Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 461 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 0 6» STIMM! Nr. 461 — 26. Jun! 199$ % PALÄSTINA Bodengeschäfte n irira Von Zivilarchitekt Ing. Martin Ziegler. über dieses Thema wird nicht nur in Palästina, sondern ebenso in Österreich sehr viel gesprochen. Auch in der Nummer 444 der ..Stimme vom 26. April d. J. «schrieb Herr H a 11 e r einen vollkommen zutreffenden Artikel über ,.B o d e n g e s c h ii f t o". Weder durch Aufklärungsarbeit in Zeitungen. noch durch Vorträge in Versammlungen wird die-en ..Bodengeschäften” Einhalt geboten werden können, bestimmt auch nicht auf gesetzlichem Wege, wie dies viele erwünschen. Solange der Zustrom von Einw..nderern und Touri-ten anhält, solamre die Bautätigkeit andauert, solange man darauf hin weiten kann, daß dieses und jenes Grundstück noch vor kurzem die Hälfte kostete, solange wird sich der Tourist davon beeinflussen lassen, ein Stück Boden im Lande, sei es spekulativ, sei es um späterhin wirklich darauf bauen zu können, zu erwerben. B e s i r « n o m m ' f m c Kiichi Reichhaltige Menüs äS V9Du.2'60 Schwetha er Brät II. Hammerpurgstallgasie 3 machst Salztorbrücki Telfphon A 4 j -0-25 Alte Zionisten, die schon lange im Lande sind, fragen den Neueingewanderten, den Touristen, als erstes, ..haben sie schon ein Stück Boden erworben?“, sehen es gewissermaßen als nationale Pflicht an, ein Grundstück zu erwerben. Es ist auch sicher richtig, es soll jeder Jude, soweit es seine finanziellen Mittel erlauben, ein Stück Boden im Lande besitzen. Worauf also kommt es an? Den Einwanderer, den Touristen bei der Erwerbung eines Grundstückes richtig zu beraten. Wenn das möglich wäre, dann würden von selbst Verkäufe von Land, in Gegenden, die praktisch in vielen, vielen Jahren nicht erschlossen werden können, aufhören, weil sich keine Käufer für diese finden würden. Man würde damit aufhören, Gebiete zu parzellieren, und diese Parzellen für Wohnzwecke anzubieten, welche dafür ganz und gar nicht geeignet sind. Ich möchte nur ein Beispiel herausgreifen: ich habe monatelang das Gebiet in und um Haifa studiert. Ich habe lange davor gewarnt, im Gebiet der Haifa-Bai (Mifraz Haifa), Boden für die Errichtung von Wohnhaus bauten zu erwerben. Ich habe allen diesen Lputen auf deren Anfragen geraten, t'Jls sie dort Boden haben, auf dem sie Wohnhäuser bauen wollen, diesen zu verkaufen, und in ganz anderen, geeigneteren Gegenden Grundstücke dafür zu erwerben, weil die H a i f a-B ai durch ihre örtliche, klimatische und schließlich auch durch ihre Bodenbeschaffenheit nicht für die Errichtung solcher Bauten g e e i g n e t i s t, wenngleich dort in letzter Zeit einige größere Wohnsiedlungen entstanden sind. Ein Teil der Haifa-Bai ist für die Industrie, der ü h e r w i eg e ri d e Teil voraussichtlich f ü r d i 0 Landwirt s c h aff, weniger für WohnViedlimgen geeignet, und schon gar n i c h t, wie dies Käufern eingeredet wird, für die Anlage größerer Wohnhaushauten. Ich beobachte seit Monaten dieses Treiben: dem Touristen, dem Einwanderer, Zionisten in Europa. Amerika und anderen fernen Ländern, werden große Aufschließungsplän e von Agenten, Bodengesellschaften und deren Vertretern vorgelegt. Immer dasselbe Lied: in den nächsten zweiMonaten, heißt es, werden 20, 40, 100 Häuser a,uf diesem Gebiet begonnen. für Schule, ein Theater und andere öffentliche Anlagen ist Vorsorge getroffen, das heißt, sie sind im Aufschiießungeplan e i u g e z e i e h n e t. Dabei ist das Gebiet ringsherum eine Stein wüste! Selbst der im Lande anwesende Interessent gibt sich keine Rechenschaft darüber: warum gibt es kilomeferiange vorher keine Häuser, warum sollen plötzlich hier in dieser Wildnis Häuser entstehen? Es ist mir unverständlich, mit welcher Leichtfertigkeit hier hohe Beträge für Grün 1 stücke bezahlt werden, die in J a h r e n nicht zur praktischen Aufschließung gelangen werden