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Die Stimme · 1935-07-09 · Heft 464 (9.7.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 464 (9.7.1935)
Date
1935-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 DIE STIMME Nr. -Hi I - 9. .Tuii 1!>•’.“< Englischen u. llNfnmijfM spanischen UHLKHIVHI erteilt vorm. Mitglied des Berliner Dolmetscher-Verbandes. Auch kaufmännische Korrespondenz. Anfragen erbeten unter „Dolmetsch“ an die „Stimme“. wmmmmKmmmmmmmmmmMmmammmmmtmmmmmmmmmmmmm einem Plakat vor der Brust durch die Stru* heu wandern müßte. Wir warnen davor.“ Am 8. Juli demonstrierte eine MenschcnlUfiigo in dem Stadtteil Neukölln am Hermannplatz so lange vor einer j ti d i s c h e n A p o t h o k e. Bis sie von der Polizei geschlossen wurde. In dem nordwestlichen Vorort Tegel wurden Juden, die dort im Tegolsee badeten, untergetaucht und vom Strande vertrieben. In dem in der Nahe von Hamburg gelegenen Erholungsort Blankenese «und Tafeln mit der Inschrift angebracht worden: ..Blankenese ist kein Tummelplatz für Juden und Judengenossen.“ Auf einer Gautagung des N. S.-Ärztehundes in Hannover hielt unter anderen nach dem Bericht der ..Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz1' der Beauftragte des Reichsärzteführers für die kassenärztliche Vereinigung Deutschlands, Doktor Grothe, ein Referat über ärztliche Fragen. In seinem Verlaufe wies er darauf hin, daß zwar bis heute die völlige Bereinigung des Ärztestandes vor allem von jüdischen Elementen noch nicht restlos durchgeführt sei, daß es aber gelingen müsse, durch Ein-1 Wirkung auf den deutschen Volksgenossen direkt, den jüdischen Arzt praktisch aus d e r d e u t s e h e n Gesundheitspflege a u e z u s c h a 11 e n. Die „Fränkische Tageszeitung“ meldet aus Neustadt an der A i s e h (Bayern): „Auf Grund einer Verfügung vom 24. Juni 1935 hat das Staatsministerium des Innern auf Antrag der Kreisleitung der N. S. D. Ä. P. Neustadt a. A. die Bestätigung des Bürgermeister G r ä b n e r von Schellert widerrufen. Der genannte Bürgermeister hat im vergangenen Jahre Geschäfte mit Juden gemacht.“ Die Danzlger Juden beim Völkerbund Zwecks Prüfung der verschiedenen Danzig er Petitionen, darunter der Petition der D a n z i g e r Juden, die dem Rat anläßlich seiner Maitagung Vorlagen, hat der Völkerbundrat ein Juristenk omitee ernannt, das aus den folgenden Herren besteht: Dr. Fritz F 1 e i n e r, Professor des öffentlichen Rechtes an der Universität in Zürich; Dr. Jan K o sters, Vizepräsident de«s Obersten Gerichtshofes in Holland, und Baron Dr. E. T. Marks von Württemberg, früherer schwedischer Außenminister und früherer Vorsitzender des Appellationsgerichtes in Stockholm. Dieses Juristeukomiteo wird Ende Juli zusammentreten und sein Gutachten für den am 5. September zusammentretenden Völkerbundrat ausarbeiten. Der Berichterstatter des Rates für die Danziger Fragen ist der Vertreter Großbritanniens, Minister Eden. Die deütsch-füdlsche Kolonie im Wieringermeerpolder Die von den Nationalsozialisten in Holland gegen die deutsch-jüdische Kolonie im Wieringermeerpoldcr und die Haltung der holländischen Regierung in dieser Angelegenheit betriebene andauernde Hetze hatte zur Folge, daß vergangene Woche in der Ersten Kammer des holländischen Parlaments über dieses Thema eine Debatte stattfand. Dr. van Gitters fragte den Minister des Departements für Bewässerungswesen, ob sicher Bei, daß die deutsch-jüdischen Kolonisten nicht in Holland bleiben werden, was im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit im Fände nicht angehe. Minister Dr. van F i d t h de J e u d e erwiderte, daß der Boden de« Wieringermoerpolder nur bis Mitte Mai 1936 verpachtet