Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-07-19 · Heft 467 (19.7.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 467 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054222--5188-3060894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Preis dieser Nummer SO g V. b.b. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Club „Erez lsrae/' Wien, I!., Praterstraße 13, Telephon R 42-407 Das verschobene Sommeilßsl auf dem Hadar Hakainißi findet am 20« lull 193S im Etablissement KonatantlnhUgel, Prater Hauptallee 17, statt. Tanz im Freien: Jxzzkapelle Isy Geiger. Beginn */,Ö Uhr abends. Akademie — Jiddische Musik — Jux — Tischposi — Oamenpreisc — Sonstige Überntbchungen usw. — Karten zu 8 1'60 erhältlich bei: Sektion Leopoldsladt, DL, PrateratraBe iS, Tel. R 42-407; Zion. Landeakomitee, I., Marc-Aurel-Strafle 6, Tel. U 22-2-11; BOcnerstube M. Rath 11., Taborslraße 20a, Tel. R 45-305; Jüd. Kullurstelle, n., Aspernbrückenstr. 2, Tel. R 48-291; Schuhreparaturwerkstatte, l„ Dominikanerba^tel 21. Tel. R 28-8-17 und bei «Amtlichen Vorstandsmitnliedern. Das Gartenfest findet auf alle Falle, bei schlechtem Wetter im Saale, statt Gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. Nr. 467 | _JÜDISCHE ZEITUNG_ UfaAM wg% f.-li fgig I Redaktion und Administration. Wien, i* Mara-Aurel-StraS« o. I /ffl, TaiWlia C605) Wlen, 1?» «11111 IyJ9 I reu U 22-3-91 :ied«ktionwchliiB Montap und Mittwoch vom | 1*°' ********* 8. Jahrgang Jagd aut Juden «Deutsdi-arlsdie Abstammung» für Öffentliche Ausschreibungen unzulässig Wir haben seinerzeit berichtet, daß die Stadtgemeinde Wolfsberg (Kärnten) in einer Ausschreibung für die Stelle des Stadtamtsleiters den Nachweis der „d e u 18 c harischen Abstammung“ gefordert hat. Über Einschreiten der israelitischen Kultusgemeinde Klagenfurt an die Landeshauptmannschaft Kärnten ist, wie wir erfahren, am 13. Juli an die Stadtgemeindevorstehung Wolfsberg der folgende Bescheid ergangen: LANDESHAUPTMANNSCHAFT KÄRNTEN IN KLAGENFURT ZI. 9.258/1935/Präs. am 13. Juli 1935. Betreff: Wollsberg, Stellenausschreibung der Stadtgemeinde. An die Stadtgemeindevorstehung in Wolfsberg. In der vom Stadtgemeindeamte Wolfsberg am 11. April 1935, ZI. 2331, erlassenen Ausschreibung für die zu besetzende Stelle des Stadtamtsleiters, allenfalls des Sekretärs, zugleich Kasslers, veröffentlicht auch in der „Grazer Tagespost“, wird unter anderen Erfordernissen vom Bewerber auch der Nachweis der deutsch-arischen Abstammung verlangt. Die israelische Kultusgemeinde Klagenfurt hat in einer an die Landeshauptmannschaft gerichteten Eingabe darauf verwiesen, das es mit den Staatsgrundgesetzen im Widerspruch stehe, wenn derartige Bedingungen in eine Stellenausschreibung aufgenommen werden. Die Landeshauptmannschaft findet die Beschwerde begründet, da nach dem Verfassungsgesetz 1934, Artikel 16/1 und 3, alle Bundesbürger vor dem Gesetz gleich sind und öffentliche Ämter allen vaterlandstreuen Bundesbürgern, die den vorgeschriebenen Erfordernissen entsprechen, gleich zugänglich sind; desgleichen bestimmt der Artikel 27/2, daß die Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Ämtern und Würden vom Religionsbekenntnis unabhängig ist. ■ Die Stadtgemeindevertretung wird daher angewiesen, in Hinkunft bei Erlassung von Stellenausschreibungen derartige Bedingungen, die gegen das Verfassungsgesetz verstoßen, nicht mehr zu stellen. Für den Landeshauptmann. Der Regierungsdirektor: Kryza-Gersch. 