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Die Stimme · 1935-07-09 · Heft 464 (9.7.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 464 (9.7.1935)
Date
1935-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m - fV.Tuli 1935 Dil STIMM! Seite 3 Die Rechtsanwaltskammern Inland Aus dem Verlag der Abtei Seckau Vom katholischen Verlag der Abtei Seckau in Steiermark wird mit großzügiger Propaganda ein Buch verbreitet, das an antijüdischer Hetze hinter den ähnlichen Schriften des Dritten Reiches nicht zurücksteht. An alle Ärzte Österreichs, auch an die jüdischen, hat der Verlag die Aufforderung gerichtet, in ihren Wartezimmern und in den Le. ezimmern der Spitäler an Stelle abgegriffener Zeitschriften das soeben erschienene Buch „Im christlichen Orient“ vom Pater Dr. Chry sostomus Bauer aufzulegcn. Das Buch, das einige Schilderungen heiliger Stätten des Orients enthält, enthält auch ein Kapitel „D i e J u d e n“, in welchem unter anderem folgendes gesagt wird: „Darum bleibt auoh in Z.ukunft die Judcnfra^e, was sie schon lange ist: Eine Weltfrage, die immer drückender und drohender auf der Welt lastet und vor allem auf der christlichen W e 11. Es ist kein Zweifel, daß das Judentum heute | relativ das kleinste Volk und die größte Welt-| .macht geworden ist. Ein auf wirtschaftlichem, und religiösem Gebiet grundsatz- und charakterlos gewordener .Liberalismus* von Christenvölkern hat es den von Natur begabten und leichtbewegiichen Juden gestattet, einen so unverhältnismäßig hohen Prozentsatz des flüssigen Weltvermögens in ihre Hand zu bekommen, daß kein kleines oder großes Finanz¬ oder Industrieunternehmen es wagen darf, gegen ihr Diktat sich aufzulehnen, daß selbst ein Milliardär wie Henry Ford vor ihnen kapitulieren mußte, daß sie durch Börsen- und Valutamannöver jede einzelne Regierung und jedes alleinstehende Volk in die Knie zwingen können, das es wagen sollte, gegen diese Weltherrschaft Front zu machen. Selbst ein Mussolini hat es im Interesse Italiens nicht gewagt, das Judenproblem zu berühren, und das dritte Deutschland mußte nach einem einzigen Tag seinen Judenboykott abblasen, mit Rücksicht auf die deutsche Valuta und den deutschen Außenhandel. Das vielgeschmähte, weil katholische Mittelalter hatte wenigstens den Mut, die Juden ins Ghetto zu verweisen: die liberal gewordene Neuzeit hat ihnen alle Türen und Tore geöffnet, und die Folge ist die, daß wir nach kaum 150 Jahren alle ohne Ausnahme und auf allen Gebieten unter die Herrschaft und Kontrolle des Weltjudentums gekommen sind. Es ist ihnen (den Juden) durch systematisches und planmäßiges Verdächtigen, Hetzen und Verleumden, durch raffinierte Schlagworte gelungen, die Christenvölker ihrer früheren christlichen Führung zu entwinden, in Gegensatz zu ihr zu bringen, sie wirtschaftlich, politisch, moralisch und religiös zu spalten und so zu beherrschen, daß heutzutage Christen auf jüdischen Logenbefehl über Christen herfallen, sie unterdrücken oder morden. Das haben wir in Frankreich erlebt, in Portugal und U n g a rn und erleben es wieder in Mexiko, in Rußland, Spanien und anderswo. Über all diese Massenmorde hat die jüdische Weltpresse geschwiegen oder hat versteckt und offen für die Mörder und Verfolger Partei ergriffen, über den eintägigen Judenboykott Deutschlands ließ sich die ganze außerdeutsche Christenwelt in einen Entrüstungstaumel hineinhetzen und mußte ein amerikanischer (jüdischer) Parlamentarier erklären, daß die .Menschheit* über so viel Unrecht schockiert* sei.