sei. Die jungen Leute müssen das Land verbissen, sobald ihre Ausbildung beendigt ist; der erste Transport wird im kommenden Herbst nach Palästina und Südamerika abgohen. Senator S. van den Bergh erklärte, er bedauere, daß Dr. van Gittere diese Angelegenheit zur Diskussion gebracht habe. Keiner der jungen Leute wird länger als zwei Jahre im Lande bleiben, und — „L i e b e d e i n e n X ä c h s t e n w io di c li selbst!" rief er aus. Die jungen Männer und Mädchen, in ihrem Vaterland von Rassenhaß verfolgt, erlernen hier einen Beruf und verlassen dann das Land. Daran kann nicht« Unrechtes sein! Die Flüchtlinge Der Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlinge aus Deutschland, James G. M a c d o n a 1 d, der soeben von einer Reise durch die südauierikariischen Staaten, wo er die Möglichkeiten der Zulassung von Flüchtlingen erkundete, zurückgekehrt ist und zur Zeit in N e w Y or k weilt, hielt eine durch die National Broadcasting Company auf ganz Amerika übertragene A nspräche, in der er ausführte: Es sind U n t e r b r i n g u n g s in ö g 1 i c h k e ifcen außerhalb Europas für so viele deutschjüdische Flüchtlinge vorhanden, a 1 s M i 11 e 1 für s i e a u f g e b r a c h t w e rde n können. MacDonald bedauerte den „Mangel an Kenntnis des Ernstes des Problems'1. Das Fltiehtlingsproblem sei nicht ausschließlich ein jüdisches Problem. Tausende Protestanten und Katholiken befinden sich unter den Opfern und die Beschaffung von Hilfe für die Flüchtlinge sollte deshalb eine Angelegenheit aller Konfessionen sein. Die Rede des Abgeordneten Dr. Goldstein in der Eröünungsdobatte der neugewählten Kammer konnte natürlich nicht alle Probleme erschöpfen, mit denen sich die jüdische Öffentlichkeit der Republik beschäftigt. Eine Frage, die in letzter Zeit für einen großen Teil des jüdischen Mittelstandes in den sogenannten historischen Ländern, das ist in Böhmen und Mähren- Schlesien, brennend geworden ist, ist die geplante Reorganisation der Getreä d em oaop olgesellschaf t. Durch die staatliche Bewirtschaftung der Landesprodukte wurden nämlich die Getreideagenten fast restlos ausgeschaltet. Die Getreideagentur, die schon vorher durch die Gründung landwirtschaftlicher und Mühlengenossenschaften außerordentlich gelitten hatte, wurde durch die Schaffung des staatlichen Getreidemonopols um jede Existenzbasis gebracht und eine große Anz-ahl jüdischer Steuerträger steht ohne Erwerb da. Es sind nun Bemühungen im Gange, die Getreideagenten wieder in den Verkehr zwischen Produzenten und Abnehmer einzugliedern und im Rahmen der Monopolgesellschaft jene Rolle zuzuweisen, die ihrer Erfahrung und Gewissenhaftigkeit entspricht. Das vergangene Jahr hat bewiesen, daß die Agentur nicht preisverteuernd, sondern viel eher preisausgleichend wirkt. Abgeordneter Dr. Goldstein wird in dieser Sache mit den maßgebenden Persönlichkeiten in Kontakt treten, und es ist von Wert, daß auch andere Parteien den Agenten ihre Hilfe augeboten haben, Der Lau dos verband der tschechoslowakischen Allgemeinen Zionisten, der bekanntlich die Sezession zur Weltvereinigung mitgemacht hat, beruft eine Vorkongreßkonferenz für den 28. Juli nach Mähr.