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Die Stimme · 1935-07-19 · Heft 467 (19.7.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 467 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 407 - 19. Juli 1933 Sonderfahrt der „IRUT" nadi Polen-Czernowitz am Sonntag, 21. Juli, 1015 Ostbhf; ferner anr 28, Juli. 4., II. und 18. August. Rückfahrten am 4. August. I. und 15. September, Anmeldungen und Platzbelegung: Reisebüro "lrut“y Wien, I., Karlsplatz Nr. I — Kärntnerstraße 63. Telephon U 44-5*79. der Welt über die moralische Qualitätdieses Systems ein Zweifel herrscht. Die Regierenden setzen sieh mit Franzosen und Italienern und Engländern gleichwertig an einen Tisch. Man ästimiert sie, und akzeptiert die Behauptung, daß sie das deutsche Volk repräsentieren. Ärger ist. daß unter dieser Herrschaft eine halbe Million Juden -in einem ununterbrochenen, die Nerven zerstörenden Angstzustand leben muß: ärger, daß das Judentum Deutschlands fad ausweglos in eine furchtbare Zukunft geht und daß es unbedingt auoh an seiner Seele, an seiner Jugend Schaden nehmen muß. Zusammenschluß der rumänischen Hakenhreuiler Die rumänische Antisemiten-Partei. auch Christliche Liga für nationale Verteidigung genannt-, verband sich in Jas s y mit der bisherigen nationalen Agrarpartei zu einer neuen Partei unter dem Namen Christlichnationale Partei. Diese Vereinigung erfolgte durch ein schriftliches Abkommen zwischen dem Führer der rumänischen Antisemiten C-uza und dem bisherigen Vorsitzenden der nationalen Agrarpartei Goga. Der Unterzeichnung des Abkommens folgte ein von fünfzehn Priestern zelebrierter Gottesdienst in der Kathedrale von Jassy. Während des Gottesdienstes hatten vor der Kirche einige hundert Fahnenträger Aufstellung genommen. Die Fahnen tragen im gelben Felde der rumänischen Trikolore ein Hakenkreuz. Das Programm der Partei verlangt die konstitutionelle Monarchie mit autoritärem Regime. Weiter wird der Numerus p r oportionalis in allen Privatunternehmungen im völkischen Sinn und die Einteilung der Minderheiten in drei Kategorien: 1. in Deutsche, 2. in Ungarn, Bulgaren und Russen und 3. in Juden gefordert, deren Heimatberechtigung überprüft werden soll. Zum obersten Präsidenten wurde Cuza, zum Präsidenten Goga gewählt. Beide legten anläßlich des erwähnten Gottesdienstes den Eid auf das neue Programm ab. Auskünfte über Reisen nach ÖLEN erteilt DM.TOCKER nunmehr: Wien, IX., Liechtensteinstraße 2 * Tel. A 14-504 Das „Österreichische Touristenbüro“ inter- .essiert sich nicht für das jüdische Palästina. „Haarez“ (Jerusalem) teilt am 8. d. das folgende Schreiben des „Österreichischen Touristenbüros in Wien“ an das Touristenbüro der Jewish Agency in Jerusalem mit: „Wir erhielten Ihr Schreiben und beehren uns Ihnen hierauf folgendes zu antworten: Die Touristen, die durch unsere Gesellschaft nach Palästina reisen, gehören nicht einmal zum Kreiße der Pilgerfahrer, sie simd zum größten Teil N'ichtjuden, denen es bei Palästinareißen vor allem darauf ankonimt, allgemeine Eindrücke vom Laude zu empfangen. Das Aufbauwerk der Juden in Palästina interessiert diese Touristen nicht. Ihr Bestreben, diesen Touristen auch das Werk der zionistischen Kolonisation zu vermitteln, können wir für unsere Reißenden nicht in Betracht ziehen.