaganda gegen jede Art von Zusammenleben zwischen Ariern und Juden hat ein böswilliges, Sensations- und tumultlüsternee Denunziantent u w erzeugt. So werden nicht nur ■ Personen, die wirklich in einem intimen Verhältnis mit andersrassäigen Partnern loben, zur Anzeige gebracht und damit der Schutzhaft und dem Konzentrationslager ausgeliefert. sondern auch jede freundschaftliche und kollegiale Beziehung zwischen Juden und Ariern verschiedenen Geschlechtes wird zum Gegenstand der Denunziation und Hetze gemacht. Nachdem diese neuen Aktionen des Nationalsozialismus es bewirkt haben, daß mehrere gemischtrassischer Beziehungen verdächtigte Personen es vorzogen, über die Grenze zu gehen, anstatt ins Konzentrationslager wandern zu müssen, sehen nunmehr offenbar die Behörden selbst in dieser Aktion ein wirksames Mittel, ihnen unerwünschte Personen auf dem Wege über die Rassenhetze loszuwerden. Es sind mehrere Fälle vorgekommen, daß zum Beispiel jüdische Staatenlose, gegen die gar nichts vorlag, man also eine Handhabe zu ihrer Ausweisung nicht hatte, jetzt kurzerhand verhaftet werden, wobei ihnen erklärt wird, daß sie der Rassenschändung verdächtig seien und Gefängnis von mindestens einem Jahr zu erwarten hätten; man setze sie aber in Freiheit, wenn sie e i n Geständnis der „Rassenschancle“ ablegen und freiwillig verschwinden. Ho kommt es, daß unter den in der letzten Zeit Uber die Grenze gekommenen „Rasseuschändern“ sich viele Staatenlose befinden, denen in den deutschen Gefängnissen falsche Geständnisse abgepreßt wurden. Einigen von ihnen gelang es, D ok u m f: n t o u n d A k t e n über ihren Fall mit über die Grenze zu bringen, aus denen diese Praxis der Behörden einwandfrei festzustellen ist. In einzelnen Fällen konnte festgestellt werden, daß dio Gestapo-Beamten den verdächtigten Staatenlosen Grenzscheine ausstellen ließen, nur um e** den Staatenlosen zu ermöglichen, die Grenze zum anderen Staat zu passieren, Nach dem blutigen Sadisten Streicher, der am Donnerstag abends in einer Berliner Massenversammlung seine Pogromideen entwickelte, hat am Sonntag der Reichwirts e ha f t s ni i nis te r un d R e i el is ba nk p rä-sMent Dr. Sc h a c h t. in Königsberg zur Judenfrage Stellung genommen. Er ist. vorsichtiger und gemäßigter als der Nürnberger Mordhetzer, .aber im Wesen ebenso radikal wie dieser. Die Vernichtung der Juden stellt auch Sehacht als das Hauptziel hin; aber weil dies so wichtig ist, kann die Lösung der Frage nicht durch ungeregelto Einzelaktionen erfolgen, sic muß der staatlichen Führung überlassen bleiben. Die staatliche Führung ist Hitler, Hitler ist Streichers Freund und Auftraggeber und ao ersieht man aus Schachts Rede, daß das Dritte Reich zwei Konzepte für die „Lösung der Judenfrage“ besitzt, die es je nachdem anwendet. Dio Taktik wird immer den Erfordernissen der inneren und äußeren Politik angepaßt. Das Ziel bleibt und Schacht sagt nichts anderes als Streicher. Man muß bei der nationalsozialistischen Offensive gegen das Judentum drei Gesichtspunkte unterscheiden. Der Kampf richtet sich erstens gegen den politischen Einfluß der Juden, zweitens gegen ihre wirtschaftliche Existenz und schließlich drittens, und dies stets im Vordergrund, gegen dieRassenvermisehung. Der politische Einfluß der Juden ist seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erledigt, auch wirtschaftliche Machtpositionen haben Juden nicht mehr in ne. . Von einer Beeinflussung der Wirtschaftspolitik durch die Juden kann keine Rede mehr sein. So steht heute die Rassenideologie bei dem Judenproblem, wie der Nationalsozialismus es sieht, im Vordergrund. Einer geistigen Rassenmischung ist der Boden durch die bestehenden Gesetze bereits entzogen worden. Die jüdische Betätigung in Literatur, Presse und Kunst ist ausgeschaltet. So weit noch Reste bestehen, wird auch hier vorgegangen. Bleibt nur noch übrig, die physische Seite des Problems in Angriff zu nehmen. Dieser Punkt führt jedoch zu tieferen Konsequenzen als es zunächst den Anschein hat, denn er reicht in die menschlichsten Bezirke hinein. Ein Gesetz, das Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden verbietet, ist