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Die Stimme · 1935-08-02 · Heft 471 (2.8.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 471 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pfwis dieser Nummer XO g V. b. b. T".waa JÜDISCHE ZEITUNG Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „Galilca“, „Palestlna“ und „Gerusalcmme“ der direkten Kiilinie TRIEST - JAFFA des LLOYD TRIEST1NO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 655-- ' Auskünfte: Lloyd Triestino, I., Kärntnerring 6 Nr* 471 | Wien, Z. August 193S | Kedaktion und Administration. Wien, «arc-Aurel-Straße j fei.: (J 22-3-91 .ledaktionsschluB Montan und vittwoch vorm [ (3. Aw 5695) | 8. Jahrgang Roosevelt gegen die deutschen Judenverfolgungen Washington, 31. Juli. (2. T. A.) Auf Anregung cle>s Präsidenten R o o ß ev el' t übergab das States Department der USA der Presse den folgenden Text des Antwortibriefee des State Department an die amerikanischen jüdischen Organisationen, die gegen die erneuten antijüdischen Unruhen in Deutschland protestierten: „Das State Department versteht Ihre Besorgnis voll und ganz, die Sie über die Erfahrungen der Gruppen hegen, die nach hier vorgelegten Berichten in Deutschland Leiden zu erdulden haben. Die Idee der religiösen Freiheit und der Gewissensfreiheit für alle stellt einen der hervorragendsten Grundsätze unserer eigenen Zivilisation und unseres politischen Glaubensbekenntnisses dar. Da dies so ist, wird das amerikanische Volk immer der Erhaltung dieser Gedanken sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern sympathisch gegenüberstehen.“ USA-Senat sott Judenverfolgungen in Deutschland untersuchen Washington, 30. Juli. (2. T. A.) Senator King hat im amerikanischen Senat eine Resolution eingebracht, eine Kommission zur Untersuchung der Verfolgungen der Katholiken, Juden usw. in Deutschland einzusetzen. Berlin für jüdisdie Zuwanderung gesperrt!!Vier Juden im neuen holtän ätschen Senat Amsterdam, 31. Juli. (2. T. A.) Bei den Wahlen zur ersten Kammer des holländischen Parlaments wurden der bisherige Senator und bekannte Philanthrop S. van den B e r g h und Dr. Henri Polak, der Präsident der allgemeinen niederländischen Diamantenvereinigung, wiedergewählt. Außerdem tritt neu in die erste Kammer des Parlaments S. de Ia Bell a, eine führende Persönlichkeit in der sozialen Bewegung Hollands, ein. Im holländischen Senat sitzen insgesamt vier Juden als Angehörige der verschiedenen Fraktionen. Unter den Abgeordneten der anderen Hälfte des Senats, die diesmal nicht zur Wahl stand, befindet sich nämlich noch der bekannte Rechtsanwalt Mendels aus Amsterdam. und 'Inzerxdorf,(Nieder,-OstbrröicH) . PrüfungserJeichterung durchv I! Laufendes Auto im Lehrs?alü Berlin, 31. Juli. Die Stadt teilt amtlich mit: In neuerer Zeit ist beobachtet worden, daß trotz der erschwerenden Umstände ein außerordentlich starker Zuzug von ortsfremden Personen, und zwar in der Hauptsache von jüdischen Elementen nach Berlin stattgefunden hat. Da dieser Zuzug in jeder Hinsicht unerwünscht ist und den Maßnahmen der Regierung widerspricht, wird künftig für neuzugezogene hilfsbedürftige Juden, auch die Familien, die Fürsorge durchweg und ohne Ausnahme a u f d i e Anstaltspflege beschränkt und jede Unterstützung in offener Fürsorge versagt. Diese Hilfsbedürftigen werden grundsätzlich dem städtischen Obdach zugewiesen, um