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Die Stimme · 1935-07-09 · Heft 464 (9.7.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 464 (9.7.1935)
Date
1935-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5. Jul! 1035 Dfl STIMMI Seit© Die Zukunft Palästinas Von Lord Melehett Nr. 161 - Sä-— 5BÜ Auskünfte Über Reisen nach BalMstlna )r. 8. Tocker, welcher seine nliehkeiteu nach IX., Liechtenße 2, Tel. A 14-504, verlegt hat I-Iänscr iri der neuen landwirtschaftlichen Siedlung „Rnmat Aharon“, die jüngst auf Keren Kajcinctli-Bodon in Reehobot zum Andenken an Aron Eisenberg s. A., den Gründer von Reehobot, errichtet wurde, fertig sein. Neben dem Keren Kajemeth haben sich an der neuen Siedlung auch die Erben des Verstorbenen sowie dio B'nai B’rith-Loge beteiligt, deren Mitglied der Verstorbene jahrelang war. * „En Hasch aron“: Der Kibbuz „En Ilaßcharon“ hat jetzt den Boden übernommen, den der Keren Kajemeth für seine Kolonisation in Ha.rtia (Charoscheth Hagojun) bestimmt hat. Der Kibbuz zählt 00 Familien, sämtlich Mitglieder des llasehomcr Hazair, Einwanderer aus Jugoslawien und Rumänien, die bisher fünf Jahre lang in Magdiel gearbeitet haben. Kürzlich haben dio jugoslawischen Zionisten eine besondere Aktion durchgeführt, die die Ansiedlung der genannten Chaluzim ermöglichen soll, und der Keren Kajemeth konnte dem Kibbuz eine Fläche von 1250 Dunam tibergeben. Vorläufig hat sich nur ein Teil des Kibbuz auf dem Boden niedergelassen, während andere Mitglieder, vor allem Fachleute, als Lohnarbeiter arbeiten und mit dem ersparten Gelcle langsam ihre Wirtschaft entwickeln werden, bis sie völlig auf dem.Boden der neugegründeten Siedlung leben können. (Palcor.) Nach dem Berichte der Palästina-Regierung an die Mandatskommission betrug die Sterblichkeit in Palästiua im Jahre 1934 unter den J u d e n 9*58 auf 1000 Personen, unter den Christen 10-25, unter den Mohammedanern 26-08. Die Zahl der Geburten war unter den Juden 30‘21 auf 1000 Personen, unter den Christen 33-55, unter den Mohammedanern 46-56. Der natürliche Bevölkerungszuwachs betrug unter den Juden 20-68 auf 1000 Personen, unter den Christen 17*31, unter den Mohammedanern 19-88. Der natürliche Bevölkerungszuwachs ist also unter den Juden trotz der niedrigsten Geburtenziffer infolge der geringsten Sterblichkeit am größten. Die Zahl der Juden betrug Ende 1934 300.000 Seelen. Nichtjiiden sind 5050 eingewandert, dm-unter 1151 Mohammedaner und 3899 Christen. Im Jahre 1934 gingen 3316 Anträge auf Naturalisation ein, von denen 2794 genehmigt wurden. Unter den Noueingobürgerfcen befanden sich 704 polnische Juden, 438 russische, 152 rumänische, 66 deutsche, 354 aus anderen Ländern, 172 Staatenlose. Von Nichtjuden wurden eingebürgert 38 Türken, 6 Ägypter, 21 Syrer und 46 aus anderen Ländern. In den Jahren 1926 bis 1934 wurden 374 Naturalisationen wieder aufgehoben. 1934 wurden 7754 palästinensische Pässe ausgegeben und 2947 erneut ausgestellt. Für die Polizei wurden im Jahre 1934 501.957 Pfund Sterling ausgegeben. In der Polizei befinden sich 48 Offiziere, darunter 34 englische, 6 palästinensische Christen, 4 Mohammedaner und 4 Juden, ferner 110 Inspektoren, darunter 23 Engländer, 16 palästinensische Christen, 46 Mohammedaner, 24 Juden und einer andorer Nationalität. An Polizisten gal) es 2570, darunter 671 Engländer, 298 palästinensische Christen, 1333 Mohammedaner und 263 Juden. Im Jahre 1934 besuchten die palästinensischen Schulen 40.088 mohammedanische Kinder (darunter 8105 Mädchen), 17.454 christliche (8368 Mädchen), 44.820 jüdische (21.585 Mädchen) und 625 Die wirtschaftliche und politische Zukunft Palästinas läuft Gefahr, wegen einer Reihe