Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 465 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit© 4 Dil STIMMI Nr. '465 12. Juli 1035 Gustav Seide mann, Wien: Das Wichtigste Wieder steht der Kongreß vor der Türe, wieder bt in den zionistischen Zeitungen die Tribüne eröffnet für alle, die etwas zu sagen haben, oder glauben, etwas sagen zu müssen, wieder werden \ ersatnanlungen. Konferenzen und Sitzungen abgehaltee und ein Strom von Worten ergießt sieh in die Menge. Es ist aber notwendig, und ich. als einer der Veteranen der Arbeit für Zion, halte mich für berechtigt, Stellung zu neuinen gegen den Unfug, der geübt wird durch Schreiben und Sprechen, das dem Endziele nicht dient, sondern nur Schaden zufügt. Der Kongreß ist nichtdazu da. daß alle zu ei Jahre die Leute Zusammenkommen, um Keden zu halten, oder sich gegenseitig zu liegeifern, sondern um positive Arbeit für den Aufbau Erez Israels zu leisten, er ist nicht dazu da, um persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen, er ist vor alle in n i c h t d a z u da, um i r g* e n d welcher P a rt e i zu dienen. Der Kongreß könnte weniger Zeit in Anspruch nehme«, weniger -Kosten verursachen, wenn die Delegierten mit positiven Arbeitsvorschlägen kämen, wenn sie nicht stundenlang über alle möglichen und unmöglichen Theorien und Ideologien debattieren würden, wenn sie mehr darauf scheu würden, auf das?, was sie sprechen, als darauf, wie lange sie sprechen. Es ist ein Unfug sondergleichen, wenn die Kongreßtribüne dazu mißbraucht wird, daß Herr X in langer Rede beweisen will, daß sein Zionismus der echte Herzl-Zionismus ist. während der des anderen ein Verrat am Zionismus bedeutet, der mit allen Mitteln bekämpft werden muß. Es ist ein Unfug, wenn Kongreßdelegierte zum Kongreß mit der r o t e n Nelke oder in der braune« Uniform erscheinen. Zum Kongreß schickt man nicht Sozialisten un-d nicht Faschisten, denn der Kongreß ist nicht dazu da, um Probleme des Marxismus oder des Faschismus zu lösen. Zum Kongreß, dem jüdische« Parlament, kommen jüdische Delegierte, um über das Wohl und Wehe des jüdischen Volkes zu beraten, denn damit ist ja letzten Endes das Endziel mit Erez-Israel verknüpft. Alle unb Q3laje»Ieibett “ 6atterfatttt« Theorie« und Definitionen über den Zionismus sind abzulehnen, sind schädlich, da sie differenzieren. Es gibt nur einen Zionismus, -den Zionismus an sich. So wie es nur ein Erez-Israel gibt. Es gibt verschiedene Wege nach Erez- Israel, das ist ganz klar, aber niemals darf der Weg nach Erez-Israel das Wesentliche, Erez-Israel selbst das Nebensächliche sein. Und diese falsche, schädliche Einstellung ist dort vorhanden, wo die Partei, oder gar dl© Person — und das trifft leider in diesem Falle meistens zu — als Primat betrachtet wird, dem der Zionismus sich unterzuordnen hat. Der Zionismus ist etwas fest Umrissene3, ist klares, deutliches Programm, ist Erez-Israel, das jüdische Land für das jüdische Volk. Ich meine, daß dies nicht gesagt werden müßte — und doch muß es immer und immer wieder denen gesagt werden, die sich als Zionisten deklarieren, es in Wirklichkeit aber nicht sind — weil sie z. B. vom Judenstaat immer reden — wie die anderen von verschiedenen Phrasen reden — und an den Zionismus nicht denken, ihn und damit Erez-brael verraten und schädigen. Und es muß gesargt werden, daß es nicht angeht, eine Klasse zu beschimpfen und zu bekämpfen und anderseits immer wieder zu rufen: „Gebt Geld! Gebt Geld! Und im übrigen habt ihr das Recht zu schweigen!