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Die Stimme · 1935-08-09 · Heft 473 (9.8.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 473 (9.8.1935)
Date
1935-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 478 — 9. August 1985 ""t’sHOTEL BELLEVUEN PORTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser, Vorzügliche inter nationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9‘- Hauptsaison .S12- Seebad und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / VerlangenSie Prospekte Vollkommene Entrechtung der Juden in Deutschland vorgesehen Prag, 7. August. (2. T. A.) Wie zuverlässig aus Deutschland gemeldet wird, soll auf dem vom 10. bis 17. September ln Nürnberg stattflndenden Parteitag der Nationalsozialisten die Verkündung de9 neuen Staatsbürgergesetzes er folgen. In unterrichteten Kreisen wird damit gerechnet, daß im Prinzip der bekannte Arierparagraph des Beamtengesetzes in das Reichsstaatsbürgerrecht übernommen werden wird; außerdem gilt es als sicher, daß Ehen zwischen Ariern und Nichtariern künftig in Deutschland gesetzlich untersagt werden. Die durch die Propaganda der Partei im Sommer entfachte neuerliche Judenhetze soll somit, anläßlich des Parteitages in Nürnberg, in der förmlichen und vollkommenen staatsbürgerlichen Entrechtung der Juden gipfeln. Es ist beabsichtigt, dem kommenden Parteitag das Gepräge des verstärkten Kampfes um die Ausmerzung der Juden aus allen Tätigkeiten in Deutschland zu geben. Unsere nächsten Reisen erfolgen am 11.. 18. und 25. August. Rückfahrten am 1. und 15. September D-ZDge. PDlImanwapn und reservierte Platze Reisebüro „SN DIE WELT» X., Liechtensteinstraße 2 — Telephon A 14-504 Die Probleme des 19. Kongresses Aufruf der Jüdischen Gemeinde in Danzig Danzig, 5. August. (2. T. A.) Die Leitung der Danziger Jüdischen Gemeinde veröffentlicht den folgenden Aufruf an ihre Mitglieder: Am 28. Juli sind auf dem Gebiet der Freistad t Danzig wiederum höchst bedauernswerte Ausschreitungen vorgekommen. Im Rahmen deT Sportfeier der SA. fuhren Autos mit judenhetzerischen Aufschriften durch die Stadt, aus den Autos wurden die Juden beleidigende Aufrufe geworfen. In Z o p p o t haben die deutschen SA.-Formationen m i t gezückten Dolchen judenhetzerißche Lieder gesungen und im Sprechohor judenhetzerische und die Juden beschimpfende Losungen auegestoßen. Wir bitten die Mitglieder unserer Gemeinde, überzeugt zu sein, daß die Verwaltung alles tut, um von der Regierung rechtzeitig Schutz gegen Ausohreitungen dieser Art zu erlangen. Die Erfolglosigkeit dieser Bemühungen stammt nicht daher, daß die Mitglieder der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde ihre Pflicht nicht erfüllen, sondern aus dem innerpolitischen Kurs der Regierung. Wir wenden uns an unsere Mitglieder mit dem Appell, sich angesichts solcher Ausschreitungen zu beherrschen und kaltes Blut zu bewahren. Wir müssen immer im Auge behalten, daß jede unserer Handlungen als „Provokation“ hingestellt werden wird. Anderseits soll man nicht vergessen, daß auch die Tatsachen ihre Logik haben. Auch die gegenwärtigen Vorkommnisse fallen nicht aus diesem Gesetz heraus. STROHWITWER I Ausgezeichnetes Mittag-Menü S 1’80 u. 2’50 “irr RESTAURANT BARSCH AK XL, Große SchJffgMM % xMit ßfdztorbrSoke (2. Fortsetzung.) 