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Die Stimme · 1935-07-22 · Heft 468 (22.7.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 468 (22.7.1935)
Date
1935-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'Tr. 468 — 22. Juli 1935 Oll 1TIMMI Seite 5 Gisa n Dr. med. Neu mann Adalbert Epstein IX. Arad Verlobte Im Juli 1935 Die Woche in Erez Israeli PALÄSTINA MELDET; Wiederum Hungerstreik illegaler Einwanderer im Jerusalemer Gefängnis Jerusalem, 19. Juli. Vor mehr als einer Woobe sind sechs Jude n, die wegen illegaler Einwanderung verhaftet wurden, im Jerusalemer Zentralgefängnis in den Hungerstreik getreten. Die Verhafteten erklärten, sie stammen aus Rußland und dürfen deshalb nicht deportiert werden. Vier Verhaftete haben nun begonnen, Nahrung zu eich zu nehmen, während zwei im Hungerstreik aueharren. Ein dritter Hafen in Palästina? Jerusalem, 18. Juli. Die arabische Presse meldet neuerdinge, daß die Palästina-Regierung beabsichtige, einen neuen Hafen im Süden zw "bauen, weil die Häfen in Jaffa und Haifa den Ansprüchen nicht genügten. Im Jahre 1934 wurden in den palästinensisch eo Häfen 2520 Dampfer mit einer Tonnage von 592 Millionen registriert. Der Güterumschlag betraf 1*29 Millionen Tonnen gegenüber 0-91 Millionen im Jahre 1933. Auskünfte Uber Reisen nach erteilt Dr. S. Tocker, welcher seine Büroräumlichkelten nach IX., Liechten- 8teinstraße 2, Tel. A 14-504, verlegt hat Der High CommUsloner empfängt 180 jüdische Kolonisten Jerusalem, 19. Juli Am 17. Juli empfing der High Commissioner im Regier ungshause als seine persönlichen Gäste 180 jüdische Kolonisten, um sich für die Gastfreundschaft, die ihm die Kolonisten auf seinen Reisen durch das Land gewährten, zu revanchieren. Ansprachen wurden nicht gehalten. Neue Entwicklung in Afule, Jerusalem, 19. Juli. In Afule, dem Ort, der vor Jahren als der Hauptort des Emek gedacht war,' aber in seiner Entwicklung zurückgeblieben war, macht sich jetzt ein neuer Aufschwung bemerkbar. Auf einem Areal von 600 Dunam, welches der Keren Hajessod von der Gesellschaft „Kehilat-Zion“ erhalten hat, werden 40 Familien angesiedelt werden. Die Bautätigkeit ist jetzt in Afule wieder sehr rege. Die Bank „Zerubabel“ hat vom Keren Hajessod Baukredite zu niedrigem Zinsfuß erhalten. Pension Eckstein rinr Die Leistungen der patästinensischen Eisenbahnen Jerusalem, 19. Juli. In den ersten fünf Monaten 1935 haben die Eisenbahuen in Palästina 535.000 Tonnen Waren befördert und hierfür über 200.000 Pfund eingenommen. Diese Ziffern entsprechen der Leistung des Gesamtjahres 1931/82 und erreichen fast die Ziffern des Gesamtjahres 1932/33, In den ersten fünf Monaten 1935 beförderten die Eisenbahnen über eine Million Passagiere gegenüber 1,275.000 Passagiere im Gesamtjahr 1983. Die Einnahmen aus dem Passagierverkehr überstiegen die Ziffern des Jahres 1934 um 54%. Obstipation. Ärztliche Berühmtheiten erkennen an, daß das natürliche „Franz-Joset“- Bitterwasser auch bei Menschen vorgerückten Alters zuverlässig wirkt, u*au Ui um spuckt Jerusalem, im Juli. Der abessinische Krieg wirft nickt nur seine Schatten, sondern auch seine Lichter voraus. Eine palästinensische Metallfabrik arbeitet in drei Schichten, um Stacheldrähte herzustellen— für den Verbrauch in Palästina. Früher' wurde dieser Draht aus Italien bezogen, aber das denkt jetzt nur noch an sich, seine Soldaten.' und seinen Krieg .. Etwas unheimlich ist diese Spezial- Prosperität. * Aus Nablus schrieben eine Reihe junger Aratier