falscher, in Wort und Schrift über den Entwicklungsgang des jüdischen Vaterlandes zum Ausdruck gekommener Auffassungen aufs Spiel gesetzt zu werden. Diese irrtümlichen Auffassungen sind meines Erachtens hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, daß man sich der während der letzten Jahre geänderten Gesichtspunkte des Zionismus nicht ganz bewußt geworden ist. Es geht nicht mehr au, sich die jüdische Bevölkerung Palästinas immer noch als Ch,a!utzkn in blauen Hemden und Kniehosen und als Patriarchen mit langen, weißen Bärten vorzustellen. Dio Besiedlung unseres Vaterlandes kann nicht für immer auf die kleine Anzahl begeisterter Vorläufer beschränkt bleiben, die eich bereit fanden, ihren Beruf und Wohlstand aufzugeben, um das Land ihrer Vorfahren in schlichtem Pioniertum zu bebauen und dabei ein kärgliches Leben zu fristen. Was sich jetzt in Palästina entwickelt, das ist ein neues, modernes Leben voll enormer Kraft und Energie und in raschem Anwachsen begriffen, mit allen den gewohnten Kennzeichen modernen zivilisiertem Volkslebens. Zum erstenmal seit 2000 Jahren gibt es dort eine große Stadt, die sich mit den verschiedensten Sozialprobleinen zu befassen hat, aber dabei gleichzeitig die schönen Künste, Theater, Musik und alle anderen, wesentlichen Faktoren einer vollständigen Volkskultur pflegt. Die äußeret rasche, durch ein Wiedererwaohen der Verfolgung von neuem an- 17 Mädchen. Im Jahre 1934 erkranktem an ansteckenden Krankheiten 10.862 Personen, von ihnen starben 1170, gegenüber 8369 ansteckenden Krankheitsfällen und 1007 Todesfällen. Im Jahre 1934 gab es im Lande elf Tabakfabrikon mit einer Produktion von 103.200 kg Zigarren, 158.520 kg Schnittabak, 625.832 kg Zigaretten, 75.294 kg Kautabak und 6848 kg Schnupftabak. Von dem Reste des Tabaks aus dem Vorjahre wurden produziert 4021 kg Schnittabak, 7766 kg Zigaretten. Gegenüber 1250 Tabakpflanzern im Jahre 1933 gab es im Jahre 1934 2767 Pflanzer. Die Jahresernte an Tabak betrug im Jahre 1934 402.623 kg. In der Industrie wurden 1934 1 bis IE- Millionen Pfund investiert, in neuen Plantagen 2,500.000 Pfund, im Bauwesen 6 Millionen Pfund. Waren wurden im Werte von 6-5 Millionen Pfund produziert. Im Jahre 1934 besuchten 90.000 Touristen das Land. Die Einnahmen aus Post, Telegraph und Telephon betrugen 333.512 Pfund gegenüber 269.342 Pfund im Jahre 1933; dio Ausgaben 206.082 Pfund. Die Luftpostsendungen sind im Vergleich mit dem Jahre 1933 um 139% gestiegen. Briefmarken wurden für 156.278 Pfund verkauft; an Telegrammen wurden 399.000 versandt. Ferner wurden 949 neue Telephonanschlüsse mit 1688 Apparaten gelegt. Im Jahre 1934 wurden in Palästina 1,850.750 Liter Woin hergestellt, 444.269 Liter Alkohol, 236.323 Liter Arak. Aus dem Auslande wurden 26.000 Liter Wein eingeführt, 1,525.000 Liter Bier und 60.000 Liter Alkohol. Wegen Trunkenheit wurden im Jahre 1984 662 Personen verurteilt gegenüber 682 im Jahre 1983, davon 49 Juden gegenüber 33 im Jahre 1933, diese sämtlich erstmalig. Die Polizei beschlagnahmte im Jahre 1934 62 kg Haschisch, 222 kg Opium, 20 kg Kokain, 4*5 kg Santal. 127 Personen wurden bestraft mit 462 Pfund und mit Gefängnis bis zu 6 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen. (Palcor.) gespornte Entwicklung hat mancherorts den Eindruck hervorgerufen, daß die Fähigkeit der zionistischen Führung, genügende soziale Disziplin zu sichern, mit der Einwanderung nicht Schritt halten kann. Es ist unvermeidlich, wenn in den ersten Anfängen einer Ansiedlung dio Disziplin etwas zu wütiechen übrig läßt, aber während meiner soeben beendigten Palästinareise habe ich mich mit großem Vergnügen davon überzeugt, daß bereits geeignete Vorkehrungen