Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-07-19 · Heft 467 (19.7.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 467 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054222--5190-3060896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 467 — 10. Juli 1935 DII ITIMMI Seite 3 BADGASTEIN Hotel Elisabefthhof Minoritätenschutz und Bevölkerungsaustausch Zeitgemäße Preise Kein Mahlzeitzwang Die KongreBwahlen in Ostgalizien Telephonbericht unseres Warschauer Korrespondenten. Warschau, 18. Juli. Bis zur Stunde liegen lediglich die Resultate der Kongreß wählen aus 150 Städten Ostgaliziens vor. In diesen Wablorten wurden insgesamt 85.000 Stimmen abgegeben. Die Stimmen verteilen sich auf die Parteien wie folgt: „Weltverband der Allgemeinen Zionisten“, zirka. 44.000 „Arbeitendes Palästina“, zirka . . 43.000 „Misracbi“.14.000 „Judenstaatspartei“ ...... 5.000 „Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten“.3.600 Die Mandate dürften sich auf die ein zelnen Parteien folgendermaßen verteilen: Mandate Weltverband ....... 20 Arbeitendes Palästina . . P 19 Misrachi ......... 3 Judenstaat ........ 2 Weltvereinigung ..... 1 In einer Reihe von Städten Ostgaliziens Wo die Wahlen letzten Sonntag durch Zwi schenfälle sistiert werden mußten, wird erst SznbffldsdgPeiision Budapest» Aullch-utca 8 Solide Familienpension Tagespreis: Von 6 bis 8 Pengö bei bester Verpflegung Zentral galagan am nächsten Sonntag gewählt werden, so daß die endgültige Verteilung der 46 Man date Ostgaliziens erst später erfolgen wird. In Lemberg wurden insgesamt 11.448 Stimmen (70% der Schekelzahler) abgegeben. Neu renoviert! Glatters nun-Restaurant Wien, VI., Schmalzhofgasse 12 Menü ä S1*—, t'SO, 1*80, 2*—, 2*50, ä la carte billige Preise Altbekannte, gute Küche. Gute Bedienung. Kein Trinkzwang Die Juden und die Sejmwahlen Bericht unseres Warschauer Korrespondenten Warschau, 18. Juli. Im September finden die Sejmwahlen in Polen statt. Die Juden werden voraussichtlich sieben Mandate für den Sejm und ein Mandat für den Senat erhalten. Es sind Verhandlungen der einzelnen Parteien im Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich Im RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Opercr) ll.. 1'aburatraUe 12 Telephon K 46*5-67 -■*»<- Ausgiebige Braten-Menüs S 1*00 «...»■* 'WJ „ Geflügel , 8 a*ao IWJ sowie & la Carte, Speisen am Rost Schöner staubfreier Garten Zuge, eine einheitliche jüdische F t* o n t zu bilden. Es sollen dann die Zioni sten drei Mandate, die „Aguda“ zwei Man date, die Wirtschaftlich-jüdische Organisation ein Mandat und die Misrachi ein Mandat bekommen. Auf die Städte würde sich dies wie folgt verteilen: Warschau 2, Lodz 2, Wilna 1, Krakau 1, Lemberg 1. In Lemberg kandidiert Dr. Sommerstein und der Misrachi-Kandidat ist der Wilnaer Rabbiner R u b 1 n 81 e i n. Dr. Rottenstreich dürfte wahrscheinlich nicht kandidieren. Für den Senat kandidiert der Bankier Szereszewski. Ferlenfatut der „Czernowtlzer Allgemeinen Zeitung“ mit Sammolpaß nach Polen undCernauti am 4. August. RUcklalu ton; 1. und 15. September Jeohnische Durchführung, Anmeldungen uni Auskünften starr. Varkehrsbureau. Wien, I., Frladricbstr. 7, Tel. B 27-500 und Graben 20, Tel. U 20-0-85, Polnitohes Reisebüro „Orbit“, Mion, l„ Kürntneretr, 41, Tel. R 20 1-43, und Reisebüro „ManenbrUoke“, Wien, U Retenturmetf. 