Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 466 (16.7.1935)
- Date
- 1935-07-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 466 16. Juli 1985 D1C STIMM! Seit« 3 Die antijttdischen Einwanderungsbestimnmngen Im pniglisch.cn Untcrhaiiß ly “cp rach am 11. d. Colonol Wedgwood den Fall des in Liverpool lebenden englisch-jüdischen Bürger« Rosenb l:\ tl, dessen Gesuch um Einreise nach Palästina. zu dreimonatigem Aufenthalt a b g e 1 e h n t wurde, weil er .nicht, in der favge war, die für Touristen vorgeschriebene Hinterlegung von (50 Pfund als Garantie dafür, daß der Reisende nach Ablauf der Aufenthaltsfrist, wieder in sein Land znrtickkehren werde, zu leisten. Wedgwood fragte, ob der Kolonienminister nicht veranlassen wolle, daß P a 1 ä s t i n a- Touristen, die englische Untertanen sind, von der Leistung einer Geldgarantie befreit w erden. Kolonienminister Malcolm Mac- Donald erwiderte, er sehe nicht e i n, weshalb er dem High Commis&ioner für Palästina nahelegen solle, die Bestimmung hinsichtlich der 60-Pfund-Garantie, die sich als wirksames Mittel zur Unterbindung illegaler Einwanderung erwiesen hat, zu revidieren. Wedgwood: Wie kommt es aber, daß jemand, der Wedgwood heißt, nach Palästina reisen kann,' ohne 60 Pfund zu hinterlegen, während ein anderer englischer Bürger, der den jüdischen Namen Rosenblatt trägt, dies nicht kann? Ist dies abhängig davon, welche Schiffsklasse man benutzt, oder davon, ob man einen englischen oder einen jüdischen Namen trägt? Malcolm M a c D o n a 1 d: Man leistet die Sicherheit, ob man jüdisch ist oder nicht. Wedgwood: Ist es nicht Tatsache, daß die Garantiebest im,mung keineswegs auf Nicht.juden, wo-hl aber auf Juden angewendet wird? Auf diese Frage erfolgte keine Antwort. 85 Illegale Einwanderer in palästinensischen Gefängnissen Wedgwood erkundigte sich weiter nach der Zahl der jüdischen illegalen Einwanderer, die sich in palästinensischen Gefängnissen befinden, und nach der genauen Zahl der Immigranten, die früher in Gefängnissen waren, aber jetzt auf freiem Fuß sind. Malcolm MaoDonald antwortete, daß nach einem ihm vorliegenden Bericht vom vom 7. Juni d. J. 85 jüdische illegale E i n w a n d e r e r zu diesem Zeitpunkt sich in Gefängnissen befanden, und daß gegen sie ein Verfahren auf Landesverweisung schwebte. Die Zahl der illegalen Einwanderer, die sich gegenwärtig gegen Kaution auf freiem Fuß befänden, und gegen die ein Verfahren auf Landesverweisung schwebe, könne er nicht angeben. Er werde aber entsprechende Unterlagen vom High Commissioner aus Jerusalem anfordern. Menschenschmugget In Jerusalem wurden acht illegale Einwanderer, die aus der Türkei nach Palästina gekommen sind, einem richterlichen Verhör unterzogen. Zweck des Verhörs war es, die Mensohensohmuggler zu ermitteln, die an der syrischpaläßtinensisehen Gronze tätig sind. Bisher sind der Polizei die Namen von mehr als hundert solcher Schmuggler bekannt. Die Juden Polens und die Parlamentswahlen Wie seinerzeit gemeldet, hatte der Zionistische Parteirat für Kongreß-Polen beschlossen, an don Wahlen zum Sejm und Senat nicht teilzunebraen, weil die nouo Wahlordnung dio Opposition und die Minderheiten, besonders dio Juden, scharf benachteiligt. Demgegenüber hatte der M i *>- rachi alle bürgerlichen jüdischen Parteien und wirtschaftlichen Organisationen anfgafordert, keine Wahlenthaltung zu üben, vielmehr e i n o j it d i s c h o E i n li c i t liste zu bilden. Es hat den Ansohelaij als ob nunmehr auch j das Zentralkomitee der Zionistischen Or- I ganisat.ion in Polen seine negative Stellung zur Frage der Wahlbeteiligung ändern wird. Nach zuverlässigen Mitteilungen ist es zu einer Verständigung in dieser Hinsicht, zwischen