3. Die Hfstadruth Das Kernproblem des Kongresses ist das der Histadruth H a w o d i m. Da« gute oder schlechte Ergebnis des Kongresses wird davon abhangen, ob die Histadruth zu einem unpolitischen Dachverband verschiedener autonomer Arbeitergruppen umgewandelt wird oder nicht. Die Einstellung der Parteien zur Histadruth verdient festgeha.lten zu werden. Die Linken sind natürlich ihre begeisterten Verfechter. Kein Wunder. Besagt doch § 1 der Statuten der Histadruth, daß „Arbeiter“ nur der ist, der keinen anderen Menschen „ausbeutet“. Sc-hon aus diesem einen Paragraphen des Statuts geht der marxistische Charakter der Histadruth hervor, mehr aber noch : ”3 der Praxis. Der Beamtenstab der Histadruth besteht zu hundert Prozent aus verläßlichen Genossen. Die Histadruth ist — und darüber kann keinerlei Statistik hinweghelfen — mit der M a p a i (Mifleget Poalim schel Erez Israel) identisch. Ihre Abgesandten bearbeiten in d°r Galuth die Anwärter auf Zertifikate. Wenn der Zertiftkatbesitzer das Schiff besteigt, erwartet ihn ein Ab gesandter der Histadruth, und wenn der Einwanderer in Haifa a.n Land geht, muß er durch das Beth Olim, und dort erwartet ihn wieder ein Abgesandter der Histadruth. In Erez Israel selbst beherrscht die Histadruth den Arbeit smarkt und übt als große Unternehmerin, die Häuser, Straßen usw. baut, einen starken wirtschaftlichen Druck auf Industrie und Handel aus. Ein fein gesponnenes System von wirtschaftlichen Institutionen, Kreditkassen, Arbeiterbank, Konsumvereinen, Krankenkassa usw., verbunden mit der überragenden Machtstellung der Linken in der Exekutive, hält die Widerstrebenden in einem dauernden Abhängigkeitsverhältnis. Die Zionistische Exekutive wird heute vom Willen dee Generalsekretärs der Histadruth, David Ben Gurion gelenkt. Alles, was von der Histadruth aus geschieht, bereitet politisch den sozialistischen Zukunffcsstaat vor. Palästina steht heute im Klassenkampf, dessen Auswirkungen nicht abzusehen sind. Von der Histadruth wird das Vorhandensein des Klassenkampfes geleugnet. Nicht geleugnet kann die Tatsache werden, daß die linksradikalen Elemente in der Hißta druth die Oberhand gewonnen haben. Das beweist die Ablehnung des Friedenspaktes Weniger bekannt ist, daß die Histadrutli nicht einmal als eine zionistische Organisation angesprochen werden kann. Ihr gehören nicht nur die Mitglieder der M a p e i. sondern auch der radikal klassenkämpferisch eingestellte Haschomer Hazalr und darüber hinaus Antizionisten an, wie die „linken“ Paale Zion, ferner ajuch aus gesprochene Kommunisten. Über die „linken“ Poale Zion sagt ein sicher auch von den Linken anerkannter Autor, Walter Preuß, in seinem Buch „Die jüdische Arbeiterbewegung in Paläetin a“, 2. Teil, Seite 49: „Am Zionistenkongreß beteiligen sie sich nioht, ebenso nicht an den Arbeiten der sozialistischen Internationale, ohne aber der Moskauer Internationale anzugehören, zu der sie stark tendieren, die aber ihre Aufnahme ablehnte. Sie spielen in der Histadruth, deren Mitglieder sie sind, die Rolle der Opposition.“ Vom Haschomer Hazair sagt Preuss, daß er sich mehr und mehr selb ständig betätigt und gegen den demokratißchen Sozialismus Stellung nimmt. Das ist also das wahre Gesicht der Hißtadruth, die vom 18. Kongreß sozusagen heilig gesprochen wurde. Diese Histadruth mit ihren nichtzionistischen und kommunistischen Elementen hat vom Zionistischen Kongreß einen Freibrief für die Gestaltung der Arbeitßbeziehungen in Palästina bekommen. Das war nur möglich, weil die bürgerlichen Elemente über das wahre Wesen der HistadrutJi nicht informiert waren. Seit dem letzten Kongreß dämmert «s dank