Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-07-03 · Heft 463 (3.7.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 463 (3.7.1935)
Date
1935-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054218--5161-3060863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ssita ö Oll STIMM! Nr. 4ö3 — a. Juli 193ö PALÄSTINA 5953 D/c Wocha In irez Israel: httotfoi ütt& speiehi Im Lande selbst ist sin schwerer Autokrieg ausgebrochen. Die kriegführenden Parteien sind die Mitglieder der Autobuskooperative „Eged" und der Taxikooperative „Alijah“. Bis zum Dezember vorigen Jahres waren, die Mijahner — 9 Mann stark — noch Mitglieder der tiEgedu, Unter der Beschuldigung der Unterschlagung wurden sie entlassen. Sie selbst freilich behaupten schuldlos zu sein; das Geständnis, das einige zunächst abgelegt habend sei erzwungen, worden. Man meint, daß sieh eine solche Angelegenheit gerichtlich rasch klären müsse; aber die jüdischen Kooperativen tragen statutengemäß ihre internen Streitigkeiten nicht vorm englischen Gericht aus, sondern vor einem, das die Gewerkschaften, die allgemeine Arbeiterschaft und der Kooperativrat aus sich selbst herausgebildet haben, und deren Mühlen mahlen entsetzlich langsam. Inzwischen haben sich also die neun Diffamierten zu einer Taxikooperative zusammengeschlossen, die ihre Fahrgäste irr Privatwagen undsogar mit Padiomusik für zwölf Piaster nach Tel-Aviv führt, während die „Eged** für einen Platz im Bm zehn Piaster verlangt. Inzwischen wurden auch einige „Alijah“-Mitglieder nachts überfallen und verprügelt. Die ged“-Mitglieder, die der Tat beschuldigt wurden, kamen aber vor Gericht straffrei davon, weil dem Gericht — diesmal dem ordentlichen — der Sckiddnachweis dock nicht genau genug erbracht erschien; aber wer waren die Täter? Und bei den Prügeln blieb es nicht. Auf der Straße Jaffa—Jerusalem hat dieser Tage sogar ein „Eged“- Chauffeur einen anderen der „Alijah“ durck Zickzackfahren und plötzliches Bremsen so schwer irritiert, daß das größte Unglück hätte entstehen können. Vorläufig denkt er wohl über sein eigenes nach: der „Eged Chauffeur sitzt in Haft und hat sich bald unter schwerer Anklage zu verantworten. * Man schmähe mir Münchhausen nicht. Die Phantasie spielen zu lassen, war bei der Hitze eine Zeit hindurch das einzige Vergnügen, das uns blieb. Grausam genug, brachte eine Berufsgruppe trotz Temperatur unser Blut in Extrawattung: die der Eishändler. Sie trieben nämlich, speziell in Haifa, mit dem kostbaren Produkt — nicht mit dem, mH dem man sich auf der Straße den Schlips bekleckert, sondern mit dem gichtigen“ — frech Wucher, sagten aber, zur Verantwortung gezogen, daß nicht sie die Schuldigen seien, sondern die Zwischenhändler, und, die schoben die Schuld wieder auf die Kinder, die sich in den kalten Dienst der Sache gestellt hatten... Wer auch immer recht oder unrecht hat, eine Eiskommission setzte Höchstpreise fest, und mH eiserner Energie will sie in Zukunft die Eispreise überwachen. * Haifa meldet ferner die Einführung von Lichtsignalen zur Verkehrsregelung, Tel* Aviv die Aufstellung von Fahrkartenautomaten für Autobusse, Jerusalem die Aufstellung der ersten zwei öffentlichen Telephonzeüen. im Anfang bildeten sie für die Zabres jeder Rasse und Nationalität eine Sensation. Die Polizei regelte den Andrang der stammenden Besucher. Weh dem, der log und n icht telephonierte! Kräftige Fortschritte macht auch die Bewegung, das heimische Gewerbe zu unterstützen. Die jüdischen Schiffereeder beklagen sich zwar — und, wie mir scheint, mit Reckt «—, daß die jüdischen Industriellen und Farmer, soweit sie exportieren, diesen neuaufblükenden jüdischen Gewerbezweig noch beträchtlich ignorieren; aber das Publikum selbst ist im allgemeinen ein recht auffallender Vertreter des „Tozerefh-Haarez“-Gedrmwtmmmummmmmmmammmmmm Restaurant Rillet ■RP3 B«jtrenommierte Küche RaldihaltifleMenüs AS *'90u.t*60 SchwechaterBrflu XI. Hamnerpurgstallga.sse j fnächst $alztorbr*‘dk« Telephon A 41-0-25 kens, und bisweilen sogar ein einfaUcnder. Eine bedrohliche Haltung nahm die Mange vor einem Konfektionsgeschäft in Tel-Aviv ein, dessen Besitzer sich nicht gleich seinen Kollegen entschließen wollte, die Palästina* Produktion genügend zu fördern... Natürlich gibt es auch schon einen Verband für Tozeret-h haarest*, und in einer der Kundgebungen, die er erließ, lobte er besonders die Tischler Ere» Israels, die sieh entschlossen hätten, Möbel, die sich Einwanderer aus dem Ausland mitgebracht hoben, in Zukunft überhaupt nicht mehr zu reparieren... Womit mir die Herren Tischler allerdings das Kind mit der Holzbadewanne umgekippt zu haben scheinen. Erich Gottgetre«. