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Die Stimme · 1935-06-18 · Heft 458 (18.6.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 458 (18.6.1935)
Date
1935-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 459. - 18. Juni 1985 Oll STIMM« Seite 3 Der Bericht der Palästina-Regierung an die Mandatskommission! Das Jüdische Nationalheim wächst Im abgelaufenen Berichtejahre wurden 42.3o9 Juden als Einwanderer registriert, davon 10.882 Arbeiter und Arbeiterinnen und 5124 Angehörige der Kapitalistenkategorie mit einem Eigenvermögen von 1000 Pfund und mehr. Zur Erleichterung jüdischer Einwanderung wurden während des Jahres folgende Maßnahmen getroffen: a) Vorkehrungen für die Zulassung von Handwerkern mit einem Eigenkapital von je 250 Pfund; b) besondere Maßnahmen zur Erleichterung der Zulassung jüdischer Auswanderer aus Deutschland, c) Einführung einer Quote für die Zulassung älterer Angehöriger auf Grund kollektiver Garantie von Dorfgemeinden und landwirtschaftlichen Arbeitergruppen im Ausmaß von höchstens 20% der Zahl der arbeitenden Mitglieder. Die für die Durchführung von Naturalisierungen erforderliche Frißt wurde von 18 Monaten auf zwei bis drei Monate verkürzt, die Zahl der abgegebenen Zertifikate ist von 100 auf 400 monatlich gestiegen. Im abgelaufenen Jahr, heißt es in dem Bericht weiter, wurden durch Juden von Nichtjuden 62.114 Dunam Boden zum Preise von insgesamt 1,647.837 Pfund gekauft. Es ist bemerkenswert, daß die jüdiechen Bodenkäufe sich nunmehr auch auf den Süden Palästinas ausgedehnt haben. E;r wirtschaftliche Aufschwung des Landes Die optimististen Erwartungen bezüglich der Einkünfte im Jahre 1934 wurden durch die Tatsachen noch übertroffen. Nach revidierter Schätzung betragen die Einkünfte der Administration im der Finanzperiode vom I. April 1934 biß zum 81. März 1935 5,350.000 Pfund gegenüber einem ursprünglichen Voranschlag von 3,482.655 Pfund. Am stärksten ist die Erhöhung der Einkünfte bei den Zöllen, Hafen- und Schiffs gebühren, aber auch die Autolizenzen, Werko- und Zehentsteuern haben, obwohl bei den letzteren wesentliche Nachlässe gewährt wurden, die veranschlagten Beträge überschritten; bedeutende Erhöhungen zeigten auch die Einkünfte aus Stempelgebühren, Streichhölzer- und Tabaksteuern, Genichtsgebühren und Gebühren für die Registrierung von Gesellschaften sowie für die Registrierung von Einwanderern. Die größte Einzelerhöhung zeigten die Einkünfte aus Grundstücksregistrierungen. Bei der Aufstellung der Schätzung der Einkünfte für 1934/35 schien es zweifelhaft, ob die damals herrschende lebhafte Geschäftstätigkeit weiter anhalten würde. Es waren Anzeichen dafür vorhanden, daß einzelne der abnormalen Einflüsse auf die Höhe der Einnahmen sich abschwächen würden; so z. B. zeigten Grundstück- und Hämserpreise in den Städten sowie die Bodenpreise in ländlichen Gebieten eine fallende Tendenz, auch gab es einen leichten Rückschlag in der Kapitalzufuhr aus dem Ausland. In Wirklichkeit wurden die Rekorde des Jahres 1933/34 im Jahre 1934/35 noch weiter überschritten. Der Gesamtwert der Einfuhr stieg von II, 268.795 Pfund im Jahre 1933 apf etwa 15,420.000 Pfund im Jahre 1934, der der Ausfuhr von 8,435.495 auf etwa 4,420.000 Pfund. Etwa 156.000 Dunam Boden im Werte von 8,378.000 Pfund wurden im Jahre 1934 verkauft gegenüber 149.899 Dunam im Werte von 5,266.092 Pfund im Jahre 1933; rund 6,000.000 Pfund wurden im Häuserbau investiert gegenüber 5,600.000 Pfund im vorangegangenen Jahr; die Vergrößerung der Zitruspflanzungen betraf rund 50.000 Dunam gegen 44.000 Dunam im Jahre 1933. 