Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 464 (9.7.1935)
- Date
- 1935-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 36-i — n. .Tui* man i Höncnluft und Höhensonne im Montessori-Sommerheim fflr 3—13jährige Ksrchberg am Wechsel herrliche Villa: Rad, fließendes Wasser, elektr. Licht, W. (J. Erstklassige Kinderdiät (rituell). Eigener Nadelwald, Spielwiesen. Ausgezeichnete pädagogische Leitung. Gymnastik, Schwimmunterricht, Schulnachlrlfe (Vorbereitung für Anfnahmsprüfungen). Fremdsj'rachen. Arzt, Apotheke. Anmeldung täglich von 1U—12 und 4—6 Lhr Alice Freistadt-Lederer Wien, II., Kleine Pfarrgasse 1, Tel. A 41-3*56 Sinn des Mandaten best dien. E<s konnte sich nur mn die Aufrichtung eines freien, autono m e n, j ii d i s c li e n Staatswesens handeln unter Respektierung aller Rechte dev arabischen Bevölkerung und ohne Rückwirkung auf die Rechtsstellung der Juden in ihren verschiedenen Wohnländern. Es wurde eine direkte Beziehung zwischen Heimstättengedanken und Minderheitsrecht hergestellt. Aber was ist unter Englands Einfluß geschehen? Die Position der Juden wurde immer mehr verringert, die Einwanderung immer weiter gedrosselt und sogar ein System von Demütigungen geschaffen, ergänzt durch eine budgetäre Bevormundung, die die Erträgnisse der jüdischen Arbeit für Englands Stellung dienstbar macht und zugleich durch eine unnötige 'Anleihe das Land in dauernder Abhängigkeit hält. Zu dieser sozialen und wirtschaftlichen Unterbindung gesellt sich noch die politische, die ihren Höhepunkt in dem Plan eines gesetzgebenden Rates findet, der die Bestimmung über Einwanderung: und den Ausbau in die Hände eines Parlaments mit nichtjüdischer Mehrheit legt. Und während so in Palästina die Grundlage für ein jüdisches Staatsvolk eingeengt und geschwächt wird, ist in Europa eine Judenverfolgung im Gange, die in Deutschland zu der Zeit ausgebrochen ist, als es noch dem Völkerbund angehörte, und die noch andauert, solange noch die Verpflichtungen Deutschlands aus seiner Völkerbundmitgliedschaft laufen; in keinem Zeitpunkt hat sich England für die Autorität des Völkerbundes zugunsten der Menschlichkeit und des zertretenen Rechtes eingesetzt und dieses dulden lassen, hat die Bestialität des entfesselten Piefketums über alle Schranken emporwachsen lassen. Sie hat aber auch die triste Lage der Juden in anderen, unter der Ausstrahlung deutschen Wesens stehenden Ländern verschuldet. Es ist nicht klar zu sehen, was die Hörigkeit Englands gegenüber dem nationalsozialistischen System erzeugt hat. Aber sie besteht und sie hat dazu beigetragen, daß die große Krise Europas akut geworden ist und daß der Völkerbund, das bißchen Organisation des Friedens, in stärkster Gefahr steht. Nicht das unwegsame äthiopische Hochland — gegen dessen Aufnahme in den Völkerbund England seiner Zeit protestiert hat — steht zur Diskussion, sondern Europa selbst. Es geht darum, ob dieser Kontinent die sittliche und politische Kraft aufbringt, den Feuerherd auszutreten. Es geht auch um das Prestige Englands, das dazu gebracht worden ist, sich um das Vertrauen in seine Ehro wehren zu müssen. Auch das jüdische Volk hat Grund zur Klage, und cs bedauert dies, weil es in seinen Hoffnungen auf die Freundschaft und tätige Hilfe Englands schwer enttäuscht worden ist. Dies ist auch für Europa keine unwichtige Angelegenheit. Denn das jüdische Volk hätte die Aufgabe vor sich, der europäischen Gesittung eine Brücke nach dem Orient zu schlagen, und der europäischen Kultur, die auf der Grundlage jüdischer Ethik aufgebaut wurde, Neuland zu schaffen. In dem Kampfe dieser Kultur gegen den deutschen Nationalsozialismus, den Einbruch asiatischer