Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 458 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2, DIB STIMM! NV. '458. r* iS. Jun! 1935 der der "betreffenden Mädchen, wa? ..zur Vernichtung und Verschandelung wertvoller unersetzlicher deutsch-österreichischer Ju gejjd“ führt. Riehl sagt „Verschandelung“. fiitk'T sagt: Juden schänden planmäßig blonde- „arische Mädchen. Wir haben sicher für;3itli;chkeit «Verbrecher und Mischehen nichts i’tbvig. aber wir meinen, daß von dieser ^tfhveib weise bis zu den ekelhaften, in der Radiation des „Stürmer“ fabrizierten Inserate aus der Sexualsphüre nur mehr ein kleiner Schrittist-. Die Sonderstellung des Herrn Dr. Riehl für die Ausübung der 3fet-hoden des Dritten Reiches in der Judenfrage geht aber kraß aus dem Leitartikel „Angst macht J u d cd k op f 1 os“ hervor. Gleich eingangs wird behauptet, daß der Übermut der Juden ..den bedrückten Arier bis zum Weißgliilien reizt“, und daß die Juden daran schuld sind, daß Herr Habicht von Hitler gnädig empfangen worden sei. Das ist. nach Dr. Riehl, ein „E rf o 1 g der jüdischen Hetz e“. Mit einem Wort, an einem eventuellen Aufflackem der Terrorakte sarnd die Juden schuld. Weiter behauptet Riehl: „Schwarzgrüner Radikalismus auch gegen unsere g e m ä ß i g t e Richtung ist Wasser auf die Mühle des Habicht", und *,die radikalen Juden bei uns sind die wahren Schrittmacher des Habisch-Kurses!" Wir Juden, bekanntlich die Sündenböcke für alles, sind nun plötzlich auch am Nationalsozialismus des Herrn Habicht und seiner Terroristen schuld. Herr Dr. Riehl spricht von seiner „ge mäßigten Richtung". Damit empfiehlt er sich mm Überdruß wieder einmal der Österreichischen Regierung und will die außenpolitische Situation ausnützen, die seit der zwischen Italien und England eingetretenen Spannung und seit den zwischen Rom und Berlin erfolgten Fühlungnahme einigermaßen undurchsichtig ist. Herr Dr. Riehl steht jedenfalls parat und offeriert einen .gemäßigten“ und „österreichischen“ Nationalsozialismus. Wie dieser gemäßigte, österreichische Nationalsozialismus aussehen würde, davon Verklausulierungen des Artikels können nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier den Juden Österreich*? mit einem Pogrom gedroht wird. Es wird Sache der Behörden sein, Herrn Dr. Riehl klarzumachen, daß er nicht ungestraft das Ansehen Österreichs durch seine Artikel herabsetzen darf. Die wiederholt abgegebenen Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers beweisen, daß Herr Dr. Riehl am Holzweg ist, wenn er behauptet, „daß die in Österreich geborene, vom Habicht-Kurs befreite nationalsozialistische Bewegung sehr wohl mit österreichischer Staatstreue vereinbar ist.“ Nationalsozialismus ist I m p o r t w a fl« und w i d e r s p r-i c h t dem ö s t e r r e ie h i s o h e n Wese n. Es wird Sache der Regierung sein, das Herrn Dr. Riehl klarzumachen. Österreich braucht den Frieden und die Z u s a m m e n a rbeitaller seiner Bürger, aber keine Kopie von Streichers „S t ii r m e r“. Der Kongreß der Völkerbundligen in Brüssel Spezialbericht der „Stimme“ bekommt man einen Vorgeschmack, wenn (anan folgendes liest: ..Nun aber ein ernstes Wort an die Juden: wir wollen schon im Interesse unseres eigenen Volkes, dem wir Bürgerkrieg und fremde Okkupation trotz unüberwindlich scheinender Hindernisse ersparen wollen, jede Ge- . w a 11 s am k e i t, also auch Exzesse gegen Juden, fernhalten. Die Regelung der Judenfrage ßoll sieh auf gesetzlichem Boden abspielcn. Der „Telegraf“ und alle anderen jüdischen Hetzer gegen uusere völkisch-christliche Versöhnungsaktion belasten ihr jüdisches Volk mit dem Odium der Bruunenvergiftung. Ob es nun durch diese Hetze und . Behinderung unserer schweren Arbeit einmal zu gewaltsamen Austragungen oder aber zu einer friedlichen Einigung kommt — auf jeden Fall wird sich unser Volk an die Nutznießer und schadenfrohen Hetzer in dieser bö-en Konfliktzeit erinnern! Wäre nicht Zurückhaltung und im Gegenteil ein Eintreten für Frieden in Österreich mehr ira jüdischen Interesse? Haben die jüdischen Journalisten und Politiker keine Ahnung, welche Gefühle heute 90 Prozent der Bevölkerung. und zwar auch Klerikale und vor allem fastalle ehemaligen Sozialdemokraten gegen das Judentum hegen? Wollen sie wirklich Blitzableiter Dein? Wir mahnen ernstlich zur Einkehr — die bittere Reue könnte dann zu spät kommen!