Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 461 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 401 - 28. Juni 1935 Oll 8TIMMI Seite 5 Wähle am 4. Juli: Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten! Listenführer Dr. Oskar Grünbaum A Auskünfte über Reisen nach Polen erteilt Dr. S. TOCKER nunmehr: Wien, IX., LiechtensteinstroBe 2 Telephon A 14-504 Die „Nichtzionisten“ in der Jewish Agency Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Die Frage der Reorganiastion der Jewisli Agency wird den diesjährigen Kongreß und die Jewish Agency selbst sicherlich stork beschäftigen. Das Mitglied der Exekutive Dr. Werner Senator besucht jetzt die Hauptstädte des Kontinents, um die in Frage kommenden jüdischen Organisationen sowie die führenden Persönlichkeiten für die Weiterarbeit in der Jewish Agency zu gewinnen und die am 4. und 5. September in Luzern stattfindende Counciltagung entsprechend vorzubereiten. Am 19. Juni fand im Amstelhotel vor einem Kreis holländischer Zionisten und „Nichtzionisten“ eine Aussprache statt, die mit Rücksicht auf die Ausführungen des Exekutivmitgliedes Dr. Senator für die breite jüdische Öffentlichkeit von Interesse ist. Dr. Senator beschäftigte sich in seinem 1XA ständigen Referat eingehend mit dem Umschiohtungsprozeß und der Eingliederung der etwa 23.000 eingewanderten Juden aus Deutschland. In den letzten Einwanderungsjahren bildeten diese Immigranten 25% der gesamten Einwanderung aufs Land. Eine große Zahl von Touristen wartet auch auf die Legalisierung der Einwanderung. Die berufliche Struktur ist schon deshalb interessant, weil dieses Menschenmaterial sich hauptsächlich der Landwirtschaft, der Kleinindustrie und dem Handwerk widmet. Die ersten Monate des Jahres 1935 haben eine Steigerung in der Einwanderungszahl gebracht. Mehr als drei Viertel der deutschen Auswanderer sind nach Palästina gegangen. Ihre soziale und kulturelle Eingliederung ist wohl kein leichtes Problem, Dunam keinesfalls zur Vermehrung der landlosen Elemente unter den Arabern beigetragen hat, er ist vielmehr der Steigerung der Wohlfahrt der arabischen Landbevölkerung zugute gekommen. In einem ausführlichen Gespräch Ihres Korrespondenten mit Dr. Senator erwähnte er unter anderem auch, daß der Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation nur zur Gesundung der Organisation beitragen wird, hingegen betrachtet Dr.Senator die Bestrebungen der Revisionisten, irgend welchen Einfluß auf die politische Außenwelt (Mandatarmacht) zu gewinnen, für nutzlos, da die Stellung der Jewish ' Agency in jeder Hinsicht gefestigt ist, zumal ihr allein im Sinne des Mandates die Machtmittel zusteinen. Srfttftf Softitettftctffee! (Sr t|l unentbefyrlid). Sulfits gReitt! Äaffee»3mport Morris Rothenberg für Re• form der Jewish Agency New York, 25. Juni. (2. T. A.) In einer zionistischen Versammlung in Atlanta hat der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothen b erg, der bei der Bildung der erweiterten Jewish Agency eine führende Rolle gespielt hat, eine Umbildung der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Amerikas gefordert. Die Jewish Agency in ihrer heutigen Form, erklärte Rothenberg, sei z u m Un tergang verurteilt, weil die Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten überholt sei. An die Stelle der Jewish Agency in ihrer heutigen Form solle eine einheitliche Körperschaft treten, in der auf der Basis des Palästinamandats alle Teile der Judenheit repräsentiert sind. Dadurch könnte die heute zerfallene Jewish Agency jene das