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO § 2wei CkMuztiede# § o o © Von Olli Dasche © © © o © o © Q © © © © 8 o © © © o o o © o © o © © Q © © © © ö © © o © o Die Autorin der folgenden zwei Gedichte Ist eine allgemein-zionistische Arbeiterin im Kibbuz Winal des Wiener Jugendbiuades Gdud Zeirim. Die Red«, Heimgefunden Ick gehe auf Straßen im jüdischen Land, Auf Straßen, gebaut von jüdischer Hand; Jüdische Gärten sehe ich blüh% Jüdische Menschen zur Arbeit zieh'n. Ick sehe das freie, das jüdische Kind, So frei, wie es andere Kinder sind; Ich sehe das Land, früher Öde, verwaist, Erblüh'n unter jüdischer Arbeit und Geist; Ich sehe den Menschen, der heim wieder fand, Ich sehe den Juden im eigenen Land. Der CHamsin Ich arbeite im Emek, im jüdischen Land, ln heißem Ckamsin und Sonnenbrand Der Gaumen klebt, hell rinnt der Schweiß, Doch mir ist, als flüstert eine Stimme leis'; ,,Es ist jüdischer Boden, auf dem du stehst, Es ist jüdisches Land, durch das du gehst. Die Erde, welche dein Fuß jetzt tritt, Es ist die Erde, um die dein Volk so viel litt; Die Erde, der es so fest verbunden, Dein Volk, das endlich heimgefunden.“ So flüstert mir zu, eine Stimme leis', Ickspüf nicht mehr Mühe, ichspür' nicht mehr Schweiß; Was tut der Chams in und der Sonnenbrand? Ick lebe und werke im jüdischen Land! O O Q O © © © © o © © o © © © © © © o o o © o © © © © © © © o © © © © COCOQQOQOOOOOOOOCOOOOQQQOOQOQOQQOQQOCQO Erklärungen der palästinensischen Rabbiner Im Anschluß an die augenblicklich zwischen Waad Leumi und Agudah geführten Verhandlungen berief das palästinensische Oberrabbinat eine Versammlung sämtlicher palästinensischen Rabbiner ein, an der 60 Rabbiner teilnahmen. In dieser Versammlung wurden sämtliche der Regierung in der Frage der Gemeinden und des Rabbinats unterbreiteten Vorschläge behandelt. Nach Anhörung des Berichtes über die unaufhörlichen Eingaben der Agudah an die Regierung und den Völkerbund über die Schaffung zweier besonderer jüdischer Gemeinschaften in Palästina mit besonderen Gerichtshöfen usw. wurden, nachdem die Frage allseitig auf Grund des Religionsgesetzes behandelt wurde, die folgenden Beschlüsse gefaßt: 1. Die Versammlung der palästinensischen Rabbiner erklärt öffentlich vor der britischen and palästinensischen Regierung sowie vor der Mandatskommission, daß das jüdische Gesetz in seinen Grundlagen und Vorschriften für das ganze Judentum ln Palästina und der Diaspora ein und dasselbe Ist; dieses Gesetz erhält die Einheit des jüdischen Volkes bis zum heutigen Tage. 2. Die Rabbinerversammlung erklärt, tief davon überzeugt zu sein, daß es keinerlei reUglonsgesetzIlche und rituelle Unterschiede zwischen der Agudah Jisroel und den übrigen Juden Palästinas und der Diasporaländer gibt. Infolgedessen bestehen keinerlei religiöse oder G e w I s s e n s g r ü n d e für die Verteidigung der Notwendigkeit einer Spaltung. 3. Die Schaffung zweier getrennter jüdischer Gemeinden and Gerichtshöfe ist ein religiöser und nationaler Frevel, und jeder, der diese Bestrebungen fördert, über tritt elnV erbot d er Thora. 4. Die Rabhinerversammlung wird sieb unter keinen Umständen an einer Spaltung des Gesamtjndentums beteiligen und alles tun, um diese nicht zuzulassen. Sie ersucht die Agudah und ihre Anhänger in Palästina und der Diaspora, ihren bisherigen Weg aufzugeben. 