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Die Stimme · 1935-07-30 · Heft 470 (30.7.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 470 (30.7.1935)
Date
1935-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mm Kr. 470 — SO. Juli 1035 Oll IT1MMI Uh9 3 Blumenfelds neuestes Programm Die in Beyruth (Syrien) in französischer Sprache erscheinende Zeitung „La Syrie“ erscheint nun auch in einer deutschen Ausgabe unter dem Titel „Levante Tageblatt Orient Expres s“. In Nummer 89 dieser Zeitung vom 14. Juli 1935 finden wir einen Bericht über eine Rede Kurt B 1 u m e n f e 1 d <? über die „R en a i s s a n ce des Allgemeinen Z i o n i s m li s“. Diese Rede ist so, als ob sie — nicht von Kurt Blumenfeld wäre, von jenem Kurt Blumenfeld, der in Palästina die Arbeiterschaft auf forderte, den Friedenspakt niederzustimmen, der die „Kidmah“ gegründet, in Krakau einen unheilvollen Einfluß ausgeübt und überall dagegen gesprochen hat, daß der Allgemeine Zionismus eine Partei werden solle. Wir lesen da: „...Die Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten sei eine neue Partei, aber nicht nur im statistischen Sinne, sondern auch ihrem Wesen nach.“ .. daß die palästinensische Gruppe ,Kidm.ah‘ als politische Organisation zu existieren aufhören werde, sobald die neue Partei, in der‘.eie aufgehe, in Erez Israel konstituiert worden sei.“ „..; Der Kampf der Parteien und Interessen wird in Erez Israel organisiert, nicht nur. als stelle er den Sinn des Zionismus dar, sondern als hätten wir kein größeres Bedürfnis, als aus Erez Israel ein Museum für abgewirtschaftete politische und wirtschaftliche Theorie n 'zu machen, an diesonst in der ganzen Welt,kein Mensch mehr glaubt. Ein hemmungsloser Liberalismus, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet, macht seinen Einfluß der Allgemeinheit auf das ökonomische Leben, das überall sonst unter schärfster Kontrolle des Staates steht, unmöglich, und das Festhalten eines großen und wichtigen Teiles der Bevölkerung an einer sozialistischen Ideologie, mit .der. das nationale Verhalten ihrer Bekenner in unversöhnlichem Widerspruch ' steht, höhlt die . Position, der. Arbeiterschaft, das heißt der großer Masse des Volkes, in einer Weise aus, voi der den besten und einsichtigsten ihrer Führer seit langem graut, ohne daß sie bisher den Mut gefunden haben, den Weg zt-rückzufinden zu einem wirklich jüdisch fundamentierten Zionismus, wie er einmal im’ Hapoel Hazair seine Anfänger gefunden bat.“ „...Eine Jugend, die systematisch in den Lehren des Marxismus erzogen werde, handle folgerichtig, wenn sie das Land verläßt und den höheren Löhnen in der Stadt zustrebt. Sie tut nichts, als was ihre Führer von ihr verlangen: sie ist gut marxistisch. Erst wenn diese Jugend gelernt haben wird, statt Marx A. D. Gordon als dem Führer zum jüdischen Sozialismus zu folgen, wird sie wieder im wahren Sinne zionistisch sein.. „... Die neue Partei der Allgemeinen Zionisten wird immer und überall den B egriff des Volkes über den der Partei, der Klasse, des Sonder- Interesses stellen.“ „... Bei dem heutigen System der Erziehung durch dio Parteien werden in unseren Schulen verschiedene Völker erzogen, die sich nicht verstehen, obwohl eie alle hebräisch sprechen. Es war einer der hervorragendsten Führer der palästinensischen Arbeiterpartei, der Blumenfeld kürzlich sagte: ,Wonn es doch nur möglich wäre, unsere Jugend bis zum lfl. J-ahro aus aller Politik auszuschaltenl4 Dio gloicho Partei läßt in ihren Schulen den ersten Mai feiern und die rote Fahne h i s s e a, obwohl sie weiß, daß das eine innero L ü g o i s t.