Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 475 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 475 — 16. 'August 1935 DIE STIMME Sette 5 I. bis 7- September 1935 (Rotunde bis 8. September) BEDEUTENDE FAHRPREIS- ERA1ÄSSIGUNGEN! Messeausweise a S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, VII., Messepnlast. — Eintrittskarten (zum einmaligen Besudi der Rotunde oder des Mcssepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. Dr. Hugo Bergmann Gast• Professor in New York Dr. Hugo Bergmann, Professor der Philosophie an der Hebräischen Universität zu .Jerusalem und früherer Leiter der Universitätsbibliothek, hat eine Berufung an die New School of Social Research in New York erhalten und wird dort ab März 1936 ein halbes Jahr lang Gastvorlesungen halten. Der italienisch-jüdische Forscher Baron Franchetti Rom, 12. August. (2. T. A.) Der bei dem Flugzeugunglück in der Nähe von Kairo zusammen mit dem italienischen Arbeitsminister umgekommene Baron Raimondo Franchetti, ein berühmter italienschcr Forscher und ensto Autorität in Fragen Abessiniens, war Jude und mit den Rothschilds verwandt. Er war ein Sohn des Komponisten Baron Alberto Franchetti, dessen Mutter die Baronesse Louisa Rothschild war. Franchetti lvat testamentarisch verfügt, daß er in der Erde Afrikas, und zwar in As sab (Eryhhräa), bestattet werde, wohin er die sterblichen Reste des italienischen Forschers Kapitän Giulietti gebracht hatte, die er, Franchetti, bei einer seiner gefährlichen Forschungsreisen aufgefunden hatte. Zurückweisung jüdischer Kinder aus polnischen Volksschulen Aus sehr vielen Orten Galiziens treffen Mitteilungen ein, daß jüdische Kinder summarisch aus den polnischen Volksschulen mit der Begründung des Raumin a n g e 1 s zurückgewiesen werden. Es scheint, daß die betreffenden Schulbehörden eine Art Numerus clausus für jüdische Yolksschulkinder einführen wollen. In jüdischen Elternkreisen herrscht darüber große Aufregung. In Galizien existieren nur sehr wenig hebräische und jiddische, wie überhaupt speziell für jüdische Kinder einge richtete Volksschulen, so daß diese auf den Besuch der Staatsschulen angewiesen sind. mittelbar neben Moscheen, ohne daß es zu Störungen kommt. Nur russische Flüchtlinge seien Beschränkungen in bezug auf Dauer und Ort des Aufenthaltes unterworfen. Dieser Erklärung des afghanischen Konsuls stehen Aussagen zahlreicher jüdischer Flüehlingo aus Afghanistan gegenüber, die die Position der Juden in diesem Lande als sehr gef ä h r d e t darstellen. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦■»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ [„SCHWEDEN- PLATZ CAIFE SILL Herzl oder Jabotinsk; Die Lage der Juden in Afghanistan Der a f g h a n i s c h e Konsul in Born bay, A. Rah man, tritt in einer dem JTA-Ver freier übergebenen Erklärung den in letzter Zeit verbreiteten Meldungen über eine Zurück s e t z u n g der Judenin Afgh a- 11 i s t. a n entgegen. Alle afghanischen Untertanen ohne Unterschied des Glaubens, Hindus, Siks, Imitier oder Juden, würden völlig gleich b e h a n d e 11. An der Ausübung ihrer Religion würden sie in keiner Weise gehindert. Sie hätten vollkommene Gewissens- und Gebetsfreiheit, im Lande herrsche allgemeine Duldsamkeit. Die Regierung bekümmere sich nur um die Staatsangehörigkeit der Einwohner, Juden, clio afghanische Staatsangehörige sind, erfreuen sicdi derselben Rechte wie mohammedanische Afghanen. Wenn auch Afghanistan verfas suugsmäßig