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Die Stimme · 1935-08-06 · Heft 472 (6.8.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 472 (6.8.1935)
Date
1935-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« Z DK STIMM! Nr. 472 — 6. August 1985 Die Probleme des 19. Kongresses iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii ihn, wenn auch im Bunde mit Hitler, gegen jede Eventualität zu halten? Hat nicht England auf dae schlechte Pferd gesetzt? Wenn Italien sich in Äthiopien festsetzt und dort zwei Millionen Weiße ansiedelt, so steht es als neue Macht, an der Greuze des Sudan und des Kap-Kairo-Reiehes, aber auch am Indischen Ozean . .. Aber schon jetzt beherrschen Frankreich und Italien das Mittelmeer, sind Herren des Roten Meeres und stehen an der Meerenge von Bab-el-Mandeb. Vielleicht schenkt einmal die Pariser Regierung Dschibuti den Italienern, vielleicht mengen eich der Imam des Jemen oder Ihn Saud in die Diskussion! Londou zieht einstweilen nur militärische Maßnahmen ins Kalkül. Es wird wahrscheinlich die Linie H a i f a—A k a b a in seine volle Kontrolle bringen und dann die Linie H a i f a—B a g d a d—B a s s o r a sicherzustellen trachten. Dies letztere würde auf die M an d a t s s t e 11 u n g in Palästina und im Irak zurückwirken. Hier taucht also ein für das Judentum schicksalsschweres .Problem auf. Der Nationalsozialismus und die „Reichspost“ In dem Kampf des deutschen Nationalsozialismus gegen die christlichen Bekenntnisse ist neuestens eine-gewisse Pause eingetreten. Man ist.auf beiden Seiten ungemein vorsichtig. Die Führung der katholischen Kirche begnügt sich mit Warnungen, die der nationalsozialistischen Partei sperrt Pfarrer ein, und untersagt den katholischen Jugendverbänden das Tragen, der Uniformen. Das erklärt sich daraus, daß einerseits die Mächte mit der abessinischen Frage zu stark beschäftigt sind, anderseits hat das Dritte Reich mit der bürgerlichen Opposition der Stahlhelmkreise zu kämpfen und die paar Juden abzuwürgen. Diese Sachlage erklärt es, daß auch das wichtigste Vatiikanblatt Mitteleuropas. die Wiener „R e i ch s p o s t”, ihren Radikalismus zurückgestellt hat und lieber akademisch polemisiert. Sie redet am 1. August den-Berliner Mächtigen• gut zu; sie mögen doch bedenken, daß sie sich durch ihre Methoden in der Abwehr des Bolschewismus den Beifall weiter. Kreise verscherzt. Das Blatt scheint geneigt, diesen Bolschewismus einfach als jüdisch anzusehen (obzwar der Bolschewismus in Rußland es nicht an aktivstem Antisemitismus fehlen läßt) und findet in diesem Zusammenhang die Roheitsexzesse gegen die Berliner Juden als entehrend für den deutscehn Namen. Dabei jedoch erklärt sie es als komisch, daß sich der Nationalsozialismus so viel auf seinen Antisemitismus einibaldet. Wenn ein Wiener im „Dischkurs“ nicht weiter kann, so pflegt‘er seinen Gegner anzuschreien: „S ö sana Jud!“ Die „Reiohspost" überträgt diesen alten Brauch auf ihre Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Sie weist, ihm nach, daß er seine Essenz aus a 111. e s t a m e n t a.r ischeu Quellen schöpf t., Er is a Jud. Das Rassenprinzip (st von den Juden genommen und ferner die Absage an den Heiland. Die Juden warten auf den Messias, die * Haken,kre uzler wollen die Rückkehr zum Germanentum. . Wo da die Ähnlichkeit liegt,- vermag-ein nicht scholastisch gebildeter Leser nicht . einziteehen. Aber trotzdem, sagt die „Reichspost,”. vermag kein noch so wild gemeinter Antisemitismus auf die Dauer dieses Doppelt-Jüdische der allgemeinen .Wahrnehmung zu entziehen. Was doch die Diplomatie der Vorsicht, für Blüten erzeugt! . Aber wird das der Aguclah angenehm sein? Die polnische Regierung und die Lage der Juden in Danzig . Warschau, 2. August. Wie mitgeteilt wurde, besuchte eine Abordnung der Judenheit, Polens das polnische Außenministerium und bat, um Intervention der polnischen Regierung zugunsten der Danziger Juden, deren Lage sich in der letzten Zeit infolge verstärkter nationalsozialistischer Angriffe außerordentlich ernst gestaltet hat. Wie die JTA nun erfährt, wurde die Abordnung freundlich empfangen, es wurde ihr versprochen, daß die polnische Regierung sich mit der Situation der Juden in Danzig jiorc faltig beschäftigen werde. (Z. T. A.) (1. Fortsetzung.) 