Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 471 (2.8.1935)
- Date
- 1935-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z OIE STIMME Nr. 471 *— 2. August 1986 „PENSION LANDAU" orth. IITD Balatonszäszö Erzsöbet - Park (Amerika. Kanada Villen). In der nächsten Nähe vom Plattensee bei der Station. Sehr schöne Zimmer mit Blick aut den See. Eigener Park. Erstklassige Küche, exakte Bedienung. Vor- und Nachsaison 5 Pengö. Hauptsaison von 6 Pengö aufwärts. sehe, .«ozialistisdh-e usnv. Deutsche, Franzosen. Österreicher. Tschechen gibt. Und es wäre mehr als naiv, die großen finanziellen und wirtschaftlichen Umwälzungen, die seit dem Kriegsende eingetreten sind, und deren Symptome wie Zahnräder niemand erg reifen, mit ..den Juden“ als aktive oder passive Ursache in Verbindung zu bringen. Was Österreich betrifft, so hat der Zusammenbruch des Bankwesens bei den arisoliciiristliohpn Unternehmungen begonnen. Der Sturz der Credit-Anstalt war durch die Zollunionsvereimbarungen provoziert worden •und stellte sich als die Folge der von Frankreich verfügten Kreditentziehungen ein. Hier kann von jüdischer Fähigkeit oder Unfähigkeit gar nicht gesprochen werden. Es sind reiche Juden verarmt und sie sind damit nicht allein geblieben. Das Judentum hat von den Reichen nie etwas gehabt, ist von ihnen weder finanziell noch politisch unterstützt worden und sehr, sehr viele aus dieser Kaste sind wegen der Kultussteuer, die einen Bettel beträgt, aus dem Judentum ausgetreten. Und auf der anderen Seite war es für die Sozialisten jüdischer Abkunft eine Sache des guten Tones, die Synagoge zu verlassen und jede Verbindung mit dem Judentum zu lösen. Gewiß haben die jüdischen Bank- und Börsenführer bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Einfluß gehabt und geübt und dies vermöge ihrer Persönlichkeit, ihrer guten Ausbildung und Erfahrung, vermöge ihrer Weltkenntnis. Aber das Judentum hat an diesem Einfluß keinen Anteil gehabt. Wären diese Männer mehr als Geburts- und Matrikenjuden gewesen, hätten sie sich als Söhne des jüdischen Volkes, nicht als Wahldeutsche gefühlt, so stünde das jüdische Zukunftswerk, der Aufbau Palästinas, viel besser da als heute. Die Darstellung des Salzburger Blattes ist innerlich unrichtig. Es ist nicht die jüdische Hochfinanz zusammengebrochen, sondern die Hochfinanz Österreichs überhaupt; sie ist zußammengebrochen. weil sie auf einen 50-Millionen-Staat zugeschnitten war, nicht auf ein Ländchen von sechs Millionen Menschen, die in ihrer Mehrheit Klehilandwirte sind. Was aber die Juden geleistet haben und wovon der Artikel nicht spricht, das Ist die Aufrechterhaltung der Struktur der Wirtschaft. Österreichs Handel ist durch den jüdischen Reisenden und den jüdischen Agenten gerettet worden, die die Verbindung mit der Kundschaft im Ausland wieder anknüpften und mehr Patriotismus, mehr Verständnis, Sachkenntnis und Wirtschafts- Psychologie gezeigt haben als mancher arische Schreier, der sich jetzt an den von diesen kleinen jüdischen Trägem der Wirtschaft gedeckten Tisch setzen will. Denn darum handelt es eich bei dem in Rede stehenden Aufsatz. Die Weltkrise, verbunden mit politischer Kurzsichtigkeit der Regierungen hat die jüdischen Banken verschlungen. Die Posten der reichen Juden sind von „Ariern“ besetzt. Nun gibt der Aufsatz für die nächste Arbeit einen „Katalog der Schiffe“ an: Presse, Literatur, Kino, Theater, Kunst im allgemeinen. Auch hier, sagt er, wird im Zuge der Erneuerungsbewegung manches zu geschehen haben. Wozu Pogrome, Exzesse? Die geistige „Struktur“ unserer Erneuerungsbewegung braucht den Lärm nicht. Die Gleichberechtigung der Juden steht in der Verfassung und was möglich ist, das wird mit nordischer List gemacht. Der Ärztestand ist angeblich verjir'efc; also kommt ein Reiciwärzteausschuß, in dem überhaupt kein Jude Ist. Innungen, Z;!' fte, Genossenschaftsvorstande — judenrein. Und so bereitet sich im Schatten der Minoritätsbestimmungen die „dauernde Lösung der Judenfrage“ vor. Sie beetoht darin, d ’ß den Juden der Friedhof erhalten bleibt. Des i't der iin Reich draußen so oft zitierte „Anti.