Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 458 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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OIE STIMME Seit© 5 r TTt. '458. — 18. Juni 1905 Der Tod Srhmarjahu Levins London, 14. Juni; Im Zentralbüro der Zionistischen Weltorganisation in London wurde eino Trauerkundgebung für Dr. Sehmarja L c v i n abgehalten. Präsident Nahium S o k o 1 o w führte unter anderem aus: Trauer um Sehmarja Levin ist wirklich national« Trauer. Sehmarja Levin wurde von allen geliebt, er war ein Mann des Volkes, der in sich alle guten Eigenschaften des Volkes vereinigte und auf seine eigene charakteristische Weise interpretierte. Wie kein anderer besaß er die Fähigkeit, dem Fühlen der jüdischen Masse Ausdruck zu geben. Als er schon den Keim der Todeskrankheit in sich trug, reiste er durch die ganze Welt, um für den Zionismus zu werben. Sein Verlust ist fast unersetzbar, ein Trost bleibt, daß dieses Leben in Palästina erlosch und daß er, der nie ein „weinender Jude“ war, schallensfreudige jüdische Menschen sah. Die ganze jüdische Welt trauert um ihn, unseren geliebtesten Führer, im Geiste und, was mehr ist, im Herzen. Dr. Chaim Weizmann sagte: Für mich, der ich mehr als 40 Jahre eng mit Sehmarja Levin verbunden war, bedeutet, jetzt zu sprechen, einen fast physischen Schmerz. Sehmarja Levin war ein Meister des Wortes und der Feder. Alles, was er sagte, war in Feuer geschmiedet und mit Glauben getränkt. Er ließ es nicht zu, daß die Bewegung von dem, was er als wahr erkannt, abwich. Er war bereit, Leben und Gesundheit, ja auch seine Popularität, im Kampf gegen die dunklen Mächte, die die Bewegung bedrohen könnten, einzusetzen Zwei Menschen gab es im Jischuw, deren Stimme über Staub und Lärm hinweg stet gehört wurde: Bialik und Sehmarja Le ,vin. Es iist mehr als eine Tragödie, daß diese beiden nun von uns gegangen sind In dieser Zeit der Prüfung für die Juden in Europa und Palästina werden wir sie schmerzlich vermissen. Er war ein Tröster, die Menschen pilgerten zu ihm, um sich Rat zu holen. Er war Lehrer und Raw im besten Sinne des Wortes. Er glaubte an seine Mission, glaubte an die Juden. Wir werden ihn nicht ersetzen können; den Stoff, aus dem solche Menschen gebildet werden, gibt es nicht mehr. Ich hoffe, daß Palästina einen neuen Typ dos Juden her- ,Vorbringen wird; dieser Typ ist dahingescliwunden. Er war der letzto einer Gruppe, deren jüngster ich bin; alle anderen sind tot. Mögo es Jüngeren gegönnt sein, die Aufgabe mit Ehre und Würde weiterzuführen und das Opfer zu bringen. Berl Locker sagte, er spreche im Namen einer Generation, dio in Relation zu Sehmarja Levin die jüngere genannt wird. Er lehrte uns, daß es unsere Aufgabe nicht sei, die Brücken zwischen Alt und Neu abzubrechen, sondern daß es gelte, die alten Werte in die neue Welt herüberzuleiten. Die heutige Jugend in Palästina ehrt die altem Bannerträger der Bewegung, einige aber liebt sie auch: sie liebt Bialik, sie liebt Sehmarja Levin. Er war der Wächter der Bewegung. Trauer unter den amerikanischen Zionisten New York, 12. Juni. (2. T. Ä.) Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation Amerikas blieb am Montag, den 10. Juni, zum Zeichen der Trauer um das Ablehen Dr. Schmarjahu Levins geschlossen. Sämtliche jüdische Zeitungen Amerikas iwürdigen Levin als dem großen Pionier des Zionismus, der insbesondere zu dem Aufblühen des Zionismus in Amerika sehr viel beigetragen hat. Auch die „New York Times“, die größte amerikanische Tageszeitung, bringt einen Artikel übor Doktor Schmarjahu Levins Wirken für Judentum und Zionismus. Die Mitglieder der Leitung der Zionistischen Organisation Amerikas, der Frauenorganisation lladassah und des Jüdischen Nationalfonda hielten eine gemeinsamo T r a u e r s i t z u n g ab. Auch dio Exekutive des Ordens Bnei Ziom hielt eine Trauersitzung ab. Viele Zionisten und zionistische Ortsgruppen in ganz Amerika sandton Trauerbotschaften an die Z. 0. A. Nervenkrankheiten. Nach Erfahrungen berühmter Nervenärzte ist der Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef^-Bitterwnssers auch hei Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks auf angelegentlichste zai empfehlen, £in neuen. Die bisherigen Aufführungen fanden ungeteilten Beifall von Presse und Publikum WELTURAUFFÜHRUNG «d,s.