ganze jüdische Volk verkörpernde führende Kraft werden, als die sie gedacht war. In bezug auf die Reorganisierung der Zionistischen Organisation Amerikas erklärte Rothenberg, die Organisation könne sich nicht länger auf Einzelmitgliedschaften beschränken. Durch Einführung kollektiver Mitgliedschaft von Gemeinden müsse die Basis der Zionistischen Organisation verbreitert werden. Die Stunde sei gekommen, um mit weitblickendem Mut neue Formen, die der gegenwärtigen kritischen Lage des jüdischen Volkes und den Möglichkeiten Palästinas entsprechen, an die Stelle der alten zu setzen. Kur« und Badehaus Villa Dr. (üiisslnL Badgastein aber die positiven Leistungen dieser Men sehen bieten volle Gewähr für die Eingliederungsmöglichkeit und Umstellungsfähig keit. Dr. Senator behandelt dann die Vorbereitung der C o u n c i 11 a g u n g der Jewish Agency. Die Situation erfordert eine intensivere Tätigkeit der Jewish Agency und eine gut funktionierende Tagung soll die zielbewußte Arbeit vorbereiten Mit Rücksicht auf die verschiedenartige Lage der Juden in den einzelnen Ländern wird vielleicht schon jetzt vor der diesjährigen Tagung die restlose Durchführung der Reorganisation schwer sein, aber die Entsendung der Delegierten ließe sich in Verbindung mät den KH.-Zahlem durchführen. Das Prinzip der Elastizität soll auch hier maßgebend sein. Auch werden Gemeinden, große Organisationen, Logen in Verbindung mit den KH.-Vertretungen ihre Delegierten entsenden. Der Redner behandelte dann die Arbeit auf allen anderen Gebieten der Erziehung, Industrie, billigen Kredite, Arbeiturwohnhäuser, öffentliche Arbeiten usw. Der neugegründete Kolonisat i o n s f o n d s wird seine Tätigkeit erweitern, vor allem in Emek Ghefer (Wadi Chawarith) und im Hulehgebiet, wo für die Durchführung nationaler Kolonisation noch sehr große Summen erforderlich sind. Redner bemerkt in bezug auf «das Araberproblem, daß der Erwerb von etwa 170.000 F. T. Prag, im Juni. Es scheint nicht unwichtig, die Lage des Judentums in der Tschechoslowakei gerade jetzt einer Betrachtung zu unterziehen, wo die eben vergangenen Wahlen neue Lagerungen und Positionen der jüdischen Bevölkerung der Republik gebracht--haben: Der Streit ging bekanntlich ’ darum," ob es vom Standpunkt jüdischnationaler Theorie angängig ist, daß jüdische Parlamentarier auf dem Wege über anders nationale Gruppen zu einem Mandat in den maßgebenden Körperschaften, hier also: Abgeordnetenhaus, Landes- und Bezirksvertretungen, kommen dürfen. Daß diese Auseinandersetzung scharfe Formen annahm, ist, abgesehen von Eitelkeiten und vom Ehrgeiz einzelner, darin zu suchen, daß die Theoretiker kein Jota von der alten Überlieferungnachgeben wollten. Nun gibt es aber, wie Masaryk in seiner „Weltrevolution“ schreibt, in der Politik keine ewigen Wahrheiten. Was heute richtig ist, kann morgen schon längst tiberholt sein. Die polästigen Ver färbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihr« Zähn®, CDOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen 1 m m Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 litische Situation in der jungen tschechoslowakischen Demokratie erforderte nicht nur rasche Entschlüsse, sondern auch den Mut, mit alten Dogmen zu brechen, als die neue Wahlordnung erschienen war, die der jüdischen Minderheit die selbständige Beteiligung u n in ö g 1 i c h machte. Diese Wahlordnung ist ein Unrecht, wie immer man sie interpretiert, und daran ändert gar nichts der Umstand, daß sie keineswegs gegen die jüdische Minderheit, sondern wahrscheinlich