ein mohammedanisches Land ist seien alle Untertanen gleichberechtigt und es gäbe keine religiöse Intoleranz. Die wirtschaftliche Lago der jüdischen Bevölkerung sei im allgemeinen günstig. Die Regierung wisse den Anteil der Juden an der wirt seliaftlichen Entwicklung des Landes zu schätzen. Afghanistan würde unter dem etwaigen Verlust seiner jüdischen Bürger schwer zu leiden haben. Es gäbe reiche jüdische Kaufleute, die Grundbesitz und Häuser haben: in Herat stebea solche üß An allen Ecken und Enden werden die Werbetrommeln gerührt. Pressekonferenzen werden abgehalten, Flugzettel verschickt und Jugendliche lassen sich von ihren Bekannten und Fremden bestätigen, daß diese für den Judenstaat sind, der auch Transjordanien umschließen soll. Es wäre vielleicht interessanter, festzustellen, welche und wieviele Juden den Judenstaat zu beiden Seiten des Jordans nicht haben wollen. Eine derartige Volksbefragung findet aber nicht statt, aus dem einfachen Grunde, weil von vornherein feststeht, daß alle für den Judenstaat sind und — weil in diesem Falle der revisionistische Kongreß, der sich Kongreß der Neuen Zionistischen Organisation nennt., von jedermann als eine höchst überflüssige, ja noch mehr, als eine schädliche Institution zu erkennen wäre. Künftige Historiker des Zionismus werden einmal für die Geschichte unserer Zeit harte Worte finden. Da taucht eine Bewegung auf, die sich Revisionismus nennt, geführt von Jabotinsky, einem glänzenden Redner und Schriftsteller. Er akzeptiert durch seine Unterschrift das Weißbuch Churchills. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive Wladimir Jabotinsky erklärt sich mit allen Bedingungen der englischen Mandatarmacht einverstanden, mit Bedingungen, die uns an Hä nden und Füßen gefesselt haben und uns in ewiger Sorge erhalten. Dann läuft er gegen die von ihm gutgeheißenen Hemmnisse der Staatswerdung Sturm, weniger aber gegen England als gegen die Zionistische Weltorganisation, die Trägerin des Judenstaatsgedaukems. Es ist bekannt, daß Jabotinskys Politik ständigwechselte. Einmal war für Jabotinsky die Stunde gekommen, in der er in der Lage war, die Geschichte der zionistischen Bewegung entscheidend zu beeinflussen. Das war in Basel im Jahre 1931 beim 17. Kongreß, als er mit Vehemenz gegen den Defaitismus der damaligen Exekutive auftrat. Der Erfolg winkte ihm damals, denn auch die Allgemeinen Zionisten der Gruppe B und die Misrachisten verurteilten die Politik der damaligen Exekutive. Jabotinsky aber wurde der Größo des Augenblicks nicht, gerecht. Er zerriß die Delegiertenkarte der von Theodor Herzl geschaffenen Zionistischen Weltorganisation und verließ den Kongreßsaal. An diesem Tage begann trotz äußerlicher Erfolge der N i e d e r g a n g des Re v isionismus. Am 18. Kongreß spielten die Revisionisten keine Rolle mehr, weil sich Jabotinsky immer mehr durch die Beschlüsse von Kattowitz und Calais in eine politische Sackgasse verrannte. Je lauter das Geschrei der Revisionisten, je unjüdischer ihre Kampfmethoden waren, desto bedeuitungisloser wurde der Revisionismus. Selbstgefällige und hochtrabende Reden, Massenaufzüge und Kongresse befriedigen die Schaulust, können aber über die innere ideologische Leere des Revisionismus nicht hinwegtäuschen. Weder die Judens t a a t s i d e e noch der Kampf gegen den Marxismus in der Arbeiterschaft Palästina sind revisionistisches Gedankengut. Wenn der Revisionismus einigen Zulauf hat., dann ist das eine Folge der seelischen