-emitiHimis auf Gummisohlen". Er versteht es ebensogut jüdische Existenzen zu zertreton* Die Probleme des 19. Kongresses iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Selten noch wurde einem Kongreß mit f so großer Spannung entgegengesehen, wie dem bevorstehenden 19. Kongreß. Es wird der erste Kongreß sei/n, der ohne die Teilnahme der Revisionisten staUfmden wird, und er wird dazu berufen sein, die bis zur Unterträglichkeit äuge'w ach senen inneren Spannungen einer Liquidierung zuzuführen. Der 19. Kongreß wird so ein schicksalsschwerer Kongreß sein. Die Exekutive will den Kongreß in neun Tagen beenden und hofft, dies durch die Drucklegung von Referaten, durch Parteionverhandlu ngen vor dem Kongreß, die Drosselung der Generaldebatte und der Arbeit der Kommissionen zu erreichen. All das wird nur dann möglich sein, wenn dio Verhandlungen der Parteien vor dem Kongreß ein befriedigendes Resultat haben werden. Wenn dies nicht gelingt, so muß sich die Majorität darüber klar sein, daß sie mit dem entschlossenen Widerstande der Opposition zu rechnen haben wird. Sio hat am 18. Kongreß einen Pyrrhussieg errungen. Wenn sie so eigensinnig ist, noch einmal einen solchen Sieg zu erringen, dann wird dieser Sieg die Niederlage der Zionistischen Weltorganisation sein. Welche Spannungen müssen nun ausgeglichen werden? Es ist interessant, daß in außenpolitischen Fragen der Kongreß im großen und ganzen einer Meinung ist und an der Führung der Außenpolitik durch Professor Brodetzky wenig oder nichts Wesentliches auszusetzen haben wird. Die Krise der Zionistischen Weltorganisation ist auch nicht die Folge des Austrittes der Revisionisten, sie ist im wesentlichen die Folge der hemmungslosen Ausnützung der Macht durch die Histadruth. Wir haben es hier mit einer Diktatur zu tun, die sich sehr geschickt demokratisch tarnt und die öffentliche Meinung vernebelt. Soll wirklich der Friede in die Zioniß tische Weltorganisation einziehen, dann muß die Zionistische Weltorganisation eine Reform an Haupt und Gliedern erfahren. Nachstehend soll in zwangsloser Reihenfolge aufgezeigt werden, welche Reformen zur Befriedung der Organisation unerläßlich sind. 1. Das Organisationsstatut. In erster Linie muß das Schekelwahlrecht reformiert werden. Es ist lächerlich und schädlich und korrumpiert die Organisation, wenn in kongreßlosen Jahren der Schekel von den Zionisten — abgesehen im allgemeinen von den Allgemeinen Zionisten — nicht gekauft und in Kongreßjahren Außenseiter, Nichtorganisierte oder „Sympathiker“ des Zionismus die Entscheidung herbeiführen oder mit Aufwand von 2 Schilling oder a/uf Grund von „Darlehen“ begüterten Parteikassen gratis das Wahlergebnis beeinflussen. Die Forderung, daß das Wahlrecht an die Zahlung des Schekels durch zwei Jahre gebunden sein soll, reicht nicht aus. Das Wahlrecht sollte nur haben, wer das Basler Programm anerkennt, durch zwei Jahre nachweisbar zionistisch organisiert ist und in jedem Jahr den Schekel entrichtet hat. Auch das Wahistatut ist zu reformieren. Bei der Größe der Organisation darf die Gültigkeit eines Wahl vors chlagee nicht weiter