Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 458 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 4 DIE STIMM! Nr. 4:>$. •- m Juni 1033 Wovon man bei uns spricht Die Woche in Erez Israel ' Jerusalem, 7. Juni. Eine größere palästinensische Handelsdelegation weilte für einige Tage in Ägypten. Sit> hat dort mit wichtigen Stellen verhandelt. in der Hoffnung. Einfuhrerleie.hterungen für palästinensische Waren und »andere Vorteile zu erzielen. Aber die palästinensische Presse ist mit. den Ergebnissen, die die Kommission nach Hause gebracht hat. nicht recht zufrieden. So soll beispielsweise die Orangenausfuhr, an der die Landwirtschaft Palästinas hauptsächlich interessiert ist, erst vom Mai an erleichtert werden — zu einer Zeit, zu der die Orangenernte also ihr Ende schon ziemlich erreicht hat. Und auf industriellem Gebiet sind gleichfalls keine wesentlichen Ergebnisse erreicht worden. Man muß freilich bedenken — Herr Dr. Bonne, der Leiter des Wirtechaftsinsbituts im Vorderen Orient, hat in einem Interview sehr richtig darauf hingewiesen —, daß die junge ägyptische Industrie sich selbst in einem starken Aktivierungsprozeß befindet. Verurteilten, dann zu Lebenshaft Begnadigten Entlassung in fünf Jahren angekündigt wurde. Bei der Freilassung der Jerusalemer Gefangenen spielten sich Freudensszenen ab. In Akko muß es ähnlich gewesen sein. Aber „Adifa“ beklagt sich, daß nur da« einfache Volk seine Brüder begrüßt habe. „Wo bleiben unsere Notabein?“ fragt das Blatt. Und „Falestiu*" ist unzufrieden, daß nicht alle Gefangenen auf einen Schlag befreit wurden. Im übrigen sei die arabische Frage keine Frage der Gefangenenbefreiung, sondern eine Sache ..auf Leben und Tod“. Die „schlechte Politik“ habe sich zu ändern... Im Herbst werden wir die ersten Rundfunksendungen hören können, die dio Regierung zunächst probeweise vom Palasthotel in Jerusalem aus durchführen wird. In Ramalin, im Norden der Stadt, werden zwei Funk türme von 100 und 150 Meter Höhe orichtet. Bevor alles fertig ist, wird’s trotz der Selbstverständlichkeit, daß die Ansage in allen drei Landessprachen erfolgt, einen Kulturkampf im wahrsten Sinne des Wortes geben. Wann werden vvir’s zum erstenmal hören: „Hallo — hallo! Po Jeruschola.jim!“? Erich Gottgetreu. geben, hat jetzt als Direktor einen scharfen Anti z ionist.cn aus der noch ('inen Kölner Hajossod barsch kurz vor seiner Repräsentanten hinausgewieseü Antizionisten und Getaufte in Palästina •s Es sind noch nicht alle Einzelheiten der ägyptisch-arabischen Handelsgespräche in authentischer Form bekannt geworden. Nach „Al Mokkatam“, einer kairinisehen Zeitschrift, soll auch die zeitweilige Reduzierung der Eisenbahnfahrpreise zwischen Kairo und Palästina diskutiert worden sein. Man denkt wohl an die Einführung von Sonntagskarten. Wir Palästinenser würden uns darüber sehr freuen. Kairo ist ein herrliches Reiseziel, aber auf normalem Wege noch immer ein zu teures. Die Ägypter werden vermutlich auch sehen, daß die anderen Nachbarstaaten gleichfalls schöne Augen und Plakate machen, um Palästina das neuerdings in starkem Maße nicht nur Touristen empfängt, sondern ebenso Touristen entsendet, in Form von Sommerfrischlern und Ausflugsgästen zu empfangen. Syrien hat für den Sommer