getroffen worden sind, um diesem Problem gerecht zu werden. Während meines Aufenthaltes dort fand die zweite M a k k a b i a statt, an welcher 5000 Juden aus fünfunddreißig verschiedenen Ländern teilnahmen und bewiesen, daß auch das jüdische Volk die Fähigkeit besitzt, Organisations- und Verwaltungsprobleme zu lösen. In keinem anderen Laude wäre eine ausschließlich aus Liebhabern bestehende Organisation angesichts so vieler Schwierigkeiten mit einem derartigen Vorhaben erfolgreich gewesen. Die wundervolle Ordnung und Disziplin, nicht nur unter den Mnkkabim selbst, sondern auch unter den Zuschauern war in hohem Grade bezeichnend. 50.000 Zuschauer wohnten zweimal in einer Woche dieser großen Veranstaltung in Ruhe und Ordnung bei, iu Anwesenheit von einer verhältnismäßig nur kleinen Anzahl Polizi&ten. Einen solchen Beweis von Organisationskraft kann nur ein tief von einem großen Ideal erfülltes Volk liefern —: dem Ideal des Wiederaufbaus der Nation und des Landes. Allgemein gesprochen, läßt sieh dim ganzen Lande das Verhalten der Zuschauer mit dem einer ähnlichen Versammlung in welchem Lande immer günstig vergleichen. Die zweite falsche Auffassung, auf welche ich die Aufmerksamkeit lenken möchte, betrifft die Finanzlage in Palästina, die für manclie Leute als übertriebene Spekulation gilt. Es gibt aber nur wenig ungebührliche Spekulation iia Lande und, soweit vorhanden, ist sie als Folge der Entwicklung des Landes faßt unvermeidlich. Das sehr bedeutende, für Anlagen in einem kleinen Lande verfügbare Kapital hat in Verbindung mit einem großen Mangel a n Arbeitern ganz natürlicherweise zu einer großen Wertsteigerung geführt, die entweder einen regelmäßigen oder unregelmäßigen Verlauf nehmen wird. Selbst wenn diese Wertzunahme später zum Teil wieder verloren gehen sollte, wird dies keinen großen wirtschaftlichen Schaden bedeuten, vorausgesetzt, daß der Geldmarkt und die Banken sich nicht auf zu viele unvorsichtige Darleihen gegen künstliche Werte einlassen. Soweit ich mich davon überzeugen konnte, ist dies auch nicht der Fall und erscheint nicht wahrscheinlich. In Palästina sind die Leute viel zu klug und vernünftig, um ihr Geld Banken anzuvertrauen, die bei dem ersten Krisengerücht zusammenfallen müssen. Es wäre jedoch ratsam, sobald als nur möglich durch Gesetze die Entwicklung kleiner, nicht kapitaiskräftiger Banken zu verhindern, da solche anläßlich der bei wirtschaftlichen Schwankungen unvermeidlichen Störungen zu Beunruhigung Aulaß geben könnten. Die wirkliche wirtschaftliche Gefahr in Verbindung mit der Wertzunahmo liegt nicht in toller Spekulation, sondern in dem ausgesprochenen Mangel au Arbeitskräften, der zu ganz ungewöhnlich hohen Lohnsätzen geführt hat. An sich wäre das vielleicht noch kein Übel und fördert in Wirklichkeit nur die Entwicklung eines höchst wertvollen Arbeiterstandes. Die wahre Gefahr liegt darin, daß unwirtschaftliche Herstöllungs- und Gestehungskosten die Entwicklung der Industrie uud des Ackerbaues in Grenzstaaten mit niedrigeren Lohn-, Wert- und Steuersätzen begünstigen könnten, was unfehlbar als höchst ungünstige Folge elnou Wettbewerb auf dem palästinischen Absatzgebiete mit der einheimischen unwirtschaftlichen Erzeugung herbeiführ en müßte. Leider läßt sich diesem Übel nicht durch größere Einwanderung abhelfen, .well die Aufschließung mit der damit zusammenhängenden, wichtigen Jeden Sonntag Ferienfahrt na<h Polen u.Czerno witz Rückfahrten; 4. VIII.. 1. IX. und 15. IX. Nadi Zakopane zu den Bergfestfeiern (4. VIII. bis 10. VIII.) 70% Fahrpreisermäßigung. Poln. Visum gratis. „Francopcl", Wien, III., Rennweg 8, Tel. U 16-4-90. Wohnungsfrage weiter entwickelt werden muß, ehe