von der Befürwortung von nur hunlert Wählern abliängig sein. Das Vorrecht Palästinas, daß dort schon auf 1500 Schekelzahler ein Mandat entfällt, während in der Galuth erst auf 3000 Sehekelzahier ein Mandat entfällt, hatte nur solange einen Sinn, als wir nur einen kleinen Jischuw hattou. Heute hat dieses Vorrecht Palästinas jede Berechtigung verloren und ist aufzuheben. Weiter ist die Einteilung der Organisation in Landesverbände und Sondciverbändo aufzuheben und durch die Einteilung in Föderationen zu ersetzen. Die derzeitige Einteilung ißt anachronistisch und durch die Entwicklung des Parteiwesens überholt, inebesondere auch durch die Entwicklung dee Allgemeinen Zionismus. Es ist wohl denkbar, daß sich in verschiedenen Lä ndern f re iw-ill iige A rbei tsg n me i n shaften (Territorialverbände) bilden. Die zwangsweise Einführung von Territoruuverbänden ißt aber nicht durehsetzbar. Der lerritoiialverband kann bei abseitigem gutem Willen der Endeffekt einer Entwicklung sein, er kann aber nicht an ihren Anfang gesetzt werden. Heute arbeiten alle zionistischen Teilorganisationen allein und haben in der Arbeit für die Fond« und in den Palästina- Ämtern ihre Vertreter, nier sind die Ansätze zu weiterer gemeinsamer Arbeit. Wer aber heute durch die zwangsweise Einführung deß Territorialverbandes über die gegebenen Tatsachen hinwegßehen wdl, unterminiert die Autorität des Kongresses. Denn eß wird Länder gehen, in denen statt gcmeinsamer Arbeit ein Kampf aller gegen alle ausbreehen oder der Territorialvcrbaud überhaupt nicht ins Leben treten wird. Auf organisatorischem Gebiete ißt schließlioh noch eine Reform der G e s c h äfts- Ordnung des Kongresses durchzuführen, um seine Tagungen billiger und fruchtbarer zu machen alg dies derzeit der Fall ist. (Fortsetzung folgt.) STROHWITWER! Ausgezeichnetes Mittag-Menü S 1*80 u. 2’50 -rr RESTAURANT Tel. A 46-4-39 BARSCHAK II., Große Schiffgasse 8, nächst Salztorbrücke Die Wahlbewegung zum XIX. Zionistenkongreß In Kongreßpolen (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, 31. Juli. Von den Wahlen zum NIX. Zionistenkongreß in Kongreßpolen liegen bisher noch keine endgültigen Ergebnisse vor. Die Zählung der Stimmen, insbesondere in den kleinen Städten und Ortschaften, ist im Gange. Die folgenden Ziffern sind nur vorläufige Resultate, da in einzelnen Städten, wie Kalieh und Somnowiec die Waiden am Sonntag wiederholt werden. Bis jetzt sind aus etwa 400 Wahlorten folgende Resultate gemeldet worden: Insgesamt wurden 17.000 Stimmen abgegeben. Es erhielten: Weltvereinigung . „ , * . ca. 30.000 Weltverband der Allg. Zionisten . « 4.300 Misrachi 30.000 Judenstaatspartei « * « « * 5.880 Arbeitendes Palästina , * , » , 98.800 Allg. Zion. Jugend „Hanoar“ , * , 1.000 Die Mandate dürften wahrscheinlich folgendermaßen verteilt werden: Arbeitendes Palästina * , , , 47 Mandate Weltvereinigung . « R , , , 18 „ Misrachi * 17 „ Judenstaatspartei .... * 4 „ Weltverband d. Allg. Zionisten . 3 „ Allg. Zion. Jugend „Hanoar“ « 1 Mandat * In Palästina Jerusalem, 30. Juli. (2. T. A.) Gemäß dem endgültigen Wahlresultat wurden die 91 Mandate Palästinas zum XIX. Zionistenkongreß wie folgt verteilt: Die Arbeiterpartei (Majap) 62, Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten 6, Weltverband der Allgemeinen Zionisten 4, I-Iapoel Hamisrachi 9, Misrachi 4, Misrachi Hawatik 1, Jemeniten 4, Judenstaatspartei 1 Mandat. Im ganzen haben sich in Paiä- Billige Sonderfahrten nach Polen u.Czernowitz Abfahrten: Sonntnp, 4., 11., 18. und 25. August 1035 Rückfahrten am 1. und 15. September 1035 Nach Zakopane zu den Bergfeste-Feiern vom