natürlich leicht zu formulieren und zu dekretieren, aber seine Auswirkung ist in keiner Weise abzu- ■sehen. Es handelt sich für die Nationalsozialisten darum, eine vollständige Scheidung zwischen dem deutschen Volk und dem Judentum durchzusetzen. Das taktische Problem besteht darin, die behauptete Minderwertigkeit und Gefährlichkeit der Juden dem Volke klarzumachen. Aus dieser Überlegung erhellt sich die Art, wie die Propaganda gegen die Juden geführt wird und die im Grunde nichts anderes ist, als ein täglicher Hinweis und eine tägliche Anführung von angeblichen Beispielen jüdischer Verfehlungen. Auf diese Art will man auf die Einstellung des deutschen Volkes zu den Juden Einfluß nehmen und diese Parole gilt auch für Schacht. „Die Juden“ — sagt er —, „müssen sich damit abfinden, daß der Einfluß bei uns einfür allemal vobei ist. Wir wünschen unser Volk und unsere Kultur rein und eigen zu erhalten, wio es die Juden seit dem Propheten Esra für ihr Volk als Forderung jederzeit aufgestellt hatten.“ Schacht hat mit Nutzen die verschiedenen antijüdischen Kodizes studiert und so beruft er sich auf Esra, der die Reste des Volkes aus dem babylonischen Exil heimgeführt und um sie zu einem Volk zu entwickeln, radikalo Verfügungen getroffen hat. Aber er hat nicht ungeordnet, daß Nichtjuden in Konzentrationslagern zu sperren sind, er hat keine nichtjüdischen Kinder gemartert, er hat keine Beleidigungen gepredigt. Er ist ein ethisch reiner jüdischer Mann gewesen und kein Hakenkreoizler hat ein Recht, jh» zum Vergleich heranzuziehen. Streicher hat in Berlin Jesus Christus und seine Jünger aLs die SA und SS bezeichnet. Schacht geht noch weiter in der jüdischen Geschichte zurück, um irgend eine Rechtfertigung für dio Praxis dos Dritten Reiches zu finden, wobei er Einzelaktionen verwirft, „die eine schwere Beunruhigung der Wirtschaft bedeuten und die deshalb auch immer wieder von den staatlichen wie von den Parteiorganen verboten worden sind“. Das ist auch nicht wahr. In Franken verkauft man den Juden keine Lebensmittel, in Tilsit kein Brot.; dio Bäder dürfen Juden nicht betreten. In ganz Deutschland hängen die Plakate: „Juden werden hier nicht geduldet, die Juden sind unser Unglück, die Juden schänden die deutschen Frauen.“ Das sind Akte, die von Jen Behörden angeordnet wurden und dio nichts mit Bestrebungen zu tun haben zur Reinerhaltung der deutschen Kultur. Es mag sein, daß die Bevölkerung diesen von oben diktierten Befehlen nur langsam und widerwillig folgt. Dies gilt insbesondere für die katholischen Gegenden. Aber mit der Zeit wirken doch die täglich wiederholten Erzählungen von der Rassenschande. Folgt man der Rede Dr. Schachts weiter, so erkennt man, daß seine Art der Behandlung der Judenfrage womöglich noch weitergeht als die Streichersche Aufreizung. Schacht gibt im Anschluß an das Judentherna eine Darstellung der Wirtschaftslage Deutschlands, die den Bankerott schon ankündigt. Deutschland wolle ein Rechtsstaat bleiben, aber es könne seine Auslandschuldea nicht zahlen. Dio Mittel für die Rüstungen sind durch Vorgriffo auf eine spätere Dauerfinanzierung gedeckt worden, was nur durch das autoritäre Staatsgefüge möglich gewesen sei: Das heißt, daß der Staat eine unkontrollierte innere Vorschußwirtsohaft betreibt, wobei zugegeben wird, daß eine weitgehende Angst vor der Inflation besteht. Dr. Schacht erhebt wuchtige Anklagen gegen das System, aber er leitet sie mit dem Hinweis auf die Juden ein. Für die kommende Katastrophe ist der Schuldige bereits angezeigt. Es ist der verhungernde, gefolterte Jude, der seit 1933 nicht mehr im Wirtscliaftsprozoß steht. . . Die Vorgänge in Danzig Der polnische Generalkommiss ar für Danzig übergab dem Danziger Senat eine ausführliche und Bcharfe Note in Angelegenheit des Pogrome auf jüdische Kaufleute währe n dderDanzig er Messe. In der Note wird ausgeführt, daß die Mehrzahl der mißhandelten, ausgeraubten und durch Warenzenstörung geschädigten Kaufleute polnische Bürger sind. Es habe sich um einen organisierton Überfall auf die jüdischen Kaufleute gehandelt, die Angreifer erschienen in Lastautos in einer Stärke von 150 biß 200 Mann. Die Autos und riie Insassen trugen r e i c h s d o u t s c h o Zeichen. Unter den Angreifern befanden sieh auch Polizei agenten. In der Note wird fustgesteilt, daß die von den angegriffenen Händlern alarmierte Polizei auf dio Vorgänge überhaupt nicht reagiert und in mehreren Fällen sogar die Überfallenen mit Worten, wie „verfluchto Juden“, „verfluchte Pollacken, wenn es euch hier nicht gefällt, so geht nach Warschau!