der Aufklärungsarbeit des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten in der öffentlichen Meinung. Der erste Erfolg der Demaskierung war oin Wutgeschrei über die „R e a k t i o u ä r e n“ und „Arbeiterfeind c“, die Versuche aber, die Hi&ta druth als eine „unpolitische“ Gewerkschaft hinzustellen, werden immer schüchterner Nun sind wir bei Rückzugsge'',nhten der Histadruth angelangt. Jetzt geht es um die „Erhaltung der Einheit der Hist a d r u t h“. Aber allenthalben ist die Notwendigkeit erkannt worden, daß der Terror der Histadruth gebrochen werden muß. Die Welt hat aufgehorcht, als 1200 jugendliche Allgemein-Zionistische Arbeiter in Palästina den Gewissenszwang und die systematischen Benachteiligungen nicht mehr ertragen konnten und aus der Histadruth aus traten und dar”* Not und Entbehrungen, Verzicht auf ärztliche Hilfe usw. auf sich nahmen. Diese i .ingen Menschen wollen nach ihrem Ideal, dem Ideal des Allgemei nen Zionismus, unter der blauweißen, nicht aber unter der roten Fahne leben. Die Wortführer im Kampf gegen den I r g u n der allgemein-zionistischen Arbeiter in Palästina waren beschämenderweiße — Allgemeine Zionisten. Daß sind Menschen eigener Art. Sie dienten der Linken als Sturmbook bei der Krakauer Kon f e r e n z. Es gibt unter diesen ex offo Verteidigern der Histadruth sicher auch Menschen, die den Kampf gegen den Irgun führen, weil sie glauben, was ihnen die Linken einreden. Eß ist charakteristisch, daß die englischen Allgemeinen Zio nieten, diie keine Jugendbewegung haben, hiebei die Wortführer und daß ihre ersten Sekundanten die Allgemeinen Zionisten der Tschechoslowakei waren, obwohl deren Jugend (Makkabi Kazair) kürzlich mit fliegenden Fahnen in die Kwuzoth Gordonia überging. Wohin die Politik Allgemeiner Zionisten führt, die alles aLs gut und schön finden, was die Linken in Palästina tun, daß beweist auch der Wahlmißerfolg dieser Richtung in der Tschechoslowakei und in Amerika. Ein Allgemeiner Zionismus, der nicht darangeht, seine Ideale durch seine Jugend in Palästina 'zu verwirklichen, ist zum Untergang verurteilt. Keinesfalls hat er das moralische Recht, der allgemein-zionißtißchen Jugend, die in Palästina nach ihren Idealen Innerhalb der Arbeiterfront leben will, in den Rücken zu fallen. Der Lebenswille der allgemein-zionistischen Arbeiter ist übrigens stärker als die Opposition der Linken und der mit ihnen verbundenen Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten. Der Irgun existiert und wächst ständig. Et ist eine Realität geworden, die weder geleugnet, noch durch Resolutionen aus dem Wege geräumt werden kann. Die Gegner des Irgun beginnen das auch schon zu begreifen. Der Irgun verlangt seine Autonomie in einem Dachverband aller Gewerkschaften, zu dem die Histadruth umgebaut werden soll. Er will jene Autonomie haben, die von der Histadruth dem Hapoel Hamisraohi zugestanden wurde. Was den Misraohischon gewährt wurde, muß auch den Allgemeinen Zionisten zugebilligt werden. Wer sich dagegen sträubt, der arbeitet gegen den Frieden in Palästina und für den Klassenkampf. In der Wahlzeit hat man sonderbare Töne aus dem Lager der Woltvereinigung der Allgemeinen Zionisten gehört, kritische Worte über die Tätigkeit der Linken und der Htetadruth, Das geschah zur Wahlzeit. Wir wollen sehen, was beim Kongreß geschehen wird. Der Kongreß wird nur dann den so heiß ersehnten Frieden bringen, wenn er das Problem der Histadruth durch ihre Entpolitisierung und