20, Tel. R 24-2-36 o, R 24-8-87 Als nach dem Weltkrieg Griechenland über die Türkei herfiel und den Krieg ver lor, legte sieh der Völkerbund ins Mittel, um das Los der türkischen Minderheit in Griechenland einerseits und das der griechischen Minderheit in Kleinasien anderseits zu sichern. Unter der Leitung des ehemaligen amerika nisohen Botschafters in Konsfcantinopcl, des Juden Henry Morgenthau, und vom Völkerbund finanziert, wurden die beiden Minoritäten in ihre Mutterländer überführt: Die Griechen Kleinasiens nach Griechenland und die Türken Griechenlands Ln die Türkei. Damals stand der Völkerbund noch auf der Höhe seiner Aufgabe. Seither geht es mit iihm leider abwärts. So konnte es zum Beispiel geschehen, daß daß Mandat Englands über den Irak aufgehoben und der Irak auf Antrag seiner Mandatarmaeht England zu einem „selbständigen Staat“ erhoben wurde. Zum Dank dafür fielen die Araber des Irak kurze Zeit später über die im Irak lebenden Reste der Assyrier her und massakrierten sie. Die englische Regierung erklärte, sie habe bedauerlicherweise bei der Aufhebung des Mandats an die Assyrier vergessen. ... Seither „bemüht“ sich eine Kommission des Völkerbundes für die paar tausend mit dem Leben davongekommenen Assyrier ein Asylland ausfindig zu machen. Herausgekommen iet bei diesen Kommissionsberatungen noch nichts. Die Assyrier sind ein altes Volk. Hoffentlich erleben sie noch einen Beschluß des Völkerbundes und eine gesicherte Heimstätte. Nun wird in den letzten Tagen neuerlich die Übersiedlung einer Minorität angekündigt. Der türkische Gesandte in Bukarest hat sich nach Istanbul begeben, um die Frage der Rückkehr der in der D obrudscha lebenden Türken zu besprechen und die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Zwischen den beiden Staaten wurde bekanntlich ein Abkommen abgeschlossen, wonach die in Rumänien lebenden türkischen Staatsangehörigen binnenvier Jahren nach der Türkei zurüokkehren sollen. Dadurch werden etwa eine Million Menschen betroffen. Die neuen türkischen; Staatsbürger werden jedoch ihrer Heimat nicht zur Last fallen, da sie ihr Eigentum ( frei mitnehmen dürfen und außerdem die Beträge, die sie für ihre Besitzungen in Rumänien erhalten. In diesem Fall handelt es sich um keinen gegenseitigen Bevölkerungsaustausch, da in I der heutigen Türkei Rumänen kaum wohnen. Außerdem sind die Türken in Rumänien keinen Vexationen ausgesetzt. D i e T ü r k e i will ihre Konnationalen im Ausland im eigenen Staat haben. Interessant ist aber, daß die Türkei ihrer j üdischen Minderheit gegenüber keine freundliche Politik betreibt. Die jüdischen Lehrer in den jüdischen Schulen wurden gezwungen, türkischen Lehrern zu weichen. Kürzlich erst wurden die Büros der Ica in Istanbul geschlossen und die Beamten verhaftet. Als Begründung wurde angegeben, daß die Ica sich mit der Auswanderung türkischer Juden nach Palästin a befaße, was die Türkei nicht erlaube. Das derzeitige türkische Regime steht der zionistischen Bewegung ablehnend gegenüber. Die Türkei, die um ihre konnationale Minorität in Rumänien besorgt ist, hat also kein Verständnis für die Sehnsucht ihrer jüdischen Untertanen, nach Palästina, zu kommen... In Palästina selbst wird, sogar in absehbarer Zeit, die jüdische Minorität zur Majorität werden. Dieser erst zu erwartende Umstand wäre längst eingetreten, hätte der Völkerbund, der Palästina zur Heimstätte für das jüdische Volk be stimmt hat, die Frage der Überführun der arabischen Fellachen i einen arabischen Staat ernstlich behandelt. Eine freiwillige Übersiedlung vou tausenden armer, von den Effendis ausge wucherten Fellachen wäre ein mensohen freundliches Werk und billiger gewesen, al der griechisch-türkische Bevölkerungsaus tausch und vor allem — das hätte dem I n halt, dem Sinn und dem Zweck der Balfour-Deklaration ent sprochen. Ein hervorragendes Mittel zur Körperpflege, insbesondere für Frauen und Kinder an heißen Tagen zu Abreibungen (Massagen) vor und nach dem Waschen (Baden), als Zusatz zum Wasch- (Bade-)Wasser, auch bei Fufibldem, ist der altbekannte DIANA- Franzbranntwein mit Menfhol. Wirkt kUhlend, erfrischend, belebend, behebt Schwelt, plage u. Schweißgeruch, verhütet den häßlichen Fettglanz des Gesichtes, leistet auch zur Mund- und Haarpflege die wertvollsten Dienste. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA“ und nehmen Sie nur „DIANA* — Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. — In jedem besseren Geschäft erhältlich. Pflegen Sie Ihre Zähne mH ODOL- Zahnpasta und Sie erhalten eich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. m iinü* m m Kleine Tube 8 —SO Große Tube 8 1.40 Getrübte Wahrheit Es kommt vor, daß man in der Familie zankt und sich dabei übernimmt; doch wenn ein Außenstehender sich einmengt, ißt man rasch ernüchtert und macht gegen ihn Front. So steht naturgemäß auch die zionistische Familiengemeinschaft in Österreich zur Assimilation, da deren Sprachrohr, die jüdische Wochenschrift „Wahrheit“, „Nachklänge zur Kongreßwahl“ ertönen läßt. Einleitend wird dort der „Union österreichischer Juden“ nachgerühmt, daß ihr Kampf gegen die Jüdischnationalen keines wegs persönlich, sondern rein weltanschaulich sei. An der Erhabenheit dieser Weltanschauung muß man aber füglich zweifeln angesichts der in jenem Artikel angewandten Methoden und Argumente. Kein Zionist und darüber hinaus, wohl kaum ein Jude wird einer solchen Moralpredigt den guten Willen zubilligen, mahnend, bessernd, ausgleichend zu wirken. Um so näher liegt die Frage, wem da bewiesen werden soll, daß in Österreich „kein Boden ist für die jüdißchnationale Überhitzung“... Zunächst sucht der Artikel eine zionistische Gruppe gegen die andere zu hetzen. Der Hauptangriff richtet sich dabei natürlich gegen jene Gruppe, welche als die stärkste und als die Repräsentantin des Landeßkomitees mit ihrem zentralen Charakter gleichsam als Vater der zionistischen Familie gelten kann, den Weltverband der Allgemeinen Zionisten. Er habe weniger Wahlstimmen aufgebracht als Schekel verkauft... Aber die Nachrechnung zeigt, daß die Verhältniszahl der Wahlbeteiligung hier kaum geringer war als bei den anderen zionistischen Gruppen. Dann wird gemäkelt, daß «6 ohne die Schützemhilfe der WIZQ I nicht zum dritten Mandat gereicht hätte.. | Wenn das wahr wäre — ein um so schallenderes Bravo der WIZO! Dabei wird die Un Wahrheit verzapft, es seien schon bisher drei Mandate gewesen, während doch feststeht daß 1933 die Allgemeinen Zionisten nur zwei Mandate hatten! Schließlich wird allen zionistischen Gruppen insgesamt das Todesurteil gesprochen. Wie das? Von den 17.200 Schekelzahlern können angeblich nur die 12.100, welche ab gestimmt haben, als jüdischnational gelten. Als ob denn bei sonstigen Wahlen alle Wahlberechtigten zur Urne gingen! Hat doch die „Wahrheit“ selbst 1932 nach der letzten Kultuswahl, da es den peinlichen Verlust der Gemeindeherrsohaft zu bemänteln galt, alle zu Hause gebliebenen Wähler zu Parteigängern der „Union“ ernannt. Um wieviel mehr sind also die im Wählen säumigen Schekelzahler Zionisten! Und dann kommt der Hauptschlager des Artikels: Die Zionisten seien seit 1932, da sie damals 16.000 Stimmen aufbrachten, um 8900 Stimmen zurückgefallen. Welcher Trugschluß! Er erinnert an das spaßhafte Problem, das man A B C-Schützen zu stellen pflegt, wieviel