“ Zum reinen Zionismus bekennt sich derjenige, der ohno irgend welche persönliche und ehrgeizige Motive arbeitet, Vermögen, Zeit und Gesundheit für Erez-Israel opfert, ohne nach Weg und Parteieinstellurig zu fragen. Und noch ein Wort ftir die Allgemeinen Zionisten, die mitleidsvoll und höhnisch beurteilt werden. Die Allgemeinen Zionisten haben nur den Fehler, daß sie grurulgütig sind, was beinahe an Dummheit grenzt. Sie waren und sind Träger der Organisation, sio bringen die meisten Mittel auf für die Organisation, von den kleinsten Ortsgruppen bis zur Exekutive, und für alle Fonds. Wein;, wenn die Allgemeinen Zionisten versagen würden! Sie allein beweisen, daß ihnen der Zionismus wirklich Herzenssache ist, sic beweisen es und bewiesen es durch die Tat mehr als durch schöne Programme, mit „Schlagern“. Ich war enteetzt. erschüttert, als mir einmal vor vielen Jahren, noch vor de« Ilerzl Zeit ein ..Frommer“ sagte: „Lieber kein Erez-Israel als ein nicht religiöses!“ Ich betrachtete dies als eine Blasphemie. Wie darf ein Frommer Erez-Israel mir mit. einem ..wenn“, also nur bedingt, aimelimen? Und dieser Fromme, der seiner religiösen Einstellung nach Zionist, sein müßte, hat im Laufe der Jahre Gesinnungsgenossen in den vielen Schattierungen des Parteiziomsinus gefunden. ..Ja. ja, Erez-Israel, aber nur dann, wenn-1“ Und ich sage, und davon bin ich mit meiner einfachen primitiven Jüdischkeit, durchdrungen: „Erez-Israel ist lind wird sein, nicht marxistisch und nicht faschistisch, sondern jüdisch, zum Segen für das jüdische Volk und die ganze Welt!“ Sie können überall im Urlaub HttO essen* Verlangen Sie Selchwaren von der Selchwaren* fabriks-Niederlage S. Hönigsber ll. Haidgasse 5 Tel. A 45-4-69 Ein Notschrei Wir erhalten folgende Zuschrift: Schmerz und Trauer erfüllt heute einen großen Teil der Judenschaft über den Streit und Hader innerhalb der zionistischen Organisation. Tausende von pro zionistisch eingestellten Juden können sieh nicht entschließen, der zionistischen Organisation beizutreten, weil sie nicht ihre Hand und Stimme zum Bruderknnipfe bieten wollen. Juden, Zionisten, besinnt euch! Soll das Aufbauwerk wegen Parteihuder 'zugrunde gellen? Soll der imierjiidische Kampf noch fortdauern zur Freude unserer Gegner? Die gesamte Judenschaft blickt nach Palästina, aber alles stellt auf dem Spiel, wenn nicht Friede innerhalb der zionistischen Organisation, innerhalb des Judentums geschlossen wird. Bedenkt, daß Ihr in erster Linie Juden, in zweiter Zionisten seid, und erst in dritter und letzter irgend einer Partei angeboren dürft. Es soll hier nicht die Schuld der Führer und die Felder der einzelnen Parteien untersucht werden, es soll nur der Schmerz zum Ausdruck gebracht werden, den außer dem Schreiber dieser Zeilen noch tausend andere empfinden, und der vielo national eingestellte Juden verhindert, der zionistischen Organisation beizutreten. — A. Riegle r. andere Unterhaltungen zu bestreiten, aufgefordert wurden, ihre Bewerbungen eiimireiehen. Ausdehnung des Flugdienstes in Palästina Jerusalem, 9. Juli. (Z. T. A.) Die PaUUMina-Regienmg hat bei Lyddal ein Terrain erworben, das als Flughafen ausgebaut wird. Gleichzeitig wird in der Niihot von Haifa ein große« Aerodrom erbaut, damit die Flugzeuge bei jedem Wetter landen können. Es wurde eine englisch-jüdische Gesellschaft gegründet, die bereits alle Vori bereitungen getroffen hat, damit der er-t weiterte Zivifflugdienst in Kürze zu funktionieren beginnen