an die abessinischen Autoritäten, ■man möge sie in die ' Reihen ihrer Armee auf nehmen, Und „M-Difa“ schW,gt die Entsendung einer arabischen Ärzte-Belegation vor. ln Palästina selbst ist ein Baukrieg ausgebrochen. Die Bauunternehmer. Jerusalems beschweren sich, daß ihre Anträge monatelang Xiegen bleiben und im übrigen ohne Verständnis behandelt werden. Es wird sogar behauptet, daß die Baupolizei in zweitausend Fällen Verstöße gegen ihre Vorschriften festgestellt haben will und Änderungen fordert} die es geradezu verlangen, eine größere Zahl von Häusern einfach, niederzureißen. Kein Wunder, daß viele der Bauunternehmer unter diesen Umständen nach Tel-Aviv. gehen, wo die Beziehungen zur Stadt besser, die Baubedingungen günstiger sind. * Haifas nächste Großbauten erstehen auf dem dem Meere abgerungenen Platz, am Hafen. Die Regierung hat ihn dieser Tage meistbietend versteigert und kein schlechtes Geschäft dabei gemacht. So hat Barclays Bank ein Gebiet von 900 Quadratmeter, das für einen Bankbau vorgesehen war, für 710 Pfund-Sterling pro Quadratmeter erworben: auch einige lokale Banken hatten auf das Grundstück spekuliert, es sollte jedoch nicht-geteilt werden. Ein-anderes Terrain fand seinen Besitzer für 2750 Pfund Sterling pro Quadratmeter! Endlich blieb noch Räum für ein großes Hotel. Vermutlich wird .sich hier das, ,JZing David“ einen Ableger schaffen. Gehört noch im Bild, daß die Stadt Haifa die Absicht hat, eine Anleihe von 500.000 Pfund. Sterling aufzunehmen. (Von der „Stimme“ bereits gemeldet. Anm. der Red.) Eine .neue Schule, die in Neeve-Sha(anan bei Tel-Aviv gebaut wprd, soll den Namen Bialiks tragen. Die Alliance-Schule in Jerusalem will ihre handwerklichen Abteilungen wieder eröffnen, jedoch nicht mehr — wie früher — in Verbindung mit einem Internat. Die Studenten der Universität beschweren sich — und verliehen ihrer Beschwerde in einem halbtägigen Streik und einem Massenmeeting Ausdruck —, daß die Agrarökonomie im Plan der Universität nicht genügend Berücksichtigung fitidet. Und die Misrachisten, die Xemeniten, ein Teil der „Allgemeinen“ und die Juden$taatsparteUer sind empört darüber, daß die Schulen der Hlstadruth in dm vom Waad Leumi kontrollierte Schulwerk der „Knesseth Jisrael“ aufgenommen wurden, ln Wahrheit und vom nationalen Standpunkt aus hat der Waad Leumi mit seiner Einigung einen durchaus beträchtlichen Erfolg errungen. Er bemüht sich jetzt um einen neuen: er versucht auf dem Londoner Markt eine Anleihe von 130.000 Pfund Sterling zu erzielen, wofür neue Schulen gebaut werden sollen. Die Verhandlungen stehen vor dem Abschluß. $ ln den Schulen unterhielt man sich über den Leviathan, dessen Kadaver in der Höhe von Herziia am Land geschwemmt worden ist — sieben Meter lang, anderthalb breit und sechs Tonnen schwer. Zahlreiche Kopfwunden deuten auf des Tieres Heldentod im, Meer. Aber es starb nicht umsonst: wissenschaftliches Leben wird, aus den Ruinen seines Skeletts, das sich die Hebräische Universität sofort zu sichern wußte, erblühen. Und t auch der fromme, stille Glaube hat hier seinen-Stoff: zeigt doch das Erscheinen des Leviathan die nahe Ankunft des Meschisch an. . ' * Lehrer und Journalisten werden zu Pädagogen d®r Hygiene. Sie geben in ihren Klassen und Zeitungen dringend notwendige Anweisungen medizinischer Natur. Besonders gefährlich und, bedrohlicher als sonst sei es in diesem Jahr, ungewaschenes Obst zu essen, wird verkündet. Ferner toird darauf hingewiesen, daß in einer Reihe