* -j - k r u Q £ r .«| |s| o Wegen des außergewöhnlichen Erfolges bis nächsten Montag prolongiert! KARTEN an der Kasse des Kruger-Kinos, in der Buchhandlung R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, in der Buchhandlung A. Mejstrik, I., Wollzeile 6-8, in der Bücherstube M. Rath und in der jüdischen Kunststelle, II., Aspernbrückengasse 2 Eine Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden Österreichs Auf einer in Wien abgehalteüen Tagung f ihrer Selbständigkeit in religiöser Beder Delegierten der Israelitischen Kultusgemeinde Österreichs wurde die Gründung einer Arbcitsgö m einscliaft der jüdischen Gemeinden ö s. t e rr e i c h s beschlossen. Die Tagung nahm einmütig die folgende Resolution an: Die Delegierten der Israelitischen Kultusgenieinden des Bundesstaates Österreich als Proponenten des Gemeindobundes „Verband der israelitischen Kull-usgemeinden im Bundesstaate Österreich", haben bei der am 10. Juni 1935 in Wien stattgefundenen Tagung nachstehende B e s c h 1 ü s e o gefaßt: 1. Die Delegicrfcentagrillig hält im Hinblick auf die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer autoritativen Gesamt-organisation der Juden Österreichs daran fest, daß der von ihr vorgeschlagene Genicindebiind ehestens geschaffen werde. Sin beauftragt die Israelitische Kultusgemeindo Wien, weiterhin alle jene Schritte zu unternehmen, die zur Herbeiführung des angestrebten 'Zieles erforderlich und zweckdienlich sind. Die Tagung gibt neuerlich ihrer Überzeugung Ausdruck, daß nach dem gegenwärtigen Rechtszustaud der Bildung des Gemeindebundes ein gesetzliches Hindernis nicht im Wege stellt. 2. Die Delegiertentagung beschließt, bis zur Konstituierung des Gemeindebundes die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Kultnsgemehideu des Bundesstaates Österreich zur Vertretung der gemeinsamen Interessen sowie zur Behandlung und Durchführung dor gemeinsamen Angelegenheiten der der Arbeitsgemeinschaft, angeboren den Gemeinden. Denjenigen Gemeinden, welche dieser Arbeitsgemeinschaft derzeit nicht angehören, wird dor Beitritt offengehalteu. Durch dio Gründung der Arbeitsgemeinschaft soll die angestrebte Schaffung des „Verbandes der israelitischen Kultusgenieinden im Bundesstaate Österreich“ nicht tangiert und der gesetzliche Wirkungskreis der einzelnen Gemeinden in Ansehung ihrer besonderen, daher nicht gemeinsamen Angelegenheiten nicht berührt werden; insbesondere bleibt jeJe der Arbeitsgeineindo beigetretene Kiultusgenieiiide im Besitz ziehunig. Die Arbeitsgemeinschaft bestellt eine ständige Delegation als ihre Exekutive, die aus elf Mitgliedern und ebenso vielen Ersatzmännern gebildet wird, und zwar: den drei Mitgliedern des Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, dem Oberrabbiner der Wiener Knltusgemeinde, zwei vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinden von Steiermark, einem Delegierzwei Delegierten von Nie derbster reich und Burgenland, einem Delegierten der Kultusgemeinden von tSeiermark, einem Delogierten der Kultusgemeinden von Oberüsterreich und einem Delegierten der Kiiltusgemeinden von Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Kärnten zusammen. Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und der ständigen Delegation fungiert der jeweilige Präsident der Israelitischen Kultusgemeindo Wien, beziehungsweise der von ihm namhaft zu machende Stellvertreter. Die Wiener Israelitische Knltusgemeinde wird ermächtigt, von der Gründung der Arbeitsgemeinschaft dem Bundesministerium für Unterricht Kenntnis zu gehen. Der Palästina-Ton film um eine weitere Woche prolongiert Wegen des außergewöhnlichen Erfolges des Palästiuatonfilms „Segen der Arbeit“ („Awodah“) wurden die Aufführungen des Films um oino weitere Wocho bis inklusive Montag, den 24., im Krüger-Kino prolongiert. Mit Rücksicht auf den großeu Andrang empfiehlt es sich, Kartenbestellungen telephonisch (R 22-4-57) vornehmen zu lassen. WIZO Dio unseres Vereines hat ihren Sitz vom Volksgarten ins CAFl „COILONÄDiN“ Rathausplatz 4, unt. Leitung dor Damen Goldhammer und l’erger verlegt. Wir bitten unsere Mitglieder um häufigen besuch Die Maimonidesfeier des zionistischen Landesverbandes Im bis aufs letzte Plätzchen dicht gefüllten Liistspielthoater fand Samstag abends die vom Zionistischen Landesverband und von der Zionistischen Bezirkssektion und Wizo Prater veranstaltete Maimonidesfeier statt, die einen überaus hübschen und würdigen Verlauf nahm. Die Feier wurde mit einer Ansprache des Herrn Dr. N. Frey eröffnet, die Festrede hielt Herr Dr. David Rot hb 1 u in. Der Vizepräsident der Kultusgomeiude, Herr Dr. Josef Löwenherz, konnte folgende Gäste begrüßen: Den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister der Spanischen Republik Exzellenz E. Garcia Comin und die Herren der Gesandtschaft, für die österreichische Bundesregierung den Ministerialrat Dr. F o h r, Konsul Gottes mann, den Vizepräsidenten des Zionistischen Landeskomiteos Dr. Berger, den Präsidenten der Union Espagnola Heskia, als Vertreter des Verbandes türkischer Juden in Wien den Ehrenpräsidenten Galimir und Präsidenten Ciprut; die Vertreter des Bundes jüdischer Frontsoldaten, jüdisch-legitimistisolior Frontkämpfer, die Vertreterinnen der ..WIZO“ und die sämtlicher zionistischen Sektionen sowie jüdischer Organisationen. Wiens. In der reichen Präsenzliste sah man außer den bereits Genannten, Frau Präsidentin Dr. Eily F r i e d m a n n, die Präsidentin der österreichischen „WIZO“ Frau Dr. Sophie Löwenherz, Frau Präsidentin Dr. Else G r ü n b a u m, Frau Dr. Malvine Frey, Univ.-Prof. Dr. Brau n, Univ.-Prof. Dr. K ön i g s t c i n, Prim. Dr. Blau, Prim. Dr. B or a k, Dozent Dr. E i s i n g e r, Generalstabsarzt Dr. R a s c h k e s u. v. a. Der künstlerische Teil des Abends wurde von einer Reihe hervorragender Künstler bestritten. In erster Linie ragten hervor Joseph Sch m i d t und die Pianistin Sarra S t u kk a r t, ferner Fritzi M e r 1 e y, Doktor Morgens t-ern-Haftl, Heinrich II a f 11, die alle mit ihren Darbietungen stürmischen Beifall ernteten. Wir kommen auf den Abend noch zurück, Begrüßung durch den spanischen Gesandten Im Namen des spanischen Gesandten verlas Herr Dr. Dawid Riisso dio folgende Erklärung: „Im Aufträge Sr. Exzellenz des Herrn außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers der Spanischen Republik entbiete ich namens der spanischen Regierung Ihnen und dem Zionistischen Landesverbandes für Österreich die herzlichsten Grüße. Es ehrt nicht nur Sie, sondern auch die spanische Nation, den großen Philosophen, den erhabenen Denker und Träger des kulturellen Lichtes, Mosche ben Maim o n zu feiern. Seine ethische Leistung zu den Weltproblemen und seine tiefreligiös aufgebaute Philosophie ist eine Plattform, auf der sich die rechtdenkenden Menschen ohne Unterschied von Nation und Konfession finden können. Mögen die von ihm geschaffenen Ewigkeitswerte nicht nur durch Verständigung von Volk zu Volk, sondern auch zur Achtung und Liebe der Menschheit untereinander im Geiste seiner Lehre führen.“ Pension Eckstein - Semmering Scheißet* iibec HkUftnutides Anläßlich des SU0. Geburtstages des jüdischen Religionsphilosophen und Arztes Muses M u i m o n i d e s hat die Akademie von Cordoba, der Heimat des Gelehrten, außer offiziellen Feierlichkeiten auch einen Maiinonhlcs-Wcttbeiccrb veranstaltet, an dem sich Forscher aus der ganzen Welt beteiligen. Unter den preisgekrönten Arbeiten der Maimonides-Biographie befinden sich auch unter andern Arbeiten von Professor Doktor Max Gruiucald und Dr, Georg Sachs (Madrid). Professor Dr. G runw a l d, der in Baden bei Wien lebt, ist als Geschichtsforscher and Schriftsteller sehr bekannt und beschäftigt sich seit vielen Jahren namentlich mit der Geschichte der Juden in Spanien.