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Die Stimme · 1935-08-02 · Heft 471 (2.8.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 471 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 471 2. August 1035 DIB STIMMB 6«!t« 5 -^ Regina Hoffmann Markus Silber XVI. II. VERLOBTE Wien, Im Juli 1935 Das liberale Judentum für Palästina r Auf clcr Vorstandssitzung der Tagung Ser Wolt-vereinigiing für das religiösi i b e r a 1 o Judentum, die im Haag Stattfand, wurden bedeutsame Probleme des religiös-liberalen Judentums behandelt. Die einzelnen Delegationen erstatteten Länderiberdchte. In bezug auf Holland wurde gesagt, daß ein liberaler Gottesdienst und liberaler Religionsunterricht in Amsterdam und im Haag stattfinden. Über dio neugegründeten Gruppen in Wien und Budapest erstattete Frau Margarete G o 1 d s t e i n Bericht. Die Gruppe in Wien hat noch nicht die Anerkennung der offiziellen Gemeinde. Nach Ansicht der beteiligten Kreiso ist &ls wichtigstes Ergebnis der Vorstandssitzung die Paliistina-Dcbatte zu betrachten. Rabbiner Dr. Schul m a n n, New York, der als nichtzlonißtische« Mitglied dem Council der Jcwish Agency angehört, gab auf Grund eines kürzlich erfolgten Besuches in Palästina einen ins Einzelne gehenden Bericht über die religiöse Lage dort. Rabbiner Dr. Dienemann ergänzte ihn aus eigener Kenntnis. Der Vorstand beschloß einstimmig, in die religiöse Aufbauarbeit in Palästina einzutreten und denjenigen Juden geistige und praktische Unterstützung zu gewähren, die eine r c 1 i g" i ö ß - liberale Entwicklung in Palästina erstreben. Dem Vorstand steht für die Palästina-Arbeit ein eigenes beratendes Komitee zur Seite. Es besteht aus: Dr. M. Ehrenpreis, Stockholm, Prof. E 1 b o g e n, Berlin, Dr. G o 1 d e n s o n, New York, Dr. J . Morgenstern, Cincinnati, Dr. Abba-Hillel-Silver, Clevoland, und Rev. M. L. P e r 1 z w e i g, London. Anspruchsvolle, StarkbHrtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die aanft-sch arf Die Zahl der Palästina-Einwanderer in den letzten zehn Jahren London, 31. Juli. (2. T. A.) Im englischen Unterbau« fragte General Nation den Kolonionminieter Maedonalcl, wie .viele Juden britischer Nationalität und wie viele Juden fremder Staatsangehörigkeit im Verlauf der letzten zehn Jahre nach Palästina eilige wandert seien. Kolonienminister Macdonakl erwiderte, daß während der zehn Jahre vom 1. Jänner 1925 bis Zinn 31. Dezember 1934 148.280 Juden nach Palästina cingewandert seien; ivon ihnen kamen 2318 aus dem British Empire und 145.962 aus anderen Ländern. 'Jüdische Kreditzentrale in Polen In Warschau fand unter dem Vorsitz des gewesenen Senators Bankier Raphael Szereszowski, eine Tagung von Vertretern aller Finanzinstitutionen des polnischen Judentums statt. Der ehemalige Deputierte W y s z 1 i c k i betonte die Notwendigkeit, ein zentrales Finanzinstitut zu schaffen. Es wurde beschlossen, unter dem Namen „Iv r e d i t z e n t r a 1 o“ eine solche Bank zu gründen; ihr schließen sieh sofort alle drei bestehenden jüdischen Genossenschaftsbanken an, nämlich die Zentrale für die jüdischen Genossenschaften in Klein- Polen, die Volksbank in Wilna und die zentrale Genocsße uschaftebank der Agudah in Warschau. Außerdem sagten ihre Mitwirkung eine Reihe großer Genossenschaftsbanken, die Zentrale der Gemilas Cliesed- Kassen, der zentralo Kaufmannsverein und andere Organisationen zu. Achtzehn Personen wurden in den Aufsichtsrat gewählt. Ein Gründungskapital von 200.000 Zloty ist aufgobracht worden. Die Bank wird ihren Betrieb aufnulmum, sobald die Satzungen bei dem zuständigen Kreisgericht eingetragen