2. Das Zertlfikatensystem. Aus fast allen Ländern mehren sich die Stimmen, die eine Änderung des derzeitigen Zertifikatensystems verlangen, soweit dies im Rahmen der der Exekutive der Jewish Agency gegebenen Möglichkeiten liegt. Es ist bezeichnend, daß die Beschwerden hauptsächlich aus Kreisen der Allgemeinen stimmen. Die Allgemeinen Zionisten, bis vor wenigen Jahren die unentwegten Spender für zionistische Zwecke, wollen endlich — vielfach unter dem Druck der Wirtschaftskrise — selbst nach Palästina gehen, oder zumindest ihre Kinder dorthin bringen. ' Außerdem aber ist eine ' starke, ebalu zisch einges-teHte Allgemein-Zionistische Jugend heran-' gewachsen, welche die A^beite.rfront, Palästinas vergrößern will, nicht aber um marxistisch zu wirken, sondern um dort.als Diener desganzenjüdische n. V o 1 k t, s getreu dem Programm des Allgemeinen Zionismus zu wirken. Die chaluzische Jugend der Allgemeinen Zionisten klagt, über ungenügende Z uw e i s u n g v-o n c h‘a 1 u zischen Zertifikaten und. über . den übermächtigen DruckderHistadruth, worüber demnächst, noch gesprochen werden,soll. Sie klagt auch über ein r.a b u 1 i s t i s c h e s System in, Ansehung der Vorschriften über Hachscharah. Es ist wirklich nicht einzusehen, warum ein Chaluz, der untätig in einem Stadt,kibbuz herumiungert, besser qualifiziert ist,- weil, er „kollektive H a, c h s c h a r a h“ hat, als ein Chaluz, der, wenn auch allein, sich im Schweiße seines Angesichts plagt, so eine ausgezeichnete körperliche und. auf Grund seiner zionistischen Erziehung auch eine gute geistige Vorbildung aufzuweisen hat. Das ganze geltende System muß radikal g e ä n d^e.r ,tw-,e rden. Es k o r r u mp i e r t die Jugend. Sie läuft in das Parteilager, wo sie eher zum Zertifikat zu gelangen hofft. Noch ärger ist es mit den anderen Kategorien bestellt. Hand we.rkerzertifik a t e erhalten fast immer nur die anerkannten chaluzischen Handwerkerverbände, kurz gesagt, der der Parteirichtung der. Majorität angehörige „H a owe d“. Dieser Verband ist die Peitsche, der die jüdischen Handwerker in das Lager der Majorität treiben soll und oft treibt. Ein Allgemein-Zionistischer' Mechaniker oder Elektrikter mit fünfzehnjähriger Praxis kann hier mit seiner Familie Hungers sterben und bekommt Deutschland seht zum »kalten Pogrom« über Der Jüdischen Tejegraphen-Ägentur wurde aus erster Quelle in B e r 1 i n mitgeteilt, daß die Proteste des Auslandes gegen die tumultuösen Judenverfolgungen in Berlin und. Deutschland doch. die Wirkung gehabt haben, daß in dem Kurs der Judenpolitik eine' Änderung eingetreten ist. Zwar ist mit eineri wesentlichen Milderung - des scharfen antisemitischen Kurses nicht zu rechnen, aber die brutalen äußeren Formen werden aufhören. Statt der Straßehpogrome wird der von den ' Ä‘ m t e 'r n - ausgehende „kalte Pogrom“ system i s i e r t werden. Die Politik . der Ausmerzung der Juden soll nicht mehr in die Breite, so'ndern in die Tiefe gehen; der Judenboykott soll mit der Zeit ein hundertprozentiger werden. Es soll dem „Volksgenossen“ nicht nur unbequem, sondern direkt unmöglich gemacht werden, irgend eine wirtschaftliche Verbindung mit Juden zu unterhalten. Der Isolierung der Juden auf