“ Das Departement für Touristik in der Jewish-Ageney in Jerusalem, das sich bekanntlich um die Erweiterung der Touristik in Palästina bemüht, hatte sich mohreremal an die großen Reisebüros in Europa und anderen überseeischen Ländern gewandt, und ihnen nahegelegt, auch das neue zionistische Palästina ins Programm ihrer Touristenreißen einzube&ifihen. Die großen Reisegesellschaften haben diesen Rat mit Dank zur Kenntnis genommen. Nur das „österreichische Tuuristeubüro“ leimt ab. Leider ist es nicht möglich festzustellen, wer dieses Büro ist. Tm Wiener Telephonverzeichnis tindel sich keine derartige Stolle angegeben. Dem Jerusalemer Büro ist aber dringend zu empfehlen, sich nur mit den amtlichen offiziellen Fremdenwerbungsstellen in Verbindung zu setzen und obskure Büros, auch wenn sie noch so pompöse Namen führen, zu meiden. Wir glauben aber auch, daß das Österreichische Verkehrsbüro sich mit der Sache beschäftigen sollte. Pogrome in Berlin In den letzten Tagen herrschte in Berlin im Zusammenhang mit der Aufführung des ..schwedischen" antisemitischen Films „P e tterson u n d B e n d e 1“ eine unruhige Stimmung, in deren Folge es vereinzelt zu Schmähungen und Angriffen auf Juden in den Straßen Berlins kam. Diese Stimmung artete in der Nacht zum .16. Juli in Massenangriffen von Nationalsozialisten auf Juden und jüdisch aussehende Nichtjuden, auch Ausländer, aus. Die Berliner Berichterstatter der Pariser Blätter referieren ziemlich ausführlich über die neue antisemitische Bewegung, die in Berlin und in Deutschland entfesselt wurde. Wie der Korrespondent des „Journal“ meldet. war Berlin am 16. nachts der Schauplatz von Unruhen und Ausschreitungen, die mitunter den Charakter wirklicher Pogrome hatten. Den Anlaß dazu gab der schwedische antisemitische Film „Petterson und Bendel", bei welchem angeblich die im Saale anwesenden Juden protestierten. Ein Nationalsozialist, der einen Juden auf der Straße mißhandelte, wurde auf das Polizeikommissariat geführt, wo sich aber bald eine große Menschenmenge ansammelte. die seine Entlassung forderte. Als diese erfolgte, setzte die Menge die Demonstrationen fort, überfiel das Cafö „Bristol", dessen Inhaber Jude ist, zerschlug die Fenster und die gesamte Einrichtung. Dann überfiel die Menge ein anderes Kaffeehaus, eine Zuckerbäckerei usw. Kaffeehausgäste und Straßenpassanten wurden mißhandelt, darunter auoh Ausländer. Die Volksmenge, unter der sich auch zahlreiche S. A.-Leute befanden, hielt Automobile an und zwang die Insassen, die ein jüdisches Aussehen hatten, auszusteigen' und mißhandelte sie. Die Ausschreitungen setzten sich dann vom Kurfürstendamm aus in die Berliner Vorstädte, besonders nach Neukölln, fort. Erst um 3 Uhr früh trat Ruhe ein. 50 Abteilungen Polizei wurden ausgesandt, um die Restaurants und ihre Gäste zu schützen, sowie die Ordnung herzustellen. Weitere Nachrichten aus Berlin lassen erkennen, daß das Signal zu den Massenausschreitungen gegen die Juden im Berliner Westen in Meldungen des „A n g r i f f“ gegeben war. Der „Angriff“ berichtete, daß „jüdische Stoßtrupps, in der Hauptsache junge Juden zwischen 20 und 30, die auf den Rängen in Gruppen Platz nahmen“, die Vorführungen des schwedischen Tonfilms „Peterson und Bendel“ durch Pfeifen und Zischen gestört hätten. Der „Völkische Beobachter“, der ähnliche Berichte brachte, unterstrich dabei, daß es sich bei „Petterson und Bendel“ um einen schwedischen Tonfilm handelt, der von der amtlichen deutschen Filmprüfstelle als erster ausländischer Film das