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Die Stimme · 1935-08-09 · Heft 473 (9.8.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 473 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 473 — 9. August 1035 OIE STIMME Seite 3 ssa SC UL JELcmb» was45m Von Stlroei°melster M I>ie „Jüdische PreßzentraJe Zürich“ veröffentlicht in ihrer letzten Nummer don folgenden Artikel von Meyer Dlzengoff, dem Bürgermeister von Tol-Aviv, der sich gegenwärtig zur Kur in der Schweiz aufhält. Es gab eine Zeit, da war Erez Israel als Heiliges Land sowohl für die Frommen wie für die Nationalen über jode Kritik erhaben. Man sprach von Palästina wie von einem Toten: entweder nur Gutes oder gar nicht. Glücklicherweise ist. diese Zeit vorüber. Das Heilige Land wurde auch zum Lande der Produktion und der Immigration. Wir sind froh über jede Kritik, möge sie noch so scharf sein. Aus der Kritik lernen wir Man gel zu beseitigen und Fehlerhaftes zu ver bessern. Aber eines müssen die Kritiker sich vor allem gesagt sein lassen: das Problem, welches gegenwärtig dom jüdischen Volko in Palästina gestellt wird, ist ein sehr kompliziertes und enthält wirtschaftliche, kulturelle, ideologische und nationale Komponenten. Es sind schwere Lebensfragen, die mit allen Fasern der jüdischen Seele und des jüdischen Geistes verknüpft sind. Jede Kritik muß daher ernst und umfassend sein. Jeder, der über Palästina zum Volk sprechen will, muß-vorher alle Seiten des Problems genau kennen lernen, muß alles, was den Gang der Dinge beeinflußt, untersuchen, muß das Erwünschte vom Möglichen unterscheiden können und dann erst seine Ansicht äußern. Leider gibt es gegenwärtig viele Touriätenreporter, die wie ’ im Flugzeug das Land überqueren, durch oberflächliches Lesen der Zeitungen oder durch einzelne zufällige Gesprächsbrocken sich ein Urteil bilden über die im Lande herrschenden Ansichten, hauptsächlich an der negativen Seite hafteu bleiben und dann in den Zeitungen sich also vernehmen lassen: Die Prosperity, das ist nur Schein und kein solider, dauerhafter Reichtum, die Spekula fcion hindert den Aufbau des Landes, die In- Herzen, dann gehet hin und Gott segne euch. Wer aber ängstlich und zaghaft ist, der bleibe, wo er ist und entmutige nicht die Wagenden.“ Seit Tel-Aviv besteht, kommen zu mir täglich Leute von Erfahrung und heben zu klagen an: „Ihr geht einer fürchterlichen Katastrophe entgegen, eure Häuser, die auf Sand gebaut wurden, werden einstürzen, denn die Gesetze der Statistik sind nicht zu besiegen. Ohne Brenn- und Rohstoffe könnt ihr keine Industrie schaffen, und in der Landwirtschaft wird der jüdische Bauer gegen den mit Wenigem begnligsamen arabischen Bauern nicht bestehen können.“ — Trotzdem und dennoch widerstehen unsere Häuser selbst einem Erdbeben, Industrie und Landwirtschaft entwickeln sich und das Land hat schon mehr als 300.000 Juden aufgenommen. — Aber, wir wollen einmal näher die Fehler und die Mängel, auf die die Kritik hinweist, betrachten. Die Spekulation — das ist der wunde Punkt. Gewiß, es Ist wahr, es gilbt eine Bodenspekulation im Lande, eine verwerfliche und übertriebene. Die ganze öffentliche Meinung lehnt sich dagegen auf, aber das befreit uns nicht von der Pflicht, diese Erscheinung zu untersuchen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Als die jüdische Einwanderung aus allen Ländern nach Palästina sich vermehrte und jeder sein Geld in unbewegliche Güter anzulegen suchte, wurde natürlich die Nachfrage sehr groß und das Angebot sehr klein, Dadurch stiegen die Preise der Plätze, der