Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 470 (30.7.1935)
- Date
- 1935-07-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIC STIMM! Nr. 470 — 30. Juli 1035 mordet worden und die Kulturwelt sandte ihnen die herzlichsten Grüße und Sympathien. Die Kulturwelt eicht jetzt schon seit mehr als zwei Jahren die braune Pest an der Arbeit, sie sieht die Verbrechen an den deutschen Juden — und sie hat den Verfolgten ihre wärmste Teilnahme ausgedrückt. Sie hat die jüdischen (und auch die christlichen) Flüchtlinge aus Deutschland dem brüderlichen Gefühl der Juden der Welt übergeben. Es wurde sogar vom Völkerbund unter ausdrücklicher Anrufung des besagten Gewissens ein Hochkommissar eingesetzt. Aber er erhielt nur moralische Unterstützung. ..Blumen, nichts als Blumen!” Das Gewissen der Kulturwelt hat sich nicht geregt, als die Saarjuden ausgeliefert wurden und es hat nichts in Danzig unternommen. Die Juden in den europäischen Kerkerländern haben keine Macht und deshalb sind sie für die Kulturwelt kein Gegenstand tätiger Beiachtung und deshalb bleiben auch alle Versuche, den Territorialismus aus seinem Schlafe zu wecken, erfolglos. "Die seinerzeitige Zangwillsche Ito-Gesellschaft hat ganz Afrika durchwandert, hat Südamerika bearbeitet und ist zu keinem. Ergebnis gekommen. Ihr fehlte nicht nur die politische Stützung, sondern auch die psychologische Untermauerung im Judentum selbst.' - Die' jüdische Masse ist, -soweit sie positiv zur Zukunft ihres Volkes Stellung nimmt, zionistisch, palästinisch eingestellt. Ihre Geschichte und ihre Tradition weisen sie nach dem Land am Mittelmeer. Der Beweis hiefür liegt in der aufriittelnden Wirkung, die der zionistische Gelanke unmittelbar nach seiner Wiedergeburt am Ende des 19. Jahrhunderts übte, und in den Tatsachen, die seither in Palästina geschaffen worden sind.-Der Zionismus ist. die Erfüllung einer politischen Erkenntnis, die da besagt: Das Land, das wir brauchen, ist schon vorhanden, wir sind schon drin. Der Zionismus ist eine seelische Notwendigkeit. Der Territorialismus aber ist, auch wenn er unter dem Namen einer Freiland-Bewegung auftritt, eine künstlische und erkünstelte Sache, die niemals in die Masse eindringen und ihr Enthusiasmus abringen kann. Wozu Angola, . Angra Pequena, Kanada, Ecuador — wenn wir Palästina haben, und wenn dort schon die ersten Schwierigkeiten kolonisatorischer ■ Siedlung überwunden sind? Wozu an Regierungen und Parteien mit dem -Hut in der Hand anbetteln, wenn es ein. .Land gibt, in dem die Juden nicht kraft Duldung, sondern kraft Rechtes sind, ein Land, dessen historische Verbindung mit dem jüdischen Volk öffentlich-rechtlich anerkannt worden ist?. Alle diese Länder, auf die der Territorialismus sein Augenmerk richtet, sind in fremdem Besitz; sie gehören Völkern, die selbst. mit Krise und Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben und deshalb automatisch mit antijüdischen Tendenzen zu rechnen haben,’ "die sich unweigerlich einstellen würden. Die geringfügige Ansiedlung jüdischer’ Emigranten am holländischen Wattenmeer, auf einem leeren und unbenutzten Landstrich, hat Anlaß zur Gründung einer nationalsozialistischen Partei gegeben. Und wenn alle die Gebiete in Afrika oder’Südamerika von irgendwelchem Wert für europäische Menschen aus der Mittclmeerrassc wären, so brauchten sie nicht erst auf die Juden zu warten. Man kommt mm mit der Mathematik. Palästina ist zu klein, um .die Millionen der in Unrast gefallenen Juden aufzunehmen. Aber das ist nur in Bezug auf das Westjordanland richtig, obzwar auch hier noch gut zwei Millionen Menschen untergebracht werden können.. Dann ist aber der Negev da und das große Transjordanien. Wenn man in diesem Teil der