kann. „PENSION LANDAU" Orth, nrn Balatonszäszö Erzsöbet- Park (Amerika. Kanada Villen). In der nächsten Nähe vom Plattensee bei der Station. Sehr schöne Zimmer mit Blick auf den See. Eigener Park. Erstklassige Küche, exakte Bedienung. Vor- und Nachsaison 5 Pengö. Hauptsaison von 6 Pengö aufwärts. Palästina meldet: Das Prinzip der jüdischen Arbeit beim Bau des neuen Wasserreservoirs für Jerusalem Jerusalem, 10. Juli. (rZ. T. A.) Die Palästina-Regierung hat die Histadruth Haowdim mit dem Bau eines neuen Wasserreservoirs für Jerusalem beauftragt. Von arabischen Mitgliedern des Stadtrates ist nunmehr verlangt worden, daß die Histadruth bei den Bauarbeiten auch arabische Arbeiter beschäftigen solle. Von jüdischer Seite ist eingewendet worden, daß arabische Unternehmer bisher nicht Wert darauf gelegt hätten, auch jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Es ist eine Einigung dahin zustande gekommen, daß die Histadruth verpflichtet sein soll, jüdische und arabische Arbeiter anzunehmen. Dies soll bei allen städtischen Aufträgen gelten. Neue mittelständische Kolonien in Palästina Der Jüdische Nationalfonds hat einen Siedlungsplan der Gesellschaft J a c h i r. bestätigt, in welchem u. a. die Errichtung einer Mittelstandskolonie in der Nähe von Kirjat Anawirn vorgesehen ist. Jeder Kolonist soll ein Stück Land auf 49 Jahre zur Pacht mit dem Recht der Verlängerung der Pacht auf weitere 49 Jahre erhalten. Da die Siedler für den Erwerb des Bodens kein eigenes Kapital aufzubringen haben, sondern nur eine 2prozent,Lge Rente jährlich an den Keren Kajemeth vom Bodenwert zahlen müssen, bestehen günstige Bedingungen für eine Entwicklung der Siedlung*. Die Siedler haben die Möglichkeit, größere Investitionen für den Ausbau der Kolonie zu machen. Der für die Siedlung in Betracht kommende Boden, insgesamt 2000 Dunam, liegt in einer bergigen Gegend und hat günstiges Klima. Er liegt an der Chaussee Jerusalem—Tel- Aviv, und zwar 15 Kilometer von Jerusalem und 28 Kilometer von Tel-Aviv entfernt. Der Keren Kajemeth hat ein Areal von 1250 Dunam, 14 Kilometer von Haifa entfernt, zum Aufbau einer Siedlung für 120 jüdische Familien au3 Rumänien, Jugoslawien und Deutschland zur Verfügung gestellt. Ein Teil der neuen Siedler arbeitet bereits auf dein Boden, der in der Nähe des König-Alexander-Waldee liegt, eine Autobusverbindung mit Haifa hat und dem gute Entwicklungsaussichten vorausgesagt werden. Der Verband palästinensischer Landwirte hat Schritte für den Aufbau einer neuen landwirtschaftlichen Schule in Pardess Chana eingeleitet. In ihr sollen vorerst 25 Studenten Aufnahme finde«. Ergebnis des palästinensischen Orangenexports Der Gesamtexport von Orangen und Grapefruit aus Palästina betrug in der letzten Saison 7,250.000 Kisten gegenüber 5,500.000 Kisten in der vorigen Saison. Die Steigerung des Exports beträgt also, verglichen mit dem Vorjahre, etwa 33 Prozent. In der Gesamtzahl der exportierten Kisten befanden sich 6,580.000 Kisten Orangen, 670.000 Kisten Gra.pef nicht und 300.000 Kisten Zitronen. Den ersten Platz unter den Abnehmern der palästinensischen Orangen nimmt England ein, das in diesem Jahre aus Palästina fast 534 Millionen Kisten importiert hat; den zweiten Platz — Deutschland mit einer J4 Million Kisten, den dritten Platz — Holland mit 355.000 Kisten. Danach kommt Frankreich mit 173.000 Kisten, Polen mit 161.000 Kisten, sodann Rumänien, Belgien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Tschechoslowakei, Schweiz