bis 11. August 70ty>tgt ClsanbahnarmaiUgung — Polnisch«* Visum gratis „Frantopol", III., Rennweg 1. Telephon U16-4-90 stina 90.000 Schekelzahler an den Wahlen beteiligt. * In der Tschechoslowakei Mährisch-Ostrau, 30. Juli. (2. T. A.) Die Hauptwahlkommission für die Tschechoslowakei hat das Skrutinium der Wahlen zum XIX. Zionistenkongreß beendet. Insgesamt wurden in der Tschechoslowakei 17.620 Stimmen abgegeben, was eine Wahlbeteiligung von 70% der Schckelzahler bedeutet. Davon entfallen auf die Liste Arbeitender Palästinas 7198 Stimmen und 5 Mandate (XVIII. Zionistenkongroß 3), auf die Liste deß Mißnichi 4735 Stimmen und 3 Mandate (3), auf die Liste der Weltvereinigungder Allgemeinen Zionisten 4479 und 3 Mandate (2), auf die Liste der Judenstaatspareti (Dr. Emil Margulies) 1208 Stimmen und kein Mandat. * In Griechenland Saloniki, 31. Juli. Bei den Wahlen zum XIX. Zionistenkoin greß in Griechenland erlangten die Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten und der Misrachi je ein Mandat. * Die deutschen Delegierten zum XIX. Zionlstenkongreß Berlin, 31. Juli. Die Schekelaktion in Deutschland hat bekanntlich den Verkauf von 100.863 Schekel ergeben. Die deutschen Zionisten haben danach 34 Delegierte zum Kongreß zu entsenden. Da eine Einheitsliste aller zionistischen Richtungen in Deutschland aufgea teilt worden war, fand eine Wahl nicht statt. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland übermittelt nunmehr der Jüdb sehen Telegraphen-Agentur die Namen der 34 deutschen Delegierten zum Kongreß. Es sind dies: Alexander Adler (Berlin), S. Adlcr-Rudol (Berlin), Kurt Blumcnfeld (Jerusalem), Benno Cohn (Berlin), Isi Eisner (Berlin), Dr. Hans Friedenthal (Berlin), Hans Gaertner (Berlin), Hermann Gerson (Gliedern), Dr. Max Grünewald (Mannheim), Rudi Herz (Borlin), Edith’ Hirsch (Berlin), Dr. Salli Hirsch (Berlin), Rabb. J. Hoffmann (Frankfurt a. M.), Doktor Max Kreutzbcrger (Berlin), Dr. Georg Landauer (Jerusalem), Fritz Löwonstein (Berlin), Dr. Georg Lubinski (Berlin), Otto May (Köln), Dr. Franz Meyer (Berlin), Eugen Michaelis (Hamburg), Dr. Siegfried Moses (Berlin), Seew Orbach - Giwatli Brenner, Dr. Walter Pinner, Dr. Hans Pomeranz (Frankfurt a. M.), Dr. Alfred Rabau (Berlin), Israel Rubin (Breslau), M. Schattner (Berlin), Salman Schocken (Zwickau), Eva Stern (Berlin), Dr. Michael Traub (Berlin), S. Tschertok (Berlin), Doktor Kurt Tuchler (Berlin), Arnold Wiener (Beuthen), Dr. O. Wolfsberg Jerusalem). Bei Asthma und Herzkrankheiten, Brust* und Lungenleiden, Skrofulöse und Rachitis, Furunkulose und Ekzemen ist die Regelung der Darmtätigkeit durch zeitweisen Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef“-Bittor* wassers von großer Wichtigkeit. Erklärung der iüdischen Gemeinde Berlin Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veröffentlicht im Gemeindeblatt folgende Erklärung: „Heute wie jederzeit ist äußerste Zurückhaltung die selbstverständliche Pflicht eines jeden verantwortungsbewußten Juden. Er meldet die großen Schankstätten und Caf6s, er unterläßt überflüssige Promenaden, er zieht den Aufenthalt im eigenen Hause vor. Wer sich zur jüdischen Gemeinschaft bekennt, wer nicht als verantwortungsloser Außenseiter gelten will, muß sein Verhalten in der Öffentlichkeit ebenso wie im eigenen Kreise so einzurichten wissen, wie es die Würde unserer Gemeinschaft und das Bewußtsein der Verantwortung ihr gegenüber erfordert,“ AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER STOBERIPREISE Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend: Stimmungssänger Hans ßlaschek und Violinvirtuose R. Ohlensdiläger