seine Visen gebühren erniedrigt, und Italien, immerhin unser nächster europäischer Nachbar, ist gerade im Begriff, in Jerusalem ein großes Reisebüro zu eröffnen. ». Über die palästinensische Prosperität muß man eich bei unseren Nachbarn Wunderdinge erzählen. In Damaskus bereiten sich daraufhin eine Reihe syrischer Advokaten auf die Anwaltsprüfung in Palästina vor.., Hier, denken sie, wird ihr Weizen besser blühen. Genug Tatsachen liefern dieser Vermutung die Basis. Ein Artikel in „Märet el — Shark“ maoht die Araber darauf aufmerksam, welche große Entwicklung Jaffa in letzter Zeit nähme. Die Stadt beabsichtigt eine Anleihe von 100.000 Pfund mit der Garantie der Palästinaregierung aufzunehmen. Auch in anderer Form fiel Glück nach Jaffa. Ein kleiner Kolonialwarenhändler, Vater von fünf Söhnen, gewann beim Irish Sweepstake in Dublin, auf das er einen kleinen Einsatz gewagt hatte, 15.000 Pfund. * Das Übliche wäre zu melden: Naschaschibi protestierte gegen die jüdische Einwanderung.., aber die Araber von Beisan wandten sich an eine jüdische Kooperative, um durch sie moderne Feldbearbeitungsmaschinen zu beziehen; und die Mitglieder einer ganzen Reihe von Kwutzoth wurden zu arabischen Hochzeiten eingeladen. Der Kibutz Misra feierte ein Versöhnungsfest mit Beduinen, dio am Berge Tabor hausen: die Feindschaft, die der Versöhnung vorausgegangen war, hatte darin ihro Ursache, daß ein Mitglied des Bedumenstammos eines Tages auf Misraboden ermordet aufgefunden worden war —: jetzt hat man den Täter entdeckt; es war kein Jude, * Man freut sich im arabischen Lager, daß eine Anzahl der Häftlinge der Augustunruhen von 1929 befreit worden ßind, während einigen ursprünglich zum Tode Wir erhalten ans Palästina folgende Ziißcluift. die wir veröffentlichen, um den in Betracht kommenden Stellen die Möglichkeit zu geben, eich zu den hier erhobenen schweren A n s c h u 1 d ig e n zu äußern. Geehrte Redaktion! In Nr. 43G schreiben Sie, die Prosperity Palästinas bringen Antizionisten und sogar jüdische Renegaten ins Land. Es sei notwendig, sich diese Leute etwas näher anzu- ^ehen. Das geschieht hier nicht. Diese Leute, mit der nötigen Ellenbogenkraft ausgestattet, ohne Hemmungen, ohne Beziehung zu Land, Leuten, Sprache und •Judentum, wären in jedes andere Land, das ihnen offenstände, eingewandert. S i e werden Erez Israel in dem Augenblick verlassen, in dem sie anderswo mehr verdienen können. Sie kommen in dieses Land, das sie bekämpft und zu dessen Aufbau sie nichts beigetragen haben, gut „voran“. Teilweise geben sie sich als Fachleute aus die nicht, wie die Zionisten, Zeit und Kraft für andres geopfert haben, als ihren Beruf und deshalb jenen überlegen seien. Zum Teil halten sie es für opportun, sich a 1 s Sozialdemokraten zu bezeichnen die wegen ihrer Gesinnung ihre bisherigen Wohnländer hätten verlassen müssen und jetzt als Opfer ihrer Gesinnung von den hiesigen Gewerkschaften Stellungen fordern Man soll gewiß in dem aufzubauenden Palästina auf Leistung und Eignung den höchsten Wert legen. Doch gibt es genug Zionisten, die den strengsten Forderungen ge tiügen. Sie haben dabei den Vorteil enger Verbundenheit mit Land und Leuten. Diese „Fachleute“ sitzen hier an maßgebenden Stellen und tragen wesentlich zur