Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 461 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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PK iw - m. m um Dil STIMMI BeTftf 6 DER ANKER, Allgemeine Versicherungs- Aktiengesellschaft, Wien. In der am 24. Juni unter dem Vorsitze des Herrn Finanzministers a. D. Dr. August Engel abgehaltenen Generalversammlung wurden die Schlußrechnungen für das Jahr 1934 mit Stimmeneinhelligkeit genehmigt. Die Einnahmen an Prämien, Gebühren und Zinsen werden mit S 26,818.413.18, die Aktiva mit 120,000.087.23 ausgewiesen. Der nach Dotierung der Sicherheitsreserve verbleibende Reingewinn von S 139.334.83 wird auf neue Rechnung vorgetragen. Das Leichenbegängnis des Ämtsdirektors Fuchsgelb Unter außerordentlich starker Beteiligung von Trauergästen wurde Dienstag, den 25. rl. M., der verstorbene Amtsdirektor und Erster Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, Regierungsrat Guido Fu ehsgelb, zu Grabe getragen. Die Kultusgemcinde hatte ihrem verdienstvollen Beamten ein Ehrengrab gewidmet. Nach dem Vortrag der zeremoniellen Gesäuge und Gebete durch den Chor aller Gemeindesynagogen und den Funktionen der beiden Oberkantoren Matyas und Fischer mit großer Assistenz, hielt Oberrabbiner Dr. Feuchtwang tief bewegt und erschüttert, dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang sagte: In tiefster Trauer und schmerzbewegt stehen wir an der Bahre unseres lieben Regierungsrates Guido Fuchsgelb, der uns allzufrüh entrissen worden ist. Mit 21 Jahren ist er in den Dienst unserer Gemeinde getreten und 38 Jahre hat er mit ganzer Seele und vollster Kraft dieser Gemeinde gedient und ist emporgestiegen zu einer der höchsten Stollen Aber nicht jeder, der emporsteigt, steht auf der Höhe. Er stand auf der Höhe! Mit .Geistesgaben seltener Art ausgestattet und mit Talenten, die nicht alltäglich, so betrat jer seine Laufbahn. Aber diese Geistesgaben und Talente in den Dienst einer großen Sache zu stellen, das ist V e r d i e n s t. Und .wenn man jemals sagt, daß ein Mensch aus ganzer Seele und ganzer Kraft der Gemeinde gedient hat, kann es für Fuchsgelb gelten. Nur wenige können ermessen, welch' Aufwandes an geistiger Kraft und Herzenskraft, an Verantwortungsgefühl und weitüberblickbaren Horizont es bedarf, um in unserer großen jüdischen Gemeinde die Stelle einzunehmen, die er eingenommen hat. Es war sein unbezähmbarer Ehrgeiz, alle Ressorts der Gemeinde zu überblicken. Es war bewundernswert, wie sich dieser außergewöhnliche Mann in die ihm ferngelegensten Materien einzuarbeiten vervemiochte. Er war, um das treffend zu sagen, ein Spiritus rector. Er gehörte zu den geistigen Köpfen der Gemeinde, außer den vom Volke Gewählten, und in der Erscheinungen Flucht war er der ruhende Punkt, ln Erfüllung des Sprichwortes „Du sahst den Mann eifrig am Werke“, voll von Energie, und mit Zielbewußtsein handelte er, emsig und unentwegt bei der Arbeit. Diese verzehrte seine Kraft so sehr, daß ihm Eür seine Familie kaum Zeit blieb. Und doch war er der zärtlichste Gatte und fürsorglichste Vater, wiewohl er sich der Allgemeinheit, gänzlich widmete bis zur Selbstaufopferung. Fuchsgelb hat sein Leben geopfert unserer teuern Gemeinde, er hat sich damit sein Denkmal selbst gesetzt. Wir rufen ihm im Gefühle tiefster Dankbarkeit zu: Ziehe hin in Frieden! W8zo und BezirkssektBon XVIII Zionisten geben »,re Kinder ™ Ferienheim der UFlZO in MUhlimg an der Erlauf (N.