227 neue Gesellschaften mit einem Kapital von 2,180.000 Pfund wurden eingetragen (1933: 89 Gesellschaften mit einem eingetragenen Kapital von 540.000 Pfund), 85 Gesellschaften erhöhten ihr Kapital von 1,737.000 auf 4,141.000 Pfund. Die Einlagen bei den führenden Banken betrugen am 30. November 1934 ungefähr 14,000.000 Pfund, da« heißt um 1,700.000 In London wurde soeben der Bericht der englischen Mandatarmacht an den Völkerbund über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1934 veröffentlicht. Der Bericht, der ein umfassendes Bild von der Entwicklung des jüdischen Nationalheims vermittelt, bedeutet eine große Anerkennung für die grandiosen jüdischen Leitungen in Palästina. Dies ist um so bemerkenswerter, als in dem Bericht gleichzeitig die großen Hemmnisse und Schwierigkeiten, die auf Schritt und Tritt der jüdischen Arbeit in Palästina in den Weg gelegt werden, mit einer geradezu bewunderswerten Offenheit klargelegt werden. Da sind es die Maßnahmen zur Verhinderung der illegalen Einwanderung, die von der englischen Regierung ohne weiters zugegeben werden, Kämpfe um die jüdische Arbeit und viele andere Schwierigkeiten, die alle das vollbrachte Werk und die Leistung um so höher erscheinen lassen. Der Bericht weist mit einigem Stolz auf die außergewöhnlich hohen Überschüsse im Budget der Palästinaadministration hin, die nicht zuletzt durch das Einströmen großer jüdischer Kapitalien erzielt werden. Ihre optimistischen Erwartungen bezüglich der Einkünfte im Jahre 1934 wurden durch die Tatsachen tibertroffen. In dem Bericht wird ferner festgestellt, daß der Zustrom von Menschen und Kapital nach Palästina anhält, neue Industrien dort errichtet werden, der Zitrusbau ausgebaut wird, neue Siedlungen entstehen und die Städte durch den Bau immer neuer Vorstädte erweitert werden. Das Gefühl der Sicherheit und die wirtschaftliche Prosperität bei der jüdischen Bevölkerung hat sich in einer bemerkenswerten Verstärkung ihrer Aktivität und der allgemeinen Erweiterung ihres Einflusses kundgetan. Pfund mehr als am rund doppelt soviel wie 31. März vor einem 1934 und Jahr. Die Kiediiwürdigkeit des Landes — beweis lür Stabilität der Wirtsdiah Ein deutlicher Beweis dafür, welches Vertrauen maßgebende Kreise in die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas und die Aussichten seiner finanziellen Stabilität setzen — so wird in dem Bericht ausgeführt —/stellt der E rfolg neuer K a p i t al e m i s s i o n e n palästinensischer Gesellschaften und der Auflage von Anleihen für palästinensische Institutionen dar. Der Bericht erwähnt in diesem Zusammenhang die Anleihe der Stadt Tel-Aviv bed der Prudential-Versicherungsgesellschaft in der Höhe von 350.000 Pfund (wurde inzwischen auf eine Million Pfund erhöht)* die 500.000-Pfund-Anleihe der Jewish Agency bei der Lloyds Bank und die Ausgabe neuer Aktien der Palestine Electric Corporation im Betrage von 600.000 und der Palestine Potash Ltd. im Betrage von 350.000 Pfund. Diese Anleihen, so wird in dem Bericht betont, wurden langfrißtig gewährt, w..s darauf hindeutet, daß die finanzielle Zukunft Palästinas als gesichert angesehen wird; der Zinsfuß ist außerordentlich niedrig festgesetzt; dies beweist, welch hohes Vertrauen man