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Die Stimme · 1935-07-12 · Heft 465 (12.7.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 465 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seüa 6 OIE STIMME Nr. m — 15. Mi 1935 " ÜMM— habe kein Mit• -fühl für den Durchschnitt« deutschen, ^atrt er. „weder für seiut' Magen nöte noch für seine Rpiitelsehinerzon und überhaupt für seine Beziolmngfn zu de; evangelischen Kategorie der Güter, die Motten und der Rost fressen und die Diebe nach graben und stehlen: ic-h kenne ihn und weiß, wie er mit diesen Nöten. Schmerzen und Beziehungen fertig werden wird und ist eine Frage von Zeit und Mitteln, die er haben wird, und eie stimmt mich nicht übermäßig neugierig." Welch eine unjüdisehg rau sam e Sp ra oh e! Aber Borehardt hat aheh nach dem unglücklichen Kriege seine Reden auf das verwirrte Deutschland losgelaasen. Sein Rezept, dem schwerringenden Nachkriegsdeutschland emporzuhelfen, hat verflucht viel Ähnlichkeit mit den nationalsozialistischen Roßkuren. Konform mit Hitler, erwartete Borchardt von Intellekt und B i ld u n ge aufnah m e („ohnehin durch chronische Überfütterung stoffwechselkrank und lustlos geworden“) die Heilung nie h t. Auch nicht vom Paria m e n t e. das sich zu seinem eigenen Schaden damals gegen Angriffe nicht verteidigen zu müssen glaubte. Sondern von der Diktatur, die er hymnisch schilderte: ..Sulla und Caesar. C’romwell und, wenn man will. Luther, Napoleon und Mussolini sind Diktatoren gewesen, Diktatoren haben werden können, weil die unter ihren Füßen steigende geschichtliche Welle selbst ein Teil der Nation war. nicht der ,Ruf nach einem Diktator1, sondern bereits die Urform seiner, nicht einer Diktatur. Führung ist ein Attribut nicht in erster Linie des Führers, sie ist viel mehr als bloß das, sie ist ein Attribut des Geführten.. Lange vor Hitlers Machtübernahme hat Borchardt die Entwicklung der Dinge vorausgesehen — und begrüßt: „Die ganze Welt wird reißend konservativ, aus Selbstschutz, aus Erbschutz, aus der Pflicht heraus, die durcheinander gerüttelten Elemente vier Jahre langer mörderischer Verwilderung unter die Hand des nationalen Kontinuums wieder einzufangen, jeder auf einem anderen Wege, wir auf dem schwersten, der Wiederumstürzung des Umsturzes, der negierten und negierenden Negation der Revolution gegen die Revolution.“ Unjüdisoh ist auch Borchardts Verachtung der niederen Volksklassen, er spricht, weniger nationalsozialistisch als kraut junkerlich, stets vom „P ö b e 1“, dem er auch den geringsten Luxus mißgönnt und dem er keinerlei Rechte zugestehen will. Für die Einschulung dieses zu erzwingenden Gehorsams („D eutsch- 1 a n d ist heute nicht zu führen, sondern nur zu erobern“) weiß er einen trefflichen Vergleich: „Der Weg vom Wildpferd bis zum befehlsgewohnten Reittier, das den Gedanken des Reiters schon vor dem Schenkeldruck übernimmt, ist der Weg der ganzen Menschheit, die es gezähmt hat und führt durch harte Schulen.“ Aber Borchardt war sogar imstande, den künftigen Reiter dieses „b c f e h 1 s gewohnten Reittieres“ vorzuahnen, der der deutschen Demokratie den Todesstoß versetzen sollte: „Wenn er kommt, so kommt er als harter Menschenbildner, der nicht Deutschland führt, sondern ein führbares Deutschland schafft, aus dem zerfahrenen. verkommenen und zerfaselten oder aufgewühlten von zehn Jahren Verheerung der Gewissen, der Seelen und der Kräfte.