Häuser und der Gärten gewaltig. Solche Erscheinungen kommen in jedem Immigrationsland vor, und die Wissenschaft hat noch kein Mittel gegen diese Erscheinung gefunden. So war es auch in Südafrika und in Amerika. Ein großer Teil New Yorks ist von Spekulanten erbaut worden. Nur die Regierung könnte vermittels spezieller Gesetze gegen die Spekulation ankämpfen. Wir haben der Regierung ein Gesetz vorgeschlagen, wonach jeder Gewinn aus Bodenspekulation zwischen dem Verkäufer, der Regierung und der Stadt geteilt werden soll. Leider hält sich die Regierung an das Prinzip des „non interfeering“, des sich Nicht-Einmischens in wirtschaftliche Fragen; sie unternahm deshalb bis heute nichts gegen die Bodenspekulation. Indem wir die Schädlichkeit der Spekulation mit allen ihren negativen Folgen für das gesamte Kolonisationswerk erkennen, wäre es dennoch unrecht, zu sagen, daß nur die Spekulanten von der Prosperität Nutzen ziehen. Es muß zugegeben werden, daß dank der Spekulation die Bautätigkeit, von der mehrere tausend Arbeiter, Meister und Handwerker, sich ernähren, belebt und die Geldeinfuhr ins Land vergrößert wurde. Dank der Spekulation kamen Leute mit Unternehmungsgeist ins Land, die Gewerbe Handel und Industrie entwickelten und damit neue Ernäbrungsmöglichkeiten für alle Schichten des Volkes schufen. Es wird ge fragt: Warum zahlen die Juden so hohe Preise für die Grundstücke? Haben sie denn nicht so viel Verstand, zu berechnen, daß ein Haus bei diesen spekulativen Platz preisen und bei dem hohen Preis der Roh Stoffe und der Arbeitslöhne nicht rentieren kann? Wie es scheint, wollen sie den Rest ihres Geldes vor Vernichtung retten. Viel leicht fürchten sie auch, daß das Geld sei nen Wert verlieren wird. So verlieren die deutschen Juden 30 Prozent ihres Gelder, nur um es aus Deutschland hcrauszuführen. Ohne Zweifel werden viele heute, die spekulative Anlagen machen, zu Verlust kom- Wenn Raucher der Ver färbung der Zähne verbeugen wollen, denn hilf» nur die regelmäßige, täg liehe Pflege mit OOOt-Zehnpeete. [pfi Kleine Tube S —SO Große Tube 8 1.40 Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich im RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) U., TaborelraBe 12 Telephon K 46-6-57 Ausgiebige Braten-Menüs g 1*00 Geflügel .. 8MolyW sowie ä la Carte, Speisen am Rost Schöner staubfreier Garten dustrie hat keine Basis, da man doch alle Rohstoffe aus dem Ausland beziehen muß, die Stadt verschluckt das Dorf und dergleichen. Mit einem Wort: Palästina ist ein neues „Panama“, albjs trügt im Lande, und der Rückschlagsei unvermeidlich. Rette sich, wer kann! Zahlen und Statistik, das sind die Waffen dieser Kritiker, und damit, glauben sie, erobert man ein Land. Ich will einmal mit diesen Leuten einigo Worte in einer anderen Sprache und von einem anderen Gedankengang aus sprechen. Als Dr. Herzl zu Baron Hirsch kam, sagte er ihm: „Ich will Ihnen einen Plan für die Gründung eines Judenstaates in Palästina vorlegen. Ich habe weder Zahlen nceh statistische Daten, um Ihnen die Rentabilität der Sache zu beweisen. Ak0r die Welt wird nicht von Statistikern und Buchhaltern gebaut und geführt, sondern von den Phantasten. Wenn ein Volk sich eine Heimat erwerben will, stellt es keine Berechnungen auf, sondern singt nationale Bequeme Sommerreisen nach POLEN UND CZERNOWITZ Am il., 18. und 25. August Retour 1., 15. September und 2. Oktober in fahrplanmäßigen Schnellzügen. Verkürzte Reiaodnuer. Platzkurlennusgabe u. Anmeldung; Kelsebilro: „IRUT“ I., Karlsplatz 1, Mflrntuerstrafle 03 Referent: S. Rosenkranz Lieder und siegt damit.