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Die Stimme · 1935-08-09 · Heft 473 (9.8.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 473 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 173 — 0. Anglist 1035 EINZIG IN WIENIII rein seiden Herren fiemden nur beste paßform g,° i c «lies für den Urlaub billigst bei E R G M A N N, I., RABENSTEIG 3. U 20-709 HIMMELPFORTG. 5, R 85-8-84. K0LLNERHOFG. 1, R 86-8-99 Wir bitten, sieh bei Jedem Einkauf auf unser Blatt zu berufen unter an denn auch auf den im „Aufbruch“ ke-rung semitischen Ursprungs wegen ihrer vom 1. Juli 1935 erschienenen Artikel Rasse und Religion auf gehetzt wird, was „Rasse und Kultur“ Bezug genommen, in welchem „offen zum Haß gegen die Bevölein Charakteristikum NSDAP, ist“. der aufgelösten Die Militärdienstpflicht der Juden wir worden es können, denn wir haben keinen anderen Ausweg. Wie viel Geld verlieren die Juden in Polen, in Deutschland und in vielen anderen Ländern, ohne dafür etwas zu erhalten? In Palästina hingegen bekommen wir dafür ein nationales Heim, und wer ermessen kann, was das für ein verfolgtes Volk bedeutet, wird verstehen, daß diese Werte nicht in Geld aus- oder um gerechnet werden können. Wie ich schon ausgeführt habe: Wir können an die Palästina-Frage nicht mit dem Maßstab eines Börsenmannes, der in Münzen zu rechnen gewöhnt ist, herantreten, und nicht derjenige, welcher mehr zählt, ist der Gepriesene. Zum Schlüsse möchten wir die Kritiker bitten, folgendes in Betracht ziehen zu wollen: Unser Jisc.huw ist noch jung. Vieles in ihm ist noch im Entstehen begriffen, deshalb ist die Zeit noch nicht da, unsere Arbeit mit dem Maßstabe anderer Werke im Ausland, die ihre Organisierung schon vollendet haben, zu messen und zu beurteilen. Wir streben freilich darnach, einmal selbständig zu werden, aber vorläufig sind wir noch nicht frei, alles nach unserem Willen zu gestalten. Wir haben noch die Kontrolle der "Regierung. Wir leben inmitten der Araber, und wir Juden sind in der Minderheit selbst in Palästina und besonders in der arabischen Welt, die uns umgibt. Man darf deshalb den Jischuw nicht wie etwas schon Vollendetes und Selbständiges unter die Lupe nehmen wollen. Wenn man von diesem Standpunkt aus Palästina betrachtet und seine Fragen mit dem Ernst, den ein nationales, kulturelles und wirtschaftliches Problem verdient, ansieht, dann sieht man einen sozialen Versuch entstehen, wie er noch nie in der Geschichte stattgefunden hat. Ein Versuch, der gelungen ist oder sieb auf dem Wege des Gelingens befindet. Ohne Geld und ohne Hilfe einer Regierung unternahmen es jüdische Chaluzim, ein Land zu bauen, und sie errichteten Siedlungen, Dörfer und Städte, wirtschaftliche und kulturelle Institutionen, schufen Fabriken und Handelshäuser, die Tausende und Abertausende ernähren. Dieses Riesenwerk entwickelt sich normal, es gibt dem Cäsar, was dem Cäsar gehört (Regienragseinnahmen) und gibt Arbeit, Verdienst und ein Leben in Ehren an mehr als 300.000 jüdische Menschen und ist im Begriffe, diesen^ Anfang des Nationalheimes noch zu erweitern und zu vergrößern bis zu seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Noch mehr, jeder Jude darf heute das Bewußtsein haben, daß es in der Welt einen Punkt gibt, der ihm gehört. Mit Stolz kann er sagen: Unser Land, unsere Chaluzim, und Tel-Aviv nennt er mit Recht „unsere Stadt“. Kann man denn das in Geld bilanzieren? Laßt ab von den kleinlichen Berechnungen! Kommt her zu uns mit Vertrauen in unsere eigene Kraft, kommt her, mit dem Willen, zu schaffen und zu gründen, dann werden wir schaffen und ein