den drei zionistischen Zentralkomitees von Polen, dem in Warschau (KongreLi- Die „Kremser Zeitung“ vom 11. Juli enthält einen Bericht über eine „Vaterländische Woche“ in Krems, bei der Herr Professor Dr. C z e r m a k einen Vortrag über die Juden.fragc hielt. Wir müssen den kompetenten Faktoren die Beurteilung darüber lassen, ob dieeer Vortrag geeignet war, den inneren Frieden in Österreich zu fördern. Den Kremsern hat der Vortrag jedenfalls gefallen. Die „Kremser Zeitung“ schreibt nämlich: „Der Abend vereinigte die Kursteilnehmer zu einer gemütlichen Zusammenkunft. Dor Lehnsaal wurde in ein sauberes Restaurant verwandelt, statt Notizblocks sah man Krügel schäumenden Bieres und die Bleistifte wurden mit frischen Salzstangeln vertauscht.“ Hören wir nun, was Herr Professor Czermak nach dem Berichte der „Kremser Zeitung“ sagte: „Der große Vereinshaussaal füllte sich bis auf das letzte Plätzchen. Minister a. D. Pr. Czermak, mit lautem Applaus empfangen, spricht über Christentum .und Judentum. Diese wechselseitigen Beziehungen zwischen Christen und Juden bedürfen dringend einer Erörterung und Klärung wenn wir ganze Aufbauarbeit leisten wollen. Weit entfernt, einem gehässigen Antisemitismus das Wort zu sprechen, müssen wir doch jene Übergriffe, die sieh das Judentum im Laufe der Zeit an dem christlichen Volke erlaubt hat, entschieden zurückweisen und gegen den Antichristianismus der Juden mit allen Machtmitteln kämpfen. Die Roste des Liberalismus, die größtenteils aus Juden bestehen, müssen verschwinden, das jüdische Volk aber in die neue Zeit eingegliedert werden. Um diese Eingliederung wirksam durchzuführen, müssen wir uns bemühen, die Juden kennenzulernen, ihre1 staatshemmenden Eigenschaften unwirksam, Der onglifiChe Außenminister Hoare hat am 11. Juli die mit so großer Spannung erwartete Rede über die außenpolitischen Fragen gehalten. Er hatte sich mit drei Problemen zu beschäftigen: mit dem Flottenabkommen, mit dem abessinischen Konflikt und mit Österreich. In keiner dieser eng miteinander verflochtenen Sorgen hat der Minister seinen rosenroten Optimismus verleugnet. Er steht in realistischer Auffassung den Dingen gegenüber und sein Realismus ist so tief, daß er in keinem Punkt die Politik des Einerseits-Anderseits verläßt. Der Minister hat alle Bedenken gegen Deutschland. „Wir und die Welt sind nicht nur durch das deutsche Aufrüstungsprogramm, sondern durch eine gewisse andere Erscheinung im modernen Deutschland beunruhigt worden.“ Die gewisse andere Erscheinung ist zunächst der Vertragsbruch. Trotzdem, führt Sir Samuel fort, haben wir Hitler beim Wort genommen ... England hat ein Flottenabkommen mit ihm geschlossen, das in der Minute der Unterschrift schon nicht mehr richtig war. Denn es stellte sich heraus, daß die von England zuzugestehende Flotte beroits gebaut war, als Hitlers Delegierter nach London kam. Auf einem einseitig aufgehobenen Vertrag wurde ein neuor aufgebaut. Ist das eine haltbare Grundlage? Während Frankreich daran festhält, daß ein Vortrag ein Vertrag bleibt und daß man sich gegen alle Golüste Deutschlands nur durch kollektive Pakte sichern könne, bleibt England daboi, mit Berlin gesondert zu verhandeln. Inzwischen baut Hitler schon die neue Flotte — in dem Ausmaß natürlich, das mit England vereinbart worden ist, einschließlich der Unterseeboote, deren Ausschaltung Hoarc als große Errungenschaft rühmt. Als wenn im Falle des Krieges eine vertragliche Abmachung noch aufrecht -teilen könnte! Für Österreich fand der Minister sehr warme Worte: Schlüsselstellung in Europa, Polen), in Krakau (Westgalizien) und Lemberg (Ostgalizien), gekommen. Als zionistische Kandidaten für die Wahlen zum Sejm werden