dem Land entgegenbringt. Der Bericht geht sodann zur Besprechung der industriellen Entwicklung über, von der gesagt wird, daß sie wesentliche Fortschritte gemacht habe. Die einheimische Warenerzeugung sei um fast 10% gestiegen und stelle einen Wert von 6% Millionen Pfund dar. Ein weiteres Zeichen der lebhaften Bautätigkeit ist die Tatsache, daß die Menge des importierten Zements sich vervielfacht hat, obwohl die gesamte erhöhte einheimische Erzeugung von Zement vom palästinensischen Mankt aufgenommen wurde. Im Interesse der einheimischen Industrie wurde der Einfuhrzoll auf eine Reihe von Artikeln im letzten Jahr aufgehoben und die Schutzzölle für landwirtschaftliche Produkte und Fertigwaren wurden in einer Reihe von Fällen erhöht. Politische Spannung Oie innerarabischen Auseinander• Setzungen Der Bericht weist sodann darauf hin, daß die Vorbedingungen für politische Unruhen in Palästina, wie sie in früheren Berichten dargestellt wurden, auch im Jahre 1934 nicht fehlten. Der arabische Nationalismus sei stark akzentuiert und die in der Presse wiedergegebenen öffentlichen und privaten Äußerungen arabischer Führer deuteten die allgemeine Stimmung der politisch interessierten Araber an. Allgemein werde behauptet, daß die Regierung dadurch, daß sie jüdische Einwanderung zuläßt und den Ankauf von Grund und Boden durch Juden gestatte«, auf die wirtschaftliche Vernichtung der irakischen Bevölkerung hlnaibeite. Im Jänner ‘seien in den wichtigsten Städten unter Einhaltung gewisser von der Regierung vorgeschriebener Grenzen arabische Straßenkundgebungen gegen die Regierungspolitik veranstaltet worden. Die für die Abhaltung dieser Kundgebungen erlassenen Vorschriften wurden streng eingehalten, so daß die Aufmärsche ruhig verliefen. Es werden sodann die von der arabischen Jugend zur Bewachung der Küste zwecks Verhinderung der Landung illegaler Einwanderung gebildeten Patrouillen erwähnt. Diese Patrouillen wurden aufgelöst, wobei bekannt gemacht wurde, daß besondere Maßnahmen zur V’erhinderung illegaler Einwanderung nach Palästina getroffen wurden, daß aber von privater Seite unternommene Versuche für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu sorgen nicht geduldet werden würden. Die Gegensätze zwischen den arabischen Führern, im wesentlichen eine Folge von Familienrivalität, hätten eine besondere Rolle während der Stadtratswahlen in Jerusalem gespielt. Die innerjüdisdie Lage Die Spannung zwischen Histadruth und Revisionisten. — Kamp! um jüdische Arbeit in jüdischen Unternehmungen und arabische Gegenmaßnahmen. Die Spannung zwischen jüdischer Arbeiterschaft und Revisionisten sei, so wird in dem Bericht weiter ausgeführt, dadurch verschärft worden, daß die Revisionisten den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt durch Unterbietung des gewerkschaftlich festgelegten Arbeitstarifs aufgenommen hätten. Daß die Vereinigung der jüdischen Landwirte bei der Einstellung von Arbeitern eine Bevorzugung der Revisionisten erkennen ließen, ändere die Lage nicht, da die Gewerkschaft entschlossen ist, das wichtige Arbeitsfeld in den Orangenpflanzungen nicht gewerkschaftlich unorganisierten Juden oder Arabern zu überlassen. Die Gewerkschaftsmitglieder hätten ihren Kampf bis zu Überfällen auf Revisionisten und Störung ihrer Versammlungen getrieben; Schlägereien in den Straßen von Tel-Aviv seien keine Seltenheit gewesen und einmal habe eine