gesellschaftlichem und kultüreh lern Gebiet soll die wirtschaftliche Isolierung folgen. Allmählich soll auch den Juden die Mögliphkeit genommen werden, irgend eine öffentliche Veranstaltung, eine Ausstellung oder ein Museum zu besuchen. Der von eirer Reihe Stadtverwaltungen gefaßte Beschluß, Beamte, die den autijüdisclieii Boykott brechen, zu entlassen, kaum je ein Zertifikat, wenn er nicht in den Haowed eintritt. Junge Burschen ab9r mit einem zweimonatigen „S c h n e 11 s i e d e rk u r s“ bekommen ihr Zertifikat, wenn sie im „Allgemeineü“ Hechaluz oder im Haowed sind. Die Allgemeinen Zionisten erwarten, daß der 19. Kongreß diesen wirklich skandalösen Zuständen ein Ende macht. Für uns Allgemeine Zionisten ist es uninteressant für die Beurteilung der Würdigkeit eines Kandidaten, welcher Richtung er angehört. Wir wollen, daß wirkliche Handwerker und nicht Pfuscher ein Zertifikat bekommen. Wöllersdorf ist für uns kein Argument, wohl aber eine jahrelange, bewährte und selbstlose Mitarbeit in unseren Bezirkssektionen und Ortsgruppen. Weiters* sollte endlich die Altersgrenze von 35 Jahren verschwänden und das Höchstalter von . 45 Jahren auf 50 Jahre hinaufgesetzt werden. Schließlich muß eiiie eigene .Kategorie von „Zionist. e n - Z e r t i f i k a t e n“ geschaffen werden. Warum sollen erprobte Zionisten, wenn sie keine Kapitalisten, keine Chaluzim und keine Handwerker sind,' nicht die Möglichkeit haben, ein Zertifikat zu erhalten, auch wenn die „Gefahr“ besteht, daß sie „Bourgois“ sind? Es sind doch hunderte Menschen mit chaluzischen und Handwerkerzertifikaten ins Land gekommen, um dort sofort bei der Krankenkassa, der Histadruth usw. Posten zu bekommen. Das ist nur eine kleine Auslese, die aufzeigen soll, wie das ganze Zertifikatensystem zum Schaden der Allgemeinen Zionisten aufgebaut ist. Es muß geändert werden. Die Zeiten sind vorbei, wo sich die Allgemeinen Zionisten über den „unpolitischen Hechaluz“ und das ganze Eiuwanderungssystem von einer gut geölten Propaganda einen blauen Dunst vormachen ließen. D i e' A 11 g e m e i n e n Zionisten verlangen nichts als Gerechtigkeit für sich und ihre Rinder und haben es satt, nur die Melkkuh für die Organisation zu sein. Die Linken werden gut daran tun, die Verbitterung der Allgemeinen Zonisten nicht zur Siedehitze zu steigern. Der Kongreßsaal ist nicht die zionistische Welt. Was immer im Kongreßsaal beschlossen werden sollte, es wird nur von Bedeutung sein, wenn die Beschlüsse das Ergebnis loyaler Verhandlungen und gesund er Kompromisse sein werden. Wir wollen hoffen, daß in Luzern die Vernunft siegen wird, die in Prag die Geister nicht erleuchtet hat. (Fortsetzung folgt.) soll allgemein werden. Die Boykottaktion wird in der Stille von Haus zu Haus geführt werden. Auf diese Weise wird eine Reaktion des Auslandes vermieden werden. ... Jugendherbergen für jüdische Jugendliche gesperrt Berlin, 1. August. Wie der „Angriff“ meldet, hat der Führer der fränkischen Hitler-Jiigen d und des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen folgenden Aufruf erlassen: „Es kann keinem deutschen Jungen und keinem deutschen Mädel zugemutet werden, mit Fremdrassigen unter'einem Dach und in einem Raum zusammen zuleben oder z u s c h 1 a f.en. Es wird daruf hingewiesen, daß die Jugendherbergen des Gaues Franken streugsto Anweisung erhalten haben, keinen Juden aufzunehmen. Dies gilt auch für Juden, welche im Verband von Schulklassen Jugendherbergen besuchen wollen.“ JÜDISCHER REISEDIENST Makarska an der Acfrla 8 Wochen S 180.