Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 470 (30.7.1935)
- Date
- 1935-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frei« dieser Nummer so« V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 470 |j Wien, 30. Juli 1935 | Redaktion und Administration; Wien, i., Marc-Aurel-Straße ö. Tel.: U 22-3-91. .ledaktionsschluS Montag und Mittwoch vgrm. | (39» Tamus 5695) | 8« Jahrgang Erklärung des Bürgermeisters von New York Der New Yorker Korrespondent des „Journal“ hatte eine Unterredung mit dem Bürgermeister La Guardia. Der Bürgermeister sagte unter anderm: „Es ist eine bekannte Tatsache, daß amerikanische Bürger jüdischer Abstammung keine Achtung in Deutschland genießen. Zahlreiche Beschwerden von der Art, wie sie Deutschland jetzt wegen der Verweigerung der Lizenz für den deutschen Masseur macht, sind von Amerika vergeblich zugunsten amerikanischer Bürger, die in Deutschland leben, gemacht worden. Meine Haltung Ist“, sagte der Bürgermeister, „also die Folge dieses Zustandes.“ Hiezu berichtet auch die Pariser Ausgabe des „New York Hera 1 d“ aus Washington, daß die Ankündigung Deutschlands, es betrachte den deutsch-amerikanischen Handelsvertrag von 1925 als gekündigt, von der amerikanischen Regierung nicht anerkannt wurde. (Siehe auch Seite 3.) Das deutsche Judentum ist zionistisch Wie das Zentralbüro der Zionistischen Exekutive in London mitteilt, sind in Deutschland für die Jahre 5694/95 100,863 Schekel abgesetzt worden. Während der letzten für einen Vergleich in Frage kommenden Periode 5690/91 sind insgesamt nur 27.087 Schekel in Deutschland untergebracht worden, so daß eine Steigerung um beinahe das Vierfache eingetreten ist. Die deutsche Kongreßdelegation wird etwa 34 Mitglieder zählen. Sie wird nach einem einheitlichen Vorschlag zusammengesetzt werden. Die Illegalen Im Unterhaus fragte Oberst Wedgwood nach der Zahl der illegalen jüdischen Einwanderer, die jetzt gegen Bürgschaft in Palästina sind und über deren Ausweisung noch keine Entscheidung getroffen wurde. Malcolm MacDonald erwiderte; Es leben jetzt in Palästina 77 Juden, die vorher im Gefängnis wegen illegaler Einwanderung waren, unter Bürgschaft. Ara 11. Juli d. J. befanden sich 133 Juden als Illegale Einwanderer in den Gefängnissen; von diesen harren 91 ihrer Aburteilung, während 42 in Haft sind, weil die Formalitäten für ihre Freilassung gegen Bürgschaft noch nicht erfüllt worden sind. Kerker und Ausweisung Aus Jerusalem meldet die JTA.: Das Gericht in Z i f t a verurteilte 47 Personen, Juden, Christen und Araber, wegen Illegaler Einwanderung nach Palästina z u G e f ä n guisstrafen und späterer Landes Verweisung i Palästina-Debatte im Unterhaus Palästina-Debatte im Unterhaus London, 28. Juli. Im Verlauf der Kolonialdebatte besprach James de Rothschild die wirtschaftliche Benachteiligung Palästinas in der Mandatspraxis. Palästina ist dem Dumping Japans schutzlos ausgeliefert. Er protestierte gegen die Zulassung minderwertiger arabischer Arbeiter, während die jüdische Einwanderung gebremst wird. Weiters forderte er die Öffnung Transjordaniens. Die jungen Leute, die in Deutschland keine Existenzmöglichkeit haben, können auch nirgends anders als in Palästina Arbeit finden. Die Regierungskassen in Palästina sind voll von jüdischen Steuern, aber das Land bleibt den tüchtigen jungen Juden verschlossen! Wedgwood wandte sich gegen das Transferabkommen mit Deutsch- 1 a n d, das die Juden zwingt, deutschen Import zu betreiben. Die Kapitalistentaxe müsse von 1000 Pfund auf 250 Pfund herabgesetzt