Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 468 (22.7.1935)
- Date
- 1935-07-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054223--5198-3060905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oll STIMM! Seite Z Nr. 468 22. Jul! 1985 bequeme Sonderfahrt der „IRUT" nach Polen—Czernowitz am Sonntag, 28. Juli. 1015 Ostbhf; ferner am 4., 11. und I8. August Rückfahrten am 4. Augist, 1. und I5. September, Sofort-Anmeldungen n. Platzbelegung: Reisebüro „8?uSMf Wien. I.. Karlsplatz Nr, I — Kärnt.icrstraße 63. Telephon U 44-5-79. Verantwortiiehkeit existiertnielt. Recht, ist, was dem System nützt,, und wo das geschriebene Recht nicht ausreicht, dort setzt das ge-unde Volksempfinden ein, das eben jetzt in das Gesetzbuch eingefügt worden ist. Aus diesem gesunden Volksempfinden heraus sind die Erlässe erflossen, die dem Juden verbieten, arische Mieter, arisches Hausgesinde und Angestellte zu behalten, arische Patienten zu behandeln. Was wird wohl aber in der Praxis geschehen, wenn ein Jude in Befolgung dieser Vorschrift Ariern keine Wohnung vermietet, arisches Personal entläßt oder Ariern die ärztliche Betreuung verweigert? Was immer die Juden tun — am Ende ist das Konzentrationslager oder das Zuchthaus.. Wenn nicht ,clas Krankenhaus oder der Friedhof. Es wird vielfach behauptet, daß diese .Judenverfolgung angesichts der Lage der Juden an sich sinnlos und unverständlich wäre, wenn . sie nicht zum Zwecke außenpolitischer Erpressungen ins Werk gesetzt worden wäre.' Deutschland wolle Geld und Kolonien und biete hiefür das Leben der halben Million Juden aus. Das kann aber nichtrichtig sein. Das Ausland steht dem Schicksal der deutschen Juden in kühler Gelassenheit gegenüber, so daß sie kaum den Wert eines Schacherobjektes hätten. Niemand wird diesem Deutschland, das das Vermögen seiner Bürger, das Werk seiner Arbeiter vergeudet, Geld borgen und niemand wird dieser Rasse das Wohl und Wehe von Negern anvertrauen, die an Ehrenhaftigkeit des Herzens, an Empfinden für Treue und Wahrheit turmhoch über diesen Braunen stehen. Wenn etwas für die Juden Deutschlands geschehen kann, dann ist die.- nur auf dem' Wege einer internationalen Polizeiaktion möglich, die nicht .einmal ausgeführt, sondern nur demonstrativ angedeutet werden müßte. Denn im Grunde ihrer Seele sind die Braunen feig und zittern vor dem Ausland, wenn es ihnen seinen Wollen zeigt. Am 25. Juli des Vorjahres hat Mussolini zwei Divisionen an die Brennergrenze gestellt und hat erklärt-, er werde nach München marschieren, um Ordnung zu machen. Das war eine Sprache, die Hitler sofort verstanden hat. Es gibt noch einen zweiten Weg, die Juden Deutschlands., zu erlösen: Öffnung Pa-, lästinas und Transjordaniens und Überführung der Juden Deutschlands unter Aufsicht des . Völkerbundes nach Erez ' Israel. Das erfordert große Geldmittel, genaue Organisation und diplomatische .Aktivität. Das erfordert vor. allem einen öffentlichen Antrag der zionistischen Exekutive an den Völkerbund. Wird das geschehen? Inland Der Antisemitismus auf Gummisohlen Die klerikale „Salzburger Chronik“ veröffentlicht eine längere Darstellung, in welcher der Rückgang des österreichischen Judentums im Bank- und Finanzwesen geschildert wird. An der Spitze der Nationalbank und der Kreditanstalt ständen Christen. Das Haus Rothschild besitze zwar noch immer ein für Österreichs Verhältnisse großes Vermögen, habe aber doch seinen Jagdbesitz an den Staad abtreten müssen, da es das Personal nicht mehr erhalten könne. Diese Entwicklung, macht auch vor der Industrie nicht halt, die ja von der Kreditanstalt als der einzigen Bank alimentiert werde. Es zeige sich, daß die Zurückdrängung des