dort mit dem Notwendigsten versorgt und alsdann schnellstens wieder abgeschoben zu werden. Es wird also, so heißt es in der Mitteilung, vor dem Zuzug von Nichtariern nach Berlin auf das dringendstegewarnt. Dieser verstärkte Zustrom von Juden aus der Provinz ist auf die wachsenden Schwierigkeiten zurückzuführen, mit denen die in den Ortschaften oft einzeln lebenden Familien zu kämpfen haben. Da sie in der Provinz wirtschaftlich kein Fortkommen mehr finden, versuchen sie nun in Berlin irgendwie unterzukommen oder von Berlin aus ins Ausland zu gelangen. Der neue Erlaß bedeutet, daß die Judentums, den Ländern verhungern müssen. In Berlin dürfen nur Berliner Juden gefoltert werden. * * * Jüdische Sportler von der Olympiade ausgeschlossen Wie aus Berlin telegraphiert wird, ist soeben ein großer jüdischer Sportklub behördlich verboten worden. Die jüdischen Sportler, die seinerzeit die Erlaubnis erhielten, für die Berliner Olympiade 1936 zu trainieren, erhielten den Bescheid, daß sie v o ii der Teilnahme an der Olympiade ausgeschlossen sind. Damit hat Deutschland die von fast sämtlichen ausländischen Sportvereinigungen gestellte und von.Deutschland seinerzeit angenommene Bedingung, daß in Zusammenhang mit der Olympiade Diskriminierungen von Sportlern nach Rasse und Religion nicht stattfinden sollen, eklatant verletzt. Ebenso steht der Eindruck, also ob man in Berlin selbst nicht mehr an die Abhaltung der Olympiade in dieser Stadt glaubt und deshalb den Gefühlen gegenüber den jüdischen Sportlern nunmehr freien Lauf läßt. (Weitere Nachrichten aus Deutschland im Innern des Blattes.) Antijüdische Unruhen in Danzig und in Zoppot Aus D a n z i g kommen alarmierende Nachrichten über antijüdische Unruhen. Die von reichsdeutschen ■ Stellen ungeordnete Kampagne zur- Vertiefung der Weltanschauungin Danzigartete zu schweren antijüdischen Demonstrationen aus. Immer wieder fuhren heimische SA.-Leute zusammen mit aus Ostpreußen cingetroffenen SA.-Abteilungen durch die Straßen D a nz i g s und des Badeortes Zoppot und stießen in Sprec-hchören Schmäh- und Drohrufe gegen die Juden aus. Die Lastautos waren mit judenhetzerischon Transparenten verseilen. In Danzig wurden in den meist von Juden bewohnten Straßen, unter anderem auch vor dein Hanso der jüdischen Gemeinde, von SA.-Leuten B a r r i k a d e n aus alten Möbelstücken aufgestellt und in B r a n d g e s t e c k t. Dabei wurden antijüdische Losungen ausgerufen. In Z o p p o t griffen die mit Lastautos eingetroffenen Ex¬ FYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYVTYYYYYYYYYYYTYYYYYYYYYYYYYYYYYYYYY^ HEILBAD PI RANART H ] Ältestes Bad Niederösteireichs, 1 Stunde Autobus von Wien, lrink- und Badekuren (Moor- und Eisenbäder) gegen Rheuma, Gicht und sämtliche Frauenleiden unter ärztlicher Kontrolle. Vollpension schon ab S 6’-. Anfra en: Kurdirektion Bad IPiraw rth, oder Tel. R 37-5-31 < Iaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaäaaaaam zedenten das jüdische Kaffeehaus Tauding an, mißhandelten die Kurgäste, unter ihnen zahlreiche Ausländer. Ausländische Juden, die protestierten, wurden von den SA.-Leuten mit Dolchen bedroht. In Danzig und in Zoppot haben die SA.-Leute große Plakate in den Straßen angeklobt, in denen die Juden aufgefordert worden, Danzig zu verlassen. Überall erschien die Polizei erst dann, als die Demonstranten weitergezogen waren. Maturaschul^Universum1 Wien. IX., Garnisong. 