Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 459 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m Seit« 4 DIE STIMME Nr. 35(1. ST. Juni 1938. 3iBERGMlNHI RABENSTEIG 3 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND himmelpfortgI A WIRKWAREN SPOTTBILLIG! [ ■■ W FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN KOLLHERHOFG.! (vQn $ 6 80 au[w.) S ■■ -4 Der Skandal um die Zertifikate Seitdem dieser Artikel in Satz gegangen ist, sind die ..Radikalen“ in der neugegründeten Weltvereinigung der ..Allgemeinen Zionisten“ aufgegangen. An (len im folgenden Artikel mitgeteilten Tatsachen hat sieh jedoch nichts geändert. Dem Zionistischen Landeskomitee gehen unausgesetzt Protestkundgebungen gegen die schmähliche Behandlung Österreichs bei der Zuweisung von Zertifikaten zu. Lebhaftes Befremden erregt das Verhalten der Radikalen Zionisten, die sich als einzige Gruppe gegen den Protest der Palästina- Amts-Kommiesionen an die Exekutive aussprachen. Offenbar sind also die Radikalen der Aneicht, daß alles in beeter Ordnung ist und daß zu diesem Protest kein Anlaß vorlag. Die zionistische Öffentlichkeit ist : anderer Meinung als das Cafe Produkten, börse und wird Gelegenheit nehmen, das mit dem Stimmzettel bei der Kongreßwahl zu dokumentieren. Eg scheint, daß diie Radikalen ihren Protektor Jizchak Grünbaum schützen wollten, der an der schlechten Zertifikatszuteilung die Schuld trägt, sich aber beeilte, den gandistieoh gute Arbeit geleistet wird. Unsere Organisation ist die größte zionistische Organisation Österreichs. Die schreckliche Wirtschaftslago hat eine Strukturilnderung der Allgemeinen Zionisten herbeigeführt. Viele von ihnen und eine starke allgemeinzionistische Jugend wollen nach Erez Israel. Wir haben daher den Kampf um Alijah und Kolonisafionsplätze für die Allgemeinen Zionisten aufgenoinmen und vertreten damit eine gerechte Sache. Wir kümmern uns nicht um das Geschrei anderer Gruppen und werden unsere Sache zum Siege führen. Eine Erklärung des Leiters des Palästina-Amtes Dr. Rothenberg ln einem Artikel der letzten Nummer der Zeitschrift „Der jüdische Weg“ befindet sich die folgende Mitteilung: „Die ,S t i m m e‘ beklagt die Tatsache, daß zu wenig Zertifikate nach Österreich kommen. Sie erzählt aber nichts davon, daß die allgemein-zionistischen Vertreter, die vor einigen Wochen eingelangto Teilsendung von 10 Zertifikaten nicht angenommen und dadurch 20 österreichische Pahtstinawanderer um ihre Aus wa nde umgarn öglidike it gebracht haben.“ Wir haben uns diesbezüglich an den Leiter des Wiener Palästina-Amtes, Herrn Dr. Alois Rothenberg gewandt, der uns folgende Erklärung zur Veröffentlichung übergab: Diese Nachricht im „Jüdischen Wog“ ist völlig aus der Luft, gegriffen. Es ist noch n i o ein Zertifikat in der jetzigen Amtsperiode verloren gegangen und der ganze Vorschuß ist für ganz besonders dringende Fälle im Einvernehmen mit der Exekutive verwendet worden. * Die einzige von uns hier behandelte Mitteilung im „Jüdischen Wog“ läßt schon erkennen, wie weit es mit den übrigen Mitteilungen des Artikels her ist, der von lauter „Wahrheit“ strotzt. Die Beurteilung dieses Vorgehens überlassen wir der Öffentlichkeit. Gutbürgerlkhe Israel. Familie in Ungarn, Nähe Budapest, schön gelegene Eigenvilla, nimmt über die Ferien in volle Verpflegung, au pair, gegen Aufnahme eines Kindes in Wien oder Nähe zwecks Erlernung der deutschen Sprache. Zusdiriftcn an Hausmann, Wien, II., Haidgassc Nr. 14/16 muß sich als Lehrling aufdingen lassen, Geselle werden und die Meisterprüfung machen. Als warnendes Beispiel muß die jüdische Jugend in Deutschland genannt werden. Tausende jüdische Jugendliche in Deutschland möchten heute Handwerker werden, aber die Innungen verbieten dio Aufnahme jüdischer Lehrjungen. An alle diese Dinge müssen heute jüdische Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder denken. Die jüdischen Eltern müssen wissen, daß dio Zeit vorbei ist, wo man wollte, daß das Kind „mehr werden“ müsse* Wer noch immer glaubt, daß ein Tischler „weniger“ ist als ein Arzt ohne Patienten, der lasse es sich im Interesse seiner Kinder gesagt sein, daß heute und für lange Zeit das italienische Sprichwort richtig ist? „Weniger ist mehr!