jüdischen Einflusses aus der Wirtschaft auch mit anderen Mitteln durchgeführt werden könne, als sie im Deutschen Reich an gewendet werden. Der Artikel schließt mit einem Hinweis auf die Presse und andere Gebiete, in denen noch jüdischer Einfluß besteht. Hier wird also zugegeben, daß der antisemitische Kampf organisiert geführt wird. Es wird, was ja nicht unbekannt | ist, der sogenannte jüdische Einfluß ln stiller, aber nachhaltiger Weise, ohne! Lärm und Aufsehen, herabgedrückt. Daß! dabei viele Tansende von Existenzen, und nicht nur jüdische, zugrunde gehen, spielt offenbar keine Rolle, Die Juden werden eben dafür bestraft, daß sie staatstreu sind, ehrlich arbeiten und Steuern zahlen. Der Nationalsozialismus der Tat wirkt sich an ihnen aus. Dem Ausland gegenüber wird aber immer die Verfassung hervorgeholt. Uzvztüud Budik-Qedeukfdec du töieuu JCuttu#$enieinde Gedächtnisgottesdienst im Stadttempel Aus Anlaß des 31. Todestages Theodor H e r z 1 s und des 1. Todestages Chaim Naohmao B i a 1 i k s fand Sonntag abends im gutbesuchten Stadttempel in der Seitenstettengasse ein Gedächtnisgottesdienst statt. Im Rahmen eines 'Festgot'tesd-ienstes unter Mitwirkung des Oberkantors Mathyas und des Tempelchores wurde eine schlichte, aber überaus würdige Gedenkfeier für . die zwei großen Führer in Israel abgehalten. Oberrabbiner Dr. F euchtwang hielt die Gedenkrede In liebevoller Weise und formvollendeter ' Rede; zeichnete Oberr rabbin'er Dr. Feuchtwang die Persönlichkeiten dieser zwei bedeutendsten Führer des modernen Judentums.. Naohdemö.berrabbiner Feuchtwang an die erste Trauerkundgebung der Wiener Judensc-liaft vor 31 Jahren im Großen Musik v'ereinssäale erinnert hatte, an der .Wolfssohn, 'Marmorek, Coweny Sokolow, Ussisohkin, Lewin, Stand, Kahn und der junge Cbajes teilnahmen, und . er, Doktor Feuchtwang, die Gedenkrede hielt, führte er u. a. folgendes aus: - Herzl — der Schöpfer des jüdischen Staatsgedankens Herzl ist zur geschichtlichen Persönlichkeit geworden. D.js Schicksal des jüngst verstorbenen Hauptmannes D r e y f u s war der Ursprung des Wiedererwachens des Juden in Herzls großer Seele. Er wurde zum Erwecker des totgewordenen jüdischen Nationalbewußtseins, nicht Erfinder, wie er es selbst im „Judenstaat^eagt. Denn .niemals seit dem Untergang' des Reiches ’ ist Zion und Erez Israel im jüdischen Volke ganz erloschen,-ganz gewiß nicht in den Millionen Gläubigen'und' in der jüdischen Kultur und Literatur lebenden Juden. Für andere Millionen Juden war Herzl der leidenschaftliche Verkünder und Prophet des Neü-Zionismus, für alle Juden in der Welt aber ist er zum politischen Schöpfer des jüdischen Staategedankens geworden. Was bis zu seiner Zeit bloß religiöse Sehnsucht der Frommen war, ist zur Wirklichkeit, zur politischen Bewegung geworden. Herzl brachte Loben in die träge Galuthmasse, die er ausder schwächlichen Passivität in die stolze Aktivität emporführte. Sein „Judenstaat“ ist und bleibt die Grund schrift für alles, was seit ihm und nach seinem Tode innerhalb und außerhajb der zionistischen Welt für Palästina geschah und geschieht. Das große Erlebnis des unerhörten Wiederaufbaus in Erez Israel, das wir vor uns sehen,'ist ohne Herzl undenkbar. Und dieser Wiederaufbau ist nicht nur .physisch-materiell, er ist sittlichkjU 11 u r. e 11 f Ü r . d a s ganze jüdische Volk'von Wert, auch für den Teil, der dem zionistischen Gedanken noch immer ferne steht. Wie beglückt wäre Herzl beim Anblick des heutigen Palästina. Seine Idee trug in sich lebendige Kraft zur Neu- und Wiederbelebung. Denn: Lebendigkeit trägt sieh selbst. Blallh - das mahnende Gewissen des Volkes Alles, was in den letzten dreißig Jahren in Erez Israel