dauerhafter Erfolg wird unser sein. („Jüdische Preßzentrale Zürich“.) Neu renoviert! Gatters -rco-Restaurant Wien, VI., Schmalzhofgasse 12 MenU ä S11—, V50,1*80, 2’—, 2’SO, ä la carte billige Preise Altbekannte, gute Küche. Gute Bedienung. Kein Trinkzwang AUS DEM DRITTEN REICH Ein zweites Todesopfer des Berliner Pogroms Wie aus zuverlässiger Quelle aus Berlin gemeldet wird, ist Dr. K 1 e i n f e 1 d, ein Jude, der am 16. Juli bei den antijüdischen Ausschreitungen im Kurfürstendammviortel im Cafe Heßler überfallen und schwer verletzt wurde, jetzt im Krankenhaus gestorben. Prager deutsches Hetzblatt verboten Da» Landesamt in Prag die Herausgabe der periodischen Zeitschrift „Der A ufb r u c h“ verboten, weil aus dem Inhalte der Druckschrift ersichtlich ißt, daß sie den Zwecken der NSDAP, diente, deren Tätigkeit behördlich eingestellt wurde. — Die Zeitschrift wurde von Otto Karl Knahl in Prag, VII., Bubenska 19, vierzehntägig herausgegeben. Nach dem Muster der Nazipresse in Reichsdeutsclilaiid führte sie eine scharfe antisemitische Hetze. In der Begründung de« Verbotes der Zeitschrift wird Durch das neue Militärgesetz in Hitler- Deutschland werden die Juden zwar zur Musterung herangezogen, vom aktiven Dienst aber ausgeschlossen. Halbjuden können um Zulassung zum Waffendienst ansuohen, müssen aber auf jede Beförderung verzichten. Daß man trotzdem von ihnen voraussetzt, daß sie um das Recht des Waffendienstes bittstellig werden, läßt Schlüsse auf die Verwendung zu, die man den Vollblutjuden im Ernstfall zugedacht hat... Man hat in Preußen seit jeher skeptisch über die Eignung der Juden zum Soldatenhandwerk geurteilt. Im Jahre 1790 wurde ein Gutachten des Oberkriegskollegiums an das Generaldirektorium über diese Frage ausgearbeitet und darin erklärt, „daß die Juden wohl nicht für den Militärdienst brauchbar gemacht und dabei werden employiert werden können“. Aber der infolge der napoleonischen Kriege eintretende Mangel an Soldaten bewog die Verantwortlichen schließlich doch, statt theoretischen Erwägungen praktische Versuche zu wagen. So entstand das sogenannte „Emancipations- Edikt“ vom 11. März 1812, das den Juden die Gleichberechtigung gewährte und sie in die MilitärdienstpfJicht einbezog. Die Erfahrungen, die mit diesem Experiment gemacht wurden, waren für die Juden durchaus ehrend: Staatskanzler Hardenberg schrieb 1815: „Die jungen Männer jüdischen Glaubens isind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen und sie haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahr aufzuweisen.“ Eine vom preußischen Kriegsministerium auf Veranlassung des Ministers des Innern angestellte Untersuchung gelangte zu dem Ergebnis, „daß die Juden des preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; daß ferner insbesondere die jüdischen Religionßverhältnisse nirgends als ein Hindernis beim Kriegsdienst hervorgetreten sind“. Daraufhin dehnte eine Kabinettsordre vom Jahre 1845 die Militärpflicht der Juden auf das ganze preußische Staatsgebiet aus, während bis dahin in den nach 1812 an Preußen gefallenen Gebieten, besonders in den polnischen Teilen, die Juden das Loskaufungsrecht vom Militärdienst besaßen. Aber so liberal die preußischen Militärbehörden sich bei der Heranziehung der Juden zum Heeresdienst zeigten, so reaktionär erwiesen sie sieh, wenn es die Abstattung des Dankes an die jüdischen Krieger galt. So wurde den jüdischen Teilnehmern an den Freiheitskriegen (263 Freiwilligen neben 80 Assentierten) die bürgerliche Versorgung, die allen Freiwilligen versprochen worden war, nach dem Kriege verweigert. Nach dem Franzosenkrieg