ein Apfel und eine Birne zusammen ergeben. Kultuswahlen und Kongreßwahlen sind ja nicht schlechthin kommensurable Größen. Zunächst muß man wissen, wieviel Wahlberechtigte, es da und dort gab. Kultuswähler — Zionisten und Nichtzion ißten — zählte man 1982 50.000 und (zionistische) Kongreßwähler 1935 eben nur 17.200. Von diesen Zahlen muß man ausgehen, um sich über die Stärke der Wahlbeteiligung, sowie um das Auf und Ab der Parteien ein rechtes Bild zu machen. Nun, bei der Kültu&wahl 1932 gab es dank der zionistischen Agitation — schon eine Wahlbeteiligung von 50 Prozent, bei der Kongreßwahl 1935 aber hielten wir uns wie bei früheren solchen Wahlen auf über 70 Prozent, Dabei ist es ohne weiteres verständlich, warum es mehr Kultuswähler gibt: sie werden — Zionisten und Nichtzionisten — durch die Besteuerung automatisch zu Wählern, während bei der Kongreßwahl erst durch die SeLbstbesteuerung des Schekels das Wahlrecht entsteht. Aber lassen wir uns nicht von der Hauptsache ablenken! Nur Gleichartiges kann man richtig vergleichen. So wurden bei den letz- Urlaubsreisen 3 M COMPASS TOURS •x. Bezirk, Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38 Fahrt Wien-Wien S 380— aufw. ten drei Kongreßwahlen in Österreich an gültigen zionistischen Stimmen' abgegeben: 1928: 3775, 1932: 8631 und 1935: 12.311 (wobei diesmal die Revisionisten mit schätzungsweise 2000 Stimmen nicht mittaten). Unverkennbar, ein schöner und stetiger Aufstieg. Da ist man versucht, der „Union“ den Spruch der Väter zuzurufen: „Geh hin, du Fatiler, und tue desgleichen!“ Zuguterletzt beklagt die „Wahrheit“ das Übermaß der zionistischen Jugend, welche im Kongreßwahlkampf fanatischen Eifer zeigte. Möglich, daß unsere Jugend da manchmal des Guten zu viel tat, so bleibt doch beglückende Wahrheit, daß die Jugend in den zionistischen Reihen steht — die Jungen neben den Alten. Die „Union“ aber ist vergreist, ohne Jugend, ohne Nachwuchs, hoffnungslos. Hinc illte lacrimae! Nein, wenn man auch in der zionistischen Familie zankt, dürfen die Unionisten sich keiner Illusion hingeben. Sollte die „Union“ bei der nächsten Kultuswahl sich nochmals zu stellen wagen, um ihre abgetakelten Ladenhüter gegen das jüdischnationale' Programm auszubieten, wird sie, wie 1932 und stärker noch als damals, alle zionistischen Gruppen und Grüppehen um den „Wunschtraum, die Romantik und Fata Morgana“ Erez Israel geschart finden, um der Assimilation die letzte, vernichtende Niederlage zu bereiten — vor der jüdischen Welt und vor jenen nichtjüdischen Faktoren, nach deren Wohlwollen die Unionisten bei jedem Schritt und bei jedem Wort auslugen. D. E. M. Zweig. Verlange ausdrücklich Schweizer BERNA Käse well der beste! Gesellschaftsreise zum Kongreß nach Luzern Die „Stirn m e“ veranstaltet eine Gesellschaftsreise zum Kongreß nach Luzern in einem erstklassigen Autobus. Programm: 18. August, um 7 Uhr früh, Abreise von Wien. Mittagessen in Salzburg. Abendessen und Nächtigung in Innsbruck, 19. August: Frühstück in Innsbruck. Mittagessen in Zürich, Weiterreise nach Luzern. Die Rückreise erfolgt nach acht Tagen. Während des Aufenthaltes in Luzern Arrangements im Einvernehmen mit dem Kongreßbüro. Der Preis für die Fahrt Wien—Luzern— Wien inklusive Verpflegung (ohne Getränke) bei der Hin- und Rückfahrt beträgt pro Person 120 S. Pro Person darf 1 Coupökoffer mitgenommen werden. Auskünfte, Arrangement, Besorgung von Eintrittskarten zum Kongreß usw. und Durchführung: Reisebüro City, I., Kohlmarkt 8, Tel, U 26-4-20,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.