“ beschimpft hat. In einem Fall konnte festgestellt werden, daß der wacheeteheude Polizist selbst die Pogronileute zu weiteren Taten ermuntert hat. Die Note neunt eine ganze Reihe der Angreifer bei vollem Namen und stellt fest, daß oh sich in der Mehrzahl um natioiiaLsozialistiselio Kaufloute handelt. In der Note wird der Senat aufgefordert, die Schuldigen unnachsichtig zu bestrafen und die jüdischen Kaufleute zu entschädigen. Weiter wird auf das wiederholte Verbot dos „ßaazigej: Echo“ fcingewieöen2 weiches iihos die Vorgänge vorsichtig berichtet hat. Es wird festgestelit, daß die Polizei überhaupt k e i n e B e r i c h t e r s t a 11 u n g über antisemitische Hetze iti Danzig zuläßt. Seit diesem Pogrom hat die Hetze gegen die jüdischen Kaufleute nicht anfgehört, wobei es immer deutlicher wird, daß es sich um eine organisierte Aktion n a t i o n a 1 s o z i a- 1 i ß t i s c h e r W i r t s c h a f t s k r e i s e gegen unbequeme Konkurrenten handelt. Vor jüdischen Geschäften werden clie Kunden photographiert mul die Photos sodann mit beschimpfenden Aufschriften in den „SLiirmer“-Kiisten aufgehängt. Die Danziger Behörden unternehmen nach wio vor nichts gegen diese Hetzpropaganda. Die innere Lage der Juden in Deutschland Die Jüdische Telegraphen-Agentur berichtet, daß infolge der letzten Ereignisse in Deutschland eine bedeutsame Annäherung zwischen den Zionisten und Nichtzio niste n sich vollzogen hat. So wurden unter anderm dio Differenzen hinsichtlich der Leitung der Berliner Jüdischen Gemeinde gütlich beigelegt. Diese Am näherung scheint sich in dem Sinne volln zogen zu haben, daß auch die N i c li t- Zionisten nunmehr Palästina als die einzige Zuflucht der deutschen Juden in ihrer jetzigen verzweifelten Situation an* sehen. Für die jüdische Einwande* rung in Syrien Jerusalem (Päloor). Die in Beirut erscheinende Zeitung „AL riad“, das Organ der Maroniten, veröffentw lichte einen Artikel über die jüdische Ein* Wanderung nach dem Libanon. Die Bewohn ner des Libanon — so schreibt das Blatt —• beten tagtäglich um Einwan den r u n g v o n Juden, damit die schrecklich© Not gemildert werde, in der sich die dortige Bevölkerung befindet. In dem gleichen Artikel werden diejenigen Zeitungen, die sich* gegen die jüdische Einwanderung aussprechen, scharf angegriffen. Der „Alriad“ er* klärt eeine Bereitschaft, für die Interessen des Zionismus einzutreton. Die Maroniten — so schreibt die Zeitung] weiter — begrüßen die jüdische Einwanderung; sie betrachten die Juden als ein Volk, das Kultur, Energie und Kapital ins Land bringen und imstande sein werde, die wüsten Gebiete des Libanon in Land, wo Milch und Honig fließt, zu verwandeln. Erhöhung des Einfuhrzolles für Seide Jerusalem (Palcorj, Die palästinensische Regierung beabsichtigt, in der nächsten Zeit den Einfuhrzoll für Seide, insbesondere für billige Qualitäten, die meistens aus J a pan stummen, zu erhöhen, um dadurch dio Lago der palästinensischen. Seidcnindustrio zu erleichtern. Die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt und der „Club Erez“ sprechen ihren Gg. Gesohwißter Teich zum Ableben ihres Vaters des Herrn MomMMs.IL ihr aufrichtiges und tiefgefühltes Beileid aus. Im Frauen- und Herzheilbad Tatzmannsdorf, das während der Hoohsuisou bis auf das letzte Plätzchen ausgefüllt war, beginnt am 25. August dioNachsaison, während welcher dio Pensionspreise und die Preise für die Kurbehelfo eine bedeutende Ermäßigung erfahren. Auch heuer wurde dieser Kuroit neben seinen langjährigen Stammgästen von einer Reilio prominenter Persönlichkeiten bosucht, die sich über die Zweckmäßigkeit der renovierten Anlagen über* aus lobend geäußert haben.

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