“ Solche Sätze hörten oder lasen begeisterte Dozenten und Studenten, spätere Führer der SA.’s. Solche Formulierungen erwiesen sich in ihrer Unbedenklichkeit als zugkräftiger als die lahmen Entgegnungen der erschrockenen Republikaner. Aber Borchardt war nicht der einzige, der so redete und schrieb. Die Juden des Stefan- Georg e-Kreises wetteiferten mit ihm in der Verächtlichmachung der Demokratie, in der Förderung des militanten Nationalismus. Aber sie hatten etwas vor ihm voraus: sie hatten im Gegensätze zu dem einsamen Borchardt einen dor Anbetung werten Mitelpunkt. Ans der A n b n t u n g Georges durch s o i n ».■ j ii d i s <• h ° n Hier o- 1 n 1 e n ist der K e i nt zn de> spät e r e n H i 11 e r - V p r e h r u n g durch sonst nüchtern denkende Intellektuelle entstanden! JÜDISCHE ARBEITGEBER fordert anläßlich der Ferienurlaube den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim VEREIN FÜR UNENTGELTLICHEN ARBEITSNACHWEIS, WIEN, I. Kohlmesserg. 4, Tel. 0 27-0-56, an. Berliner Sittenbild Basel, 0. Juli. (2. T. A. Dir ..Basler Nationalzeitung“ erzählt folgenden Vorfall, den das Blatt als Beweis dafür anführt, daß die Bevölkerung stark unter der Wirkung der „Stürmer“-Parolcn steht: Eine ganz offensichtlich kranke jtidi sehe Frau, die kaum die Kraft zum Stehen aufbrachte, erregte in der Berliner Straßenbahn das Mitleid des Kondukteurs. Er wandte sich an die Sitzenden mit der Frage, oh niemand so freundlich wäre, für die kranke Frau den Platz freizumachen. Schon wollten sich einige Männer erheben, als ein „vornehm“ gekleideter Herr die Stimme zu einem gewaltigen Gebrüll erhob. „Was da“, schrie er, „Juden brauchen in deutschen Tramwagen nicht zu sitzen.“ Die Männer, die eben Platz machen wollten, blieben nun eingeschtichtcrt sitzen. Der Jockei auf dem MusenroA Beh konz. Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kau} und Verkauf von Realitäten, Hypotheken l„ II. und III. Sätze, Bau- und Zwisdienkredlle Gebäudeverwallung Büro: Franz-Josefs-Kai 11 Wohnung: II., Vorgarlensfr 150, lei. R-25-0-44 Tel. R-41-8-88 Der Begründer des pseudowissenschaftlich fundierten RassenantLsemitisimi H u s t o n Stewart C h a m b e r 1 a i n, hat jetzt in dem aus seinem Geiste geborenen Dritten Reiche ein literarisches Denkmal erhalten: Der Verlag Philipp Reklam jr„ einst berühmt durch seine Verdienste uni die Popularisierung der 'Weltliteratur, bringt jetzt eine über 700 Seiten starke Veröffentlichung des zwei Jahrzehnte (1888 bis 1908 umfassenden Briefwechsels Chamberlaine mit Frau Cosima W ag n e r, deren Schwiegersohn er schließlich geworden ist, heraus. Chamberlain bezeichnet sich selbst mit schönem Stolze als Dilettanten. Er wußte, daß die Schaumsohlägerei ihren Mann ernährt. und hatte den anerkennenswerten Mut, sich offen zu diesem Handwerk zu bekennen. Und während die heimtückisch verlogene Charlatanerie früher oder später dem todbringenden Fluche der Lächerlichkeit verfällt, hat die Offenherzigkeit Chamberlains diesem so sehr dias allgemeine Vertrauen erworben, daß man ihm — nicht glaubte: nämlich die Selbstdeklarierung als Dilettant! Alles andere, auch das Skurrilste, was er behauptete, hat man ihm geglaubt. Die es nicht taten, schrieben sich, gewappnet mit dem Rüstzeug der seriösen Wissenschaft, die Finger wund, um ihn zu widerlegen. Ihre Werke modern in den Bibliotheken, indeß der Schaumschläger reißenden Absatz seiner Geistesprodukte fand. Denn der Schaum mundet dem Gaumen und verkleistert die Gehirne. Darum gehört dem Schaumschläger die Welt. Arm in Arm mit ihr forderte Chamberlain sein Jahrhundert in die Schranken: Das 19. Jahrhundert, dessen Grundlagen der Erfolg seines Werkes noch in einem viel tieferen Sinn bloßgelegt hat, als es das Werk selbst („Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“) vermocht hat, Außer diesem Hauptwerk hat er noch mehrere Bücher geschrieben, die alle der Propagierung des Judenhasses auf neuer Grundlage, der rassischen, dienen. Diesen neuen Begriff hat er, der geborene