Welt sieben bis acht Millionen Juden konzentrieren könnte, so wäre nicht allein die erste Not gebannt, sondern auch ein imposantes Machtzentrum geschaffen, das in der Politik ein sehr kräftige« Wort mitzureden hätte. Das sind Probleme der Organisation, der Geldaufbringung und der politischen* Arbeit. Sie sind nicht unausführbar. Es ist in unserer Zeit mit Hilfe des Völkerbundes der Austausch von Griechen und Mohammedanern, und die Überführung der bulgarischen Mohammedaner vorgenommen worden. . Die Türkei hat in dem Jahrhundert vor dem Krieg die Rückwanderung der Mühadschirs aus den verlorenen Gebieten durchgeftihrt. 0'* sind i'OÜlr- Fragen uuBerord: uLk!> , schwierig, und «de komplizieren sich in dem] J jüdischen Fall noch durch die Rücksicht auf Besitz und Kapital. Aber es handelt sich nicht um Unmöglichkeiten, und es ist noch der Vorteil zu bedenken, der sich aus der Existenz der jüdischen Siedlung in Palästina mit ihren großen moralischen Kraftreserven ergibt. Wir haben die Hilfe des Völkerbundes zu fordern. Das ist ein politisch-diplomatisches Problem und e6 gibt noch Möglichkeiten. Sie sind in jedem Falle besser fundiert als das nervöse hysterische, aus Panik geborene Umhereuchen und Tasten des Territorialismus, zumal wir für Verhandlungen über die offiziell anerkannte Jewish Agency verfügen. Die Zukunft des jüdischen Volkes ist allein durch den Zionismus gewährleistet. Aber ist nicht diese ganze niederdrüokende Situation von heute eine furchtbare Anklage gegen alle, die am zionistischen Werke nicht mittun? Hätten in den vergangenen 35 Jahren oder auch mir in den Jahren seit dem Krieg alle die Personen, die außerhalb des Zionismus, sich mit jüdi- Unter großer Bewegung gingen in g a n z Palästina die Wahlen von Delegierten zum XIX. Zionistenkongreß in Luzern’vor sich. Im ganzen Lande wurden 85.001 Stimmen gezählt. Auf die Palä-stinens i s c h e Arbeiter partei (Mapai) entfielen 58.554, auf die yemenitischen Arbeiter, die der Mapai angeschlossen sind, 2000 Stimmen, so daß die. Anzahl der Mapai- Stimmen 69% ausmacht; auf die Liste der Weltverei'nigung (Gruppe A), entfielen .5954, auf den Welt verband (Gruppe B) 3500, auf den H a p o e 1 Hamisrachi 8721, auf den Misrachi 2664, auf den „M israchi Hawatik“ 765, auf die J u d e n s t a a t s p a r t e i (Großman-Gruppe) 924, auf die Yemeni t e n 3904 Stimmen. Da nur noch eine kleine Zahl Stimmen aus. entlegenen kleinen. Orten fehlen, so dürften sich .keine, größeren Veränderungen* mehr ergeben. Neben den Arbeiterparteilern haben demnach in Palästina die , politisch die gegenwärtige Exekutive unterstützenden Allgemeinen Zionisten der Weltvereinigung . und sehen Fragen befassen, mitgearbeitet, so stünden wir heute viel weiter. Das Judentum in Palästina wäre numerisch, politisch und wirtschaftlich stärker, und es wäre vor allem ein politischer Faktor geworden, der mit der englischen Mandatsvertvaltung schärfer sprechen könnte und der sieh der Genfer Institution ganz anders in Erinnerung bringen könnte. Jedes andere Volk hätte die Situation, ihre Notwendigkeiten und Möglichkeiten begriffen, und es hätte verstanden, daß es in solchen Zeiten keinen Separatismus und keine Parteien geben kann. Alle Kraft auf Palästina vereinen, das bereits Erreichte zu sichern und zu erweitern, alle materiellen Reserven auf die territoriale Position hinlenken, das wäre in jedem Volk außer Diskussion gestellt worden. Im Judentum gibt es beute, wo eine halbe Million' Juden schon festverankert auf der jüdischen Erde lebt, noch Nicht zionisten, Antizionisten und Freiland-Schnorrer. der Hapoel Hamisrachi am besten abge schnitten. -In den einzelnen Städten ergab sich folgendes Bild: In Tel-Aviv wurden für die Mapai 17.570, für Misrachi 1120, für die Judenstaatspärtei 663, für Weltverband der All gemeinen Zionisten 1959, für Yemeniten 2238, für Hapbel Hamisrachi 3059, für yemenitische Arbeiter 1001, Misrachi Hawatik 203, Handwerker 45 Stimmen abgegeben. In Jerusalem erhielten: Mapai 4399, Misrachi 547, Judenstaatspartei 64, Weltverband 266, Yemeniten 503, 'Hapoel Hamisrachi 960, Weltvereinigung. 