Ausbreitung des Merkantilismus und der Rücksichtslosigkeit bei, die sich immer mehr im Lande breit machen. Sie bringen die Verfallserscheinungen Westeuropas in das Land, für das wir Jahrzehnte gearbeitet und geopfert haben. Die Stadt T e 1-A v i v hatte einen Posten für Kinderhygiene zu besetzen. Es bewarb sich ein langjähriger Zionist, eine Autorität auf diesem Gebiete, der die gleiche Stellung früher bei der Verwaltung einer deutschen Großstadt innehatte. Die Stadt Tel-Aviv stellte aber einen getauften Juden an. Der abgewieseno Petent schrieb der städtischen Dezernentin, er bedaure, sich beworben zu haben. Er habe nicht daran gedacht, daß er es verabsäumt habe, sich in seiner Jugend taufen zu lassen. Hätte die Stadt Tel-Aviv keinen anderen Juden auf der Welt finden können, als einen jüdischen Renegaten, so hätte sie besser einen tüchtigen und charakterfesten Araber oder Christen anstellen sollen. Der assimilantische, entjudete „Sozialdemokrat“ Dr. . . » , erinnert sich plötzlich seines verstorbenen Vetters, des zionistischen Oberrabinners Wions, verschafft sich daraufhin eine Empfehung der Zionistischen Exekutive und hat Erfolg. Die Ilaavara, die offizielle Treuhandstelle, die das Vermögen des aus Deutschland kommenden Juden transferiert und gegen dio sich eine starke Mißstimmung im Lande geltendmacht, beschäftigt in Tel-Aviv 45 Beamte. Die leitenden Beamten, die mit recht gutem Gehalt angestellt wurden und jetzt noch werden, waren A s s i ni i 1 a n t e n, Zentralvercinle r usw. Auf merkwürdige Weise hat die Anglo- P a 1 e s t i n e-B ank bei ihren Verhandlungen in Deutschland diese Leute mit- und hier untergebracht. Diese unsere nationale Bank, die den Jewish Colonial Trust, die Schöpfung Herzls, der er sein Vermögen geopfert hatte, still und leise geschluckt hat, ohne den Aktionären einen Groschen zu K ö 1 n angesf eilt, Ernennung des Keren hat. Ähnliche Beispiele lassen sich von def Jerusalemer Universität anführen. Der KK.. der Kartellkonvent, deutscher Sfu« deuten jüdischen Glaubens, hat sieh in Pa« lüsüna. zu einer hundert Mann umfassenden Gruppe zusaminengeschlossen, die Lento profitiere n h i e r v o n d e m, w a s die v o n i h n e n Bekämpften in J a h r z e h n t e n g e s c baff e n h a ben und scheuen sieh nicht, weiter der Korporation anzugehüren, die in Deutschland auch jetzt noch die V o r k ä m p f c r des A n t i z i o n i s m u s stellt. Diese Tv.-Kler werden hier mit der Liebenswürdigkeit bei handelt, die sie von den Juden in Deutsehland gewohnt waren. Dasselbe gilt für manchen N a u in anni a n e r, der es sich hier gut gehen läßt. Weshalb verlangt man nicht von all diesen Nutznießern unserer Mühen, unseres Schweißes und Blutes, daß sie für zehn Jahren Keren Hajessod nachzahlen? Weshalb soll auch hier die Kraft der Ellenbogen den Ausschlag geben? Was in Erez Israel fehlt, ist d i o öffentliche Meinung, die mit den Mißständen aufräumt. Kapitaierhöhung der Paiestine Land Development Co. Jerusalem (Palcor). In ihrer am 31. Mai fortgesetzten Generalversammlung beschloß die Palestine Land Development Co., den Aktienbesitzern aus der Zeit vor 1934 eine Prämie von Gratisaktien zu gewähren. Die Besitzer von 25 gewöhnlichen Aktien werden zwei reguläre Zusatzaktien