“ Das alles und noch mehr ist in dieser katholischen Schrift zu lesen. Alles, was die „Protokolle“ lehren, wird hier vom Verlag der Abtei Seckau abgedruckt und verbreitet. Es ist schmutzigste Verleumdung, die unbewiesene und unbeweisbare Verdächtigungen ausnützt. Wird die Regierung diese Schandschrift beschlagnahmen? Erwähnt sei, daß in dieser Hetzbroschüre die Generalrepräsentanz der Züricher Versicherungsgesellschaft „Z ü r i c h“ ein ganzseitiges Inserat veröffentlicht. Auch die Kaffeezusatzfabrik Franck trägt durch eine halbseitige Anzeige zu den Druckkosten bei. Ertragsobjekt bei Wien, a. d. Elektr. Große R^ume, großer Grund mit alteingeführter Geflügelfarm, gesicherter Absatz, glänzende Verzinsung, reelle Sache, zu verkaufen No'wendiges Kapital S 35.000 bis 50.000 Unt. „B sondereGeleqenheit' an die Expedition des B ettes Am 30. Juni fand in Wien die Sitzung der „Ständigen Delegation der Rechtsanwaltskammern Österreichs“ statt, bei welcher die Vertreter sämtlicher österreichischer Reohtsunwaltskammern anwesend waren. Nach einem Referat des Präsidenten der Wiener Advokatenkammer, Dr. Siegfried Kantor, der u. a. darauf verwiesen hat, daß die bisherige Organisation der österreichischen Rechtsanwälte sich in jahrzehntelanger Praxis ausgezeichnet bewährt' habe und deshalb unverändert und ohne Einführung von Beschränkungen in den ständischen Neuaufbau eingegliedert werden könne, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die ’ autonome berufes-tändische Organisation der Rechtsanwälte, die bis zum Jahre 1918 ein großes national, konfessionell und politisch vielfach zerspaltetes Reich umfaßte, hat sich in den 67 Jahren ihres Bestandes vollauf bewährt, so daß innerhalb dieser Organisation niemals Gegensätze entstanden sind, insbesondere nicht solche politischer Natur. Die „Ständige Delegation der Rechteanwaltskammern Österreichs“ ist daher der Meinung, daß diese bewährte Organisation nicht nur erhalten, sondern dahin ausgebaut werden soll, daß die bisher freiwillig gebildete Spitzenorganisation der ständigen Vertreterversammlung der Rechtsanwalteka.mmern Österreichs gesetzlich verankert wird. Sie ist ferner der Meinung, daß, sobald die in der berufsständischen Hauptgruppe der freien Berufe zusammengefaßten Berufsgruppen in gleicher Weise organisiert sind, aus dem Spifczenorganisationen dieser Berufsgruppen die Bundeskammer der freien Berufe zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben zu bilden ist.“ Durch die Annahme dieser Resolution, Plakatlügen ln Berlin In einer großen Anzahl Berliner Industrieunternehmungen ist jetzt folgendes antisemitische Plakat angeschlagen worden: * „Deutscher Volksgenosse, weißt du, d.a ß der Jude dein Kind mißbrauch t, deine Frau, deine Schwester, deine Braut schändet? Weißt du, daß er deine Eltern ermordet, daß er dein Eigentum stiehlt, daß er deine Ehre besudelt, daß er deine Kultur zerstört, daß er deine Rasse vergiftet? Weißt du, daß der Jude dich täuscht, dich bestiehlt, dich wie ein Tier behandelt? Weißt du, daß die jüdischen Ärzte dich langsam ermorden, daß die jüdischen Anwälte nicht dein Recht verteidigen, daß die jüdischen Geschäfte dir Sch und wäre verkaufen, daß die jüdischen Schlächtereienschmutziger als Ställe sind? Wir verlangen, daß Deutsche, die mit Ju den intime Beziehungen unterhalten, mit Zuchthaus bestraft werden, daß ihr Vermögen beschlagnahmt und sie aus dem Lande verwiesen werden. Im Wiederholungsfälle müssen sie mit dem Tode bestraft werden. Die Nachkommen aus solchen Verbindungen müssen sterilisiert werden. Der Jude lebt von der Lüge und stirbt an der Wahrheit.