organisierte Menge von 1500 Arbeitern eine revisionistische Versammlung in Haifa gesprengt und die Teilnehmer mit Steinen beworfen. Der Bericht bemerkt weiter, daß die jüdische Arbeiterschaft vor Gewaltanwendung bei der Fernhaltung arabischer Arbeiter von jüdischen Unternehmungen, besonders bei Bauarbeiten in den Städten nicht zurüekschreckt. Trotz einer Verordnung, die friedliches Postenstehen in Streikfällen verbietet, die sich aus der Verwendung von Arbeitern bestimmter Rasse, Religion oder Sprache ergeben, hätten Gewerkschaftsmitglieder in organisierten Gruppen Betriebe bewacht, in denen Araber von oder für Juden beschäftigt wurden. Dieses systematische Postenstehen habe wiederholt zu Gewalttätigkeiten und zur Verhaftung und Verurteilung jüdischer Posten geführt. Nach diesem Beispiel hätten um das Jahresende Araber begonnen, eine ähnliche Taktik zu befolgen, um nichtjüdische Arbeitgeber zu veranlassen, gelernte jüdische Arbeiter aus den Betrieben zu entfernen. Trotz aller dieser möglichen Anlässe für Ruhestörungen wurden die öffentliche Ruhe und Ordnung im Jahre 1934 nicht ernstlich gefährdet. Der Kampf gegen die Illegalen Der Bericht der Palästinaregierung stellt fest, daß die illegale Einwanderung nicht auf Juden beschränkt blieb; es habe unter den illegalen Einwanderern auch viele Hauran'ier gegeben. Von diesen sei eine g/oße Zahl an der Grenze aufgegriffen und deportiert worden. Wegen Verletzung der Einwanderungsvorscbriften seien im letzten Jahr 2407 Personen, davon 722 Juden deportiert worden. Das Einsclimuggeln von Einwanderern nach Palästina sei auf verschiedenen Wegen erfolgt. Die Mehrzahl der illegalen Einwanderer sei über die Nord- und Nordostgrenze gekommen, wo sich hauptsächlich aus Arabern bestehende Grenzbanden mit diesem illegalen, aber einträglichen Geschäft befassen. Außerdem hätten Segelboote aus Syrien und Ägypten an einsamen Stellen der Küste illegale Einwanderer an Land gebracht; von Stützpunkten auf griechischen Inseln aus hätten eigene Dampfer an der Beförderung illegaler Einwanderer teilgenommen. Zum Schluß wird Klage darüber geführt, daß die Kontrolle der illegalen Einwanderung infolge der Weigerung der Öffentlichkeit, in dieser Frage mit den Behörden zusammenzuanbeiten, erschwert wurde. Es sei der Polizei unmöglich gewesen, vom Publikum Informationen über die Einschmuggelung und den Aufenthalt illegaler Einwanderer zu erhalten. Der österreichische Handelsminister über Palästina Der österreichische Handelsminister Stockinger erörterte in Paris, wo er sich zwecks Eröffnung des österreichischen Pavillons auf der Pariser Messe aufhielt, mit dem Generalsekretär der Wirtschattssektion bei der Revisionistischen Exekutive Z. H. Wachsman eine Reihe palästinensischer Wirtschaftsfragen. Der Minister, der vor kurzem eine Palästinareise unternommen hat, äußerte sich im günstigen Sinne über die Aussichten der Wirtschaftseutwicklung Palästinas, das er als den unentbehrlichen Mittler zwischen Orient und Okzident in naher Zukunft bezeichnet«. Anläßlich der Pariser Messe hielt sieh auch der Leiter des österreichischen Verkehrsbureaus, Präsident Strafella, in Paris auf. Mit ihm besprach Herr Wachsman das Problem der Beförderung jüdischer Palästinaauswanderer durch Österreich sowie des Durchzuges jüdischer Aus- und Rückwanderer auf dem Wege in die Länder West- und Osteuropas. 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