gegen den tschechischen Faschismus gemünzt war. Vor die Alternative gestellt, entweder eine demonstrative Zählkandidatur durchzuführen oder aber die Interessenvertretung der jüdischen Minderheit auf dem Umwege über eine andersnationale Partei zu erzielen, hat sich die jüdische Partei für die zweite Möglichkeit entschieden. Man gab ihr in weiten Kreisen und insbesondere dort, wo man die allgemeinpolitische Situation richtig verstand, wo man die Verhältnisse in der nächsten Nachbarschaft richtig begriff und wo man insbesondere die BADGASTEIN Hotel Ellsabethhof Zeitgemäße Preise Kein Mahlzeitzwang Chag-Habikurim (Feier der Erstlinge zu Schewuoth) erstmalig in Tel-Aviv, Messe gebäude Tendenzen im tschechischen Lager verfolgen konnte, recht. Denn in diesen Wahlen ging es um die Demokratie. Daß die Demokratie jene Form der Regierung ist, unter der es einer jüdischen Minderheit noch am besten gehen muß, bedarf wohl keines Beweises. Es durfte keine Stimme der Demokratie verloren gehen. Diese Gefahr bestand in hohem Ausmaße bei einer Zählkandidatur, denn die Wahrscheinlichkeit, daß diese Zählka.ndidatur einen positiven Effekt bringen könnte, schien gleich Null. Eine Zählkandiidiatur hätte bei der gegebenen Wahlordnung bewirkt, daß die jüdischen Stimmen auch einer antisemitischen Partei zufallen könnten, jedenfalls war absolut nicht sicher, daß diese Stimmen der Demokratie zunutze kommen. Da lag die Entscheidung, den Weg über eine andersnationale Partei BBBBBBBSBBBBBBg § Sdiöne jüdische Geschenkwerke §5 Photos vom Keren Kajemeth-Wieu 0 0 B9 0 0 0 0 0 0 0 von bleibendem Wert! 0 —————— n Uriel Birnbaum: }Ö Moses. 50 färb. Tafeln, Quartformat, ■ i Leinen (S 60.-).S 15.- E9 Th. Ehrenstein: CH Das alte Testament im Bilde. Mit über 2000 Abbildungen. Stattlicher Band in Folioformat, Leinen (S 240.-) . S 75.- Abel Tann: Die Bibel in Bildern. 24 farbige Tafeln, Quartformat, Leinen (S 84.-) . S 16.- Der babylonische Talmud. Q □bertr. u. erl. von J. Fromer, 583 Seiten, in* Auf Dünndruckpapier. Leinen (früher ELJ S 20.-).S 9.60 H Lothar Bürger: Q E. M. Lilien. Mit 226 Abbildungen. Hl Quartformat, Leinen (S 30.-) . S 12.- 5= 3 R. Löwit (Dr. M. Präger) cg g Wien, l.f Wollzeiie Nr. 6—8 rg Hg Telephon R 25-4-53 gg SBBBBBSBSBBBBSB zu suchen, sehr nahe, und die Entscheidung wurde von zionistischen Instanzen getroffen, dio weit davon entfernt sind, einem Mandatshunger zu dienen. Es war kein leichter Entschluß, aber es war ein von der härtesten und unabwendbaren Notwendigkeit diktierter Entschluß, über den niemand entzückt sein konnte. Von der Erkenntnis, daß der Kampf um die Demokratie und damit um die Lebensrechte der jüdischen Minderheit geht, bis zum Beschluß, diesen Weg an der Seito der tschechischen Sozialdemokratie anzutreten, war nur ein Schritt, der nicht so unerwartet ist und war, wie er Uninformierten oder Nichtwissen-Wollenden scheinen mag. Es ist vor allem falsch, dio tschechische Sozialdemokratie mit den Klassenkampfparteien anderer Völker und Länder zu vergleichen. Nicht nur die seit mehr als einem Jahrzehnt bestehende Tatsache, daß es in der Republik einen ungemein aggressiven Kommunismus gibt, dessen parlamentarischer Besitzstand im großen und ganzen immer unangetastet blieb und der die Sozialdemokratie dauernd in die Mitte verweist, sondern dio Geschichte der sozialdemokratischen Partei selbst dokumentiert, daß diese Partei fa>t ausschließlich und vor allem die Hüterin jener Demokratie ist, die das Kredo Masaryks ausmacht. Eine kompromißlose Hüterin und eine durchaus ehrliche Vor-