-Ostrau ein. Gegenstand der Diskussion werden ohne Zweifel jene Ereignisse Aus Jugoslawien Die Wahlen zum XIX. Kongreß Nachdem der Hauptwahlkorninlesion nur eine gemeinsame Kandidatenliste der Allgemeinen Zionisten und der Liga für das arbeitende Erez-Israel vorgologt wurde, entfiel im Sinne der Wahlordnung cllo Durchführung von Waiden zum Kongreß. Es erscheinen drei Allgemeine Zionisten und zwei von der Liga für das arbeitende Erez-lsrael gewählt. Es ist symptomatisch für die Verhältnisse in Jugoslawien, daß ein Wahlkampf vermieden werden kannte. * Auszeichnungen Dem Präsidenten des zionistischen Landesverbandes in Jugoslawien, Herrn Doktor Sir Francis Monteilore gestorben Im Alter von 75 Jahren iet in London Sir Francis M o n t, e f i o r e, der Erbe der Baronetswürde Moses Mont-etiores, gestorben. Sir Francis war Vorsitzender des Ältestenrates der Londoner seplmnlisolmii Gemeinde. In den Anfangszeiten des politischen Zionismus hatte der Verstorbene Theodor IferzI hei der Herstellung von Beziehungen zu den offiziellen Kreisen Englands hervorragend unterstützt. Seit dem Weltkrieg gehörte er der Zionistischen Organisation nicht mehr an. Die Konvention der zionistischen Organisation Amerikas Auf der gegenwärtig in A 11 a n t i c City tagenden Konvention der Zionistischen Organisation Amerikas wurde 'Morris Rothenberg zum Präsidenten wiedergewühlt. Zum Ehrenpräsidenten wurde Louis L i p s k y gewählt. Palästinaeinwanderung Im Juni Im Monat Juni sind 4180 Juden nach Palästina eingewandert. Mitteilungen über die Verteilung auf die einzelnen Einwandererkategorien sind vorläufig noch nicht ausgegeben Worden. sein, die zur Spaltung in Krakau geführt haben. * Das wahre antisemitische Gesicht der Henleinpartei zeigt sich nicht so sehr in offiziellen Kundgebungen, wie vielmehr aus gewissen Erscheinungen, bei denen ungewollt eine Demaskierung stattfindet. Vor einiger Zeit fanden Wahlen in die verschiedenen Vorstände des deutschen Kulturverbiandes statt, der das Erbe nach dein seinerzeitigen Sohulverein übernommen hat. Den Henleinleuten gelang es, eigentlich ohne besonderen Widerstand seitens anderer Gruppen, die Entsendung von Juden, darunter einiger sehr verdienter Mitglieder, zu hintertroiben. Wir haben keine Ursache, uns dieser brüskierten Juden anzunehmen, die seit Jahrzehnten in sklavischer Ergebenheit dem . Schulverein und nachher dem Kiilturvcrband gedient haben und sehr bedeutende Summen für deren Zwecke opferten. Aber es ist immerhin wichtig, festzustellen, daß Henlein eine Gleichschaltung in Angriff genommen hat, die dem berühmten Muster verteufelt ähnlich sieht. Man steht überhaupt in einem regen Austausch verkehr antisemitischer Errungenschaften zwischen Sudetengobiet und Drittem Reich. Zum Beispiel ist der appetitliche Vergleich des Juden mit einem Floh, den letzthin am Jahrestage der Ermordung Roehms Herr Goebbels gebracht hat, nicht originell, denn schon vor beinahe 15 Jahren durfte der Physiologieprofessor der Prager deutschen Universität, der bekannte T s c h e r m a k - S e y ts e negg, die Juden „Läuso im deutschen Pelz“ nennen. Natürlich schnorren die von Tsohermaik geführten studentischen Vereine nach wie vor bei Juden. Und natürlich gibt es nach wie vor Juden, die gerne und geschmeichelt Geld spenden. A1 e x a n d e r L I c h t in Zagreb, wurde der Ordon dos holl. Sava 3. Klasse, dem Ausschußmitgliodo des zionistischen Landesverbandes -in Jugoslawien und Vizepräsidenten des Verbandes jüdischer Kult.usgemeinden, Herrn Dr. David Albala in Belgrad, wurde der Orden des Iiuil, Sava 2. Klaaso, dom Mitgliode dos Arbeitsausschusses des zionistischen Lando-sVerbandes und Präsidenten des Keren Kajemeth, Herrn Dr. Marko B a u e r in Zagreb, wurde der jugoslawische Kronenorden 3. Klasse, der Frau Julia König, Zagreb, Präsidentin des Verbandes zionistischer Frauen in Jugoslawien, wurde der Orden des heil. Sava 4. Klasso und dem Präsidenten des Makabi in Zagreb, Herrn Julius K ö n i g, der jugoslawische Kronenorden 4. Klasse verliehen. I. b. M. Neue Siedlungen Jerusalem (Palcor). Auf dem Wego von Jerusalem nach Jaffa wird bei dem Dorfe Abu Gosch durch die Gesellschaft „Jachin“ auf Boden des KKleine neue jüdische Siedlung „Kirjath Aua.wim B“ gegründet werden. Die neue Siedlung wird den Oharnkter eines Mo.sehaw: Owdim luiheii. 