“ „Erfreuliche Ergebnisse" Unter der Überschrift „Erfreuliches Ergebnis — Erfolge unserer antisemitischen Aufklärung“ berichtet der „Westdeutsche Beobachter“: „Wie wir erfahren, hat die verstärkte antisemitische Aufklärung der Partei und der nationalsozialistischen Presse erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen. Von deutschen Kaufleuten der verschiedenen Branchen wurde uns mitgeteilt, daß ihre Umsätze infolge der Besinnung der Käufer- -chaft erfreulich gewachsen sind. Eine Reihe jüdischer Geschäfte wurde geschlossen, andere stehen vor der Schließung. Wie wir hören, sollen ähnliche erfreuliche Ergebnisse des Abwanderns der deutschen Käuferschaft vom jüdidie insbesondere auch von den Vertretern der alpenländischen Rechteanwaltska.mmern wärms'tens unterstützt wurde, ist mit aller Deutlichkeit klargestellt, daß die österreichische Rechtsanwaltschaft gegen jede Trennung der Kammern und Beschränkung der Rechte der einzelnen Mitglieder nach dem konfessionellen oder Rassenprinzip ist, wie es der „Verband deutscharischer Rechtsanwälte“ aus rein politischen Gründen anstrebt. Die österreichische Rechtsanwaltschaft steht auf dem Standpunkt der bisherigen bewährten Organisation, die auch die Einführung eines „Bodenständigkeitsp rin z ip s“. wie es neuerdings aufs Tapet gebracht wurde, ausschließt. Es ist zu hoffen, daß die Regierung bei der Neuordnung der Anwaltschaft die in der Resolution der Ständigen Delegation zum Ausdruck gekommenen Gesichtspunkte der österreichischen Rechtsanwaltschaft voll berücksichtigen wird. Neuerliches Verbot des Films t,Jud Süß" Der Conrd-Veidt-Film „J u d S ü ß“ wurde bekanntlich vor einigen Monaten nach den ersten Aufführungen in Österreich verboten. Seither hat die Erzeugungsfirma den Film einer durchgreifenden Umgestaltung unterzogen und unter dem neuen Titel „Jud Süß-Oppenheimer“ der Filmzensurstelle des Magistrats vorgelegt. Die Zensurstelle entschied jedoch, daß der Film auch in seiner neuen Form nicht zur Aufführung zugelassen werden soll, da er mit Rücksicht auf die Zeitumstände da oder dort Anstoß erregen könnte. Der „Anstoß“, den der Film bei der ersten Aufführung angeblich erregt hatte, bestand darin, daß von antisemitischer Seite erklärt wurde, der Film betreibe „Judenpropaganda“. sehen Ramschladen zum deutschen Kaufmann auch in anderen Gauen erzielt worden sein.“ Erntehilfe für Juden verweigert Die „Fränkische Tageszeitung“ (Nürnberg) meldet: „Wie uns aus Röckingen mitgeteilt wird, lehnen es die landwirtschaftlichen Arbeiter des dortigen Bezirkes ab, den ansässigen Juden bei der Einbringung ihrer Heuernte behilflich zu sein. Die an schwere körperliche Arbeit nicht gewöhnten Viehjuden müssen nun wohl oder übel einmal Rechen und Gabel in die Hand nehmen und bei 35 Grad im Schatten lernen, was arbeiten heißt. Ob sie nicht vorziehen, in ein anderes ,gelobtes Land* zu wandern?“ Urteil eines Oberlandesgerichtes Der „Westdeutsche Beobachter“ berichtet, daß das Schöffengericht in Schneidemühl den jüdischen Kaufmann zu einem Monat Gefängnis verurteilt habe, weil er zum Zweck der Werbung neuer Kunden b eh a u p t e t hatte, ein führender Nationalsozialist habe bei ihm einen Mantel gekauft. Das Oberlandesgericht in Marienwerder hat nun im Berufungsverfahren das Urteil zur nochmaligen Behandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen, weil das Schöffengericht in seiner Begründung die irrige Auffassung vertreten habe, daß der Kläger nur in seiner Eigenschaft als politischer Leiter, bezw. Angehöriger der N. S. D. A. P. geschützt wurde. Darüber hinaus sei die Behauptung des Einkaufes bei einem Juden eine schwere Ehrverletzung für jeden Volksgenossen. In der Begründung des Oberlandesgerichtes heißt es: „Diejenigen deutschen Volksgenossen, die noch heute beim Juden kaufen, sind kein Teil des deutschen Volkes, der die öffentliche Meinung darstellt. Die deutsche öffentliche Meinung vertritt vielmehr die Auffassung von dem sittlichen Unwert des Einkaufes bei einem Juden. Die Frage, ob die deutsche öffentliche Meinung die Behauptung, ein deutscher Volksgenosse habe bei einem Juden gekauft, als -^ Gertrude Kalz} Wien3 VII. Dr. Paul Gärtner, Irankiurt empfehlen sich als Vermählte Haifa, im Juli ig35 Ehrenkränkung empfindet oder nicht, ist nach Auffassung des Senats zu bejahen!