und wirtschaftlichen Depression im jüdischen Volk. Das Volk wird aber bald Jabotinsky die Wechsel präsentieren, die er nicht einlösen kann. Die Zeche wird dann jener Teil des jüdischen Volkes bezahlen, der an Jabotinsky geglaubt hat, so wie einmal Juden an Sabbatai Zewi geglaubt haben. Jabotinsky kann beim besten Willen nicht über die Tatsache hinweg, daß einzig und allein dieJevish Agency die im Mandats vertrag a n e rkannte Vertretung des j ü d isehen Volkes ist. Jabotinsky kann noch weitere Petitionen mit blamablen und für die Judenstaa.tsiidee schädlichen Ergebnissen an den Völkerbund richten, er kann noch peinlichere und das Judentum noch mehr beleidigende Anekdoten, wie die Kol- Nidre-Geschichte bei seiner letzten Wiener Rede erzählen, er mag das Feuer seiner Beredsamkeit noch steigern, kleine und große politische Kinder mögen ihm noch eine Zeitlang zujubeln — all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Revisionismus verdorrt. Er muß verdorren, weil er im luftleeren Raum kämpft. Er wird weiter Gegner suchen und wird sie — in seinen eigenen Reihen finden. Heute gibt es schon offizielle und nichtoffizielle „Schattierungen“ im Revisionismus, morgen werden es Parteien sein. Jabotinsky wird die Geister, die er gerufen hat, nicht los werden. Da wird in Wien demnächst der erste Kongreß der Neuen Organisation stattfinden. Man spricht von hunderttausenden Wählern. Das ist eine billige M i t g 1 i ed urwerb u n g. Man unterschreibt einen Zettel, daß man für den Judenstaat ist und hat noch gratis das Vergnügen der Wahl. Wer sind die Wähler des Herrn Jabotinsky? Wir möchten sie nicht im ABC des Zionismus prüfen. Und noch eines: Warum ist Herr Jabotinsky mit seinen II und e r 11aus e nde 11 von Anhä ng 0 r 11 n 1 ch t mit d e m Schekel in cl e r II a 11 d bei unseren W a h 1 urnen erschiene 11? Er hätte doch den Kongreß erobern und den Machtwahn der Linken in Palästina „brechen“ können. Das ist aber schwerer, als sich selbst zu beräu ehern. V e r a 11 t w 0 r t u n gs v 0 1 1 e 1 wäre es gewesen, in der von Herzl geschaffenen Organisation diszipliniert und nicht mit 1111 jüdischen Mitteln den Kampf auszu fechten. Verantwortungsvolle] wäre cs gewesen, in dieser Zeit, wo das jüdische Volk seelisch und wirtschaftlich niedengekniippelt wird, mit zusammen gebissenen Zähnen bei der Stange zu bleiben und nicht davon zu laufen und Reden zu halten, während die anderen opfern und arbeiten! Die zionistische Bewegung erlebt jetzt ihre bittersten Stunden. Nicht etwa deswegen, weil Jabotinskys Neue Organisation ihr den Rang streitig machen könnte. Das kann und wird nicht geschehen. Bitter sind diese Stunden nur, weil hier nutzlos Kräfte angespannt, Energien entladen und Extremismen hauptsächlich in der Jugend hochgezüchtet, werden, die bei dem unvermeidlichen Zusammenbruch der Politik Jabotinskys seine Anhänger zur Verzweiflung treiben wird. Deswegen sehen wir iii Bernard Lecache: Die Rolle der Deutschen beim Pogrom in Constantine Der Präsident der Liga zur Abwehr des Antisemitismus, der bekannte französische Publizist Bernard L e c a c h e, der augenblicklich in Wien weilt, teilte Wiener Journalisten' über die Stellung dos französischen Volkes zum Antisemitismus folgerndes mit: Die Liga zählte bei ihrer Gründung in Paris 11 Personen. Heute verfügt sie über Zweigstellen in der Schweiz, in Belgien, in der Tschechoslowakei, in den Vereinigten Staaten, in Ägypten usw. Das französische Volk kennt keinen Rassenhaß und