Worden sind* HUt ütoseece SyuctyOtye' läßt sUU mcUI sfuzssu* Die Erzählung eines Jemeniten, mitgeteilt von S. D. F. Goitein Eine Gemeinde wie bei den europäischen Juden gibt es in Jemen nicht. Die Synagoge i-U entweder die private Gründung eines reichen und besonders geachteten Mannes oder aber — und dies ist die weit überwiegende Mehrzahl der Fälle — sie gehört einer Sippe. Wie es nun Menschen und Sippen verschiedenen Ansehens gibt, so sind auch die Synagogen von verschiedener Heiligkeit. Die Synagoge dient zwar gleichzeitig auch als eine Art Klubhaus, ja, in ihr verbringt der jemenite fast seine gesamte Freizeit; aber sie ist mehr als ein bloßer Raum, sie ist sozusagen beseelt, und wer ihr die nötige Ehrfurcht versagt, muß der Strafe gewärtig sein. * Als die Rede auf Josef Saaidi und seinen frühzeitigen Tod kam, sowie darauf, daß er in der Synagoge der Jebuidos zu beten pflegte, rückte Meir Jelmdo näher an mich heran, und nachdem er sich überzeugt hatte, daß sich niemand, der seine Rede verstehen konnte, in Hörweite befand, begann er mit leiser Stimme zu berichten: Welch ein prächtiger Mann war dieser Josef Saadi! Schön wie ein Licht und gesund wie ein Esel sein Leben lang. Und doch starb er an einer leichten Krankheit nach Ablauf weniger Tage. Das geschah im Zusammenhang mit einer Begebenheit, die sich in der zweiten Nacht des Neujahrfestes zugetragen hat. Man pflegt ja überall beim Gebet des Neujahrfeistes, besonders beim Mussaf, zu weinen, wenn man aber weint, dann werden die Worte des Gebetes von selber hörbar und es macht so den Eindruck, als ob die Gemeinde gemeinsam mit dem Vorbeter das Gebet spräche. Aber in unserer Synagoge darf niemand das Gebet hörbar mitsagen; der Vorbet er trägt laut vor, und die Gemeinde wahrt tiefes Schweigen, sie sprechen die Worte des Gebetes mit dem Herzen, nicht aber miit den Lippen. Denn unsere Synagoge ist hochheilig. Tliorasclireino nehmen die ganze Nordwamd ein und darin sind an die zwanzig Rollen, darunter eine besonders heilige mit Namen Tawili. Sie ist auf rotem Pergament geschrieben und so schwer, daß sie ein Mann allein nicht aus der Lade heben kann. Nur einmal im Jahre pflegte sie ans der Lade genommen zu werden, in der Jom-Kippur- Naehfc, und mein Herr Großvater Salim Jehudo nahm sie dann auf den Arm. Fanid er sie leicht, . wußte er, daß es ein gutes Jahr geben würde; dann leuchteten seine Augen sogleich auf und er begann mit großer Freude das Gebet: „Licht ist gesät dem Frommen und den Geradherzigen Freude.“ Fand er sie aber schwer, so seufzte er laut auf und Heß die Thorarolle sofort wieder in den Schrein zurückbringen. Als man so mehrmals erlebte, daß jener fromme Greis ihretwegen am heiligen Versöhnungistag in Kummer verfiel, beschloß man, sie nie mehr auszuheben; daher sie bis auf den heutigen Tag unbenutzt in der Lade verwahrt geblieben ist. ln jener zweiten Nacht des Neujahrsfesteis saßen wir in der Synagoge und sangen Psalmen vor dem Abendgebet, wi0 es Brauch ist. Mösche Jehudo, der vor mir Synagogenvorsteher war, saß zu meiner Rechten und Josef Saadi zu meiner Linken. Am selben Tage hatte aber Josef Saaidi beim Mussaf-Gebct mit dein Vorbeter laut mitgesagt, was ihm der Vorsteher sofort aufs strengste verwies. Bislang hatte der Saadi geschwiegen. Aber jetzt begann er seinen Unmut zu äußern: Woher hast du diesen schlechten Brauch, der keine Wurzel und Begründung hat? Beweise mir doch aus den Büchern, worauf du dich stützest! Dio Rede ging her und hin, der Saadi wurde immer heftiger, bis er cs sich nicht versagen konnte auszusprechen: Eino Neuerung führst du in dio Synagoge