gewachsen und geworden ist, geht im letzten Grunde auf 'Herzl zurück- Wir haben heute den ersten Jahrestag Bialiks, - Auch -dieser Große in Israel, unstreitig einer der Größten, ist letzten Endes ein Kind und eine Frucht dieses Bodens und dieser Zeit, wenn auch die Wurzeln seines Geisteswerkes viel weiter zurückliegen. In ihm entstand unserem Volke der größte Dichter seit Jehuda Halevy. Bialik hat vielleicht Jehuda Halevy als Dichter noch Ubertroffen. Was er uns geschenkt hat, ist königlich und groß. Er bat die ganze tiefe Seele des jüdischen Volkes ausgetrunken, und trunken von dieser Seele sie wieder erlebt und in einer Form und Sprache wiedergegeben, die allein mit der Sprache der Bibel verglichen werden kann. Das sind keine Dichtungen, keine Ge-1 dichte, das sind in prophetische Form gefaßte höchste Lehren und Prophetien, herausgesprudelt aus seinem leidenden, jauchzenden jüdischen Herzen. Bialik wurde zum mahnenden Gewissen seines Volkes. Und während der zehn Jahre seines palästinensischen Lebens hat es nichts Großes gegeben, worüber er nicht befragt und gehört, worden wäre. „Was sagt Bialik dazu?“ — da.s war der Maßstab für alle. — „Ein Stück der Schechunah“ ist mit ihm von uns gegangen. Für ihn war das jüdische Volk und dessen Geist Maß aller Dinge. Epochal war sein Wirken auf dem Gebiet der Erweiterung und Erneuerung der überlieferte n Literatur. JDie hebräische Sprache hat er wie keiner als köstlichstes Instrument der großen Gedanken-Gefühlswelt des jüdischen Volkes geliebt und gepflegt. Er hat der überlieferten hebräischen Literatur viel, wenn nicht mehr gegeben, als er von ihr selbst empfangen hat. Doppeltes Erbe bedeuten Herzl und Bialik. Politischer Aufbau — geistiger Aufbau. Palästina ist zur lebendigen Wirklichkeit geworden. . Erez Israel wird durch eigene Kraft erhalten. Denn: Le bendiges trägt si.ch selbst. Wenn wir Herzls und Bialiks in dieser Stunde gedenken, so gelten für uns die inhaltsreichen Worte des Propheten: „Deine Toten werden lebendig; Die Zeichen aulerstehen. Es erwachen und jubeln, die im Staube liegen, Denn belebend ist Dein Tau Und die Erde gibt die Schatten dem Lichte wieder.“ . Mit diesem sinnvollen Vers des Propheten J e s a i a schloß Oberrabbiner Dr. Feuchtwang seine: gehaltvolle Gedenkrede, die bei allen Teilnehmern nachhaltigsten Eindruck hinterließ. An dem Gedächtnisgottesdienst nahmen der Präsident der Gemeinde Staatsrat Doktor Desider Friedmann, der Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz, sowie zahlreiche Kultusräte teil. Auskünfte über Reisen nach ÖLEN erteilt Dr.t.TOCKER nunmehr: Wien. IX., Liechtensteinstraße 2 * Tel. A 14-604 Dr. Karl Pollak gestorben Die zionistische Organisation hat am Sonntag mittags von Dr. Karl Pollak für immer Abschied nehmen müssen. Sie hat einen der Besten auf seinem letzten Weg begleitet, einen der treuesten Zionisten, den Herzl in seinen Tagebüchaufzeiehnungen „mein junger Freund Karl Pollak“ anspricht. Er war nach Absolvierung seiner Gymnasialstudien in Olraütz an die Wiener medizinische Fakultät gekommen. Er trat in die „Kadimah“ I ein,' verließ sie aber bald, um mit Dr. Max Jerusalem und Rappaport die „Unitas“ zu gründen. Er war ein vorbildlicher Student, ein reiner, tadelloser Kämpfer für die jüdische Sache,' ein dom politischen Zionismus in idealstem Fanatismus bis zur , Selbstaufopferung ergebener Mann. Er hat wiederholt Palästina besucht und es war sein Traum, ’ im jüdischen Vaterland Bein Alter zu verbringen. Vor wenigen Tagen ist er wieder aus Etez zur,.ckgokehrt und ist hier gestorben. Innerhalb der zionistischen Organisation Österreichs hat Dr. Pollak auch schon in der Zeit der Monarchie eine führende