wird ihn nie kennen. In A1g e r i e n, in der Stadt Constantine, wo es vor einem Jahr einen Pogrom gab, könnt 10 n die. liigäj einwandfrei feststellen^ daß diese | ausgab. Ausschreitungen v 0 n d e u t s c li e n Nazi Provokateuren a n g e z e 11 e 11 waren, die im Aufträge des Propugandaministeriums einige völlig mittellose Araber hiezu bearbeiteten. Die Provokateure wurden von unseren Mitgliedern g e n a u e r u i e r t. Der damalige französische Innenminister, der die Untersuchung auf unsere Intervention hin an Ort und Stelle leitete, hat mir die Richtigkeit der Angaben bestätigt. Bo teiligt an dieser Hetze war außerdem ein ge wisser Henry L a u t i e r, ein mehrfach vor bestrafter Hochstapler, der mit deutschem Gehle ein judenfeindliches Blatt „Tam-Tam‘ in französischer und arabischer Sprache her Pflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahnpasta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. WZ 11111] m i»ü! Kleine Tube S —SO Große Tube S 1.40 Jabotinsky eine tragische» Figur, deswegen bangen wir vor der Zukunft. Aber doch ist die Zeit zu ernst dazu, daß wir gaffend stehen bleiben und Herrn Jabotinsky zuhören könnten, bei seinen Verammlungen oder bei seinem Kongreß. Wir Ein hervorragendes Mittel zur Körperpflege, insbesondere für Frauen und Kinder an HeiBen Tagen zu Abreibungen (Massagen) vor und nach dem Waschen (Baden), als Zusatz zum Wasch- (Bade-)Wasser, auch bei Fußbädern, ist der altbekannte DIANA- Franzbranntwein mit Menthol. Wirkt kUhlend, erfrischend, belebend, behebt SchwelBplage u. Schweißgeruch, verbittet den häßlichen Fettglanz des Gesichtes, leistet auch zur Mund- und Haarpflege die •wertvollsten Dienste. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA“ und nehmen Sie nur „DIANA*' — Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. — In jedem besseren Geschäft erhältlich. haben besseres zu tun. Wir müssen gegen die Auswüchse des Parteihaders in unserer Organisation ank ä m p f e n, geigen Klassenhaß und Terror. Wir wollen das eigene Haus bestellen. Wir wollen unsere Diskussion über den Revisionismus auf das Nötigste beschränken. Wir wollen lieber praktisch ö Aufbauarbeit leisten, für uns und — für die Revisionisten, die früher oder später mit oder ohne Jabotinsky den Weg zurück in die von Herzl geschaffene Organisation finden werden. An uns liegt es auch, von Mann zu Mann aufklärend zu wirken und unser© Organisation zu stärken. Wir müssen bereit sein, die Auffangorg-anisationfürdie Enttäuschten zu sein, di e von J ab 01insk y zu Theodor Herzl z u r ti c k k e h r e n werden. Gerade den! österreichischen Zionisten fällt Mer eine besondere Aufgabe zu. Von Wien aus hat der Zionismus seinen Sieigeszug angetreten. Hier hat Theodor Herzl gewirkt. Wir hüten sein Grab und die von ihm geschaffene Organisation. Wir hüten Herzls unvergängliches Gedankengut von der Einheit des jüdischen Volkes und wir lassen uns nicht irre machen. Das Problem heißt nicht, wie so gerne die Revisionisten behaupten: Für oder gegen Herzl. Das Problem heißt: „F ü r Iierzl oder für Jabotinsk y“, und wir sind dessen sicher: ln diesem Kampf wird Theodor Herzl siegen. Jeden Sonntag nach Polen und Czernowitz; Abfahrt 18., 25. Aug„ 1., 8. Sept.; Rückfahrt l.t 15. Sept., 21. Okt. „Franeopol“, 1H., Reuuweg 1, Tel U 16-4-90 (im Gebäude des poln. Konsulats), Strohwitwer, Achtung! Mittags und abends reichhaltige Menüs im schönen, schattigen Garten des Restaurants Stefanie. EL Taboratraßa Nr. 12, 1