-ö.) Eigenes Strandbad, Badezimmer, Sport, ärztliche und pädagogische Aufsicht, Nachhilfeunterricht, 5 reichl. Mahlzeiten. Mäßige Preise. Auskunft: Dr. Fini Salzmann, III., Am Heumarkfc 23, Tel. B 50-9-36 von 10—12 u. 3—5 Uhr. Frau Erna Fischmann, I., Hegelgasse 13, Telephon R 29-9-44. Nach Oberrabbiner Feuchtwang sprach der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz, der Regieningsrat Fuchsgell) als ausgezeichneten Menschen, als den hervorragendsten Mitarbeiter des Kultusvorstandes rühmte und sein glänzendes Organisationstalent, seine hingebungsvolle Treue für den Dienst und seinen glühenden Patriotismus hervorhob. Der Zeitraum, in welchem der Verewigte an der Spitze des Beamtenkörpers der I. K. iG. stand, führte Dr. Löwenherz aus, war eine stark bewegte und unruhige Zeit, in welcher das Geschick der Gemeinde zu leiten, eine große Aufgabe war. Dieser Aufgabe widmete er sein ganzes Wissen und sein gewaltiges Können, seine überragende Fähigkeiten und seine fanatische Liebe zur Gemeinde. Seine nie ermüdende Arbeitslust und Kraft ermöglichte es ihm, die höchste Stufe des Verwaltungsdienstes zu erklimmen. In dieser Stellung hat er sich unvergängliche und unvergeßliche Verdienste um lie Gemeinde erworben. Die Szenen auf der weltpolitischen Bühne wechseln mit. blitzartiger Schnelle. Die schwerwiegenden Verlagerungen, die t-ieh auf der ganzen Welt, vollziehen, lassen auf keinem Punkt auch nur für kurze Zeit eine ruhige Entwicklung zu und der sozusagen gesetzmäßige Ablauf der Dinge ist, einer fast, an Hysterie grenzenden Unrast, gewichen. Eben war noch die Sensation zu verzeichnen, daß zwischen England und Deutschland ein Flottenabkommen abgeschlossen worden war, in welchem das Hitlerregime um den Preis des Verzichtes auf die volle Secgeltung freie Hand in Europa erhalten hatte. Nach dem ans London kommenden Meldungen zu urteilen, wäre es tatsächlich der deutschen Diplomatie gelungen, die Isolierung an einer wichtigen Stelle zu sprengen und den Frontalangriff auf das Londoner Februarabkommen, das ein einheitliches Zusammenwirken der drei großen Westmächte proklamierte, glücklich vorzubereiton. Jubel in Deutschland, Bestürzung in Paris, Erregung in Rom. Aber im Handumdrehen hat sich die Situation wieder geändert. Es stellte sich zunächst horaus, daß in London kein endgültiger Abschluß gesetzt worden war. Der Minister für dem Völkerbund, Herr Eden, mußte in Paris und Rom Aufklärungen geben, und der vorläufig letzte Stand der Angelegenheit, ist, die Erklärung der drei Mächte, daß es bei dem Sinn und Geist des Februarprotokolls bleibt. Die Verteidigungsfront ist wieder hergostel.lt. Um welchen Preis — das ist im Augenblick noch nicht bekannt. Wahrscheinlich hat Mussolini das stillschweigende Zugeständnis Edens erhalten, daß man im abessinischen Konflikt keine Schwierigkeiten machen und den Völkerbund keiner neuerlichen Belastung Treue hielt er der Gemeinde und war der treueste Diener dieser Gemeinde. — Treue um Treue! —■ So wollen auch wir über das Grab hinaus Treue bewahren und sein Andenken hochhalten. Möge die Erde, die wir in wenigen Minuten in sein Grab schaufeln werden, ihm leicht sein. Möge er die ewige Ruhe finden nach seinem arbeits- und verdienstreichen Leben, welches er