Engländer, der Terminologie der Pferdezucht entnommen. Man weiß ja, welche Bedeutung dieser Zucht in England zukommt, und daß die Stammbäume edler Rennpferde der Londoner Jugend geläufiger sind als die Lebensdaten Shakespeares. Jedenfalls ist es im britischen Inselreiche ganz ausgeschlossen, daß ein mit dem blauen Bande des Derby-Sieges geschmückter Hengst sich eines Tages so spurlos ins Dunkel des Privatlebens verlieren kann, wie der Dichter von „Hamleth“ und „Macbeth“. An seinen Rennpferden hat der Engländer den Begriff der Rasse Chamberlains kühne Tat diese Sehätzungsmethode auf die M e nsehen aiizuwendeu. Die Weltgeschichte stellt sich ihm als großdimonsionaler Turfplatz dar. Je edler die Rasse, desto sicherer das Rennen für die einzelnen historischen Führer und ganzer Nationen. Der J u d e iist der prädestinierte Außenseiter. Macht er trotzdem gelegentlich ein Rennen, dann gilt unerlaubter „D o p p i n g“ als erwiesen. Kulturell minder erfreuliche .lahrhundorte entlarven sich dem scharfen Auge des schätzen gelernt, war der Versuch, Zuchtsysteane der englischen Pferdegestüte auf die Entwicklung der menschlichen Nationen zur Anwendung gelangt sein werden. Für seine Zeit tippte Chamberlain als vorsichtiger Turfkibitz beim Wettrennen der Völker zunächst nur summarisch auf „Stal 1“. Seine Losuig hieß damals „G e rmanent u m“. Als aber die Spaltung des germanischen Völkerstalles im Weltkrieg zu präziserer Parteinahme zwingt, entscheidet er sich nicht etwa für sein britisches Vaterland, sondern er setzt kühn auf den „Favorit“ Deutschland. Doch dieser Favorit erweist sich als „schlechter Steher“, der keine Quoten zahlt. Überdies droht Chamberlain der Verlust eines Erbgutes, das im heimischen Stall, an deT Themse, liegt. Da setzt der um eine rennsportliche Erfahrung reicher Gewordene einfach auf das andere Pferd und widerruft seine einstige — zu seinem Glück nach englischem Gesetz unverbindliche Aufgabe der britischen Staatsbürgerschaft. Die Laien, das heißt in diesem merkwürdigen Falle die Nichtdilettanten, be kommen den moralischen Koller. Sie finden es unerhört, seine Nationalität so ganz nach dem jeweiligen Bedarf zu wechseln, nachdem der Betreffende die Arbeit seines Lebens dem Nachweis gewidmet hatte, daß die nationale Zugehörigkeit des einzelnen Menschen nicht von dessen Willkür abhänge, sondern zoologisch determiniert sei. Besonders grotesk sei solche Verleugnung des eigenen Lebenswerkes um schnöden M a m m o n, nachdem man sich vorher bescheiden als einen von der Natur durch einen Langsehädel geadelten Idealisten klassifiziert hatte. Solche, den Charakter Chamberlains in ein sonderbares Licht rückende Widersprüche enthüllt auch sein Briefwechsel mit Cosima Wagner. Er kehrt immer den Antisemiten hervor und spricht sich nicht bloß über „Vollblutjuden“ wie Disraeli, sondern auch über Vollblutarier, die den Umgang mit Juden dem mit „freien, edelgezüchteten, adelig kultivierten Mitarbeitern“ vorziehen, 6ehr rüde aus. Trotzdem muß ihn die gescheite Hausfrau von Wahnfried durchschaut haben. Denn sie stellt ausgerechnet dem Begründer des RassenantLsemltismus die Aufgabe, den Nekrolog für den jüdischen Wagner-Dirigenten von Bayreuth, Hermann Levi, ziu schreiben, und Chamberlain, weit davon entfernt, eine solche Zumutung mit Entrüstung abzulehnen, stürzt sich mit solcher Begeisterung auf die Abfassung dieser Schrift, daß der Herausgeber der „Bayreutber Blätter“, Hans v. W o 1 z o g e n, obwolii nicht der Begründer, sondern nur ein Nachbeter des Rassenantisemitismus, den Levi glorifizierenden Chamberiain-Aufeatz bloß stark verkürzt zum Abdruck bringt. Der Schüler hat da größere Konsequenz an den Tag gelegt als der Meister. Was