Steppenmoral, ist Europa von England irn Stiche gelassen worden. Die Folge ist der drohende Zusammenbruch aller Zivilisation. Das Schicksal der Juden D e u t s c h 1 a n d s ist eine Warnung an die ganze Welt, und das Spie] um Abessinien, das von Deutschland begonnen und von England fortgefiihrt wird, ist nur ein Blitz aus dem Gewitter, das sich zU'amrnengezogen hat und zunächst den 'Völkerbund bedroht. Ein denkwürdiger Sieg des Allgemeinen Zionismus Nach einem erbitterten Wahlkampf, der ohne unser Verschulden bedauerlicherweise in sehr scharfen Formen gefühlt wurde, hat die Liste des W e 11 v e r b a n d e s d e r Allgemeinen Zionisten am 4. Juli einen imposanten Sieg davongetragen. Dieser Sieg ist a.us mehr als einem Grunde denkwürdig. Rufen wir uns in Erinnerung: Mitten in die Wahlagitation fiel die Krakauer Weltkouferenz des Woltvcrbandes der Allgemeinen Zionisten, die sich schon nach wenigen Stunden als der getarnte Vereuoh der erschienenen Gäste aus Kongreßpolen und aus Palästina (Kidmah) entpuppte. den Weltvcrband zu sprengen. Dieser Versuch wurde abgowchrt. Es setzte aber ein Propagandafeuer gegen den Weltverband ein und die neue Welt Vereinigung der Allgemeinen Zionisten tat alles, um in Österreich ihren ersten Triumph feiern zu können. Die Allgemeinen Zionisten in Österreich fochten diesen Kampf unter der Führung von Dr. Grünbaum allein aus. Ihnen standen keine reichen Geldmittel zur Verfügung wie den Gegnern, die zum Unterschied von den Allgemeinen Zionisten die Sorge um die Erhaltung der Landeßorganieation nicht tragen. Die Allgemeinen Zionisten unter Führung Dr. Grtinbaums waren sich darüber klar, daß der Wahlkampf in Österreich symptomatisch für die übrigen Länder sein wird und gerade deswegen setzten sie ihren Stolz darein, den Wahlkampf ohne Hilfe von außen und erfolgreich durchzufechten. Anders lag es bei unserem Gegnern. Die Arbeiterpartei eandte zwei Mitglieder der Exekutive, Herrn Ing. Kaplan und Herrn Locker zur Unterstützung der Liste deß Arbeitenden Palästinas nach Österreich, die Radikalen Herrn Jizchak Grünbaum und die Judenstaatspartei Herrn Dr. Emil M a r g u 1 i e s. Man kann es vorweg nehmen: D i e Liste der Weltvereinigung deT Allgemeinen Zionisten unter Führung von Dr. Plaschkee hat eine empfindliche Schlappe erlitten, die uns beweist, daß die Allgemeinen Zionisten Österreichs nicht gesonnen sind, jenen künstlich gezüchteten Allgemeinen Zionismus zu akzeptieren, der in fremden politischen Laboratorien gebraut wird. Dazu kam noch, daß die Allgemeinen Zionisten in Österreich mit Staunen und Ärgernis sahen, wie Herr Dr. Plaßohke3 sich zum Protektor Welzmanns auf warf, den er durch Jahre hindurch aufs gröbste beschimpft hatte. Trotz des Aushängeschildes Weizmann war aber nach der 'bisherigen Stimmenzählung Herr Dr. Plaschkes nicht in der Lage, auch nur die für ein Mandat nötige Anzahl der Stimmen allein aufzubringen. Für seine Wahl genügten auch nicht die Stimmen des sogenannten Adolf-Stand- Klubs. Die Wahl des Herrn Dr. Plaschkes wird erst durch die weitere Zuhilfenahme der Reststimmen des Arbeitenden Palästinas ermöglicht. Daraus geht hervor, daß die Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten in Österreich eine schwere Niederlage erlitten hat. Wie verhält es sich nun mit dem Adolf- Stand-Klub? Es handelt sich hier um eine sachlich vollkommen unmotivierte lokale Gründung eines Klubs im Pratervierfcel, und nichts ist bezeichnender, alß daß der Gründer dieses Klubs, Herr Dr. Kreppei, noch am letzten Tag der Einreichungsfrist für dio Kandidatur den Vorschlag machte, er sei bereit, nicht zu kandidieren, wenn sein Klub als Teilorganisation des Landesverbandes