1mmmmmmmmmmmmm Gedenkgottesdienst für Herzt und Bitdik im Stadttempel Sonntag, den 21. Juli d. J., wird anläßlich des Jahrzeittages von Theodor H e r z 1 und Chaim Nachman Bialik im Rahmen des Abendgottesdienstes eine Gedenkfeier abgehalten werden, bei welcher Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang die Gedenkrede halten wird. Unmittelbar nach der Rede des englischen Außenministers, in der die „gewissen beunruhigenden Vorgänge“ in Deutschland erwähnt worden war, hat die von der deutschen Regierung betriebene antijüdische Agitation zu pogromartigen Ausschreitungen in Berlin geführt. Sie waren so beschaffen, daß selbst die sonst so dickfellige europäische Öffentlichkeit von den Vorgängen Notiz nehmen mußte. Es waren nicht die ersten Ereignisse dieser Art; erstmalig ist nur die Stellungnahme der deutschen Regierung, die die Exzesse aus dem Verhalten jüdischer Provokateure erklären wollte, die einen schwedischen Film auegepfiffen haben sollten. Selbstverständlich ist diese Darstellung unwahr. Kein Jude besucht in Deutschland das Kino, am wenigstens dann, wenn ein amtlich als wertvoll bezeiohnetes Stück gespielt wird. Es hat demnach kein Jude provoziert, sondern das arische Publikum hat den aus deutschem Geld mit deutschen Schaustpielern angeblich in Schweden erzeugten Film als einen höchst widerwärtigen Schmarren abgelehnt. Die Verlogenheit, mit der der ganze Überfall aufgezogen worden ist, kontrastiert nicht zu den Vorgängen. Sie sind eine selbstverständliche Erscheinung. In den großen Betrieben des ganzen Reiches hängen Anschlagstafeln, die den deutschen Arbeiter aufmerksam machen, daß der Jude den Deutschen ermordet, daß der Jude die deutsche Frau schändet, daß der jüdische Arzt den Deutschen vergiftet. In hunderten Städten, Dörfern, Märkten prangen Warnungen an die Juden, den Ort zu betreten. In Breslau finden „in voller Disziplin“ Prangerumzüge statt, bei denen Juden, die intimer Beziehungen zu deutschen Frauen beschuldigt werden, her- Auf eine Anfrage der JTA, ob die Meldung der „New York Times“, daß der High Commissioner eine vom früheren Jerusalemer Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi geführte Abordnung der „Arabischen Partei für nationale Verteidigung“ im Zusammenhang mit der Bildung eines Legislative Council empfangen hat, den Tatsachen entspricht, erwiderte das Presse- Departement der Regierung, es könne diese Nachricht weder leugnen noch bestätigen. Die „Orient-Agentur“ will aus London erfahren haben, daß in der Haltung der englischen Regierung zur Frage des Legislative Council letzthin eine Änderung eingetreten sei; die Regierung wolle an die weitere Behandlung der Frage erst herantreten, wenn die internationale politische Lage geklärt sein wird. Inzwischen wolle sie sich mit einer Verbreiterung der Kompetenzen der Stadtverwaltungen in Palästina begnügen. umgeführt werden. In Berlin stehen überall die roten Plakatsäulen des „Sttirmer“- Streicher mit den infamen Zeichnungen, die vor allem auf die erotische Phantasie der Hitler-Jugend wirken. Das sind Agifcationsmittel, die zum Pogrom führen müssen, zu der generellen und restlosen Vernichtung der Juden, die im Plan des Nationalsozialismus liegt und auch das aller Welt bekannte Ziel der Hitler-Herrschaft geworden ist. Es ist unnötig, daß dieses System eich anstrengt, irgend eine jüdische Schuld konkret zu behaupten. Die jüdische Schuld liegt einzig und allein in der Existenz der Juden. Die nationalsozialistischen Wirtschaftsexperimente haben an allen Punkten versagt. Man erfährt aus amtlichen Mitteilungen, daß die Bauern wieder den jüdischen Vieh handel aufsuchen, daß sie bei jüdischen Firmen kaufen. Die Wut über diesen Mißerfolg ist mit ein treibendes Moment. Außer dem ist der Weltboykott, den weiß Gott nicht die Juden allein, sondern viel mehr die Katholiken; insbesondere in den Vereinigten Staaten betreiben, in der deutschen Wirtschaft sehr stark' fühlbar, und auch dafür müssen die Juden Deutschlands be straft werden. Das ist weiter nicht auffallend. Auffallend aber ist, daß die Exzesse sich gerade jetzt ereignen konnten. Die deutsche Regierung rühmt sich, ihre Formationen in straffer Zucht zu halten. Immer wird erklärt, daß ohne den Willen und die Zustimmung des Führers nicht das geringste im Reich geschieht. Das ist auch tatsächlich so. Die Regierung trägt die volle Verantwortung und sie sucht jetzt auch die Schuld teils auf die Juden, teils auf die „dunkeln Elemente“ abzuwälzen. Aber es ist von auswärtigen In diesem Sinne werde die Londoner Regierung den High Commissioner während seines