Rolle gespielt.. Kein Opfer an Zeit, an Geld war ihm zu hoch, wenn es der Zionismus orfor- ' derte. Anläßlich seines 60. Geburtstages | Beabsichtige in Palästina eine Milchwirtschaft und Geflügelfarm zu errichten. Für Kapitalisten Gelegenheit, ihr Kapital sicher und gutzu verzinsen. Bin anerkannter Fachmann, verfuge Uber 80 Dunam prima Boden in und bei Haifa Bay und Kapital. Nur ernste Interessenten schreiben unter „Haifa" an die Exped. d. Blattes ehrte ihn die „Unitas“ durch die Ernennung zum Ehrenburschen. Wiederholt ist Doktor Pollak auch in das Goldene Buch des Nationalfonds eingetragen worden. Die Zionisten werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Das Oesterreichische Touristenbüro ist das Gesten. Verkehrsbüro Wir haben letzthin eine Mitteilung des „Haare z“ wiedergegeben, wonach ein „österreichisches Touristenbüro“ in Wien die Instradierung von Touristen nach Palästina wegen mangelnden Interesses für das jüdische Aufbauwerk abgelehnt hat. Aue einer Mitteilung der JTA. geht hervor, daß dieses Büro mit dem Verkehrsbüro identisch ist. Der Leiter des Verkehrsbüros, Direktor Dr. Hans Wilhelm, hat dem Wiener JTA^-Vertreter auf dessen Anfrage die folgende Erklärung gegeben: „Der in Rede stehende Brief bezog sich bloß auf einen bestimmten Fall, auf eine vor kurzem nach Palästina abgereiste Gesellschaft, die tatsächlich kein Interesse an dem jüdischen Aufbauwerk hatte, da sie zumeist aus Christen bestand, die die Fahrt unter so billigen Bedingungen mitmacben wollten, daß von einem Einschluß der jüdischen Sehenswürdigkeiten in . das Besichtigungsprogramm schon aus pekuniären Gründen nicht die Rede sein könnte. Daß aber das österreichische Verkehrsbüro an dem jüdischen Palästina-Aufbauwerk im allgemeinen nicht interesselos vorübergeht, zeigt die Tatsache, daß wir an der von jüdischer Seite in Aussicht genommenen Instradieruhg eines Landweges von Wien nach Haifa ein ■ Jahr lang mitgearbeitet haben, obwohl die Sache vorläufig noch zu keinem positiven Ergebnis geführt hat.“ Wir stellen dieser Erklärung die Mitteilung des „Haarez“ gegenüber, wonach das Schreiben des Wiener Büros ausdrücklich sagt: „Die Touristen, die durch unsere Gesellschaft nach Palästina reisen, gehören nicht einmal, zum Kreise der Pilgerfahrer, sie sind zum größten Teil Nichtjunden, denen es bei Palästinareisen vor allem darauf ankrmmt, allgemeine Eindrücke vom Lande zu empfangen. Das Aufbauwerk der Juden in Palästina interessiert diese Touristen nicht. Ihr Bestreben, diesen Touristen auch das Werk der zionistischen Kolonisation zu vermitteln, können wir für unsere Reisenden nicht in Betracht ziehe n.“ Da.s ist ein eklatanter Widerspruch ... Gedenkkundgebung der Vaterlan* dl sehen Front für Bundeskanzler Dr. Dollfuß Für die am 25. d. M. tun 6 Uhr aibends aut Hel'denpiatz von der Vaterländischen Front Wien veranstaltete Gedenkkundgebung für Bundeskanzler Dr. Dollfuß wurde auch der Zionistische Landesverband für Österreich um Entsendung einer möglichst starken Deputation ersucht. Der Sammelplatz des 1. Bezirkes ist der Josefsplatz und die in demselben einmündenden Straßen. Die Teilnehmer müssen sich bis längstens 4 Uhr nachmittags dortselbst versammelt haben. Jüdisch-Akademischer Klub Sommerlager in Varna am Schwarzen Meer Konstantinopel 15 Tage S 1S8 / 22 Tage S 158 Abfahrt 28. Juli 1935 Im Preise sind inbegriffen i Hin- und Rückfahrt, Unteikunft in Zweibettzimmern, volle Pension, alle Abgaben, Bad Sekretariat, »I., TaborsfraOe 20a, Parterre, Telephon Nr. R 47-0-54. 'Täglich 18 bis 20 Uhr Nfielisto Abfahrten 4. und 11. Aiinusf 1085 Bezirkssektion 8/9, Mittwoch, H8 Uhr Im Heim Währiugorstraße 6—8, Zusammenkunft der Jugenclgruppe.