anerkannt wird. Dieser Antrag des Herrn Dr. Kreppei wurde abgelehnt, weil er nach dem Statut der Landesorganisation keine Aussicht auf Annahme hat. Es handelt sieh hier um eine aus persönlichen Differenzen Toni fS'ußbaum * Wien, IL Sigmund Händel Trag Verlobte Im Juli IQ35 entstandene. sachlich unmotivierte Klubgriindung und damit auch um einen M i litt r a u e h d e s N a m e n s des verewigten zionistischen Führers A d o 1 f St a n d. Es verdient aber vermerkt zu werden — und dio Wiener Zionisten. insbesondere im Pratcrviertel werden es eich merken daß Herr Dr. Kreppei mit seinen Stimmen Herrn Dr. Plaschkes zu einem Mandat verhelfen hat. Ebenso verdient es vermerkt zu werden, daß der Adolf-Stand-Klub, der behauptete, 500 Mitglieder zu haben, im Pratcrviertel, wo er seinen Sitz hat, im ganzen 90 Stimmen erzielte, und daß die Mitglieder des Klubs Allgemeine Zionisten sind, die mit den Radikalen ideologisch nichts gemein haben. Nun zum Sieg des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten in Österreich! Die Allgemeinen Zionisten in Österreich sind allein in den Wahlkampf gegangen und haben trotz der Ungunst clcr Wahlzeit — eine große Anzahl von Wählern befand sich nicht mehr in Wien, sondern in Sommerfrischen, in denen keine Wahlkommißsion eingesetzt war — einen schönen Sieg davongetragen. Sic erhalten drei Mandate und haben diie höchste Stimmenanzahl auf sich vereinigt. Wer alle Quertreibereien und Verdächtigungen vor der Wahl und verschiedene beschämende Vorgänge insbesondere im Praterviertel, während des Wahlaktes gesehen hat, wird unseren Sieg doppelt hoch einschätzen. Es sei an dieser Stelle allen unseren selbstlosen und treuen Mitarbeitern in den Bezirkssektionen, Ortsgruppen und den Mitarbeiterinnen der WIZO, sowie der mit großem Elan kämpfenden allgemein-zionistischen Jugend bestens gedankt. Die Gegenseite hat vergebliche Versuche gemacht und macht sie noch weiter, bei der WIZO Mißhelligkeiten hervorzurufen. Es muß festgestellt werden, daß die WIZO seit ihrem Bestand im Zionistischen Landesverband organisiert ist und stets ihre treueste Teilorganisation war. Das ward auch in Zukunft so bleiben und die WIZO wird ihre tadellose Organisation auch weiterhin ausbauen und vergrößern. Wir haben allen Anlaß, auf diesen Sieg stolz zu sein. Die Siegesfreude wird uns Auskünfte Uber Reisen nach ÖLEN erteilt Dr.f.TOCKER nunmehr: Wien, IX., Liechtensteinstraße 2 * Tel. A 14-504 nur dazu ermuntern, unsere Organisation, die größte und stärkste in Österreich, weiter auszub,alten und im Herbst wird der bereits bestehende Plan in Erscheinung treten. Wir können von uns sagen, daß unsere Kongreßdelegierten von Zionisten und nicht von Zufallswählern gewählt wurden, und daß uns die Wald neue Freunde und Mitglieder aus allen Teilen der Bevölkerung zugefiihrt hat. Die Wahl hat auch bewiesen, daß die Allgemeinen Zionisten in Österreich t r c a z um Krakauer Pr og r a nt m stehen und nicht gesonnen sind, das allgemein-zionistische Lager als politischen Tummelplatz von Menschen machen zu lassen, die in Wirklichkeit nicht allgemein-zionistisch, sondern Vertreter fremder Ideologien sind. So wie in Österreich müssen auch in allen Ländern klare Verhältnisse im a 11 g e m e i n - z i o n istischen Lager geschaffen werden. Dadurch worden wir am besten dem Frieden die Wege ebnen, nach dem sich alle ehrlichen Zionisten sehnen. Jo rascher der Allgemeine Zionismus als zionistisches Zentrum organisiert wird, desto besser für die Zionistische Organisation. Wir wollen hoffen, daß der allgemein-zionistische Wahlsieg in Österreich -den Auftakt zur Verbreiterung und Festigung des Welt vor band es der Allgemeinen Zionisten