Prädikat „staats politisch wertvoll“ erhalten hat. In unterrichteten Filmkreiseii wird aber, darauf hingewiesen, daß es sich nur scheinbar um einen ausländischen Film handle, da die schwedische Herstellerfirma sehr bedeutende finanzielle Zuschüsse vom deutschen Propagandaministerium erhalten hat. Es handelt sich also um einen ausländisch getarnten Goebbels-Film. Die Meldungen des „Angriff“ über jüdische fetörungsversuche sind vollkommen grundlos, da die Juden in Deutschland aus Gründen der Selbstachtung Theater und Filme, an deren Schaffen sich Juden nicht mehr beteiligen dürfen, nicht besuche n. Wohl aber hatten sich nichtjüdische Be* s u c her des Schwedenfilms durch dio rohen antisemitischen Szenen abgestoßen gefühlt und einzelne von ihnen verließen vorzeitig den Kinosaal. Prager Zeitungen melden ergänzend aus Berlin: Am Montag, gegen 21 Uhr 30, bei Beginti der Schluß vor Stellung des Films „Petterson und Bendel", nahm das Gedränge am Kurfllrstendamm zwischen der Joachinisthalcr und der Uhlandstraßo bereits beängstigende Formen an. Aus der Menge ertönten judenhetzerisclic Rufe. Plötzlich gingen verschiedene Stoßtrupps wie auf Kommando gegen einzelne Lokale vor, die vorwiegend von Juden besucht werden. Am wildesten ging es im Cafö Moritz Dobriu zu, wo etwa 60 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren mit dem Ruf „Judenpack, heraus!“ cindrangen. Es entstand eine Panik. Die Besucher versuchten zu flüchten. Die Eindringlinge schlugen mit Stücken auf sie ein. Zahlreiche Gäste wurden verletzt. Das Cafö , Dobrin wurde demoliert, Spiegel, Tische und Stühle wurden zerbrochen. Audi in das Cafe ..Bristol“, das Cafe „Uhlaudeck“ und das Cafö „Kranzier“ drangen Stoßtrupps ein und vertrieben die jüdischen Besucher. Andere Cafes, wie zum Beispiel das Cafe „Wien“, hatten vorsichtigerweise geschlossen. Gegen 23 Uhr war der Kurfiirstendanim von einer demonstrierenden Menschenmenge gefüllt, die Trupps riefen sich in Sprechchören das Losungswort „Juda, verrecke!“ zu. Wo man eines jüdischen oder jüdisch aussehendcu Passanten habhaft werden konnte, wurde dieser niedergeschlagen. Als gegen 23 Uhr Polizeiabteilungen erschienen, um die Straßen zu säubern, wurden sie von der Menge, die das H o r s t - W e s e e 1 - L i e d anstimmte, mit zum Heil H i 11 e r!-G ruß erhobenem Arm empfangen. Gegen Mitternacht schien es ruhiger werden zu wollen, kurz nachher aber verstärkten sich die Krawalle. Die ganze Nacht über war der Verkehr im Kurfürstendamm-Viertel lahmgelegt. Autobusse und Straßenbahnen stauten sich an. Privatautos konnten nur passieren, wenn die Insassen sich als Arier ausweisen konnten. Jüdisch aussehende Autoinsassen wurden aus den Wagen geschleppt und mißhandelt. Ein S. A.-Sturmbannfiihrer suchte die Menge durch eine Ansprache zu beruhigen, indem er behauptete, es hätten sich Provokateure und hinausgeworfene S. A.-Leute in die Menge hineingeschlichen und sogar Ausländer mißhandelt. Ihm wurde aus der Menge der Demonstranten entgegengehalten, daß der „Völkische Beobachter“ gemeldet hatte, daß eine große, gut organisierte jüdische Menge dio Vorführungen des Schwedenfilnies störte, und daß diese „jüdischen Frechheiten“ nicht ohne Folgen bleiben dürfen, ln Breslau Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro meldet: „Von der G eh ei men Staatspolizei wurden wegen Rassenschande in Verbindung mit unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Breslau sechs männliche Juden und sieben sogenannte deutsche Frauen in Schutzhaft genommen. Diese scheu ihrer Überführung in ein Konzentrationslager entgegen.