der Gemeinde gewidmet hat! Nach ihm nahm Sekretär Josef F u e h s als Obmann des Beamtenvereines von dem Verblichenen in bewegten Worten Abschied. Namens des Vereines ..Eintracht,“ sprach Dozent Dr. Fischer Worte des Dankes für seine unermüdliche Hilfsbereitschaft und Anhänglichkeit. Für den humanitären Verein „Treue“ nahm Obmann M a x von dem Verstorbenen in herzlichen Worten Abschied. * Unter -den überaus zahlreich erschienenen Trauergä,sten sah man den gesamten Kultusvoretand mit (len Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz und Dr. Josef Ticho. In Vertretung des Bunclcsministeriums für Kultus und Unterricht Ministerialrat Dr. Fohr. In Vertretung des Bürgermeisters Dr. Schmitz: Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich. In Vertretung des Magistrates Wien: Magistratsrat Dr. Breymann und Dr. Lanzer. Id Vertretung des Präsidenten des Bundesamtes für Statistik: Dr. Drcxel und Ministerialrat Dr. Gurtner In Vertretung der Polizeidirektion Wien: Ilofrat Dr. Ga,ns. Eine Deputation der Kameraden des ehemaligen k. u. k. Schützenregimentefi Nr. 25 unter Führung der Herren Oberst Hermann, Oberstleutnant Schusterbauer, Major Zaverl, Major Banger, Militär-Oberoffizial Melichar und Leutnant Ernst Singer. Eine Abordnung des Bundes jüdischer Frontsoldaten. Eine Abordnung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Polens. Eine dreigliedrige Deputation der Vaterländischen Front Innere Stadt. Bundeskulturrat Prof. Doktor Frankfurter. Namens des Zionistischen Landeskomitees Österreichs: Kultusvorstaud Doktor Grünbaum, sämtliche Gemeinde- und Vereinsrabbiner mit Oberrabbiner Dr. Feuchtwang an der Spitze, die gesamte Beamten- und Angestelltenschaft, die Religionsle;hrer der einzelnen Schulen, die Obmänner der Bethausvoretändo, die Vorstandsmitglieder der Tempelvercino. der Bezirkskommissionen. humanitärer Vereine, die Vorstandsdamen der weiblichen Fürsorge, die Professoren der theologischen Lehranstalt, Vertreter mehrerer in- und ausländischer Kulfusgemeinden und viele andere. Man sah ferner zahlreiche Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und des Theaters. aussetzen werde. Dies muß noch nicht den Krieg bedeuten, der auch für da.s faschistische Italien keine leichte Angelegenheit wäre, das ja. in dem afrikanischen Hochland auf die sichtbaren Spuren der deutschen nationalsozialistischen Weltverhetzung stößt. Es ist, der PLan Berlins, die Konkordanz der Weltmächte zu teilen, Frankreich in seinen Kolonien und Italien in Eryträa zu beschäftigen, um inzwischen, gesichert, durch die Kriegsmüdigkeit Englands, in Europa auf die Jagd zu gehen, Österreich und das Meimelland zu annektieren und dann mit der Tschechoslowakei auzubinden. Die Absicht ist einstweilen am der Hartnäckigkeit und Festigkeit Mussolinis gescheitert, und für die Ruhe Mitteleuropas ist es von sehr hohem Wert, daß sowohl England wie Itialien in der Garantie für Österreichs volle und freie Unabhängigkeit ihre einheitliche Auffassung neuerlich bekundeten. Es wird also hier keine vollzogenen Tatsachen geben können und die Kreise in Österreich, die das rotweißrote Bändchen im Knopfloch und das Hakenkreuz in der Tasche führen, können weiter „vaterländisch“ bleiben und sich als unentwegte Patrioten antisemitisch ausloben. Mnnji iLiji orth. TO Pension Weiss früher Laurana Terrassen, Zimmer mit