40 Familien erhalten je 5 Diinam für gemischte Wirtschaft, weitere 80 Familien je 5 Diiimm für Geflügelzucht und Obstbau. Zehn Kilometer vun der nördlichen Grenze Palästinas entfernt, nicht weit von der Meeresküste, au der Straße Akko—Beirut, ist kürzlich die Kolonie Naharia mit einer Bodenflächo von 2500 Dunam nach den Plänen Dr. Soskins auf der Basis intensiver Landwirt scliaft und gemeinsamer Bewirtschaftung auf geschäftlicher Grundlage errichtet worden. Die ersten Siedler haben sieh im Winter niedergelassen. Heute arbeiten dort bereits 100 Personen. Naharia ist für 250 Familien mit eigenen Mitteln bestimmt. Die Kolonisten zerfallen in drei Gruppen, solche mit 5 Diinam. 7 Diinam und 9 Dunum Boden. Handwerker und Facharbeiter erhalten einen halben Dunam. Nach den Plänen Dr. Soskins sollen 5 Dunam ausreiehen, eine Familie zu ernähren, die, sich mit Geflügelzucht, Gemüsebau. Obstbau und Milchwirtschaft befaßt. Eine fertige Wirtschaft von 5 Dunam mit 1000 Hühnern, einem Gemüsegarten, Obfitbäiunen, noimm Arbeitsgerät und verschiedenen Arbeitserleichterungen kostet 750 Pfund. Ferner soll jeder Arbeiter für eigene Rechnung sieh seine Wohnung bauen. 7 Dunam kosten 1020 Pfund, 9 Dunam 1325 Pfund. Neben diesen Beträgen müssen die Kolonisten 5 Pfund pro Dunam als Anteil in die Genossenschaftsbank der Kolonisten einzahlen. Die Siedlung hat ausreichend Wasser. Die Gesellschaft „Naharia“ wunde mit einem Kapital von 50.000 Pfund durch Dr. S o s k i n, Ingenieur Josef L o e w y und. Prof. Otto W a r b u r g gegründet. * Neue landwirtschaftliche Siedlungen auf KKL,-Boden Jerusalem (Palcor). „I r g u n Menache m“: Die Arbeiten' für die Vorbereitung des Keren Kajcmeth- Bodens zwischen Gedora und Beer Tuvia für dio genannte Siedlung werden energisch fortgesetzt. Man gräbt gegenwärtig einen Brunnen, und sobald diese Arbeit beendet ist, wird man den Bodon für gemischte Wirtschaft parzellieren (20 bis 25 Dunam pro Familie). Der „Irgun Menachem“, der liier angosiedolt werden soll, zählt 100 Familien mit 270 Personen, Einwanderer aus Polen, Bessarabien und Rußland. * „R a mat A h a r o n“: In Kürze wird das Wasserreservoir und die ersten zwaiizig Aus Bad Ischl wird uns unterm 5. ds. geschrieben: Obwohl die Schulferien noch nicht begonnen hatten, ist heuer schon in der Vorsaison, begünstigt vom herrlichem Wetter, eino ungleich stärkere Fromdenfrequenz gogon dio Vorjahro zu bemerken, außer unserom alljährlich wiederkehrenden Wiener Stammpublikum sind es namentlich Gäste aus Ungarn, der Tschechoslowakei, England, Frankreich und Holland, welche sich diesen Sommer viel zahlreicher eingefunden haben. Der Kurbetrieb ist seit Mitte Juni im vollem Umfange aufgonommen, und auch das Theater hat um 14 Tago früher als sonst seine Spielzeit mit großem Erfolg eröffnet. Es ist dor morkwfirdigo Fall eingotroton, daß sich dio Kurgäste nach Rogen sehnen, und was besonders befriedigt: Bad Ischl ist vollkommen gelsenfrei. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Klub „Erez Israel" Samstag, den 18. Juli 1985, Uhr abends ImmM au! di Kadar Main! im Cafö-Restauiant Konstantiiilnige!, Prater Hauptallcu 17 Jazzkapelle; Jsy Geiger Hoichliultiges Urogramm — Tlsohpost und sonstige Überraschungen Kartenvorverkaufs lUloberstubu Halb, II., Tnhor- HlraUoZOa; Strick-u. Wirkwaren Josul Hlagur, II., TahorslraüeWi KchuhreparuturweriiatilUo Si'bapira, i.,Kai ll; Candonkomltuu, 1., Murr.-Anrei-Slrnö« R; Zinn. Bezirks- Sektion boopokUtadt, 11., l’rnterNtrntte 13, und bei slimtliulitm Mitgliedern Brief ans Prag

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