von 1870 bis 1871, in dem auf deutscher Seite zirka 6000 Juden teiluahrnen, von denen 448 fielen und 327 das Eiserne Kreuz erhielten, blieben die Juden in Preußen von den Offizierschargen ausgeschlossen, und ähnlich lagen die Verhältnisse in den anderen deutschen Bundesländern. Erst auf der blutigen Walstatt des Weltkrieges konnten zahlreiche Juden sich den Ofliziersrang erkämpfen — ue'1 das ist immerhin rühmlicher als das Umgekehrte und steht in groteskem Gegensatz zu der militärischen Karriere mancher Hakenkreuzgrößen, die im Kriege nur eine Subalternoffizierscharge erhielten, aber mitten im Frieden — nach der nationalsozialistischen Machtergreifung — zu Generälen avancierten und jetzt zum Teil in den phantastischesten Uniformen einherstolzieren. Und der Osaf, der oberste Vertreter des neudeutschen Heroismus, hat es in der blutigen Zeit, in der größter Bedarf an schneidigen Unteroffizieren herrschte, nur bis zum Gefreiten gebracht. In Österreich bescherte das Toleranzedikt Josefs II. von 1781 den Juden die Militärpflicht, der sie zuerst nur beim Train nachkommen durften. Vom Tode Josefs II. (1790) bie zum Jahre 1806 ruhte die Militärdienstpflicht der Juden. In den Freiheitskriegen kämpften viele Juden im österreichischen Heere, doch war ihnen damals die Artillerie verschlossen. Seit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der liberalen Ara stand den Juden der Offiziersrang offen. Im Jahre 1911 gab es in Österreich 1 jüdischen Feldmarsehalleutnant, 5 Generalmajore, 17 Oberste, 15 Oberstleutnants, 48 Majore und 1 Konteradmiral. In Frankreich werden die Juden seit 1791 ins Heer aufgenommen. Im Jahre 1808 dienten 797 Juden in der „Großen Armee“ Napoleons, 1912 standen 8 jüdische Generäle, 68 Majore und 150 andere Offiziere jüdischen Glaubens im französischen Heeresdienste. In Italien kämpften Juden seit der Erlangung der Gleichberechtigung im Jahre 1848 in der Armee und erreichten die höchsten Stellen. Gegenwärtig gibt es 11 jüdische Generäle im italienischen Heere. Unter den „Tausend“, die Garibaldi in Sizilien landete, waren 11 Juden. In England gedachte Wellington rühmend der vielen, ihm persönlich bekannten „verdienstvollen und ausgezeichneten jüdischen Offiziere, die in der Schlacht bei Waterloo mitwirkten“. Im Weltkriege hat England bekanntlich eine eigene jüdische Legion zur Eroberung Palästinas verwendet. Im ganzen britischen Reiche dienten im Weltkriege ungefähr 60.000 Juden, von denen 2324 gefallen sind. 5 Juden erhielten das Victoria Cross, die höchste militärische Auszeichnung. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika gab es keine Militärpflicht, trotzdem haben sich die Juden au allen Kriegen des Staates beteiligt. Schon den Unabhängigkeitskrieg gegen England (1763) haben 46 Juden, darunter 24 Offiziere, mitgemacht. Im Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd kämpften auf beiden Seiten 7257 Juden in den verschiedensten Chargen vom Gemeinen bis zum General. Auch im alten Polen gab es keino jüdische Militärpflicht, aber viele jüdische Kriegsfreiwillige. Im Heere Koscinskos focht ein ganzes jüdisches Regiment untor Führung von Ber ekJoselewiez tapfer für die polnische Freiheit. Rumänien behandelto die Juden bis zum Weltkriegsende als „Ausländer“. Um sie trotzdem zum Heeresdienst heranzuziehen, erklärte 1876 ein Gesetz auch jene „Ausländer“ für militärpflichtig, die sich nicht als fremde Staatsangehörige ausweisen konnten. Das traf nur auf die Judon zu. Dafür erhielten jene Juden, die an einem Krieg für Rumänien teiinalmien, das Recht der Nationalisation. Rußland hat sehr