konnte nun der „wissenschaftliche“ Entdecker der jüdischen „Rassenmlnclerwertigkeit“ dem rasisejüdisehen Kapellmeister Gutes nachrühmen? Hierüber gibt schon der Brief, mittels dessen Ohamberlain die Todesnachricht und die Aufgabe, den Nekrolog zu schreiben, quittierte, höchst £efende um Jle&cUU<x Von Manfred Sturmann* ich neige dir mein Ohr, lUfirs hast, du mit mir vor, Daß ich soll Mutter sein? So spät trag ich die Frucht ln meines Leibes Bucht. Soll das zum Guten sein? O Herr, der alles heilt, Die Frucht da ist geteilt, Die Teile sind im Streit, Und Aufruhr ist in mir, Ein Kampf voll Haß und Gier. Was traf mich dieses Leid? Und Gott verkündet ihr: Zwei Völker sind in dir, Ein zwiegesinnt Geschlecht. Zwei Söhne trägst du aus, Die Wiege ist dein Haus, Sei stumm und sei gerecht! Da harrte Isaaks Weib Geduldig, bis ihr Leib Von seiner Last befreit. Und so es Ernte war, Zwei Knaben sie gebar, Zwei Völker für die Zeit. * Mit freundlicher Genehmigung des Erich- R-eiß-Verlages. Berlin. Aus dem Gedichtband Manfred Sturmanns: „Herkunft und Gesinnung.“ gleichlicher und daher auch Unersetzlicher aus Ihrem näheren Kreise verschwunden wäre, jemand, von dem ich den Eindruck habe, daß Sie und alle Ihrigen ihm von Herzen gut waren. Dieser Mann war nicht nur ein lebendige« Beispiel von der unzerstörbaren Bedeutung von Rasse (!), sondern man lernte in seiner Gegenwart eine großartige, weltgeschichtliche oder sozusagen ,planetarische1 Gerechtigkeit gegen diie ,von andern Eltern Abstammenden1, wie Goethe sie nennt. Die wenigen Male, die ich in diesem gastfreundlichen Hause war, hatte ich im- Junge hübsche Schneiderinnen suchen die Bekanntschaft besserer Herren mit Einreisebewilligung nach Paiästna zwecks Ehe. Gefl. Zuschriften unter „Palästina“ an die Administration der „Stimme“ mer das Gefühl, ich säße nicht bed einem einzelnen Mann, sondern bei einem Geschlecht zu Tisch, und dieses Gefühl gab dem Augenblick etwas Großartiges. Bei mir persönlich wiegt das Gefühl des Dankes vor, weswegen ich Ihren Wunsch gern er-< erfüllen werde.“ Muß man, wenn man nur diese Zeilen und sonst nichts von Chamberlain gelesen hat, nicht glauben, daß dieser nicht bloß ein Verehrer der Persönlichkeit Levi®, sondern geradezu ein Bewunderer von dessen Rasse und Geschlecht war? Man darf eben den mutigen Bekenner seine« eigenen Dilettantismus nicht ernster nehmen als er selbst. Huston Stewart Chamberlain ian Sinne seiner Schriften messen, heißt, diese tilber- und den Mann unterschätzen. Er war ein ins Geistige versprengter Jockei. Als solcher hat er bravourös alle Hindernisse genommen, an denen die seriöse Wissenschaft, aber auch menschliche Charakterstärke niemals vorbeikommt. Dr. Hugo Spiegler. zoologischen Geschiohtsbetraohters als eine pikante Aufschlüsse. Er schreibt, daß ihm Zeit des Völkerchaos im Sinne unsystemaeine Art Instinkt (also derselbe Instinkt, der tischoT Rassenvermischung. Der Gegensatz ihn sonst die Juden hassen lehrt) das Gezu dieser barbarischen Vergangenheit ist fühl eingegeben habe, I das Kultuniideai einer Zukunft, in der die »als ob jemand ganz Eigenartiger, Umver* Wohnung, bestehend aus 2 Zimmern, 2 Kabinetten, Küche, Badezimmer, Dienerzimmer, gegen Ablöso abzugeben. Irma Schreier Wien, II., Novaragasse 40/3 Verlangen Sie auch im Restaurant wie auch im Kaffeehaus ausdrücklich „Preblauer Sauerbrunn“, das gesundheitsfördernde österreichische Mineralwasser. Kaufst du Käs', dann kauf* den delikaten, echten Schweizer-Käse, Marko „Borna“. Restaurant Rillet Bestrcnommierte Küche Reichhaltige Menüs AS 1*90 u. 2*60 SdiwedisterBrAu 11.. Hammerpurgstallgasse ) (nächst Salztorbrüc&e) Telephon A 41-0-2$

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