und Kanada. England hat dieses Jahr seinen Import palästinensischer Orangen um insgesamt 50 Prozent erhöht. Dagegen ist der Export palästinensischer Orangen nach Deutschland um insgesamt 54 Prozent gefallen und der Gesamtanteil Deutschlands am palästinensischen Export von 20 Prozent auf 6 Prozent. RadiO'Dknst in Palästina Der palästinensische Radio-Dienst wird bereits Ende November d. J. zu funktionieren beginnen. Wie erinnerlich, hat die Regierung im Mai d. J. eine Bekanntmachung in der Presse veröffentlicht, in der Personen, die fähig sind, das Programm des Radio-Dienstes durch Musik, Plaudereien, Hörspiele und Jüdische Jugendliche in der Palästina-Polizei In der letzten Zeit sind- 30 jüdische Jugendliche in die Polizeischule in Jerusalem aufgenommen worden. Von ihnen wird einer bei der Jerusalemer Polizei verbleiben, die übrigen werden ihren Dienst in Tel-Aviv leisten. Nachdem in den letzten Jahren verschiedentlich Juden aus der Palästina-Polizei ausgeschieden waren, ist dies nun seit längerer Zeit der erste Fall, daß wiederum Juden sich dem Polizeidienst in Palästina zuwenden. Das Feinste vom Feinen Der edite Schweizer i BERNA-kase Zwei arabische Judenmörder zum Tode verurteilt Das Gericht in Nazareth hat zwei Araber unter der Beschuldigung, den jüdischen Kolonisten von Afulch Blonder ermordet zu haben, zum Tode verurteilt. Anteil Palästinas am Welthandel Aus einem vom V ölkerb und veröffentlichten „Allgemeinen Überblick über den Welthandel 1934“ ergeben eich für P a- 1 ä e t in a folgende Ziffern, ans ged rückt in Golddollar: Wert der Einfuhr 1934: 45,000.000 Dollar; Wert der Ausfuhr: 10,000.000 Dollar; Total: 55,000.000 Dollar. Vergleich mit den Vorjahre« in Millionen Golddollar: Einfuhr. 1929: 35, 1932: 27, 1933: 37; Ausfuhr- 1929: 8, 1932: 8, 1933: 9.) Im Verhältnis zum Gesamtwert des Welthandels — der im Jahre 1934 im Vergleich zum Vorjahre um weitere 3*50 Prozent ge-, fallen ist — (ausgedrückt in Golddollar), stellte sich der prozentuelle Anteil Palä*, stinas am Welthandel folgendermaßen dar; Einfuhr: 0*37 Prozent (im Jahre 1929: 0T0, 1932: 0*19, 1933: 0-30), Ausfuhr: 0*09 Prozent (im Jahre 1929: 002, 1932: 0-06, 1933: 0*08). Totaler Anteil Palästinas am Welthandel (Ein- und Ausfuhrwerte) im Jahrd 1934: 0*24 (im Jahre 1929: 006). Der prozentuelle Anteil Palästinas am Welthandel hat sich daher seit denn Jahre 1929 ln seinem Werte genau vervierfacht. Bezirkssektion Leopoldstadt — Klub „Erez Israel“, veranstaltet am Samstag, den 13. d. um %9 Uhr abends im CalYi-Restaurant Konstantinhügel, Prater Ilaiiptallee, ein Gartenfest unter der Devise: ßommerfost am II a d a r II a k a r m e 1, bei dem die Jazzkapelle lay Geiger, der Lietlersilnger Sogal-RoHenbach u. a. mitwirken. Für Geselligkeit, Tiselipost und sonstige Über-- raselmngun ist vorgesorgt. Karten zu S 1.50 erhältlich in der Sektion Leopoldstadt, II., Frater- 8traße 13, Zionistisches Laudeskomitue, I., Marc- Aurol-Straßo 5, Bücherstube Rath, II., Taborstraßo 20 a, Schulireparaturwcrkstütte, I., Doiiiiuikanerbastei 21, SelmlihaiiH D. Tlorowitz, II., Taborfitraßn ll.b, und bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern. BILLIGER URLAUB IN GOLLINC (SALZBURG) Hin- und Rückfahrt Schnellzug III. Kl., 10 volle Tage Unterkunft und Verpflegung einschl. Trinkgeldablöse S 102.— Auskünfte und Anmeldungen« ABTEILUNG FÜR FREMDENVERKEHR DES PHÖNIX, I., Wallnerstr. 6a, Tel. U 25*3*32 u. U 25-5-80 OSTERR. 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