von Siedlungen typhoides Fieber ausbrach: Hulda meldete sogar zwei Todesfälle. Der „Davar“ fordert mit Recht, daß nicht nur das Zentrum Tel-Avivs anständig gesprengt und gekehrt wird, sondern auch der Kranz ier Vororte. Die Stadtverwaltung muß sich Hase Forderung zu Herzen genommen haben, denn sie hat daraufhin sehr strenge Vorschriften erlassen; und wer nicht vor dar eigenen Türe kehrt, muß zahlen. * Kein Wuitder, daß in diesen epidemieschwangeren Wochen auch die Diskussionen über die mißlichen Krankenhausverhältnisse wieder in Gang gekommen sind. Die Hadassah läßt jetzt das alte Rothschild- Hospital in Safed erneuern, die „Rupath Cholim“ ein hundertbettiges Sanatorium auf dem Karmel bauen, und was Tel-Aviv anbelangt, so scheint -auch hier in absehbarer Zeit ein größeres Krankenhaus errichtet zu werden: nötig ist es längst. Ebenso erforderlich scheint aber auch eine sorgfältigere Schulung (und Bezahlung) der Krankenschwestern zu sein. Die Klagen über ihre Nachlässigkeit sind häufig, und die maßgeblichen Zeitungen schweigen sich au.s einer ganz falschen sozialen Solidarität aus. * Die „Mitteilungsblätter der Olei Germania“ gaben den neuen Einwanderern sehr wertvolle medizinische und hygienische Ratschläge, ■ die. nächstens auch in Buchform vorliegeh werden. Eine sehr informative, deutschgeschriebene Broschüre „Rechtswesen in. Palästina“ hat die „Hitachduth“ bereits vorgelegt. Und selbst der „Keren Kajemeth“ entschloß, sich — gemeinsam mit dem Omanuth-Verlag — seine - hübsche kleine „Palästina-Bibliothek“, die Monographien aus der jüdischen Geschichte und zionistischen Entwicklung bringt, sowie die Jugend-Serie „Heimat“ in deutscher Übersetzung erscheinen zu lassen — für die Gahith, wo sie werben soll; aber auch für Palästina, wo unter vielen Neueinwanderern die Verbreitung palästinensischen Wissens ein zwingendes Gebot ist. Endlich wird Hugo Hermanns neues Palästinabuch — dessen Titel noch nicht feststeht — in deutscher Sprache in Jerusalem gedruckt werden, . . «6 Die NaMonalbibliothek teilt mit, daß sie als wertvolle Spende die gesamte Dokumentation des Falles Schwarzbart erhielt: das „Comite des Delegations Juives“ in Paris überließ ihr eine große Reihe von Briefen utid Akten von und über Schicarzbart. * Auch in einem erfreulicheren Zusammenhang ergaben sich einige Beziehungen zu französischen Interessengebieten: in der Alliance-Schule in Jerusalem und außerdem in einem Tel-Aviver Kreis, wurde Victor Hugo gefeiert; und das Pasteur-Institut versammelte viele Ärzte und einige Redner zu Ehren Pasteurs: unter den.'Rednern befand sich auch der. Dichter , Saul T scher nik o ws ky. Erich Gottgetreu. Dia JUdlsdi« akademisch« Verbindung „Unltas" teilt blemit allen Angehörigen und Freunden in tiefstem Schmerz mit, daß Ihr Ueber Gründung«- und Bhr'enbursch Dr. Karl Pollak Ira 63. Jahre «eines dem Jüdischen Volk und der zionistischen Idee gewidmeten Lebens, am 17. Juli verschieden ist. Der Verbindung ist er ein Lehrer und Führer, dem Jüdischen Volk ein treuer, opferbereiter Sohn, dem Zionismus ein ergebener Diener gewesen. Mit Stolz wird die Verbindung stets seiner gedenken. Wir haben Dr. Karl Pollak am Sonntag den 21. Juli zur letzten Ruhe geleitet. FldueMI Der Alte-Berren-Verband der „ünitas“ Die Aktivitas der „Unltas“ Ernst Bpler Dr. Saul Jeclea Georg Mohr Präses Sehr! tftilirer Billige Sonderfahrten nach Polen u.Czemowitz Abfahrten: Sonntag, 28. Juli und die folgenden Sonntage Rückfahrten am 4. August, 1- und 15. September