ein, ja, eine Neuerung! Nun gibt cs keino größere Schande für einen Vorsteher, als wenn man ihn einer Neuerung (wovor uns Gott behüten möge) bezichtigt. Der Streit brach los, laut sprachen sie nicht, aber sie nahmen sich auch nicht genug zusammen, und die ganze Gomeiudo war bestürzt. Was seil ich dir sagen — dio Jom- Kippur-Nacht kam, und beide waren krank. Restaurant Rillet WD Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs äS 1-90 u. 2-60 Schwechater Bräu ll„ HatnmerpurgstallgasM 3 (nächst Salztorbrückt ( Telephon A 41-0-25 Der Vorsteher lag zu Hause, und der Saadi schwankte auf seinem Platz wie ein Rohr. Am Jom Kippur wurde es noch schlimmer. Der Mori befahl ihm anzubeißen, und so mußte Josef Saadi am Jom Kippur Speise zu sich nehmen. I11 dor Nacht nach dem Sabbath de« Sukkoth-Feßteß träumte ich, daß •die Synagoge erloschen sei, ich meine, daß alle Lichter in der Synagoge erloschen seien. Ich war bestürzt, stand sofort auf und weckte meine Leute, sowie meine Onkel und | deren Söhne, und erzählte ihnen den Traum. Dio sagten alle: Ein guter Traum sei es, ein guter Traum! Wir gingen sogleich in die Synagoge und fanden alle Lampen brennend, wie es sich gehört, der Raum war hell wie am Mittag. Wir laßen die für die Mitternacht bestimmten Gebete und sangen Psalmen, bis die Nacht vorüber war. Eimer von uns ging hinaus, um im Morgengrauen festzustellen, ob schon der Segen über die Schaufäden gesprochen werden dürfe. Kaum war er hinausgegangen, als ihm der junge Bruder Mösche Jehudo, dem Vorsteher, entgegenkam — er war in einen Schafpelz gehüllt wegen der Kälte der Nacht — und rief: Schließt Türen und Fenster der Synagoge, sonst wird das Gebet durch das Klagen der Weiber gestört werden. Das Haus des Mösche Iehudo ist nämlich neben der Synagoge. So war also der Vorsteher gestorben, und kaum war das Sukkot-Fest vorüber, da wurde auch Josef Saadi zu Grabe getragen. Er scherzte mit seiner Frau und sagte ihr: Laß mich nur ein kleines Weilchen schlafen; aber er erwachte nicht mehr. Jetzt verstehst du was ich dir einmal gesagt habe: Die Synagoge der Jchudos läßt nicht mit sich «passen, sie rächt es, wenn man ihre Heiligkeit nicht achtet. Wie kam es denn, fragte ich jetzt, 'daß Josef Saadi in der 'Synagoge der Jehudos betete? Sind denn die Saadis eine so geringe Sippe, daß sie keinen eigenen Betraum halben? Gott bewahre, die Saadis sind eine ansehnliche Familie.- Sie sind Kaufleute und importieren Kohlen, Häute und Datteln nach Sanaa; wegen ihrer Rechtschaffenheit sind sie in ganzen Lande hochgeachtet. Als die Türken in Jemen herrschten, bauten sich die Saadis eine eigene Synagoge, ebenso taten die Badichis, die Dschamals, die Jizchokis. Nun gilt es aber den eifervollen Muslimen als höchst anstößig, daß sich die Juden neue Synagogen bauen, ja, in Sanaa haben sie sogar den Glauben, daß die Hauptmoschee einstürzem werde, wenn die Juden eine neue Synagoge errichteten. Der Imam war damals nicht in Sanaa — die Türken herrschten ja dort —, er hatte aber die geistliche Oberaufsicht und so gab er den Befehl, die neuen Synagogen zu zerstören. Aber die Jizchokis, die ja dem Hause des Imami nahestehen, bewirkten, daß die besagten vier Synagogen nicht zerstört, sondern nur geschlossen wurden. So blieben sie an die fünfzehn Jahre geschlossen, und deshalb betete der Josef Saadi in der Synagoge unserer Sippe. — Und wie ist es heute damit? — Jetzt ist das Verbot aufgehoben, und alle jene Synagogen sind nunmehr in Benützung. Unter der Herrschaft des Imam ist jetzt sogar eine neue Synagoge erbaut worden, nämlich von dem Bait Schimon, und zwar mit eigenen Händen, sie