“ Weiteren Meldungen der schlesischen Nazi-Presse ist au eaitnelmien, daß diesen amtlichen Maßnahmen schwere Ausschreitungen der Menge in Verbindung mit Öffentlichem Anprangern verschiedener Juden und Nichtjudeu vorangogangen waren. „Schlesische Tagoszeitung“ gibt folgendes Bild: „Die in größter Disziplin und Ruhe marschierenden Pranger- Hebräische Konversation_ mit gebildeter, junger Dame gesucht. Freundliche Zuschriften unter „Zaira wealiia“ an die Annoneen-Expedition Heinrich Braun, Wien, I., Strobelgasse 2 Beabsichtige in Palästina eine Milchwirtschaft und Geflügelfarm zu errichten. Für Kapitalisten Gelegenheit, ihr Kapital sicher und gutzu verzinsen. Bin anerkannter Fachmann, verfuge Uber 80 Dunam prima Boden in und bei Haifa Bay und Kapital. Nur ernste Interessenten schreiben unter „Haifa“ an die Exped. d. Blattes u m z il g e v o n J u d e n wurden durch Hohniachen und freche Bemerkungen provoziert. Diesem Zustand konnte die Geheime Staatspolizei nicht länger tatenlos zusehen. Es ist selbstverständlich, daß dies ni ch t die o i n z i g c n Paa r e sein werden, die, in ein Konzentrationslager überführt, werden, solern weiter das schamlose Treiben art vergessener Frauenspersonen und ihrer Juden zu beobachten sein wird.“ Die Zeitung meldet weiter, daß das Gericht die Klage einer angeprangerten Frau gegen zwei „der aktivsten Kämpfer gegen dio Ra.ssensehande“ mit der Begründung abgewiesen hat, cs sei das Recht der S. A.-Fiihrer, für die Rassenreinheit des deutschen Volkes zu kämpfen. AnnAziA Orth, “ittö Pension Weise früher Laurana Terrassen, Zimmer mit Meeraussicht. Bestrenommierte Küche. Schattiger Garten Zeitgemäße Preise Der Revisionistenkongreß Wie wir erfahren, wird der Kongreß der Revisionisten in W i e n stattfinden. Die erste Sitzung wird am 8. September wahrscheinlich im KoüzerthaiiS'Saal eröffnet werden. O GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN I., Kflrlnersfrajje Nr. 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Trauergottesdienste für Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß Anläßlich der ersten Wiederkehr des Todestages des verstorbenen Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß findet am 24. Juli 1935, abends, im Anschluß an der* Abendgottesdienst im Stadttempel, I., Seitcnstcttengasse 4, ein feierlicher Trauer«* gottesdienst statt, bei welchem Herr Ober-* rabbiner Dr. Feuchtwang die Gedenkrede halten wird. Um die gleicho Zeit wird in den übrigen Tempeln der Gemeiudo und in den sonstigen Bethäusern im Rahmen des Abendgottesdienstes des verewigten Bundeskanzlers Dr. Dollfuß gedacht werden, * Am Mittwoch, den 24. Juli 1935, uni 19 Uhr 45 Minuten, findet im Tempel, Wien, 1I„ Tempelgas.se 3/5, ein vorn „Bunde jüdischer Frontsoldaten Österreichs“ für weiland Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß veranstalteter Trauergottesdieiist statt. „PENSION LANDAU" orth. “103 BalatonszAszö Erzsöbet-Park (Amerika, Kanada Villen). In der nächsten Nähe vom Plattensee bei der Station. Sehr schöne Zimmer mit Black auf den See. Eigener Park. Erstklassige Küche, exakte Bedienung. Vor- und Nachsaison 6 Pengö. Hauptsaison von ö Pengö aufwärts.

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