größere Mengen Einwanderer aufgenommen werden können. Dieser Zirkelschluß gilt nicht nur für Palästina, macht eich aber dort stärker geltend, weil cs sich um ein so kleines, in so intensiver Entwicklung befindliches Gebiet handelt. Die rasche und energische Entwicklung des Zionismus wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch auf viele Jahre hinaus im Zunehmen begriffen sein, als Folge des in Europa und der ganzen Welt bestehenden Antisemitism u s. Es zwingt sich die Folgerung auf, daß eine Ausdehnung des zu entwickelnden Gebietes nicht nur als Lösung für das bestehende wirtschaftliche Problem, sondern überhaupt für die ganze Zukunft des Zionismus unerläßlich ist. Es ist behauptet worden, daß das zionistische Entwioklungsgebiet nach Syrien hin ausgedehnt werden sollte. Meines Erachtens. nach wäre dies geradezu katastrophal. Seit Jahrhunderten leiden wir unter dem Nachteil örtlicher Zerstreutheit und seelischem Zwiespalt und die Beseitigung dieeee ungünstigen seelischen Probleme ist einer der Vorteile des neuen Palästina. Seine Wiedereinführung in Erez Israel würde einen Schaden bedeuten, dessen üble Folgen sich kaum übertreiben lassen. Den wirtschaftlichen Umständen der Sachlage muß offen Rechnung getragen werden, und wenn dies geschieht, so drängt sich gleich der Schluß auf, daß das Trans jordangebiet vom zionistischen Entwicklungsgang ergriffen werden muß. Der Jordan kann nichtfür immer eine Grenze zwischen blühendem Wohlstand und dem Transjordanien bedrückenden Elend, Mangel und Hungerleiden bilden. Die sieh einer solchen Lösung entgegenstellenden Schwierigkeiten dürfen nicht unterschätzt werden, aber früher oder später werden wir uns durch wirtschaftliche Notwendigkeit gezwungen sehen, auf diese Frage weiter eiuzugehen. Ist sie einmal gelöst, so wird der ganze Zionismus ein anderes Aussehen annehmen. Das Einwanderungsgebiet wird viel größer sein und dem eich auf Millionen Pfund belaufenden müßigen Kapital großero Anlagemöglichkeiten bieten; Juden und Araber werden mehr als genug Spielraum haben und vom Standpunkt der Weltwirtschaft aus, wird ein größeres, jetzt brachliegendes Gebiet angebaut sein, das die Arbeitskräfte, Fälligkeiten und Geldmittel wenigstens einer Generation, wenn nicht zweier, in Anspruch nehmen wird. Es ist erklärlich, daß der Gedanke eines Groß-Palästina unter dem großmütigen Schutz des britischen Reiches vielfach mißverstanden und heftig angegriffen wird. Wir dürfen eben nicht vergessen, daß auch der Zionismus selbst Gegenstand vieler Mißverständnisse war und es noch immer ist, und daß eeine Ideale verzerrt und seine Schöpfer verleumdet werden. Transjordanien muß einfach aus wirtschaftlicher Notwendigkeitim Laufe der Zeit dem Erez-Israel-Gebiet einverleibt werden; meiner Ansicht nach gibt es überhaupt keinen anderen Ausweg, iun das ganze Land glücklich und unabhängig, zum selbstverwalteten, dem Britischen Reich zugehörigen Staat zu machen. Eine solche Politik kann wohl kaum vom Völkerbund verworfen werden, denn sie entspricht voll und ganz dem Geiste des Schutzmandats, und ich kann mir kaum vorstellen, daß andere Völker ernste Einsprüche erheben würden. Ich bin mir nur zu wohl bewußt, welche Schwierigkeiten sich der Verwirklichung meiner hier in großen Zügen angeführten Vorstellung von Palästinas Geschick entgegcnstellen. Meiner Überzeugung nach wird man aber schließlich zu der Einsicht gelangen, daß dieser Plan den einzigen vernünftigen und gerechten Ausweg aus der gegenwärtigen Stockung bietet, Interessante Ziffern ausdem Beriditeder Palästina-Regierungan den Völkerbund Kinder anderer Bekenntnisse, darunter

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