Ilmwandlung in einen Dach verband autonomer Gewerkschaften löst. Wenn die Linken klug sind, werden sie nachgeben und sich damit nur Freunde erwerben. Bleiben sie halsstarrig, wollen sie ihren T o t a 1 i t ä t s w a h n vor-1 ewigen, dann kann inan für die ruhige Entj Wicklung Palästinas keine gute Prognose j ERSTKLASSIGES Mädchenpensionat MINA RUND, ft Etoü In Verbindung mit sämtlichen Schultypen. Sport / Sprachen / Musik im Hause. Zeitgemäße Preise, Prospekte stellon. Es müssen daher alle Anstrengungen gemacht werden, um das Problem der Histadruth friedlich und gerecht zu lösen. Die Entscheidung liegt bei den Linken, denn sie halten als die in Palästina derzeit allgewaltige Partei den Schlüssel zur Entwirrung der Lage in ihrer Hand. Die Arbeiterschaft, deren große Verdienste am den Aufbau des Landes unbestritten sind, deren rechtliche un,d politische Stellung nicht angetastet werden soll, weil sie das Ergebnis großer persönlicher, wenn auch nur mit dem Gelde der Allgemeinen Zionisten ermöglichten Opfer ist, steht heute isoliert am Scheidewege. Aus Sorge um die Zionistische Weltorganisation erwarten wir, daß sie den richtigen Weg gehen wird. (Schluß folg-t.) „In Dänemark kein Platz für Judenhaß“ Auf dem kürzlich in Kopenhagen stattgefundenen Bauernmarsoh zum König, wobei zehntausende Bauern' sich vor dem Königspalast in Kopenhagen versammelten, um ihre Forderungen dem König vorzutragen, sprach einer der „Bauern“-Fübrer, Hof Jägermeister S c h o s t e d, über die Ursachen der Verarmung der dänischen Bauernschaft und nannte in diesem Zusammenhang die „Allmacht des jüdischen Kapitals und die „unnatü rliehe Verbindung zwischen dem Bauern und dem Jude n“. In der Sitzung des zu einer außerordentlichen Session einberufenen Reichstages am 4. d. wies der Führer der konservativen Partei, Christmas Möller, der im allgemeinen die Forderungen der Bauern verteidigte, die Äußerungen Schesteds entschieden zurück. „In Dänemark ist kein Platz für Judenhaß!“ rief er aus; „solche Art wird hier nicht geduldet!“ Dann kam er auf die Persönlichkeit von Schested zu sprechen; unter allgemeiner Heiterkeit enthüllte er, daß der judenhetzerische Hofjägermeister im Jahre 1916 eine Aktiengesellschaft gründete, deren Aktien von der jüdischen Bankfirma J. M. L e v i n emittiert wurden, wobei sie ihr ganzes Kapital von 14 Millionen Kronen einbüßte. Ferner wurde Schested in den Jahren des großen Bankkrachs, für den die Schuld dem Direktor der Landmandsbank Glückstadt, einem bekannten jüdischen Finanzmann, aufgebürdet wird, selbst Direktor einer mit Glückstadt in Verbindung gestandenen Aktiengesellschaft, die gerade durch ihre Transaktionen den Bankkrach verursachte. Eine Zeitlang war Schested Sekretär bei Glückstadt. „Das ist der richtige Mann, um über Judenhaß zu sprechen“, schloß der konservative Führer. BILLIGE URLAUBS ARRANGEMENTS Bahnfahrt, 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschl. Trinkgeldablöse MAYRHOFEN von S 113.— bis S 147.—* ZELL AM ZILLER von S 112.— bis S 134.— MALLNITZ von S 113.— bis S 147.— SEEBODEN von S 111.— bis S 153.— MILLSTATT von S 134.- bis S 205.— LASSNITZHOHE von S 76.- bis S 133.— Auskünfte und Anmeldungen« ABTEILUNGforFREMDENVERKEHRdesPHÜNIX I., Wallneistr. 6 a, Tel. U 25-3-32 u. U 25-5-80 ÜSTERR. VERKEHRSBUREAU l.t Friedrichstr. 7, Tel. A 36-5-40 I., Graben 20, Tel. U 29-0-35 REISEBÜRO »IRUT«!•/ Karliplatz 14 Tel. U 44-5*79

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