“ Kurt Blumenfolds Rede liest sich in ihren wesentlichen Ausführungen wie ein Auszug aus dem Krakauer Programm des Weltvorbandes der Allgemeinen Zionisten. Blumenfelds politisches Verhalten von der Gründung der Kidmah bis zur letzten Krakauer Konferenz stellt zu seiner hier auszugsweise wiedorgegebenen Rede in einem krassen Widerspruch. Wie heißt es doch im „Faust“: „Mit Worten läßt sich prächtig streiten, mit Worten ein System bereiten . . Wir wollen Taten sehen. Es läßt uns kühl, wenn nach Krakau die I Grundsätze unseres Programms nachgebetet werden, wenn man die Notwendigkeit einer Entpolitisierung der Histadruth betont oder wie Kurt Blumenfeld erklärt, daß die Frage der Arbeit sbeziehungen in Palästina, „nicht nur eine Angelegenheit der Histadruth und der Arbeitgeberverbände, sondern eine nationale Frage sei“, Das Schiboleth für uns ist der Irgun der allgemein-zionistischen Arbeiter. Wir werden Kurt Blumenfeld und seine Freunde erkennen lassen, welcher Wert ihren Erklärungen seit der Krakauer Konferenz zukommt. Das Ausland und die deutschen Vorgänge Der Bürgermeister von New York La Guardia hat einem deutschen Staatsangehörigen eine Lizenz zum Betrieb eines Massagesalons mit der Begründung verweigert, daß Deutschland den 1925 mit den Ü. S. A. abgeschlossenen Handelsvertrag, der eine gleiche Behandlung von Deutschen und Amerikanern vorsieht,-wo es sich um wissenschaftliche, philantröpisohe, religiöse und freie Berufe handelt, mehrfach gebrochen habe, indem es amerikanische Juden in Deutschland unterdrückt' und in'der Ausübung ihrer Berufe behindert hat. 'Die Nationaisozalisten in New York ver- Wie Rassenschande gemacht wird Vor kurzem waren, wie berichtet, in Breslau sechs Juden und sechs arische' Frauen wegen des „Verbrechens der Rassenschande“ ins Konzentrationslager überführt worden. Die „Westfälische Landesz&tung“ teilt jetzt die Protokolle, die mit den Verhafteten aufgenommen wurden, zum Teil in Wortlaut mit. So wird der Fall des 21jährigen Juden' Heinz Grabowski, der mit der Christine Elisabeth Rohde verkehrt hatte, ausführlich wiedergegeben, wobei auch ihre Bres- ’auer Adresse mitgeteilt werden. . Beide geben ihre intimen Beziehungen zu; )ie Protokolle enthalten alle für den jungen arischen Leser wünschenswerten . Einzelheiten. ' Die '„Westfälische. -Landeszeitung“ ,verT iffentlicht noch, drei weitere Protokolle, die Ue nach diesem Schema abgefaßt sind. Noch beachtenswerter als ihr Inhalt erscheint die Tatsache, daß sie weder vor Gericht noch vor einer anderen ordentlichen Behörde zustandegekommen sind, sondern daß diese Vernehmungen in einem Konzentrationslager stattgefunden haben, und daß die Betreffenden, die zu diesen eigenartigen Aussagen über ihr privates Liebesverhältnis veranlaßt wurden1, sich unter schwerem Zwäng befunden haben. Die Protokolle wurden von der „Westfälischen Landeszeitung“ unter der Überschrift „Geständnisse jüdischer Wüstlinge“ veröffentlicht. Diese eigenartige Publikation wirkt aber selbst auf die Parteikreise abstoßend und wird daher als politisch schädlich betrachtet. Die Gauleitüng der nationalsozialistischen Partei in Westfalen-Süd hat daher eine Erklärung veröffentlicht, in der‘sie „von dieser Art der.Berichte rstatt'Ung.g'anz entschieden a b r ü c k t“. Die Folge dieser Erklärung war, daß der für die Veröffentlichung verantwortliche Schriftleiter aus der „Westfälischen Landeszeitung“ entlassen werden mußte. Die Streicher-Banden Mitteilungen aus Berlin hier emgetroffener nichtjüdischer Persönlichkeiten ist zu entnehmen, daß die Berliner Juden während der Pogromtäge nicht nur Beschädigungen an Körper imd Eigentum orleiden mußten, sondern auch ‘ in schwerer Sorge um ihre Existenz gelebt haben. Die Unruhen waren keineswegs auf den Kurfilnstendamm