und können, anstatt stich an einen gewissenhaften Fachmann zu wenden, den sie aus der Heimat kennen, um sich bei diesem zu beraten. Ich kenne Fälle, in denen Einwanderer und Touristen Grundstücke für bestimmte Bauvorhaben erworben haben, ohne sich mit einem fachmännischen Vertrauensmann zu beraten, die dann nur mit erhöhten Baukosten oder gar nicht verbaubar waren. Es ist nicht Aufgabe der Aufklärungsarbeit, diejenigen zu beraten, die bloß Boden für rein spekulative Zwecke erwerben, sondern vor allem die Baulustigen. Und noch einiges zu den Preisen der Grundstücke selbst. Palästina ist das einzige Land, in dem seit einigen Jahren ein großer Zustrom von Einwanderern und Touristen stattfindet. Dieser Zustrom dürfte noe-h weitere Jahre andauern, die Voraussetzungon dafür liegen in den europäischen Verhältnissen. Die Bautätigkeit in Palästina ist gerechtfertigt, daher auch das Ansteigen der Bodenpreise, nicht aber das gleichmäßig hoihe Ansteigen im ganzen Lande. Ich bin überzeugt; ebenso wie es viele Gebiete im Lande gibt, die von der Spekulation schon viel zu hoch getrieben wurden, so gibt es Teile, die durch die normale und zukünftige Entwicklung noch lange nicht den Höchstpreis erreicht haben, wenngleich der Laie, gemessen an dem Lande, aus dem er nach Palästina . kommt, diese und jene Grundstückpreise für zu hoch hält. Ich möchte hier ein für österreichische Begriffe gesehenes Kuriosum anführen. Vor einigen Wochen wurde im neuen Geschäftszentrum in Haifa eine Mitteibaustello von 76 Quadratmetern um den Preis von 3000 Pfund verkauft, was einem Quadratmeterpreis von tausend österreichischen Schilling entspricht. Käufer war nicht ein Laie, sondern e“ i.111 Lande seit vielen Jahren ansässige, sehr bedeutende Bodenfinna. Den Wert eines Grundstückes, das erst in der Zukunft verbaubar ist, und die Eignung desselben zu beurteilen, kann vor allem der städtebaulich und mit den Verhältnissen vertraute Fachmann. Es gibt im Lande genügend solcher Fachleute nicht Agenten, die gerne beratend tätig sein werden. In diesem Sinne soll Aufklärungsarbeit geleistet werden, dann wird sich die Tätigkeit der Bodenspekulanten von selbst verringern, weil sie dann mit Aufschließungen von Ge- 1 finden am Papier und in der Wildnis von selbst aufhören werden. Eine Szene aus dem rhythmischen Tanz« Vorführungen beim diesjährigen Chag Habi« kurim in Tel-Aviv .w m eklamiert Euer Wahlrecht! Die Liefen liegen nur mehr bis zum 30. Jun zur Reklamation auf Oie Woche in Erez hrdef: tt/ovou imu* bei um speicht Praktikantenposten ^MÖGLICHST ROHSTOFFE) wird von verläßlichem Jungen aus gutem Hause gesucht. Unter „Slrjüsam“ an die Adm. Jerusalem; den 20. Juni. ■ Von den illegalen Einwamjerern spricht man begreiflicherweise ständig, nicht zuletzt halten die Polizei- und Gerichtsberichte die Gedanken an sie wach; und sogar die Polizeiberichte in den syrischen Blättern: im Libanon wurden eine Anzahl Juden festgenommen, die — ohne im Besitz der vorgeschriebenen Papiere zu sein — aus Sowjetrußland aus ge wandert und ganz T u r k e st an zu Fuß durchquert hatten, um Erez Israel zu erreichen — was nun wohl vorläufig ein Traum ihrer Sehnsucht bleiben wird. Die Grenzbewachung iW unverändert streng, was bisweilen zu grotesken Mißverständnissen führt. Eine Ausflugsgesellschaft von zwanzig Personen, die in einem größeren Motorboot aufs Mittelmeer hinaus gefahren war, hatte das Pech, ausgerechnet vor der neuerbauten Polizeistation in Natania, deren Besatzung die spezielle Aufgabe der Küstenüberwachung erfüllt, an Land zu geraten und damit auch in Polizeigewahrsam, da weder hebräische Sprachkenntnisse noch Tozereth huarez — Badeanzüge — als ausweiskräftig erschienen, bis ein herbeigeholler Bürger heilige Versprechen uwl hohe Bürgschaft für die immigrantische Unschuld der betroffenen Seefahrer leistete. Ähnliches widerfuhr auch sechs Burschen und drei Mädchen der llaifaer Sektion des Sportklubs