655. yemenitische Arbeiter 371, Misrachi hawa tik 392 Stimmen. In Ristion le Zion, Mikweh JIsrael, Safed. Tibörias, Kfär- Saba, -Rechoboth Und Herzlin wurden abgegeben für Mapai 5589, Misrachi 89, Judenstaatspa.rtei 30, Weltverband 358. Yemeniten 375, Hapoel Hamisrachi 417, Weitvereinigung 614,, yemenitische Arbeiter 384 Stimmen. | Ferienfahrt der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung“ tnil SninmolpaB nach Polen und Cernauti am 4. August. Rilckfalu len: f. und 15. September Technische Durchführung, Anmeldungen uni Auskünfte: Jsterr, Verkehrsbureau, Wien, I., Friedrichetr. 7, Tel. B 27-500 und Graben 20, Tel. U 20-0-35, Polnisches Reisebüro „Orbis“, Ml®n, l„ Kärntnerstr. 41, Tel. R 20 1-13, und Reisebüro „Marienorllcke", Wien,!., Rotenturmstr. 28, Tel R 24-2-8« u R 24 2-87 kapital der „Simson“. An der Spitze des Verwaltungsrates wird I) r. W e i z m a n n stehen. Der Direktor der Tote-Meer-Konzession, N o w o m e y s k i, hat während seiner jüngsten Anwesenheit in London Unterhandlungen über eine Zusammenarbeit aller an der chemischen Industrie in Palästina interessierten Faktoren geführt, Palästinas Budget hochaktiv „Palestine Gazette“ veröffentlicht den Rechnungsabschluß der Palästina-Regierung für das im März 1935 zu Ende gegangene Finanzjahr. Die Einnahmen im Berichtsjahr betrugen 5,452.663. die Ausgaben 3,230.010 Pftfnd, so daß sieh ein Überschuß von 2,222.653 Pfund ergibt. Durch diesen riesigen Überschuß erhöhte sich der R eservefonde der Regierung auf 4,735.555 Pfund — eine bisher nie erreicht« Summe. Das Reservekapital übersteigt das Ausgabenbuctget eines Jahres um 150 Prozent. | Auskünfte über Reisen nac*1 erte lt öl* 9m I UmCDS nunmehr Wien iX.. Liechtensteinstraße 2 * Tel. A 14-504 Was Palästina bringt Der offizielle Einnahme-Voranschlag für das abgelaufene Jahr betrug 3,482.000 Pfund, er wurde also um fast zwei Millionen Pfund überschritten. Allein an Steuern ging fast eine Million mehr, ein als die Regierung präliminiert. hatte. Anderseits haben sich die präliminierten Ausgaben um 25.000 Pfund vermindert, sie haben aber immerhin die Ausgaben des vorangegangenen Finanzjahres um mehr als eine halbe Million Pfund überstiegen. Etwa die Hälfte der Einnahmen des abgelaufenen Finanzjahres, 2,600.000 Pfund (218.000 Pfund im Monatsdurchschnitt), flössen aus Steuern ein. Die zweitgrößte Position von über einer Million Pfund setzte sich aus Lizenzgebühren u. ä. m. zusammen. Die dritte Position über 800.000 Pfund betrifft Einnahmen der Gerichte und der speziellen Dienste. Post und Telegraph erbrachten 355.817 Pfund. Aus dem Regierungseigentum flössen 21.618, aus Zinsen 97.101 Pfund ein. Halbe Million Pfund für Polizei und Gefängnis Auf der Ausgaben seite figurieren als die größte Position 506.712 Pfund für Polizei- und Gofängniswesen. Die zweitgrößte Position von 257.867 Pfund figuriert unter dem Namen „Verschieden e s“. Für öffentlicho Arbeiten wurden 228.874 Pfund (außerdem 262.877 Pfund für außerordentliche Arbeiten) ausgegeben. In Post und Telegraph wurden etwa 250.000 Pfund investiert. Die weiteren Ausgabepositionen sind: Erziehungswesen 201.497 Pfund, Gesundheitswesen 166.310 Pfund, Ackerbauwesen 147.285 Pfund, Verteidigungskräfte 144.118 Pfund, Ausgaben im Steuerwesen 147.620 Pfund, Diistrikteadministration 108.790 Pfund, Zinsen für