Meeraussicht. Bestrenommierte Küche. Schattiger Garten 'M, 5, 7=L 8, R 22-4-57 i-«: r*j In der Haltung gegenüber Deutschland, das nach wie vor das europäische Erübebonzentrum bleibt, kann man deutlich das dauernde Mißtrauen beobachten. Es wird nur in England kachicrt. das sieh selbst suggerieren möchte, durch einen Luftpakt gesichert zu sein. Aber selbst die wohlwollendsten Arbciterparteiler und Hochtorys kommen über die Tatsache des von Deutschland begangenen Vertragsbruches nicht hinweg. Ihre Angst vor einem Krieg, im dem England seine Weltmachtstellung riskieren würde, ist aber stärker als jede nüchterne Erwägung, die ein Abkommen mit Hitler- Deutschland als eine in jedem Fall unsichere und brüchige Angelegenheit erscheinen läßt. Diese Psychose verschuldet es denn auch, daß England jeden schärferen Einspruch gegen Deutschlands ■Sohrekkensregime nach innen und die Umtriebe des außenpolitischem Amtes in aller Welfe unterlassen hat und durch diese Passivität; das heutige System Deutschlands unterstützt. Die Haltung Englands hat sieh auch in Genf unheilvoll ausgewirkt, indem jede tatsächliche Hilfe für diic jüdischen und nichtjüdischen Opfer der Ilitleroi hintertrieben wurde und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, daß auch die Art, wie England das Mandat in Palästina in Text und Geist ausübt, aus dem Bestreben herrührt, den deutschen Machthabern und ihren Theorien sich gefällig zu zeigen und den Juden den Daumen aufs Auge zu halten. Je stärker das jüdische Palästina wird, um so größer wird sein politisches Gewicht und um so näher kommt, der Tag, an dem, das jüdische Volk seine Aufnahme in den Völkerbund fordern kann, mit einem größeren Recht, als dies dem Königreich . Irak zugestanden wurde, und dann könnte das jüdische Volk seine Sache selbst und öffentlich vertreten. Um diesen Prozeß aufzuhalten, hat England eine Menge von Mitteln zur Hand: Einschränkung der Einwanderung, Schikanierung des Jischuw und schließlich das Parlament in Palästina, aufgebaut, auf der Tatsache der heute noch bestehenden jüdischen Minorität und der arabischen Majorität, wobei dieser „gesetzgebende Rat“ auch noch, um ja eine Einigung unmöglich zu machen, durch von England ernannte Mitglieder sinngemäß kontrolliert werden soll. Diese Mandatspraxis Englands liegt auf der Hitler-Linie und diese Erkenntnis sollte — so müßte man wenigstens meinen — genügen, um aus der zionistischen Arbeit den Parteienbl öd sinn wegzulassen und die innere Front zu ermöglichen. Aber das Verantwortungsgefühl ist. noch nicht genügend erschüttert, ja es .ist derart schwach, daß gerade jetzt der Revisionismus Jabotinskys direkt den Feinden der jüdischen Zukunft in die Hände arbeitet. Bel fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Geinütsstimnmng, schweren Träumen ist es ratsam, einigo Tage hindurch früh nüchtern, ein Glas natürliches „Franz-Josef“-Bittenvasser zu trinken. Maturas<hule(Universum' Wien, IX., Garnisong. 3. Tel. A 20-4-48 m ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION LEOPOLDSTADT, II., TABORSTRASSE 4, HOTEL CONTINENTAL, Mittwoch, den 3. Juli 1935, %9 Uhr abends Dr. Oskar GrUnbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes, Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Jakob Ehrlich, Rat der Stadt Wien: Zeitgemäße Preise IWMKMHMBIWWMBWHB „Die Bedeutung des XIX. Kongresses^