und dessen nächste Umgebung beschränkt, sondern sie breiteten sich auf viele westliche Viertel, wie zran Beispiel Bayerischer Platz, Tiergartenviertel usw„ aus. Auch in diesen sonst stillen Wohnvierteln hausten die S/treicher-Band o n wie Vandalen, sie zerstörten von Juden gehaltene Eisdielen, schlugen in den Kaffeehäusern und Geschäften die Fensterscheiben ein und mißhandelten brutal die. Eisdielen- und Kaffeehausbesucher,, unter ihnen auch zahlreiche jüdisch aussehende Christen. Die Geschäfte wurden mit Aufanstalteten in Brooklyn eine Versammlung, u.m gegen das Vorgehen La, Guardias zu protestieren. Reuter meldet a-us Washington: Der demokratische Senator King gab bekannt, daß er ©ine Resolution ausarbeite, in der gefordert wird, eine Untersuchung darüber anzustellen, ob die Vereinigten Staaten nicht die diplomatischen Beziehungen mit Deutschland abbrechen sollen. .Wie Senator.. King hiezu weiter ausführt, unterdrückt das Hitler-Regime die Juden und Katholiken und erfüllt nicht seine Verpflichtungen den Vereinigten Staaten gegenüber. Schriften wie „Jüdischer Mißt“, „Ans Palästina importierter Dreck“ u. ä. m. beschmiert. Käufer wurden gewaltsam verhindert, die Geschäfte zu betreten. Die meiste Sorge bereitete aber der Besuch von Streicher-Posten und S. A.-Leuten in den Wohnhäusern, wo sie sich überall erkundigten, ob und welche Juden in diesen Häusern wohnen und sich Namen und Adressen genau aufsChrieben. Man hat den Eindruck, daß die schnellen Meldungen der Auslandspresse und die Art, wie das Ausland auf die Ereignisse in Berlin reagiert hat, noch Schlimmeres, als das, was geschah, verhindert hat. Aber die Angst ist noch nicht gewichen. Wie in Berlin kam es auch in -mehreren Städten der Prpvihz zu schweren Ausschreitungen gegen die Juden, über die aber anscheinend die Zeitungen nicht berichten dürfen; man erfährt? über sie aus Mitteilungen der Polizeistellen. So hat die 2. T. A. über antijüdische Unruhen in Hessen und in Baden berichtet, über die man erst aus Ankündigungen der Polizei und aus Gerichtsverhandlungen erfuhr. Bemerkenswert ist eine Veröffentlichung der Breslauer Staatspolizeisteile, aus der hervorgeht, daß es auch in Breslau zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen ist. Es wird mitgeteilt, daß es „aus politischen Motiven zu Mißhandlungen von Personen gekommen ist“. Die Polizei führt diese Vorgänge auf jüdische Provokationen zurück, will' aber keinen Zweifel' darüber lassen, „daß sie jede Person, die aus politischen Gründen andere Personen mißhandelt, sofort in Haft nehmen und der Bestrafung zuführen wird. In besonderen Fällen erfolgt Überweisung in ein Konzentrationslager“. Ein Flugblatt In ganz Deutschland wird ein Flugblatt folgenden Inhalts verteilt:;,D i e Juden schänden die Kinder, Frauen und Bräute der Deutschen, sie ermorden deren Eltern, stehlen den Deutschen Eigentum, Boden und Ehre, machen sich über die deutschen Sitten lustig und schmähen die deutsche Kultur. Jüdische Ärzte morden Euch nach und nach nieder. Jüdische Rechtsanwälte verhelfen Euch nie zum Recht. Jüdische Lebensmittelhändler verkaufen verdorbene Nahrungsmittel, jüdische Schlächterläden sind schmutziger als Schwoineställe.