Nach Zakopane zu den Bersfeste-Felern vom k. bis 11. August 70%ig« Elsenbahnermalllgung — Polnisches Visum gratis ,Fran<opolMf III., Rennweg 1. Telephon U16-4-90 AUS DER JÜDISCHEN WELT Der Status der jüdischen Gemeinden Bulgariens gefährdet Die jetzige bulgarische Regierung unter der Ministerpräsidentschaft Indreja T os c h e f f s geht daran, ein neues Gesetz über die Religionen der Bevölkerung zu oktroyieren. ’ Danach werden wohl religiöse, nicht aber nationale Minderheiten anerkannt. Dies gilt auch für die Juden, die bisher als eine nationalk u 11 u r e 11 e Minderheit galten und demgemäß' organisiert waren. Nach dein neuen Gesetz soll die jüdische Gemeinde einen exklusiv-religiösen Charakter und eine rein religiöse Vertretung erhalten. Ob die Repräsentanten der Gemeinde zur freien Wahl gestellt oder nominiert werden, steht nicht fest. Das Projekt bedeutet einen Rückschritt in der Entwicklung des jüdischen Gemeindewesens und einen schweren Schlag gegen die Rechte der Juden als nationale Minderheit. Vom 12. bis 14. d. tagte in Sofia eine außerordentliche Konferenz der jüdischen Gemeinden und des Zentralkonsistoriums der bulgarischen Juden. Es wurde einhellig beschlossen, von der Regierung die Wahrung des nationalkulturellen Charakters des jüdischen Gemeindewesens zu verlangen. Eine Delegation wird dieser Tage den Ministerpräsidenten und den Kultusminister besuchen und ihnen die Beschlüsse der Konferenz übermitteln. * Ein Zehntel der bulgarischen Juden nach Palästina aus ge* wandert Unter den bulgarischen Juden besteht große Unzufriedenheit über die allzu geringe Berücksichtigung der Auswanderungsbedürfnisse der bulgarischen Juden bei der Zuteilung von Zertifikaten für Palästina. Alle jüdischen Gemeinden in Bulgarien werden jetzt von Zionisten verwaltet. Bis jetzt sind zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung nach Palästina übersiedelt; einen solchen Prozentsatz der Palästina-Wanderung hat bisher keine andere jüdische Gemeinschaft aufzuweisen. Diese starke Auswanderung aus Bulgarien hat ihre Begründung vorwiegend in der zionistischen Gesinnungder jüdischen Einwohnerschaft, da die Verhältnisse hier verhältnismäßig nicht allzu schlecht sind. Trotzdem werden seitens- .der Jewish Agency den bulgarischen Judennur sehr wenige Zertifikate, und auch diese nur für Chaluzim, zugeteilt, obwohl sehr viele geeignete Elemente auch in anderen Klassen der jüdischen Bevölkerung vorhanden sind. Infolge dieser Praxis herrscht große Unzufriedenheit in zionistischen Kreisen, nur mit Mühe konnte der Zionistenführer Beschlüsse über Austritt aus der Organisation, Boykott, der nationalen Fonds usw. vereiteln. Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten bat beschlossen, bei der Exekutive der Jewish Agency Protest zu erheben, der Landesverband der Zionisten beschloß, in ganz Bulgarien Protestkundgebungen gegen die geringe Zertifikate-Zuteilung zu veranstalten. Ein Führer der südafrikanischen Juden gestorben Im Alter von 50 Jahren verstarb in Johann isburg Benzion Hers eh, eine führende Persönlichkeit im -südafrikanischen Judentum und im Zionismus. Er war einer der Gründer des Verbände« der südafrikanischen Zionisten und des südafrikanischen Board of Deputies. Er wurde in Litauen als Sohn von Mayer Hersch, einem der ersten Cbowewej Zion im damaligen Rußland, geboren. Er begründete 1909 die Zeitung „The Jewish Standard“ und später den „Zionist Record“.

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