bilden wird. Wir erwarten, daß das Beispiel, das wir Allgemeinen Zionisten in Österreich gegeben haben, in der ganzen Welt Nachahmung finden wird, denn wir sind tief davon durchdrungen, daß nur ein starker und disziplinierter Allgemeiner Zionismus dio Zionistische Organisation vor dem Chaos retten kann, in das sie durch die Überspitzung der Parteigegensätzo zu stürzen droht. Wenn die derzeitige Majorität dio Zeichen der Zeit versteht, dann muß sie rechtzeitig eiinlenken. Sie findet uns zum Frieden bereit. Pension Eckstein - Semmering Die Botschaft hör’ ich wohl... Die kürzlich gegründete „Wcltvercinigung Allgemeiner Zionisten“ erläßt ein „Manifest“, das sich wie eine Kopie des Krakauer Programms des „Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten“ ausnimmt. Wir losen da zum Beispiel: „Die Hoffnung auf die Verwirklichung des zionistischen Ideals darf niemals von dem ephemeren Triumph allgemeiner Weltbewegungen und Ideen abhängig gemacht werden. Aufgabe des Allgemeinen Zionismus ist es, alle Gruppen und Stände des jüdischen Volkes zur nationalen Disziplin zu führen und die Einheit der Nation wiederherzustellen. D e r Allgemeine Zionismus darf d a-!i e r selbst niemals zum V e r t r et e r besonderer Klassen- oder G r u p p e n i n t e r e s s e n werde n; e r muß im Aufbau unseres n a t i o n a- 1 e n Hei in e s die F u n k t i o n e i n e r konstruktiven und die C e g v nsätze ausgloich enden Kraft a u s ü b e n.“ An einer anderen Stelle heißt es: „Die jüdische Arbeiterschaft, die einen integrierenden Bestandteil des einheitlichen Volksorgan Ismus bildet, soll in einer einzigen allgemeinen Arbeiterorganisation zusammeugefaßt werden. Diese allgemeine Arbeiterorganisationen sollte alle Gruppen der jüdischen Arbeiterschaft auf der Grundlage voller Gleichberechtigung umfassen. Den einzelnen Teilen, dio dio Allgemeine Arbeiterorganisation bilden, soll das Recht, sich auf der Grundlage politischer oder religiöser Überzeugungen im Rahmen der allgemeinen Organisation als autonome Körperschaften zusammcnziischlioßen, gewährleistet werden.“ Dieses Manifest trägt auch die Unterschrift von Maurice L. P e r i z w o i g, der unseres Wissens geschäftsführender Vorsitzender der Zionistischen Föderation von England und eingetragenes M i tg 1 i e d der englischen Arbeit e rpartei, ein entschiedener Gegner des Krakauer Programms des Weltverbandes dev Allgemeinen Zionisten, ist und dies erst vor einigen Tagen öffentlich bekräftigt hat. Man wird daher das „Manifest“ der neuen Weltvereinigung mit aller Reserve aufnehmen. Wenn zwei dasselbe sagen, ist es noch lange nicht dasselbe. Außerdem kann in der neuen Wcltvereinigung von einer einheitlichen politischen Meinung nicht gesprochen werden. Dieselben Herren, die in Krakau gegen den Irgun der Allgemein- Zionistischen Arbeiter Sturm gelaufen sind und den Weltverband sprengen wollten, deklarieren sich plötzlich als Verfechter unseres Programms, das die Entpolitisierung der IlifitaidrutJi und die Bildung autonomer Gruppen von Arbeitern innerhalb der Ilistadruth vorsieht. Von Worten bis zu Taten und insbesondere bis zu einer einheitlichen Willeusausbildung unter Allgemeinen Zionisten ist ein weiter Weg. Wir wollen daher die Taten der „Weltvoreiidgiiu-g“ nach den Kongreßwählen sehen. „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Kendler -Sommergsarac^es in Siuierhrunn, große moderne Villa inmitten eines auf einer Anhöhe gelegenen ausgedehnten (12.000 m‘J) parkähnlicben Gartens, vorzügliche Verpflegung und liebevollste Behandlung, ärztliche Aufsicht, Spiel und Sport, Badegelegenheit, eventuell Nachhilfeunterricht. Anfragen A 80-5-42 und A 87-1-08 ganztägig