“ HancLwerkerverband der Radikalen anzuerkennen, was ihm gar nicht zusteht. Für die Frage, ob ein Handwerkerverband würdig ist, als chaluzLscher Handwerkerverband anerkannt zu werden, ist nämlich auf Grand der Vorschriften des A. C. ausschließlich diie Palästina-Amts-Kammißsion zuständig. Die Wiener Palästina-Amts-Kommisskra war anderer Ansicht als der zur •Entscheidung nicht befugte Herr Jizchak Grünbatan und bat den Handwerkerverband der Radikalen zur Erlangung von Handwerkerzertiifikaten für nicht würdig erklärt. Die Allgemeinem Zionisten werden sich nicht dadurch beirren laseen, ihrem berechtigten Protest allen Nachdruck zu verleihen. wenn eich auch die Radikalen nach denn Verlust ihres Programms und auf der Suche nach einem neuen Programm eo absonderlich. in einer Sache gebärden, in der überaus wichtige Interessen aller österreichischen Zionisten auf dem Spiele stehen. Wir können es auch nur mit einiger Heiterkeit registrieren, daß wir nach dem Geschmack der „Neuen Welt“ — zu radikal sind. Wir Allgemeinen Zionisten sind gewohnt unseren Weg zu gehen, ohne uns um „Meinungen“ zu kümmern. Wir ßind mehr für die praktische zionistische Arbeit. Wir kommen zu den Wählern nicht nur vor dein Kongreß, sondern arbeiten still und mit Zähigkeit zur Verbreiterung der zionistischem Idee jahraus jahrein. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Wir haben in Wien allein 16 Bezirkssektionen, in denen propa- Ein Werl an die In unserer Scbewuoth-N immer hat Dr. Abraham Schmerler, der Leiter des unter Patronanz der jüdischen Gemeinde stehen den „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweise s“, erschütternde Ziffern bekanntgegeben. Bei diesem Verein allein sind 4020 jüdische Arbeitslose gemeldet. Es ist sicher eine beachtenswerte Leistung, wenn es dem Verein gelingt, monatlich 80 bis 90 jüdischen Arbeitslosen Arbeitsplätze zu beschaffen. Im Vergleiche zu der riesigen Zahl der jüdischen Arbeitslosen ist das Resultat allerdings zu dürftig und es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um dio Leistungsfähigkeit des Arbeitsnachweises zu steigern. In einigen Wochen ist Schulschluß und vielen hunderten jüdischen Eltern bereitet es große Sorge, welche Berufswahl sie ihren Kindern anraten sollen. Wahrscheinlich wird sich heuer wieder das Schauspiel wiederholen, daß die einzelnen Berufsstände die Bevölkerung warnen werden. Man wird wieder lesen: Eltern, laßt eure Kinder nicht Ärzte werden! Laßt eure Kinder nicht Schneider werden, und dergleichen mehr. Was sollen nun die jüdischen Eltern tun? Die Vorbereitung der jüdischen Kinder für das praktische Leben darf zunächst einmal nicht mit dem Verlassen der Schule beginnen. Die jüdischen Eltern müssen vor allem darauf achten, daß ihre Kinder soviele Sprachen als nur möglich erlernen, und zwar so, daß sie die betreffenden Sprachen wirklich beherrschen. Jedes jüdische Kind, das die Mittelschule verläßt, soll mindestens zwei Fremdsprachen und außerdem Hebräisch sprechen können. Der Einwand, daß die Kinder „ohnehin genug angestrengt“ sind, ist nicht stichhältig. Im Glieder waren fünfjährige Knaben mehr angestrengt als jetzt Maturanten. Außerdem: Das Fortkommen der jüdischen Kinder ist durch den Antisemitismus genug erschwert, inan soll es durch den Mangel an verwertbaren Kenntnissen nicht noch mehr erschweren. Die Zeit ist eben vorbei, wo dio Schulzeit für dio jüdischen Kinder trotz allem die sorgenlose, glückliche Zeit war. Der Stolz der jüdischen Eltern muß darin bestellen, daß ihre Kinder mehr als den Lehrplan bewältigen. Verläßt nun das Kind die Haupt- oder Mittelschule, dann darf die Berufswahl jüdischen Eitern nicht dem Zufall überlassen bleiben. Die Kinder sind im Elternhause auf die Schwierigkeiten der Berufswahl aufmerksam zu machen. Man muß den Kindern sagen, daß die jüdischen Advokaten und Ärzte Not leiden, weil sie eben Juden sind und man muß die