Ad. v. Hartglaß, Dr. Rosmarin und Rabbiner Rubinstein genannt, als Kandidaten für die Senatswahlen Dr. Thon und Oberrabbiner Prof. Schorr. ihre Fähigkeiten jedoch dom Staatsganzcn dienstbar zu machen. Die Juden kennen uns durch und durch, aber wir nicht die Juden. Diese Ungleichheit des Sichverstehens ist einer ersprießlichen Auseinandersetzung sehr im Wege. Wir müssen uns vor Augen halten, daß wir es mit einem über die ganze Welt verstreuten Volke zu tun haben, daß in seiner Gesamtheit 1 Prozent der Erdeinwohner ausmacht, oder mit anderen Worten, faßt jeder hundertste Mensch ein Jude ist. Diese Juden bewohnen aber fast alle den Erdteil Europa, erst in den letzten Jahren erfolgte eine ziemlich bedeutende Abwanderung. An dieser Abwanderung ist der reichsdeuteche Gewalt- und Rassenantisemitismus eine der Haupttriebkräfte. Die radikalen Juden Deutschlands sehen in dieeer Zwangsabwanderung durchaus kein Unglück für das jüdische Volk, sondern glauben, Grund zur Freude zu haben, weil sie jetzt als eigenes Volk in ihre Zukunft schreiten werden. So ist ein Teil des Weltjudentums mit Angst und Zagen, der andere mit Mut und Zuversicht erfüllt. Das Gesamtjudentum ißt gegenwärtig vor die Frage gestellt, die sie bis heute nicht beschwert hat: „Wie erhalten wir unser Volk?“ Diese Weltlage des Judentums muß bei Behandlung der österreichischen Judenfrage in Erwägung gezogen werden. Von den österreichischen Juden wohnen 90 Prozent in’ Wien, die restlichen 10 Prozent, auf das ganze Bundesgebiet verteilt, spielen fast keine Rolle. Dem österreichischen Judentum fehlt vor allem der einheitliche Gedanke. In der Mehrzahl sind die Juden gegenwärtig Zionisten. Früher waren die Juden liberal, jedoch in den letzten Jahren waren sie die Hauptstütze der sozialdemokratischen Partei. Sie haben ihr Judentum in den Hintergrund, ihren A n t ichristianißmus aber in den Vorderrnutige Bemühungen der Regierung und des Volkes um die Unabhängigkeit. Schön. Was also unternimmt England, um „gewisse andere Erscheinungen“ auszuschließen? Herr Hoare würde, so sagte er, den Abschluß eines Nichteinmischungs- und Nichtangriffspaktes begrüßen. Wer soll sich nicht einmischen und nicht angreifen? Es gibt doch nur einen Staat, der Österreich annektieren will. Glaubt Hoare, daß Deutschland einen solchen Pakt abschließt, und wenn ja, daß es ihn hält? Für den Mann aus Braunau ist es doch — sagen wir — eine Herzenssache, sich in Wien huldigen zu lassen und seine arische Gesetzgebung auf Österreich auszudehnen. Österreich gehört dem Völkerbund an. England beteuert die Treue zum Völkerbund und seinen Prinzipien, es hat sogar einen eigenen Völkerbundminister. Man hat wohl das Recht anzunehmen, daß England einer Verletzung der Rechte und Freiheiten Österreichs den ganzen Apparat des Völkerbundes entgegenstellt. Aber Hoare hofft auf Nichtangriffspakt. Was nun Abessinien anlangt, so hat man erwartet, daß Iloaro kurz und bündig erklären wird: „Es darf keinen Krieg geben.“ Das hätte sofort eine andere Situation geschaffen. Aber Hoaro dozierte, daß ein Krieg in gewisser Hinsicht und zu einem gewissen Zeitpunkt eine ernste Rückwirkung auf das ganze System des Völkerbundes haben müßte. Und fuhr dann fort: „Wir geben zu, daß Italien eine Ausbreitung braucht...