3. Tel. A 20-4-48 Ein Fasttag der Judenhett Polens Das Warschauer Rabbinat beschloß, im Hinblick auf die erneuten Judenverfolgungen in Deutschland einen Fas 11 a g für alle Juden zu proklamieren. Das Datum des Fasttages wird uocli festgesetzt werden. Unter der Gummisohle Den Aufsatz der „Salzburger Chronik“, eines katholischen Organs, über denwirtschaftlichen, finanziellen und politischen Niedergang des österreichischen Judentums haben wir kürzlich erwähnt. Es wurde dort ausgeführt, das jüdische Bankenkiapital sei zusammengobrochen imd der Leitungsapparat weitgehend entjudet worden. Die Lage des Hauses Rothschild zeige, daß das Judentum unersetzliche finanzielle Verluste erlitten habe, die in der Folge seine finanzpolitische Entmachtung verursachten. Überhaupt sei der Nimbus der Juden als Wirtschaftsführer verloren gegangen. Dies alles sei wohl durch die äußeren Ereignisse, aber auch durch die eigenen Fehler der Juden selbst eingetreten, die auf der einen Seite den Kapitalismus vertreten, auf der anderen Seite die arbeitenden Massen gegen den Kapitalismus und für den Klassenkampf organU siert haben. Dieser innere Zwiespalthabe zur völligen politischen Entmachtung des Judentums geführt. Am Schlüsse sagt - der Artikel: ..Trotz dieses unleugbaren Niederganges, den das Judentum auch in Österreich zu ver*> zeichnen hat, soll nicht bestritten werden, daß auf manchen Gebieten der jüdische Einfluß noch immer bedeutend ist, mag man nun das Pressewesen, die Literatur, das Kino, das Theater oder die Kunst im allgemeinen betrachten. Auch hier wird im Zuge der Erneuerungsbewegung manches zu geschehen haben, was weit entfernt ist von jenem Antisemitismus, wie er heute im Deutschen Reiche üblich ist. was aber doch der geistigen Struktur unserer Erneuerungsbewegung entspricht,. Gerade der heutige Zustand des Judentums in Österreich scheint zu einer dauernden Lösung der Judenfrage geeignet.“ Rein von außenher scheinen die Angaben dieses Aufsatzes richtig. Wer sich daran gewöhnt hat, hinter allem „die Juden“ zu suchen, der glaubt an irgend ein geheimnisvolles Zentrum, von dem aus den einen Tag’ die kapitalistische, den anderen Tag die sozialistische Grundlinie vorgezeichnet wird, der dann „die Juden“, ob arm, ob reich, ob in Europa, oder in Asien, oder in Atlantis in Kadavergehorsam folgen. Entsteht nun irgendwo eine Krise, die das so kluge und berechnende Juden Zentrum nicht, vorhergesehen hat, dann kommt der Zusammenbruch. Das wird geglaubt oder man tut so, als ob nmn’s glaubt, weil das besser in den Kram paßt. Denn die Leute aus dem Kreis, in dem der Aufsatz geboren' wurde — er ist vom „Christlichen Pressedienst“ in Wien ausgegeben worden, wissen bei sich und für sich sehr wohl Bescheid. Es ist ihnen bekannt. daß die Bank- und Börsefülirer niemals als Juden in ihrem Fach tätig waren, daß sie vielmehr stets ängstlich bemüht waren, außer ein bißchen Philanthropie nichts für das Judentum zu tun. Es hat auch selbstverständlich niemals eine jüdische Stelle bestanden, die dirigierend eingegriffen hätte. Wahr ist, daß es kapitalistische, sozialistische usw, Juden gibt, so wie es kapitalisU- Häuserverwaltungen Reparaturkredite Qe!dbes<haffunsen Tel. A 48-9-22 _SENSAL_ WIEN, II., NORDPOLSi RASSE 2/3 Kauf- und Verkaufs* Vermittlungen kulantest

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