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Die Stimme · 1935-06-25 · Heft 460 (25.6.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 460 (25.6.1935)
Date
1935-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Bll »TIMM« MM 9 Nr. m — 25. »Tun! 1935 jahraus unser Geld den Fonds. Wir eir halten die Landesorganisationen. Wir körn men zu den Massen Tag für Tag, nicht mir vor den Wahlen. Wir halben keine bezahlten Agitatoren, die in der ganzen Welt herumfahren. Wir haben keine Führer, die sich, wie Ben Gurion, vor dem Flugzeug für die Presse am Berliner Flugplatz photographieren lassen. Wir leben für den Zionismus und nicht vom Zionismus. Das ist so eine Tradition hei uns Allgemeinen Zio nisten. Warum das alles vorgebracht wird? Weil eich die Vereinigung Binjan Eaarez“, die unter der Bezeichnung „Arbeitendes Palästina” zum Kongreß kandidiert, in einem Flugblatt, wie folgt, erdreistet: „-wir werden vielmehr belehrt und teilen es auch Euch mit, daß die Allgemeinen Zionisten als selbst lose zionistische Pioniere Euch Herrn Dr. Oskar Griinbaum und Frau Sophie Löwenherz vorführen. Sie sind gewiß brave Leute- Die Beurteilung dieser geschmackvollen äuße-rungen überlassen wir ruhig den Wäh lern. Sie werden mit dem Stimmzettel am 4. Juli schon die richtige Antwort geben. Persönliche Angriffe sind ein Zeichen von Schwäche und die Außdrucksform für den yersuch, einen Tatbestand zu verschleiern. Wo liegt nun der Kern des Problems? Man bemüht sich mit allen Kräften, den Tatbestand zu verschleiern, daß ein großer Teil der Arbeiterschaft Palästinas links - radikal eingestellt ißt. Wir in Österreich wissen aber, wohin dieser Radikalismus führt und wir sind deswegen besorgt um die weitere Entwicklung des Jischuw. Palästina kann nach unserer Ansicht die Judenfrage nur lösen, wenn dort die Souveränität des jüdischen Volkes aufgerichtet wird und nicht durch klassenkämpferische Parteien, mögen sie nun rechts oder links stehen. Faechismuß bedeutet ebenso wie eine Diktatur des Proletariats den Untergang des Zionismus. Wir Allgemeinen Zionisten suchen nicht den Kampf um des Kampfes willen. Wir sehen aber die Gefahr, die für den Jieohuw in der Diktatur einer Partei besteht und noch mehr, wir sehen, daß diese Partei alles tut, um Andersdenkende von der Einwanderung möglichst außzußchalten. Was wir verlangen, ist nichts als Lebensraum für die Allgemeinen Zionisten in Palästina. Die Allgemeinen Zionisten haben nicht zuletzt deswegen, weil sie seit jeher die Träger der Organisation sind, weil Palästina durch ihre Opfer aufgebaut wurde, Anspruch auf Gleichberechtigung. Wir fordern daher: Ee muß daß Zertifikatenßystem geändert werden, das auf die Bedürfnisse der Linken zugeschnitten ißt. Die Eignung der Auswanderer muß von ihrer zionistischen, moralischen und fachlichen Eignung abhängen, nicht von ihrer Parteizugehörigkeit. Weiters: In Palästina muß Raum für allgemeinzionistische Siedlungen von Arbeitern und Mittel Ständlern geschaffen werden, die auf dem Prinzip hundertprozentiger jüdischer Arbeit stehend, sich vor den Augen der ganzen Welt bewähren sollen. Wir wollen getreu dem Krakauer Programm unsere Menschen als Diener des ganzen Volkes nach Erez Israel schicken. Wir wollen die allgemein-zionistische Ideologie in die Praxis überführen. Wir wollen mit den ßozialistißchen Arbeitern keinen Krieg führen. Sie sollen nach