“ „Juden hinaus!" Unter der Überschrift „Das Volk fordert: Die Juden hinaus!“ berichtet das in Man nh e i m erscheinende „Hakenkreuzbanner“ vom 28. Juni: „Gestern nachmittags hat das Volk gesprochen, und sein Urteil ist eindeutig und klar ausgefallen. Gestern nachmittags verlangten die deutschbewußten Besucher des Bades immer lauter und deutlicher, daß die Juden das Bad zu verlassen haben. Da einige Juden sich dieser Aufforderung widersetzen zu können glaubten und eine Sprache führten, die die höchste Erregung aller deutschen Volksgenossen hervorzurufen geeignet war, mußte ein Übe rfallskommando der Polizei auf dem Platz erscheinen. Die Polizei verhaftete sofort den frechsten Juden, der durch unflätige und unerhörte Bemerkungen gegen den Nationalsozialismus die Empörung und Wut der nach Hunderten zählenden Menschenmenge herausgefordert hatte. Immer wieder erschallte der alte Kampfruf der nationalsozialistischen Bewegung: ,Deutschland erwach e!‘, Kampflieder wurden angestimmt, und während die Juden unbehelligt abzogen, erklang es immer wieder aufs neue: ,Parole, die lautet: Die Juden hinaus!* Inzwischen waren am Eingang des Bades Schilder mit der Aufschrift: ,Juden sind hier unerwünscht!* angebracht worden und an verschiedenen Stellen war zu lesen: ,Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter!‘ Von 6 Uhr ab war das Rheinbad Herweck vollkommen judenfrei, worüber bei den nunmehr zahlreichen Besuchern große Freude und Genugtuung herrschte.“ Exzesse ln ganz Deutschland Wie die „Bauernzeitung Rhein - Main- Neckar“ meldet, wurde am vergangenen Sonntag in der Badeanstalt von Königstein im Taunus ein Plakat „Juden — anziehe ni“ aufgerichtet. Dieser Aufforde» rung wurde von den anwesenden Juden sofort Folge geleistet. Die „Preußische Zeitung“ in Königsberg berichtet: „Gestern in den frühen Abendstunden sah man einen originellen Umzug in den Straßen Königsbergs. Von zwei Seiten flankiert, wurde ein übler Judenjüngling durch die Straßen geführt, der ein großes Plakat auf der Brust trug, das l folgende Inschrift trug: ,Ich bin der Jude, der in Cranz mit einem deutschen Mädchen ohne Badehose gebadet hat!* Begleitet wurde der Zug von einer gewaltigen Menschenmenge, die in entrüsteten Zurufen ihrer Empörung Ausdruck verlieh. Als dann der Angeprangerte in der Tragheimer Kirchenstraße gar versuchte, die für ihn scheinbar! plötzlich unangenehme Situation durch Flucht in einen Hausflur zu beenden, wurde er von den deutschen Volksgenossen herausgeholt und erhielt für seine Feigheit e i n ipaar kräftige Püffe. Das Überfallkommando setzte den Juden schließlich i n Schutzhaft. Hoffentlich wird dieso kleine Lektion der frechen Mischpoche zur Warnung dienen, deutsche Mädchen ein für allemal in Ruhe zu lassen. Denn sonst könnte es Vorkommen, daß eines Tages d i e halbe Synagogengemeinde mit Jüdisch-Akademischer Klub Sommerlager in Makarska an der Adria 2 Wochen S 128 3 Wochen S 155 Abfahrt 14. Juli 1935 Letzte Anmeldung 9. Juli Im Preise sind inbegriffen i Hin- und Rückfahrt, Unterkunft in Zweitnd Dreibettzimmern, volle Pension, alle Abgaben, Bad Sekretariat, >1., Tabors'raße 20a, Parterre, Telephon Nr. R 47-0-54, Täglich 18 bis 20 Uhr NArhste Abfahrten 81. Ju«l und 6. Augurl Die Judenverfolgung in Deutschland

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