Kinder davor warnen, einen freien Beruf zu ergreifen. Hier wird von den Eltern viel gesündigt. Man spricht in zionistischen Kreisen seit Jahrzehnten von der ungesunden Berufsschichtung des jüdischen Volkes und von der Notwendigkeit der beruflichen Umschichtung zu den manuellen Berufen. Es geschieht aber wenig in dieser Beziehung. Man glaubt noch immer, daß andere Eltern mit ihren Kindern den Anfang machen sollen. Das ist ein schwerer Fehler und er wird sich bitter rächen. Es herrscht noch immer das Vorurteil, daß die Ergreifung eines handwerksmäßigen Berufes eine Deklassierung bedeutet oder eine gewaltsame Senkung des geistigen Niveaus des Kindes. Beides ist unrichtig. Zunächst einmal: Wer ist deklassiert, ein jüdischer Goldarbeiter oder Installateur, der sein tägliches Brot für sich und seine Familie verdient oder die Familie eines jüdischen Advokaten, der aus Verzweiflung und bitterer Not den Gasschlauch nimmt und seine Familie im größten Elend zuriiekläßt? Und was das geistige Niveau anbe langt: Niemand verlangt seine Senkung. Im Gegenteil! Wir sagten es schon oben. Jedes jüdische Kind soll soviel als nur möglich lernen. Eltern, die es sich leisten können, sollen ihre Kinder maturieren und erst dann einen handwerksmäßigen Beruf ergreifen lassen. Wir müssen unsere Kinder so erziehen, daß ein neuer Handwerkertypus geschaffen wird, der geistig und beruflich weit über den Durchschnitt und dadurch b e f ä h i g t i s t, i m Lebenskampf um daß tägliche Brot und iru Kampf um die Erhaltung des jüdischen Volkes seinen Mann zu stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, muß aber das jüdische Kind die gesetzliche Möglichkeit erwerben, einen handwerksmäßigen Beruf ausübeu zu können. Schnellsiederkurse genügen heute nicht einmal für Palästina. Wer Handwerker in Österreich werden will, Bei Nieren-, Harn-, Blasen- und Mastdarm* leiden lindert das natürliche „Franz-Josef“* Bitterwasser auch heftige Stuhlbeschwer* den in kurzer Zeit und sichert zugleich eine zufriedenstellende Verdauung. o* Warum gerade Badgastein? Seit vielen Jahrthundertein kommen jährlich Tausende von Menschen nach diesem inmitten wildromantischer Hochgebiigsland* schaft der Salzburger Alpen gelegenen Welt* kurort, um hier an der Quelle ewiger Jugend heue Kräfte zu sammeln und den kranken Körper zu heilen. Der Ruf von Badgasteins Heilwirkungen geht weit üben die Grenzen Mitteleuropas hinaus. Das beweisen am besten dio zahlreichen Kurgäste, welche von allen Ländern der Erde jährlich nach Badgastein kommen, um sich hier einer Kur zu unterziehen. Es gibt viele and er ö radioaktive Bäder,' warum kommen all diese H eilungssu oh enden immer wieder nach Badgastein? Die Antwort ist sehr einfach. In keinem anderen Kurorte der Welt treffen die verschiedenen Heilfaktoren so glücklich zusammen wie gerade in Badgastein. Die ■hochradioaktivon Thermen bilden den H a u p th e i I f a k t o r. Doch sind es nicht nur diese, weiche die Heilwirkungen bedingen, sondern oben das Zusammenwirken der Thermen mit anderen Heilfaktoren, wie die Höhenlage B a d g aßteins von über 100 0 Meter mit den besonderen Wirkungen der Höhensonne, diq eigenartigen M'telektriseken Verhältnisse im Bereiche des Wasserfalles, die waldr eiche U m g e b u n g und die dadurch bedingte ozonhaltige Luft, dio la n d-i s c ha ftliche Schön he i t, welche das Ausspannen der Nerven begünstigt und die besonders guten klimatischen Verhältnisse. Wie dio wissenschaftlichen Forschungen der letzten Tage ergeben haben, ist dio starke Radioaktivität der Luft, welche im ganzen Quellgeibioto durch Messungen iestgesteilt werden konnte, ebenfalls ein besonderer Heilfaktor Badgasteine. All d 1 o s e Hodlfaktoren, welche in Badgastoiu so glücklich Zusammenwirken, erklären die in der Welt einzig dastehende II e i 1 w i r k u n g dieses Kurortes und nur d i e s o hat den Weltruf Badgasteins begründet. Wer den Frieden ln der Zionistischen Organisation will. wählt am 4. Juli Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten Dr. GrOnbaum - Sophie Löwenherz - Dr. Frey