ihrer Fasson selig werden, uns aber sollen 6ie nach unserer Fasson selig werden lassen. Wenn ich den Führern der Arbeiterschaft ungebeten einen Rat geben darf, so ist es der. Verschärft nicht die Bitterkeit in unseren Reihen! Wir sehen die Dinge von einer höheren Warte aus, weil wir Diener | 'des ganzen Volkes sind und nicht einer Partei. Die Zionistische Organisation hat durch den Austritt der Revisionisten einen schweren Stoß erlitten. Der Gesetzgebende Rat, die größte Gefahr für das Aufbauwerk, steht vor der Verwirklichung. Die Zionistische Organisation braucht heute mehr denn je eine geschlossene Front. Soll sie den Kampf bestehen, der ein Kampf um Verwirklichung oder Untergang unserer zionistischen Ideale sein wird, dann müssen wir in unserem innerpolitischen Leben Ordnung schaffen. Denkt daran, daß ihr nur im Kongreßsaal, nicht aber in der zionistischen Welt die Majorität habt! Was wir von euch verlangen, ist nichts als einfe faire Gegnerschaft, gerechte Reform des Zertiflkatensystems, Entpolitisierung der Histadruth und ihre Umwandlung in einen Dachverband autonomer Arbeiterververbände, sowie die Regelung der Arbeitsbeziehungen. Wenn meine Freunde und ich A rbeiterfein de sind, weil wir diese Forderungen auMellen und un.s unserer bedrängten. Jugend an nehmen, dann wollen wir diese Beschimpfung liinnelunen. Wir worden uns aber in unseren Bestrebungen nicht hindern lassen, denn wir wissen: Wir kämpfen um die Gleichberechtigung der Allgemeinen Zionisten und damit um den Frieden in der Zionistischen Organisation und der Friede kann nur kommen, wenn der Allgemeine Zionismus nicht Diener einer Partei, sondern Diener des ganzen Volkes ist. Das Wort haben die Wähler. Die Stellungnahme derWIZOzum XIX. Zionistenkongreß Von Sophie Löwenherz Die Frühjahrskonferenz der WIZO in Tel-Aviv befaßte sich eingehend mit den Problemen des bevorstehenden Kongresses und beschloß, die Schekel-Propaganda, in allen Ländern energisch zu fördern. Bildet doch der Schekel clie Grundlage der Organisation, zu der wir uns bekennen und von deren Stärke die Entwicklung Palästinas in hohem Maße abhängig ist! Wir wollen eine starke und geeinte Organisation und treten entschieden gegen jede Disziplinlosigkeit auf; dementsprechend bedauern wir auch die Stellungnahme der Revisionisten und treten gegen die Absicht der Schaffung einer selbständigen Organisation auf. Alle zionistischen Gruppen haben ihre Forderungen nur innerhalb der zionistischen Organisation zu verfechten! Wer sich außerhalb der Organisation stellt, bricht die Disziplin und nützt nicht der zionistischen Idee. Die Forderung bedingungsloser Disziplin in eigenen Reihen steht im Widerspruch mit der Disziplinlosigkeit der Revisionisten innerhalb der gesamten Organisation. Wir kämpfen für die freie und erhöhte Einwanderung der Frauen und Mädchen nach Palästina, für deren Ansiedlung in landwirtschaftlichen Betrieben, für die jüdische Arbeit in den Kolonien; wir bemühen uns um den Absatz palästinensischer Produkte und wollen innerhalb der zionistischen Organisation der Frau die gebührende Stellung verschaffen. Die gewaltigen Leistungen in Palästina sind von allen zionistischen Gruppen vollbracht worden und alle Gruppen sollen an der Leitung der künftigen Exekutive Anteil nehmen! Gewissenszwang und Klassenkampf fördern nicht den Aufbau Palästinas, der gehässige Kampf der Gruppen