sind nämlich eine Sippe von Bauleuten. Du hast vorhin erwähnt, daß diu Synagogenvorsteher gewesen bist, brachte ich in Erinnerung, um Meir Jehudo zum Weitererzählen zu bringen. Wurdest du das gleich nach dem Tode von Möscho Jehudo? — Nein, nach ihm war es der lange Asro, der das Glück hatte, daß vier seiner Söhne sieh in Palästina niederließen, von denen übrigens einer so lang hl wie sein Vater. Einmal, am Sukkol-Fest, als man das Buch Kolielet zu [lesen hatte, verspätete sich Asro, und die Gemeinde bat mich, an seiner Stelle Kolielef zu verlesen. Ich hatte nämlich eine angenehme Stimme und war als Thora-Leser sehr beliebt. Erst wollte ich nicht, dann gab ich aber doch dem Drängen nach. Wie ich sohoä mitten in der Vorlesung war, kam Asro. Er wurde sofort blutrot vor Zorn, nahm einen; von jenen Schemeln, auf die wir die Bücher zu legen pflegen (während wir selbst, wie du ja weißt, in der Synagoge auf dem Boden sitzen), und warf ihn nach mir. Ich machte mich sofort auf und davon. Aber -es vor» gingen nicht viele Tage, bis Asro ein schweres und absonderliches Leiden überfiel; die Zunge hing ihm heraus, er konnte weder essen noch sprechen und starb kura Jüdisches Kinderheim „Atid" In Seebenstein (Pittental), herrlich gelegen, eig. Waldbestand, ständige ärztliche Aufsicht, individuelle pädagogische Beeinflussung, vorzügliche rituelle Verpflegung, Sport, Gymnastik, Schwimmen, Nachhilfe. Engl., Franz., Hebr. Konversationsgruppen. 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Es ist aber sozusagen eine Schande für die’ Thora>rolle, als untauglich befunden und vor, den Augen der ganzen Gemeinde in die Lade zurückgebracht zu werden. Um solches zu verhüten, muß der Vorsteher am Freitag Nachmittag den ganzes; Wochenabßchnitt in der für die Feier des folgenden Sabbats bestimmten Rolle sorgfaltigst durohlesen. Aber oft war ich beschäftigt. Ich bin ja ein Schmied, und die, Bauern werden wild und böse, wenn sie ihren Pflug und ihre Hacken nicht zur rechten! Zeit bekommen. So las ich denn den Wochenabschnitt oft nur flüchtig durch; es gibt ja] keinen Frommen auf der Erde, der immer nur das Rechte tut und nie sündigt. Sechs Jahre war ich Vorsteher, und drei Kinder sind mir darob gestorben. Die Leut© aber sagten: Die Synagoge hat es bewirkt, dio Synagoge der Jchudos läßt nicht mit sich spassen. Da nahm mich mein Schwiegervater und brachte mich zum Mori, und ich sagte zu diesem: Länger will ich nicht mehr Vorsteher sein. Der Mori erwiderte: Aber die Gemeinde will dich haben.’ Da machte ich folgenden Voioddag: Ich lese in der Thora und sammle jeden Donnerstag das Geld für die Synagoge, aber die Würde und die Verantwortung des Vorstehers solle ein anderer übernehmen. Man billigte meinen' Vorschlag und bestimmte den zum Vorsteher, der es noch heute ist. Freilich mußte er vorher ein durch schwere Bannflüche gesichertes Schriftstück unterzeichnen, daß er keinerlei Änderungen im Brauch der Synagoge vornehmen werde. Er gehört nämlich zu der vor etwa zwanzig Jahren aufgekommenen Sekte der Dör Deo („Zeitalter der »Dr. Krüger-Heime« Zentralanstalt für Müdchenerziehung und Fortbildung Telephon A 48-0-77 Wien, II., Malzgasse 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen / Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe / Zweijährige Fachschule fiir Kleidermachen und Wäscbewareherzeugung Beth Jacob Religions - Lehrerinnen - Seminar Zweijährige Kindergürtnerinnen-Bildungsanstalt Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen / Prospekt auf Wunsch / luternat btreng religiöser Haushalt

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