- Vclden, 8 Wochen 8 183*— Balaton, 8 Wochen S 117*- Im Prelle Inbegriffen; Hin* und Rückfahrt, Unterkunft In 2* bli 3*Bettzlmmern, Verpflegung, Kurtaxe. Bad. Abfahrt jeden Sonntag früh. Anmeldungen und Auilcünfte Im Sekretariate, II., PrateritraBe 15/13, Tel. R 48*1-26 B, Montag bli Frejtag vcjn 18 bli 20 Uhr , Besonders billige Reisen r^PalästlnaM COMPASS TOURS IX. Bezirk, Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38 Eine wirksame Waffe Die „Prager Presse“ schreibt in einem Aufsatz über die Lage der Juden in Deutschland: „... Allerdings haben die Juden eine Kampfkraft hinter sich, die außerhalb Deutschlands besteht: die Juden in der ganzen übrigen Welt. Wer weiß, was diese allein in den Finanzen und im Handel bedeuten, weiß auch, daß das nicht wenig ist. Die Nationalsozialisten führen bekanntlich den Boykott des deutschen Exports auf die internationale Solidarität der Jqden zurück. Sie haben ohne Zweifel damit recht, aber sie haben nicht recht; wenn sie die deutschen Juden dafür verantwortlich mach e u und es sie büßen lassen oder gar .von ihnen fordern, ihren Einfluß gegen den Boykott bei ihren ausländischen Glaubensgenossen zur Geltung zu bringen. Die deutschen Juden könnten da verhältnismäßig wenig tun, selbst wo sie wollten. Aber die Nationalsozialisten haben insofern auch nicht ganz recht, weil der Boykott deutscher-Waren keinesfalls allein auf jüdische Propaganda und Solidarität zurückgeht, wie besonders die Vereinigten Staaten zeigen. Dort haben sich Katholiken und Juden zusammengetan, um die Einfuhr aus dem Dritten Reich gemeinsam zu bekämpfen und mit der wirksamen wirtschaftlichen Waffe dem Nationalsozialismus entgegenzutreten. Die internationa 1 e Solidarität der Katholiken tritt ebenso in Erscheinung wie die der Juden. Aber die Sympathie mit den Verfolgten und Unterdrückten Deutschlands geht über Katholiken und Juden hinaus, und weun die Gegner des .Nationalsozialismus innerhalb Deutschlands recht machtlos sind, so sind sie. es nicht außerhalb Deutschland s. Das ist keine politische Einmischung, sondern einfacheine. .Kundgebung*, von mitempfindenden und mitdenkenden Menschen, die eine ihnen bekämpfenswert erscheinende Weltanschauung, ein ihnen reaktionär erscheinendes Regime und seine Methoden ablehnen. Aus den verschiedensten Ländern kommen wieder Meldungen, daß der Boykott deutscher Waren, der schon nachzulassen schien, beträchtlich zunimmt.“ Ein zionistischer Rechnungshof Der österreichische Rechnungshof hat mit dankenswerter. Offenheit darauf hingewiesen, daß nicht in allen Zweigen der Staatsverwaltung mit der nötigen Sparsamkeit gewirtschaftet wurde. Der Bericht des. Rechnungshofes regt Verbesserungen an. Wie steht es nun mit der R,e chnungskontrolle in der. Zionistischen Weltorganisation? Man mißverstehe uns nicht! Wir erheben keine konkreten Vorwürfe. Wir meinen aber, daß die bisherige Art der Kontrolle nicht genügt. Es muß ein Institut wie der Rechnungshof in Österreich geschaffen werden, der von unparteiischen Fachleuten geleitet wird und nicht nur die rechnungsmäßige Richtigkeit aller Ausgaben prüft, sondern auch überall dort, wo unzweckmäßig' oder zu freigebig gewirfcsohaftet wird, warnend seine Stimme vor dem 'A. K. und vor dem Kongreß erhebt. Daß diesem zionistischen Rechnungshof nicht Beamte der Zionist,isohen Exekutive angehören dürfen, ist selbstverständlich. Über einen derartigen Rechnungshof ist schon viel geschrieben und geredet worden. Der 19. Kongreß sollte endlich eine Tat setzen. Gerade die Allgemeinen Ziouieten, die seit jeher die größten Opfer , für . die Organisation. bringen, haben in erster Linie, ein. Interesse an der. Installierung, eine«. Rechnungshofes. Die Forderung nach einem. Rechnungshof (Kontrollamt) Ist ein Bestandteil des Programms des W e 11 v e rbandes der Allgemeinen Zionisten und sollte eine gemeinsame Forderung aller Zionisten sein. Aus dem Dritten Reich

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