werden. Barnett Jänner forderte die Errichtung einer Eisenbahnstation in Tel-Aviv. Der Kolonienminister Malcolm MacDonald gab ausweichende und kalte Antwort. Er sei der Ansicht, daß der Oberkommissär so viele Juden einlasse, als das Land absorbieren kann. Er gab zu, daß die Regierung ihre Überschüsse zur Erweiterung des arabischen Schulwesens verwende, doch stelle sie jetzt auch den jüdischen Schulen Mittel zur Verfügung. Der Überschuß betrage jetzt fast sechs Millionen Pfund. Im Nationalsozialismus bestellen in bezug auf diio Judenirago zwei Richtungen; die eine will don Juden das Leben unmöglich mach ca, die andere will ihnen das Leben nehmen. Ein Programm auf längere Sicht und ein Sofortprogramm, das man auch Sofortpogrom nennen kann. Die Bekenner der zweitem Richtung sind vor Woohemfrist zu einer Aktion geschritten, angefeuert durch die F1 o h r e d e des Goebbels und durch dessen Mitteilungen über jüdische Demonstrationen gegen einen Film, die niemals »tattgefunidem haben, weil kein Jud© in dem Theater anwesend war. Goebbels hat deon Streicher gepfiffen und so erfolgte prompt die Reaktion der Volksseele gegen die jüdischen Provokateure: Geischäffcsläden, Kaffeehäuser, Konditoreien. Eine jüdische Frau, die sich vor ihren Mann stellte, wurde niedergeschlagen, gepeitscht und mit Stiefeln getreten; ein kleiner Judenbub wurde sitraßemlamg gejagt, bis ihn ein barmherziger Chauffeur zu sich ins Auto riß. Diese allzu lärmende Art hat im Ausland peinlich gewirkt und es trat ein „ruhiger“ Ablauf ein, dessen Ursache die „Wiener Zeitung“ in o n g- 1 i s c h e n Einflüssen vermutet. Beim Führer, der sich fern von den Dingen in Bayern von seinem Ftihrergcschiii't ausruht, fand eine Führerbesprechung statt. Ihr erstes Ergebnis ist schon sichtbar: Graf Helldorf hat die Einzelaktionen verboten, Goebbels hat einen Kommissar zur Überwachung der nichtarischen geistigen Arbeiter ernannt. Helldorfs Erlaß ist der „Reichspost“, dem Organ der slowakischen Agudah, sehr gegen den Strich und sie setzt hinter das Verbot ein zorniges Rufzeichen. Sie hat ln der Vorwoche erklärt, daß sich die nächtlichen Exzesse am Kurfürstendamm mehr auf der Ebene der nassempolitisch-kommerziellen als auf jener der konfessionellen Auseinandersetzungen vollzogen haben. Das heißt, an die Agudah adressiert: Der Religion geschieht nichts, man raubt nur ihre Bekenner die ’Sy n ag o ge in der Fasanen- Straße demoliert und geschändet worden. Und wie es weiter gehen soll, darüber hat sich der neu© N i ch t a rie r-Ü b erwach ungskommiss ar Hinckel bereits in dem Goebbelsschen „Angriff“ geäußert. Hier und dort finden Juden noch Arbeit und das soll abgestellt werden. Diese „Grenzfälle“ müssen geklärt werden. Die Parteigenossen sollen alles mitteilen, über die Anonymen und Go j nonymen. Aus dem Jargon der Neu deutschen in gutes Deutsch übersetzt, heißt das, es sollen alle angezeigt werden, die Christen und die Juden. Ein Appell an alle guten Instinkte der D e n u n z i a n t e n a r m e e. Man kann sicher sein, daß der Aufruf befolgt; werden wird und daß noch ein paar hundert Juden ums Brot gebracht werden. Damit sich dieser Prozeß aber rascher abwickedt, wird bereits eine Intensivierung des antijüdischen Kampfes durch Streicher angekündigt, der bereits mitteilen läßt, daß er sehr bald Staatsmdnister zur Bekämpfung der Juden sein wird. Es besteht demnach volle Klarheit über die beim Führer in Hohensalzburg gefaßten Beschlüsse. Es gibt dabei noch immer Leute, die behaupten, daß dieser Antisemitismus und seine Methoden dem