lauge — bis zum Jahre 1827 — gebraucht, bis es sich zur Aufnahme der Juden ins Heer entschloß. Dann aber ging cs um so radikaler vor, netzte sogar das Militärmaß für die Juden herab, um recht viele jüdische Rekruten zu bekommen, und suchte durch raffinierte Strafen der Desertion von Juden vorzitbengen. Obwohl dieses Mißtrauen der zaristischen Regierung gegen die Juden auf Gegenseitigkeit beruhte, waren die jüdischen Blutopfer in allen russischen Kriegen enorm. In der Roten Armee sind die Juden verhältnismäßig stark vertreten. Und während ihnen im zaristischen Heer — von einer kurzen Episode der Gleichberechtigung unter Alexander II. abgesehen — der Offiziersrang und der Beruf der Militärmusiker verschlossen blieb und für jüdische Militärärzte der Numerus clausus eingeführt wurde, stehen ihnen jetzt alle Chargen offen. Beh konz. Reolbüro ing.M.Mühlbauer Kau| und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredile Gebäudeverwallung it Büro.* Franz-Josefs-Kal 11 lei. R-25-0-44 Wohnung •. II., Vorgarlenslr. 150, Tel. R-41-8-88 Goebbels* Bolle im erneuten anti• jüdischen Kampf Auf dom Parteitag der NSDAP, in Essen hielt Reiohspropagandaminister Dr. Goebbels eine Rede, die klar enthüllte, daß das Propagandaministerium selbst eine hochaktive Rolle im erneuten antijüdischen Kampf einnimmt. Er kündigte ein Verbot der Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden an. Über die jüdische Frage sagte Goebbels wörtlich: „Wir haben mit schafsmäßiger Geduld die Überheblichkeit der Juden in den letzten zwei Jahren geduldet. Wenn die Juden auf dem K u r fürs t c nd a m m schreien, dann ist es von London bis Schanghai zu hören. Es hilft den Juden aber nichs, wenn sich die ausländische Presse für sie einset.zt. Wir kennen die Juden, wir kennen sie sowohl als Kommunisten wie auch als Bankiers und kennen daher auch alle ihre Tricks. Außerdem sind wir die Herren in unserem eigenon Haus.“ Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs AS 1*90 u. 2*60 Schwechater Brüll II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 Bückgang der füdlschen Erwerbs* tätigen ln Deutschland Nach Presseberichten ilber den Vortrag des Reiohsministers Heß in Stockholm sind in Preußen 33.500 jüdische Erwerbstätige in Industrie und Handwerk, 89.800 in Handel und Verkehr festgestellt worden. Wie die Statistische Abteilung der Reicbsvortretung der deutschen Juden hierzu miitteilt, beruhen diese Angaben mutmaßlich auf den Ergebnissen der Berufszählung von 1933. Vergleicht man sic mit den entsprechenden Ziffern aus dem Jahro 1925, so ergibt sich, daß rliio Zahl der Juden in Industrio und Handwerk bereits im Juni 1933 um fast ein Drittel z 11 r ü c kgogangen war, während dio Zahl für die Gesamtbevölkorung ziemlich konstant geblieben ist. Dio jüdischen Erwerbstätigen der Wirtscliaftsabteilimg Handel und Vorkehr nahmen um etwa 20% ab, während die entsprechende Zahl der Gesamtbevölkerung um über 11% stieg. Von 100 Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk waren danach 1933 nur noch 043 Juden gegenüber 0‘63 irn Jahre 1925. In Handel und Verkohr sank die jüdiseho Quote von 8-45% auf 2*46%. Zwangsverband fiidischer Kultur• biinde ln Deutschland Der Geschäftsführer der Roiohskullurkainmer Hans Hinkel hat den künstlerisch und kulturell tätigen Vereinigungen jüdischer Staatsangehöriger zur Aufgabe gemacht, sich bis zum 31. August 1935 im Reichsverband jüdischer Kulturbünde zusammcnzuschließen. Von dieser Maßnahme ausgenommen sind die jüdischen Schulen und die Kulturgemeinden religiöeer Art.

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