“ Als Sehmarjahu Löwin nach Amerika für den Keren Hajessod ging, bestürmte man ihn mit Fragen: Wie viele Juden können in einem Jahr nach Palästina aiwwandern; wieviel kostet jeder Kolonist; wer wird clie Arbeiter bei eventueller Arbeitslosigkeit ornähren u. dgl. Da antwortete ihnen Sehmarjahu Lewin in seinem bekannten Sarkasmus: „Ich spreche Ihnen von einem Nationalheim für das jüdische Volk und ihr kommt mir da mit jdeinlteken tfragem Ihr Mut in eure» Syrien und Libanon für jü‘ ätsche Kolonisation Auf Einladung der Regierung des Libanon begaben sich Palästina-Journalisten auf eine Exkursion in dieses Land. Hierüber läßt sieb der Redakteur de*> „Falastin“, Daud al I s s a, unter anderem wie folgt aus. Regierung und Bevölkerung des Libanon wünschen aus wirtschaftlichen Rücksichten eine Zusammenarbeit mit den Juden. In diesem Sommer weilen zahlreiche Juden zur Erholung im Libanon. E s Maturasdiul^Universum' Wien, IX., Gamisong. 3. Tel. A 20-4-48 Beginn neuer Tages* und Abendkurse am 1*. September tut mir leid, feetsteilen zu müssen, daß Volk, Presse und hohe Regierungebeamte im Libanon und in Syrien, auch syrische Mi nister, die mit den jüdischen Presseleuten zusammengetroffen waren, auf gute Beziehungen zu den Juden Gewicht legen und die Juden eingeladen haben, nach Syrien und dem Libanon nicht nur als Kurgäste, sondern auch alR ständige Einwohner zu kommen. Ich habe diesen Kreisen gesagt, daß ein solches Verlangen dem Nationalismus widerspricht und daß die Palästina-Bevölkerung mit Ausnahme der ihren Boden ver kaufenden Grundbesitzer unter der jüdischen Kolonisationsarbeit zu leiden hat. Dio hebräische Presse Palästinas berichtet über den Verlauf der letzten Sitzung des Kreisrates in Alexand rotte (Syrien) untor anderem: Als der Vertreter des französischen Hochkommissars für Syrien, Durieux, erklärte, die Regierung habe eich entschlossen, dem Levi-Konzera dio Konzession zur Austrocknung der Sümpfe in Antiochien zu verweigern, um politischen Konflikten aus dem Wege zu gehen, stieß er auf die sebarfo Opposition der Mehrheit der Ratsmitglieder. Man rief ihm zu: „Trotz dee politischen Charaktere der jüdischen Kolonisation widerspricht diese nicht unseren Interessen, aber die Kolonisierung von Armeniern und A s- Syriern bringt uns Schaden.“ Die Sitzung wurde abgebrochen, ohne daß der Antrag des Hochkommissars, einer französischen Gefseltschaft zur Anciedlung von Avqiontertt | und Assyriern eine Konzession zu erteilen f angenommen wurde. Vergrößerung von TdkAufu Der Jaffaer Distriktsrat für Städtebau hat seine grundsätzliche Zustimmung zur Durchführung des sogenannten „G r ü n b 1 a 11 - PI a n e s“ gegeben, durch den eine Erweiterung des Stadtgebietes von Tel-Aviv nach der Seeseite hin ermöglicht werden soll In dem Plan ist die Trockenlegung eines Meeresstreifens an der Küste bei Tel-Aviv in 1 Vs Kilometer Länge und 120 Meter Breite vorgesehen. Die Kosten für die Gewinnung dieses Landstreifens worden mit einer Million Pfund beziffert. Die „Grünblatt-Gruppe“ ist für den Fall daß ihr die wirtschaftliche Verwertung des neuen Terrains zugestanden wird, bereit, das für die Durchführung der Arbeit notwendige Kapital zu investieren. Der Bodengewinnungsplan der „Grünblatt-Gruppe“ war be reits wiederholt Gegenstand von Beratungen der Tel-Aviver Stadtverwaltung. Neue jüdische Siedlung In der Nähe der Kolonie R e c h ow o t h soll demnächst eine neue jüdische Siedlung ge schaffen werden, die den Namen „R amath Meir“, nach dem New-Yorker Zionisten Dr. Meir Rosoff, in Anerkennung seiner Verdienste um die landwirtschaftliche Anßiedlung amerikanischer Juden in Palästina, tragen soll. Dank den Bemühungen Dr. Rosoffs ist seinerzeit der Ankauf eineis Gebietes von 4000 Dunum in Palästina ermöglicht worden, auf dem amerikanische Juden seßhaft gemacht wurden. Außerdem hat Dr. Rosoff den Jüdischen Nationalfonds bei der Erwerbung von Grund und Boden für Landarbeiter-Randsiedlungen in der Nachbarschaft der amerikanisch-jüdischen Kolonien in Palästina unterstützt. Ach!