ttapoel, echten Zabres, die außer hebräisch größtenteils auch arabisch sprachen; Kameraden legitimierten sie schließlich. ■ Die „Habimah“ legte den Grundstein zum Bau ihres Theaters, dessen Kosten durch eine Sammlung bei den Juden der ganzen Welt eingetrieben werden sollen. Bei dieser Gelegenheit sei es gestattet, einen Wunsch zum Ausdruck zu bringen. Die „Habimah“ ist zweifellos ein Theater von höchstem künstlerischem Wert, aber das darf sie nicht dazu verführen, ein Monopol ausüben zu wollen. Es gibt noch mehrere andere gute hebräische Schauspielertruppen im Lande, und auch sie haben auf ihre Art erhebliche Verdienste, und auch sie haben das Recht auf künstlerische und materielle Existenz. Wenn nun die „Habimah“, gestützt auf den Ruhm, den sie weit über die Grenzen unseres Landes hinaus genießt, durch die Gebefreudigkeit jüdischer Theaterinteressenten als erste der hebräischen Bühnen in den Besitz eines eigenen, modernen Theatergebäudes kommt, so erwächst ihr daraus zwar nicht die rechtliche, aber doch die moralische Verpflichtung, von Zeit zu Zeit auch den anderen Truppen, die sich, wie bisher die „Habimah“ selbst, unter Kinodächern und anderen Behelfsbauten unwohl fühlen mußten, loyales Gastrecht zu gewähren. * Da wir von der Kunst reden: Das „Matateh“ hatte Pech. Kaum war „Hakol beseder“ („Alles in Ordnung...“) vom Spielplan abgesetzt, lachte dem Theater der Spaßmacher diesmal das Schicksal selber ins Gesicht oder schlug vielmehr einem der Schauspieler so sehr auf die Nase, daß die Premiere des folgenden Stückes verschoben werden mußte. Photos vom Keren Kajemeth-Wien Das Schicksal trat auf in Gestalt eines Rad* fahrers, der, wenn ich recht unterrichtet bin, den Schauspieler auf der Straße angefahren hat, worauf der wieder den Fahrer anfuhr* Es kam, icie man sieht, sogar zu Tätlichkeiten, und 'wenn Prinz in seiner „Jüdischen Geschichte“ von den alten Israeliten mit Befriedigung feststellt: „Das hat noch gerauft“ — nun, er wird in Palästina sein blaugeflecktes Wunder erleben: wir raufen auch. Um dem Geschichtsschreiber eine Extrafreude zu machen, der „Doar Ilajom“, von Sorgen sonst nicht geplagt, hat mit Wollust festgestellt, daß der gewiß nicht in Schutz zu nehmende Nasenheld, hört, hört, ein Einwanderer aus Deutschland war... Ja, bei uns passieren wilde Sachen. Im Galil soll kürzlich sogar ein Menschenfresser aufgetaucht sein. Nach den Berichten der dafür zuständigen Presse eine Mischung von Neger und Indianer. Kollege Reporter beobachtete den grauenvollen bnmigranten in voller Tätigkeit, das heißt mit Vergnügen und schmatzendem Munde und wahrscheinlich auch mit Schnittlauch und Oliven, ein junges Mädchen verspeisend. Leider mußten die Zeitungen bald darauf die Meldung dementieren. Der Menschenfresser war weder aus Afrinoch Amerika, sondern aus dem Reich der Fabel. Erich Gottgetreu. Baronin Edmond de Rothschild gestorben Im Alter von 82 Jahren ist in Paris Baronin Ade Iaido de Rothschild, Witwe nach dem im vergangenen Jahre verstorbenen großen „Nadiw“ Baron Edmoiid de Rothschild, des „Vaters“ der neuen jüdischen Kolonisation in Palästina, gestorben. Baronin Adelaide wurde in Frankfurt a. M. als Tochter von Wilhelm Karl Baron Rothschild geboren. 1877 heiratete sie ihren Kusin Baron Erlmond. Die Verstorbene unterstützte ihren Manu in seiner Arbeit, für Palästina und förderte auch ihrerseits zahlreiche philanthropische jüdische und nichtjüdisclie Anstalten. RESTAURANT HOTEL STEFAN.E (vorm. Oni'rci') U., l'uborstruBe 12 Tolvpliou H lli-fj Ausgiebige l?i-ali!ii-Menüti H 1MJO OetlUaal „ K 2-30 iw: Vorzügliche Zubereitung-Schwechater Bcre Hat ui welr e (iroKur Sani mit Hülm« Oi Veiaiisiii'itniviM. lluoliM'ilc.n nliztip/elit*ii Schöner staubfre er Garten Mit dem StimmXcttcl gegen den Parieiszionistnus! Wählet am 4. iuli: Liste des Weltverbandss der Allgemeinen Zionisten. Listenführer Dr. Oskar Grünbaum für das jüdische für ein füdisc&es Palästina!