Anleihen 126.904 Pund, transjordanische Grenzkorzps 165.164 Pfund, Kanzlei des High Commissioner 10.693 Pfund. Kommunisten Im Hungerstreik Jerusalem. Im Zusammenhang mit einem Hungerstreik der in dem hiesigen Gefängnis untergehraehton Kommunisten kam es am 24. Juli abend« zu Demonstrationen von Kommunisten und Arabern, die. dagegen protestierten, daß dio Häftlinge picht, als politisch« Gefangen« behandelt würden. Bei <lie«er Kundgebung fiel plötzlich aus der Monge ein Schuß, worauf dio Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machte und in kurzer Zeit, die Menge zerstreut«. Vorletzt wurde niemand. ¥* ■ Die Wahlergebnisse in Warschau (Telephorubericht ufiseres Korrespondenten.) Warschau, 29. Juli. Die gestern in Warschau durchgeführten Wahlen zum XIX. ZionistenU *eß brachten folgende Ergebnisse. Es erhielten: Welt Vereinigung der Allgemeinen Zionisten . . . 2571 Stimmen Weltverband der Allgemeinen Zionisten .... 500 „ Misrachi . ...... 2763 „ Judenstaatspartei . . . 488 „ Arbeitendes Palästina . . 6693 „ Allgem. zionistische Jugend ' Hanoar . 53 „ Die Wahlbeteiligung betrug 60 bis 70%. Der Wahlapparat lag in den Händen des Arbeitenden Palästina und der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten. Der Hauptkampf wurde zwischen Misrachi und Arbeitendem Palästina ■ auegefochten. Viele Schekelzahler des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten konnten ihr Wahlrecht nicht ausüben, da sie nicht aiuf die Wahllisten gesetzt waren. Wohl hatte man ihnen versprochen, daß man sie bei den Reklamationen berücksichtigen werde, dies ist jedoch nicht gevschehen. So mußten zahlreiche Schekelzahler des Weltverbandee am Wahltag von Lokal zu Lokal wandern, ohne wählen zu können. Die Wahllokale selbst standen unter strenger polizeilicher Bewachung, trotzdem kam es zu verschiedenen Zusammenstößen. In mehreren Fällen mußte dio Polizei intervenieren und es gab auch eine Reihe von Verwundeten. Insbesondere wurden Mitglied des Arbeitenden Blocks von Budisten und Kommunisten überfallen. Provinzresultato liegeD noch nicht vor. Ergebnisse in anderen ländern Von den zwei belgischen Mandaten fäll! ei::*-;' auf das Arbeitende Palästina, eines auf die Allgemeinen Zionisten. r ★ Die beiden holländischen Mandate bekleiden d‘er Allgemeine Zionist F. Bernstein aus Rotterdam, für den 901, die Poale-Zionistin Mirjam de Leeuw^Gerzon aus Amsterdam, für di« 532 Stimmen abgegeben wurden. Misrachi, auf den 246 Stimmen entfielen, ging ohne Mandat aus. Im ganzen haben 1679 Schekelzahler abgestimmt. PALÄSTINA MELDET Die arabische Presse über das Anwachsen der Schekel-Ztthler - Jerusalem. (Palcor.) Der arabische „Fa lest in“ weist auf die große Zahl von Schekel-Zahlern zum nächsten Kongreß hin, obwohl sich an ihm die Revisionisten und ■ die „russischen •Juden“ nicht beteiligen. Gegenüber dieser stärken Ausbreitung des . Zionismus stehen die Araber ’— so schreibt das Blatt weiter -rwie ein zersplittertes, desorgan i s i e r t e s Lager da. Typhus-Epidemie im Emeh Chefer Jerusalem. Im neuen jüdischen Siedlungsgebiet E m e k Chefer (Wadi Havarith) ist eine Bauchtyphue-Epidemie ausgebrochen. Vier der Erkrankten starben.. Der Jisohuw forderte die Regierung auf, eine Aktion zur Bekämpfung der Epidemie durchzuführen, sowie überhaupt mehr als . bisher für die Besserung der Gesundheitsverhältnisse auf dem Lande zu tun. Heue Zemcntfabrlh ln Haftul - In der jüdischen Kolonie H a r t u f an der Eisenbahnlinie Jerusalem—Lydda wird eine neue große Zementfabrik unter dem Namen „Simson“ errichtet.. Dio Masohinenausstattimg kommt aus England. Die Imperial* Ceramic Industries (Molchett Konzern) beteiligt' sich, mit 35.000 Pfund am- Aktion-. Kongreß wählen in Palästina