Ferienaufenthaltes in London instruieren. Einige arabische Zeitungen Palästinas wollen dazu wissen, daß die Haltung der Londoner Regierung in der Frage des Legislative Council sich nicht geändert hat. * Zwei Legislative-Councils in Palästina? Jerusalem, 16. Juli. (2. T. A.) Die arabischen Zeitungen wollen wissen, daß die Palästina-Regierung für den Fall, daß die Juden den Legislative Council konsequent ablehnen sollten, entschlossen sei, zwei getrennte gesetzgebende Räte, einen jüdischen und einen arabischen Rat, einzusetzen, wobei die Regierung als Bindeglied zwischen den beiden Körperschaften fungieren wird. Journalisten bereits festgestellt, daß die Krawalle vom „Angriff“ des Goebbels, vom „Völkischen Beobachter“ des Rosenberg und vom „Stürmer“ arrangiert worden sind. Diese Blätter und ihre Herausgeber gehören zum Kreis Hitlers. Liegen die Exzesse auf der Linie der Regierungspolitik? Sie kommen zur gleichen Zeit mit einem neuerlichen Vorstoß gegen die katholische Kirche. Dies bestätigt, daß in Deutschland nach einem oder mehreren Ventilen gesucht wird, um die gefährliche Stimmung der Massen abzuleiten. Aber mit solchen Manövern wird nur ein augenblicklicher Erfolg erreicht. Die Erfahrung lehrt auch, daß antisemitische Akte nicht bei den Juden haltmachen. In Rumänien hat es sich in der Zeit vor dem Kriege oft ergeben, daß aufgehetzte Bauern, nachdem sie die Juden ausgeplündert hatten, gegen die Gutshöfe der Bojaren losgingen. In Deutschland ist genug Zündstoff aufgehäufft, um die gleiche Erscheinung zeitigen zu lassen, und es könnte leicht geschehen, daß sich die halbe Million Juden für den Appetit der Parteigenossen als zu gering erweist und, daß der Brand weitergreift. Das sind für das Ausland Symptome zur. Vorsicht. Es ist bisher nür England gewesen, das die stolzen Versicherungen Berlins, seriös wertete und das Regime als für konsolidiert ansah. Die Haltung der anderen europäischen Staaten ist viel zurückhaltender und die Ereignisse in Berlin, die nur mit Entwicklung der schärfsten Mittel gebremst werden konnten, zeigen die innere Unsicherheit auf. Ist dieses Deutschland noch abgesehen von seiner moralischen Minderwertigkeit — vertragsfähig? Die französische Presse sieht die Dinge unter diesem Gesichtspunkt an. „Es ist unser Recht“ — schreibt „Information Financiere“ — „zu wissen, mit wem wir verhandeln, mit wem wir ein aufrichtiges Einvernehmen herbeiführen wollen.“ Freilich wären diese Ausbrüche des Judenhasses in dieser Form nicht denkbar, wenn sie nicht von einer innerlichen Bereitschaft der deutschen Masse unterstützt würden. Während sich gegen die soziale infantile Gesetzgebung, gegen die Verschuldung und die Brutalität in den Betrieben immer breitere Schichten wehren, lehnt sich niemand gegen die Arier- und Nichtarier- Schande auf, wendet sich niemand gegen die Verfolgung einer kleinen Minderheit, muckt niemand dagegen auf, daß Millionen von Waffen und Knütteln, neuestens sogar von Mistgabeln auf die wehrlosen Juden losgelassen werden. Der Grund hiefür ist der in der deutschen Seele steckende Antisemitismus. Wenn sich hier und dort arische Patienten zähneklappernd zu einem jüdischen Arzt wagen, wenn Bauern in der Nacht zum Juden kommen, so ist das eine Maßregel des persönlichen Opportunitätsempfindenß. Aber das deutsche Volk ist antisemitisch und es würde heute auch den Generalpogrom hinne-hmen, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Ausland schweigt, weil es Angst hat und auch deshalb, weil heute in jedem Staate mit Hilfe des deutschen Geldes Pogromparteien aufgestellt sind, die im gegebenen Falle den Berliner Gangstern den Rücken decken. Die Juden Deutschlands sind verlassen. Es ist ein magerer Trost, daß nirgends in Häuserverwaltungen Reparaturkredite Geldbeschaffungen Tel. A 48 - 9 - SS _SENSAL_ R. TAUBMANN WIEN, II., NORDPOLS!RASSE 1/3 Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest Palästina-Regierung und Legislative-Council Jerusalem, 15. Juli. (2. T. A.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.