erhalten, die Besitzer von Griinderakiten 4 reguläre Aktien. In der Generalversammlung .wurde ferner beschlossen, das Kapital der Gesellschaft durch Ausgabe neuer Aktien in Höhe von 75.000 Pfund zu je 1 Pfund pro Aktie und von 15.000 Vorzugsaktien zu je 5 Pfund pro Aktie, beginnend mit dein 5. Mai d. J* zu erhöhen. (Es war ein Fehler der derzeitigen Exekutive, diese Kapitalerböhung nicht längst durchgeführt zu haben, um dadurch mitzu-i helfen, die Bodenspekulation zu unterbinden, Die Red.) Situation der Juden in Danzig immer gefährlicher Danzig, 13. Juni. (2. T. A.) Die neue Guldenpanik, die In Danzig ausgebrochen ist, wird von nationalsozialistischen Kreisen wieder zu einer verschärften Judenhetze ausgenutzt. Kein anderer, als der Präsident des Senats, Greiser, hat in einer Rede die Schuld an der Guldenpanik der Opposition in die Schuhe zu, schieben versucht und hiebei als die „besonders Schuldige n“, „land- und rassenfremde Elemente“ bezeichnet. Greiser hat damit offen die Parole wiederholt, die seit Wochen von der nationalsozialistischen Partei in Umlauf gesetzt wird und die „Juden und P o 1 a k e n“ als diejenigen bezeichnete, die „an allem Unglück“ schuld seien. Die Boykottzettel, die nach der Guldenabwertung, als die Bevölkerung bei ihren Angstkäufen jüdische Geschäfte bevorzugte (weil deren Preisgebarung besonders streng überwacht wurde), verschwunden waren, sind wieder in Erscheinung getreten. An zahlreichen Geschäften wurden in der Nacht Aufschriften wie „J u d e“, „Landesverräte r“, „Juden rau s!“, „Die Juden sind unser Unglück“ mit unabwaschbarer Farbe angebracht. In jüdischen Kreisen empfindet man die Situation als gefährlich und erwartet, daß der vom Völkerbund eingesetzte Juristenausschuß sich ohne Vew zögerung mit den Petitionen befaßt, da« mit in Danzig endlich die Rechtslage wieder hergestellt wird, Protest gegen Judenverfolgungen Im Danziger Parlament .Milli.IIIIMII Danzig, 16. Juni, (2. T. A.) 1 In sehr erregter Stimmung beriet das Danziger Parlament über Maßnahmen zur Rettung der Stadt vor dem Ruin. Dabei protestierten Katholiken und Sozialisten gegen antijüdische Propaganda und Verfolgung und gegen das Beschmieren von Fenstern und Türen jüdischer Häuser mit judenhetzertechen Aufschrift ten. Sie erklärten, die Danziger Juden seien gute Bürger und die Aus« Iandsjuden seien die besten Kunden Danzigs. Vor Auflösung der Bne Brith in der Türkei? Istanbul, 14. Juni. (2. T. A.) Dor Kongreß der regierenden Volkspartd nahm eine Resolution an, in der die Auflösung aller jener Organisationen gefordert wird, die kein türkisch-national es Ziel verfolgen und mit Schwestervereinen im Auslande verbunden sind. Dio Zeitungen führen aus, daß dio Resolution sich hauptsächlich gegen die Freimaurer und dio Bu@ Brith richtet, und teilen mit, daß demnächst ein entsprechender Gesetzentwurf in dio Kammer eingebracht werden wird. Die Polizei in Istanbul hat einen Ilebrüisch-Lohrer namens Isaac verhaftet, der bei der Erteilung von Hobrälsch-Untorrloht an 17 Schüler betroffen wurde. Er wird sich deswegen vor dom Stadtrichtor zu verantworten haben. Wir kämpfen um euere Gleichberechtigung! IHR WÄHLET: Liste des Weltverbendes der Allgemeinen Zionisten: Dr. Gränbeum - Sophie Löwenherz - Dr. Frey