untereinander schwächt nur unsere Position im Lande und unseren Einfluß der englischen Regierung gegenüber. Das Baseler Programm können wir nur mit der englischen Regierung und nicht gegen die englische Regierung verwirklichen. Die programmatische Auseinandersetzung darf nicht in einem gehässigen Kampf aller gegen alle ausarten! Der Politik der Worte setzen wir die Politik der Tat entgegen! Nur durch diese Politik hat die WIZO es verstanden, in ihrer großen, 70.000 Frauen umfassenden Organisation konstruktive Arbeit zu leisten und auch in Österreich, maßgebenden Einfluß zu gewinnen. Die zionistische Agitation hat nicht darauf auszugehen, bestehende Gruppen zu schwächen und durch Absplitterung neue Gruppen zu schaffen, sondern neue, abseits stehende Menschen für die zionistische Idee zu gewinnen. Ussischkin prägte auf der WIZO- Konferenz einen richtigen Satz: „Unser Kampf geht nicht gegen unsere Gegner, welche nicht zu überzeugen sind, sondern gegen die Gleichgültigen, die Abseitsstehenden, welche zu gewinnen das große Ziel unserer Propaganda sein muß.“ Die WIZO bemüht sich, in immer weitere Kreise der jüdischen Frauen vorzudringen und die jüdische Frau zur aktiven, vollwertigen Mitarbeiterin am Wiederaufbau Lehrer der mit. seiner Familie über diö Ferien nach Sopron (Ödenburg) fährt, nimmt vier bis fünf Knaben mit. (Streng rituell). Anfragen: II. Mohrengassc 32/5 des nationalen Werkes zu erziehen. Ohne Partei-Schlagworte, jedoch mit konkretem Arbeitsprogranim gelang cs der WIZO, den Kreis der Mitglieder bedeutend zu erweitern und sie von den Auswüchsen schlecht verstandener Politik fernzuhalten. Unsere Aufgabe, der wir treu bleiben wollen, lautet: „Konstruktive Arbeit f ü r und durch die F rau in der Organisation und in Ercz Israel!“ Die Idee der nationalen Kolonisation gebietet uns auch, für die nationalen Fonds 'energisch einzutreten, weil nur diese Fonds, welche von allen zionistischen Gruppen verwaltet werden, die Gewähr für eine Kolonisation Palästinas bieten. Wir werden auf Angriffe der Splittergruppen nicht reagieren, gegen Schlagworte nicht polemisieren, in positiver Arbeit mit allen Gruppen wetteifern und vorangehen, wie wir es bis zum heutigen Tage mit Erfolg getan haben. In diesem Sinne gehen wir zum XIX. Zionistenkongreß, den wir in unserem Geiste zu beeinflussen wünschen! Weltkonferenz jüdischer Kriegsteilnehmer geschlossen Paris, 21. Juni. (Z. T. A.) Ara Donnerstag, den 20. Juni, ging die Weltkonferenz der Länderverbünde jüdischer Kriegsteilnehmer zu Ende. Am Mittwoch, den 19. Juni, empfing der französische Kriegsminister Jean Fabry, umgeben von den Vertretern des P a r i 6 e r Stadtrates, im Riesensaal der Sorbonne die Kongreßdelegierten, die dem Minister durch Hauptmann D r e y f u s, der zu dieser Feier von der Alliance Israelite beordert wurde, vorgestellt wurden. Die Feier galt dem Andenken der ehemaligen jüdischen Frontkämpfer, die an allen Fronten für ihre Vaterländer starben. Der Minister gab im Namen Frankreichs seiner Ehrfurcht für diese Kämpfer Ausdruck. Die Sprecher der ausländischen Delegationen der Alten und Neuen Welt sprachen den Dank des jüdischen Volkes an Frankreich für seine stetige Gastfreundschaft gegenüber allen Opfern der Verfolgung, ohne Unterschied von Rasse und Religion, aus. Am Tage vorher hatten die Delegierten die Schlachtfelder bei Verdun besucht und dort