“ Wenn nicht Mussolinis kalte Erwägung da wäre, daß Klima und Landschaft in Ostafrika gegen einen Krieg sprechen und wenn nicht Aveuol den Mandatsvorschlag gemacht hätte — auf England käme es nicht au. Paris und Rom haben die Rede mit höflicher Reserve aufgenommen. Dio Sache des Friedens und der Kultur ist wieder um eine , Hoffnung ärmer. ' Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft Phönix Die Generalversammlung der Gesellschaft fand am 11. Juli cl. J. statt. Die Präinieneinnahnie pro 1934 erreichte 49,963.453.88 Schilling, die Schäden (bezahlte und reservierte) erforderten 26,269.014.73 Schilling. Der Reingewinn beträgt 582.440.09 Schilling und wird zur Dotierung von Rücklagen, und zwar Vortrag auf neue Rechnung verwendet. Die Herren Minister a. D. G. d. I. Carl Vaugoin und Generaldirektor Hofrat Ing. Otto Korwik wurden neu in den Verwaltungsrat gewählt. E pmrmmitTifi 111 mm i im i i i min ■»»»» grund gestellt. Sie haben die Macht der Presse ausgenützt, gegen christliche Einrichtungen Abneigung hervorzurufen, gegen christliche Moral Spott und Hohn zu richten, gegen christliche Kunst Geringschätzung und Verachtung. Sie haben das Theater beherrscht und dasselbe benützt, um die Schweinsgestalten, die sie auf die. Bühne geßtellt, dem Volke als nachahmenswert zu empfehlen. Sie haben das Kino in Beschlag genommen, um hier in Bildern und Liedern das Volk zu demoralisieren, sie waren ausschlaggebend, für die Mode und haben Kleidungsstücke ersonnen, die sittenverderbend wirken, sie haben die Schulen mit ihrem Geist erfüllt, eine Flut ihrer Volkszugehörigen auf unsere Hochschulen gewälzt; 80 Prozent der Ärzte und Rechtsanwälte ßind Juden. Sie haben uns Christen drangsaliert wo und wie 8 i e nur konnten. Es haben sich in den Reihen der Juden einsichtige Männer, wie Herzl, Stricker und andere gefunden, die den Anticbristianismus als dem jüdischen Volke schädlich erkannt, zurückgewiesen und abgelehnt haben. Mit diesen Juden, die sich gewandelt und innerlich erneuert haben, könnten wir verhandeln, unter welchen Voraussetzungen ein gegenseitiges mit Achtung erfülltes Zusammenleben von Christen und Juden ermöglicht wird. Jm neuen Österreich ist daß christliche Volk als richtunggebendes Staatsvolk, das jüdische Volk als gleichberechtigtes Gastvolk zu betrachten.“ Herr Minister Dr. Czermak hat über diese Materie ein Buch herausgegeben, dessen Studium wir allen Kursteilnehmern sehr empfehlen. Prof. Dr. Czermak, der vor wenigen Jahren Unterrichtsminister gewesen ist, gilt als ein Förderer der „Verständigung von Volk zu Volk“. Er behauptet auch, daß er sich viel mit der jüdischen Literatur beschäftigt. Man müßte demnach in seinen Äußerungen die Voraussetzungen für eine Verständigung, gestützt anf Kenntnis der jüdischen Literatur, finden. Aber man findet nichts als die „Protokolle der Weisen von Zion“ und andere Spuren des Handbuchs der Judenfrage von Fritsch. Wiir setzen uns damit nicht auseinander. Es ist unwah r, daß „die Juden“ „Autichristianismus“ betreiben, und es ist darum auch unwah v, weil unmöglich, daß Herzl einen nicht existierenden Antichristianismus abgelehnt hätte. Es ist u n w a h r, daß „die Juden“ gegen christliche Einrichtungen Abneigung hervoiTiifen. Es ist unwahr, daß „die Juden“ die Christen drangsalierten, wo und wie sie nur konnten. Es ist u n w a li r, daß „die Juden“ Sohweinsgestalten auf die Bühne gestellt haben, um sie dem Volk als nachahmenswert zu empfehlen. Es ist u nw a h r, daß „die Juden“ das Kino in Beschlag genommen, daß sie Sitten verderbende Kleidungsstücke ersonnen und eine Flut ihrer Volkszugehörigkeit auf „unsere“ Hochschulen gewälzt haben. Wenn wir zu diesen Ausführungen Professor Czermak« Stellung nehmen, so geschieht das nur um zu zeigen, wie seine Jetzt im Sommer räumungsverkauf Schöne Schuhe zu enorm herabgesetzten Preisen bei ScDuß-Dorn Wien, II., Taborstraße Nr. 8 a Neu renoviert! (Hatters -rr-Restaurant Wien, VI. Schmalzhofgosse 12 Menll & S1’—, 1’50,1’80, 2’—, 2'50, k la carte billige Preise Altbekannte, gute KUche. Gute Bedienung. Kein Trinkzwang Hoares Hin und Her ■lllllM Eine Vaterländische Woche des Professor Czermak Hl.III..