“ Weiter wird in den Flügzetteln schwere Zuchthausstrafe für den Geschlechtsverkehr zwischen Ariern und Nichtariern vedaaigt und die Todesstrafe und Vermögensbesoblagnahme. bei wiederholtem Begehen dieses Verbrechens sowie Sterilisierung der aus solchem Geschlechtsverkehr entspringenden Kinder und schließlich die Ausbürgerung der deutschen Frauen und Mädehen, die freiwillig intime Beziehungen zu Juden unterhalten, angekündigt. Brief aus Erez Israel: k/omt* ma*t &ei üm spricht J er us al e xn, den 1Juli. Die Reise durch die Woche beginnt, im Hafen von, Jaffa. Als dieser Tage die „Polonio.ihre Fracht an, Immigranten aus geladen hatte und die Maschinen wieder zu stampfen, anfingen, schaukelten in dem. entstehenden Ge welle das Boot der Sochnuth- Beamtem daß es fast umkippte, währ- . xd ein zweites, das das Gepäck der Einwanderer trug, gegen die Bordwand der „Poloni/t“ geschleudert wurde und so schwer beschä,- di,gt wurde, daß es leckte. Wasser drang ein, und schließlich sackte der Kutter ab. Das Gepäck der Einwanderer schwamm im, Meer umher. Ein Teil wurde wieder aufgefischt ... * Unter den Gästen, die ixxs Laxul kamen, ist Rabbiner Stephen W i s e, einer der Führer der amerikaxiischen Judenheit. Er sieht Erez Israel seit 13 Jahren zum ■■ erstenmal wieder. Unter den verschiedenen Erinnerungen, die er — von einem Journalisten interviewt — zum besten gab. interessierte im, Augenblick insbesondere eine . Unterhaituxig mit dem jüngst verstorbenen Hauptmann Dreyfus. Der Sohxt des Hauptmannes, erklärte Wise, sei führend tätig in, der Bewegung für dexx, jüdischen Weltkongreß. Die Stadtverxcaltung Tel-Aviv ehrte das Andexxken an Dreyfus durch eine Gedächtnisansprache in einer Stadtratssitzung uxxd, durch den bei dxeser Gelegenheit gefaßten, Beschluß, einer der Straßen der Stadt den Namen des Märtyrers zu geben. * Da die Zahl der Verkehrsuxifälle sich beträchtlich gesteigert hat, fand in Tel-Aviv eine öffentliche fiktive Gerichtsverhaxxdlung gegen die Wildlinge der Straße statt. Einer der Hauptzeugen, ein Vertreter des. „Roten Magen David“, teilte mit, daß es im. vergangenen, Jahr 4046 Verkehrsuxxfälle in Palästina gegeben habe, in den ersten drei Monaten dieses Jahres jedoch bereits derexi 1563. Die Angeklagten, unter ihnen ..der Mann,. der den Kopf verloren hat“ und ...Grxscha der Nachlässige“ konnten zu. ihrer Verteidigimg den schlechten Zustand, einiger Straßen, aber soxxst nicht viel geltend machexi. Auskünfte über Reisen nach erteilt Dr. S. Tocker,' welcher seine. Btiroräumlicbkeiten nach IX.. Ußchtenstelnstraße 2, Tel. A 14-504, verlegt hat Bei dieser Gelegenheit seit mitgeteilt, daß eine der gefährlichsten Stellen des" LatxdCs, das Kurvengeioixxde bei Moäah an der Landstraße Tel-Aviv—Jerusalem, durch Bau einer xieuen Straße herabgemindert werden soll. In Jerusalem selbst ist die Verbreiterung der Jaffastraße vorgesehen. Auch hatnunmehr der Uhrturm vor der Hauptpost das Zeitliche gesegnet; er kommt in den xieuen Stadtpark. Er wird zwischen. King David- Hotel und deutscher Kolonie - gelegexi sein. Aber sein endgültiges Aussehen steht noch nicht ganz fest. Die englischen Truppen möchten ihn durch einen Golfplatz verschönt sehen; die Stadl Verwaltung scheint dieser Golfströmung nicht entgegenkommen zu wollen. * Kwxizah Gevah, nach der Provenienz ihrer Siedler auch „Kwxizah Pinsk“ gexxxmxxt, ivill ihrem im Winter hier ertrunkenen Führer uxxd Freund Herschel Pinsker ein Denkmal setzenDer Schriftsteller Malkin stellt gegexxwärtig eine Gevath-Anthologie zusammen, die literarisch und dokumentarisch zugleich sein wird. Und in der Kolonie Dgaxijah wurde der Gnmdstein gelegt zu einem kleinen Museum, das dem Gedächtnis A. D. Gordons gewidmet sein soll, des Schriftstellers, der als Fünfzigjähriger hieherkam uxxd Ax'bexter wurde. Von ihm spricht man jetzt in Erez Israel am meisten. Erich Gottgetreu Ünterlelbserkrankungen. Ärztliche Fachschriften erwähnen, daß das natürliche „Franz- JoseP-Bittenvasser auch gegen Kongestionen nach der Leber und dem Mastdarm, sowie bei Hämorrhoiden, Prostataleiden und Blasenkatarrh sicher und angenehm wirkt. i.

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