Kränze auf die Gräber gefallener Soldaten der verschiedenen Nationen niedergelegt. Über den Verlauf der Sitzung ißt noch zu berichten: Der Vorsitzende Varnikof führte auß, der Plan der Schaffung eines Kontakts zwischen den jüdischen Frontkämpfern der verschiedenen Länder sei auf dieser ersten Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer, an der Delegationen auß zwölf Ländern direkt teilnehmen und der Frontkämptferverbände aus anderen Ländern ihre Zustimmung gegeben haben, realisiert worden. Ziel der Konferenz sei, der Welt in Erinnerung zu bringen, daß Juden überall und mit allen zugleich ihre Pflicht als Soldaten erfüllt haben und daß die jüdischen Frontkämpfer zum Kampf um ihre Rechte und die Rechte ihrer bedrohten jüdischen Brüder, wo immer sie leben, bereit sind. Darüber hinaus solle diese Konferenz von Juden, die ihr Leben für ihre Vaterländer eingesetzt haben, eine Manifestation für Weltfrieden und Völkerverbrüderung sein. Nach Verlesung der Begrüßung der jugoslawischen jüdischen Kriegsteilnehmer, die zur Konferenz nicht kommen konnten, und nach einer Ansprache des Vertreters des internationalen Frontkämpferverban de s, des polnischen Generals Gurecki, über-* brachte der Führer der österreichischen Abordnung, Hauptmann von. Friedmann, den Gruß von 22.000 o r-i ganisierten jüdischen Kriegst' teilnehmern in Österreich. Nach einer Ansprache des Führens der ägyptii sehen Delegation, Dr. Latis B e y, über* brachte der Führer der amor Lkanisch-jüdL sehen Kriegsteilnehmer, William Berman, die Grüße von 250.000 amerikanisch*! jüdischen Kriegsteilnehmern und sagte: „W ir amerikanischen Juden: sind stets beredt, unseren j ti d in sehen Brüdern zu helfen, wo; Hilfe notwendig is t.“ Es sprachen; dann der Führer der englischen Delegation (Jewish Ex-Servicemen’s Legion), S a r n o; der Führer der 1 e 111 ä n d it sehen Delegation, S in a k i u s, der bet tonte, die Schaffung eines jüt dißchen Staates in Palästina; sei höchstes jüdisches Ziel; der Führer der palästinensischen; Frontkämpfer, Dr. K a g a n o w, der diei Erwartung ausspraoh, die jüdischen Frontkämpfer der ganzen Welt werden an der Schaffung des J ut denstaates in Palästina mifct helfen wollen; der Führer der großen polnischen Delegation Bregman, der des Mareohalls Pilsudski gedachte, u. v. a, Der Feier bei der Einweihung des Denkt mals für die an der französischen Front gefallenen 1200 orieutalisch-sephar« dißchen Juden wohnten neben einem Vert treter des Präsidenten der Republik zahlt reiche hohe militärische Würde nt träger, der Vizepräsident des Par lat ments, Henri Pate, mit zahlreichen Abgeordneten u. v. a. bei. Die Gedenkrodei hielt der Pemsdon&mimstor M a p o i 1, der sagte: „Die Tatsache, daß der Präsident der Republik, Lebrun, das Protektorat über die Feier übernommen hat, unterstreiche die Wichtigkeit des Augenblicks. Ich empt finde es als A u s z e i c h n u n g, den jüdischen Helden von 1914 Ehre zu erweisen. Andere Länder verfolgen unbarmherzig die „Rasse-, fremden“ und schließen sie von der Mitr arbeit aus. Wir Franzosen aber wissen, daß jede Rasse ihr Genie ha t.“ Wir müssen Dich nicht erst mit unseren Kandidaten und ihrem Programm vertraut machen» PU «WLST: Liste des WELTVERBANDES der Allgemeinen Zionisten nssmmd Uitenführer Dr. Griinbaum — Sophie Löwenherz — Dr. Frey

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