deutschen Volk nur a u f o k t r o i e r t worden sind, und daß das Volk sie nicht billige. Ja sogar — heißt es — nicht einmal die Nationalsozialisten seien zur Gänze damit einverstanden. So wird jetzt ein Aufsatz des westfälischen Gauleiter-Stellvertreters S t ü r t z verbreitet — es geschah dies telephonisch aus Berlin, also mit Zustimmung des Goebbels — der angeblich gegen die Streicher- Nethoden Stellung nimmt. Alle gutdeutschen Juden — es gibt ihrer noch eine Menge — sind erfreut. Aber wenn man den Aufsatz genauer besieht, so findet man darin die folgende, vollkommen eindeutige Stelle: Freiland oder nationales Heim Eine jüdische „internationale“ Freiland- Propaganda macht wieder von sich reden* Es wird von einer „Bewegung“ gesprochen* die für die neue jüdische Wanderung ein Territorium sucht. Pläne dieser Art liegen jetzt in der Luft. Die Hitlerei in Deutschland, die politischen und ökonomischen Verfalleerscheinungen im Judentum des Ostens und die Verarmung des gesamten Judenvolkes wirken zusammen, um Phantasten zu ermutigen. Es sind Phantasten' und Phantasien; die Unterlag© bildet die Hoffnung auf das „Gewissen der Kulturwelt“. Die Völker — so wird argumentiert —< könnten nicht Zusehen, wie das Milli omenvolk der Juden zugrunclegeht, gejagt und verfolgt wird; sie müßten ihm ein oder mehrere Gebiet© ziuweisen, auf denen es sich' sammeln und zu einem mehr oder, minder autonomen Staatswesen zusammen/« schließen kann. Aber das sind vergebliche: Hoffnungen. Das Gewissen der Kulturwelt, wenn es überhaupt besteht, interessiert sich nicht für die Juden, nicht für ihr Schicksal jetzt, noch weniger für ihr Schicksal in der Zukunft. Armen Menschen gibt man — vielleicht — Almosen, aber dann schickt man sie weg. Das Gewissen der Kulturwelt spricht sich in Versammlungen mit schönen Reden und prächtigen Beschlüssen aus. Damit hat es sich genüge getan. Das wird nicht einmal durch religiöse Gesichtspunkte beeinflußt. Die christlichen Armenier, die christlichen Nestorianer, dio christlichen Chaldäer sind hinge- Unglück!4 oder etwas Ähnliches in die Weltgeschichte zu brüllen. Der Nationalsozialist, der sich seiner moralischen und auch physischen Kraft bewußt ist, faßt die Sache anders an. Ohno viel Aufhebens, ohne das vielfach üblich gewordene, an eine eierlegende Henne erinnernde Gegackel und ohne Spektakel geht er daran, dem Juden und dem Judentum die Grundlagen seiner Macht streitig zu machen und ihm überall, wo, dies möglich ist, das Wasser abzugraben.“ Das ist genau dasselbe, was Streicher irad Goebbels sagen, und auch der Hinweis auf die physische Kraft fehlt nicht, Sie sind ein einig Volk, zu dem auch die gehören, die das Hakenkreuz ansonsten verschmähen. Tod den Juden! miit oder ohne Aufhebens, und die geistige Führung kommt aus denn Buch „Mein Kampf“, das jetzt gemäß Befehl der Parteileitung jedem Hitler-Jungen eingehändigt werden soll. Zur Ergänzung wollen wir noch anführen, daß seit neuestem auch die deutsche Presse über die Sklaverei in Abessinien sieb auf regt... Billige Sonderfahrten nach Polen u.Czernowltz a u ö u n d s c h 13 g t - i r d n nn t o t. Das stimmt zwar nicht ganz, denn es ist ja auch Rückfahrten am 1. und 15. September 1035 Nach Zakopane zu den Bergleste-Feiei „Halbfertige, Halbstarke, Unsichere mögen cs nötig haben, mit nachgerade hysterisch anmutendera Geschrei, weil i bi« n. a-/3uii .U’genblicklich große Mode sein soll, durch1 ^3« EijurbahnermüWsuns - Polnisch« VUum gra die Gegend zu rufen: ,Die Juden sind unser i„FrälKOpol", |||.f Rennweg 1. Telephon Ul