*Meir In Freiheit Der Führer der palästinensischen Jung- Revisionisten, Abba Aehi-Meir, der im Juli 1934 im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen die Führer der verbotenen Organisation Brit Habirjonim zu 21 Monate Gefängnis verurteilt worden war, wurde am 4. August aus dem Gefängnis e n taisiA men; deshalb halten sich alle öffentlichen Anstalten von solchen Operationen fern, aber daraus den Schluß zu ziehen, daß da® ein nationales Unglück wäre, ist falsch. Sicher wird auch diese Psychose vorübergehen, wie verschiedene andere Psychosen und Kinderkrankheiten des Jischuw überwunden worden sind. Vielleicht wird eine partielle Bodenkrisis entstehen. Viele werden darunter leiden, ebenso wie viele in den Tagen der Prosperität reich wurden. Es wird aber wieder eine Beruhigung ein treten und das Wirtschaftsleben wird seinen normalen Lauf nehmen. Noch ein Wort bezüglich des Fehlens von Kohlen und Rohstoffen in Palästina. Nachdem wir billige Elektrizität und die Petrolreservoire in Haifa besitzen, ist es geradezu lächerlich, von einem Mangel an Brennmaterial in Palästina zu sprechen. Bezüglich der Rohstoffe wissen wir, daß die moderne Industrie von den lokalen Rohstoffen unabhängig ist. Einige Beispiele? In Triest arbeitet mit Erfolg eine Fabrik, die Reis aus Indien bearbeitet. In Belgien bestehen Fabriken für Stärke, die ihren Rohstoff — den Reis — aus überseeischen Wie die Maschine den Dampf, ko brauoht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. DIANA* Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll Jeder Dtana- Franzbranntwein ständig benützen. In Jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ and nehmen sie nnr „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind euer« gisch znrdekzaw eisen. Ländern beziehen. So kt auch in Ägypten eine Zigarettenfabrikation entstanden, obwohl dort weder Tabak angebaut noch Papier fabriziert wird. Die Seife in Sichern wird aus öi und kaustischem Soda, das aus dem Ausland importiert wird, fabriziert. In Gazah, Damaskus und Akko bestehen viele Tuchfabriken, die den Rohstoff — den Faden und die Farbe — aus dem Ausland importieren. Es fand sich ein Rechenkünstler, der es verstand, alles, was wir bis jetzt in Palästina erreicht haben, in Goldwert auszurechnen. Er verfährt folgendermaßen: Palästina, sagt er, hatte in der Zeit von 1920 bis 1935 eine passive Handelsbilanz von 2000 Millionen Franken. Der Wert der von uns erzeugten Güter beträgt 500 Millionen Franken, folglich hat das jüdische Volk 1500 Millionen Franken verloren. Nun, fragt er: Wird das jüdische Volk noch weiter in dieser Weise Geld nutzlos vergeuden wollen? Hier offenbart sich die ganze Seele dieses Kritikers. Er selbst gesteht zu, daß Palästina für uns heute wie die Luft zum Atmen nötjg ist, aber das Geld geht ihm trotzdem über alles. Trotz dieser Sein- oder Nichtsein-Frage kann er auf 500 Millionen nicht verzichten. Wird das jüdische Volk, fragt er noch weiter, Geld in Palästina verlieren ffCUiflß Gewiß, .wir wenden es wollen und

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