5. Die Versammlung wendet sich an die palästinensische und britische Regierung sowie an die Mandatskommission als an diejenigen Instanzen, in deren Hände das Schicksal der jüdischen Heimstätte gelegt ist, mit der Bitte, nicht zuzulassen, daß die Kraft und die Grundlagen der jüdischen Heimstätte dadurch zerstört werden, daß zwei getrennte jüdische Gemeinschaften genehmigt werdeu. Es wurde eine Kommission aus sieben Rabbinern eingesetzt, die gemeinsam mit ■■BHiiiSiLlSSilHiBinHSSSnnHBin Am 27. Juni hat der neue Minister für dio I Die Anfrage des Abgeordneten Wedgwood Kolonien, Malcolm Mac Donald, die seit'ging dahin, ob nicht im Hinblick auf die längerer Zeit angekündigte Anfrage des Abgeordneten Colonel J 06iah Wedgwood betreffend die Zulassung freier jüdischer Einwanderung nach Palästina, Trans Jordanien und Cypem schriftlich beantwortet. Die dem Oberrabbinat der Regierung und der Mandatskommission die Beschlüsse der Versammlung unterbreiten und alle Rabbiner und Gemeinden in der Diaspora ersuchen soll, auf die Agudah dahin zu wirken, ken, daß sie nicht die Einheit des palä.- stinensischen Judentums zerstöre. Um die Einheitlichkeit der Gemeinden zu schützen, verlangt die Rabhinerversammlung die Einsetzung religiöser Kommissionen, deren Mitglieder religiöse Juden sein und auf alle religiösen Angelegenheiten Einfluß austlben sollen. (Palcor.) DU Keren’Haiessod’fflnnahmen in Palästina In den ersten acht Monaten des Jahres 5695 ha.t der Keren Hajessod in Palästina 20.000 Zeichnungen über einen Betrag von 35.460 Pfund erzielt; die Einnahmen haben sich also im Vergleich zum Jahre 5694 verdoppelt. Auf Grund der Zeichnungen sind bisher bereits 17.243 Pfund eingegangen. Der Anteil der einzelnen Orte an den Zeichnungen ist der folgende: Jerusalem 2027 Zeichnungen über 5288 Pfund; Tel Aviv 8239 über 14.920 Pfund; Haifa 5655 über 7471 Pfund; Bezirk Haifa 1169 über 1646 Pfund; Bezirk Tel Aviv 2977 über 3535 Pfund. In der Ziffer der Zeichnungen sind 11.212 aus Arbeit terkreisen über 9381 Pfund und 1121 Zeichnungen aus den Kreisen der deutschen Einwanderer über 6300 Pfund enthalten. (Palcor.) Die Arbeiten des Keren Kafemeth In einer in Jerusalem abgehaltenen gemeinsamen Sitzung der Exekutive der Jevish Agency und der Leitung des Keren Kajemefcb wurde beschlossen, einen neuen Kolonisationsplan für die Gegend von Beisan auf einer Bodenfläche zwischen Beth Alfa und Beisan für zirka 300 Familien auszuarbeiten. Diese neue Siedlung wird auf Grund intensiver Wirtschaft angelegt werden. Vorläufig wurden die beiden folgenden Gruppen zur Siedlung auf dieser Fläche ausersehen: der Kibbuz „Akiba“ (Allgemein-zionistische Jugend aus Galizien), der vom genannten Boden 1250 Dunam erhalten wird, und der Kibbuz „Tel-Amal“ (Haschomer Hazalr) mit einer Bodenfläche von 1500 Dunam. Vermutlich werden diese Gruppen ihre Tätigkeit bereits zu Anfang des neuen Landwirtschaftsjahres aufnehmen.. * Um Konflikte mit Arabern auf noch nicht besiedelten Bodenflächen zu vermeiden, hat der Keren Kajemeth zirka 2300 Dunam in der Gegend von Beisau mit Weizen und Gerste bepflanzen lassen. Die Ernte war eine Mittelernte, und zwar 85 kg iGerste und 90 kg Weizen pro Dunam. # Im Monat April dieses Jahres betrugen die Keren-Kajemeth-Einnahmen 26.885 Pfund gegenüber 21.460 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres. (Palcor.) Anspruchsvolle, Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, uchmeu nur die aauIt-acUarf« Hoffnungen, die in manchen jüdischen Kreißen an diese Interpellation geknüpft wurden, werden durch die Antwort dee Ministers enttäuscht. Eine Änderung des Elnwanderungssyatems wird in ihr abermals mit derselben Motivierung, Insbesondere Hervorhebung de« Prinzips der „w i r ts c h a f tlich en A u f na h m ef ähigk e i t“, abgefeimt, die in der Beantwortung Toaste Entschlossenheit der deutschen Regie r.u n g, die J u d e n a 11 s Deutschland zu eliminieren, sowie auf die Verfolgungen, denen die Juden jetzt in ganz Europa aufgesetzt sind, die Zulassung freier jüdisch er E i nw a n d e r 1111 g u a 0 h P a. I ä s t i n a, Transjordanien lind Cypern von neuem überprüft werden sollte. Kolonienminister MaoDon&ld erklärte ln seiner Antwort., die Einwanderung nach Palästina müsse von dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes beherrscht sein. Der High Connm%sjouQr früherer ähnlicher Anfragen gegeben wurde. 1 beweise volle« mitfühlendei Verständnis für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.