“ Herr Dr. Riehl wünscht also Exzesse seiner Parteigenossen von den Juden fernzuhaiten und droht ihnen iin gleichen Atemzug. „Der Telegraf“ geht uns nichts an, wohl aber Dr. Riehls Drohungen mit „gewaltsamen Austragungen“ und, was bei Nationalsozialisten gleichbedeutend ist, mit einer „Regelung der Judenfrage auf gesetzlichem Boden“. Da« heißt im Dritten Reich: Diffamierung, Austreibung oder Konzentrationslager, oder wie Herr Doktor Riehl sagt: „Juden als Blitzableiter“. Wenn schon Herr Dr. Riehl nicht darüber nachgedacht haben sollte, welche strafgesetzliche Tatbestände sein Artikel enthält. dann ist, es unseres Erachtens Pflicht des Staatsanwaltes und der Regierung, Herrn Dr. Riehl den Standpunkt klarzumachen und die bestehenden Gesetze gegen ihn anzuwenden. Die wenig geschickten Der diesjährige Kongreß der Völkerbundligen, der soeben seine Jahreskonferenzen in Brüssel abhielt., stand kn Zeichen der von der Paktstinadelegal Aon oingebrachten Resolution, die, von Dr. Benzion Mossiusohn (Tel-Aviv) vertreten, eich gegen die deutschen Judendrang's.alieruiigen wandte. Der Verhandlung dieser Resolution gingen krampfhafte Versuche der deutschen Delegierten voran, die sich mit allen Kräften bemühten, noch vor Beginn der Verhandlungen in vertrau tan Besprechunge n und in der Minorität enkommission die Absetzung dieser Resolution zu erzwingen. Der Sprecher der deutschen Delegation, Dr. K i t c li h o f, bemühte sich des Langen und Breiten auseimanderzusetzen, daß die Lage der Juden in Deutschland sich gebessert habe, allein hier stieß er auf den heftigen Widerspruch des Vorsitzenden der Völkerbundligen, des Viscount C e c i 1 of Ghelwood und anderer Delegierter, die darauf hinwiesen, daß die Lage der deutschen Juden nach wie vor eine sehr sohwie rige ist und das durch eie bedingte Flüchtlings elend sie zu einer internationalen Frage macht, mit der sich ein intematio nalee Forum, wie es der Kongreß eines ist, beschäftigen müsse. Nachdem auch die anderen Delegierten, so der italienische und französische, sich für die Behandlung der Palästinairesolution ausgesprochen hätten, sah der deutsche Delegierte seine Sache für verloren an und erklärte die Niohtteilnahme seiner Delegation an dem Kongreß. Der Kongreß lehnte den von der deutschen Delegation eingebrachten Antrag, der Weltkongreß der Völkerbundlige.n möge die von der palästinensischen Liga eingebnachte Resolution von der Tagesordnung absetzen, ab und beschloß, die palästinensische Resolution der Behandlung des Kongresses zu überg e b e n. Daraufhin verließ die deutsche Delegation den Verhandlungssaal und erklärte, an den Kongreß nicht mehr teilnehinen zu wollen. In der Minoritätenkommission des Kongresses kam hierauf die Palästinaresolution zur Behandlung. Nach einigen Vorschlägen auf gevwisse Amandements zu den einzelnen Punkten der Resolution wurde die Resolution mit einer einzigen Abänderung des Schlußsatzes der V oliv.er Sammlung des Kongresses zur Verhandlung überlassen. Die Referentin der Resolution war Mrs. D u g d a 1 e. Bei der Behandlung der Palästinareeolution vor dein P1 e n u m sprach zunächst der Vertreter der ungarischen Delegation sich gegen dio Annahme der Resolution aus, indem er darauf hhiwies, daß es nicht angehe, eine Resolution über ein Land zu schließen, dessen Vertreter nicht anwesend sind. Diesem Redner antwortete der Vertreter der Palästinadelegation Dr. Benzion Mossinsohn, der, wiewohl ihm, wie allen anderen Debatterednern bloß fünf Minuten Redezeit zur Verfügung standen, In einer überaus temperamentvollen und leidenschaftlichen Ansprache die Argumente dos ungarischen Kontriaredners zerstückelte und schließlich die wirkliche Lage der deutschen Juden schilderte, die es von einem der Völkerbundligen ist, ale moralisch erheische, diese Resolution an zu nehmen. Die Lage der deutschen Juden habe sich in den letzten zwei Jahren, seit der diesbezüglichen Annahme einer ähnlichen Deutschlandresolution auf dem Kongreß der Völkerbimdligen in Montreux nicht nur nicht gebessert, sondern furchtbar versohle c ht e r t. Dr. Mossinsohn gab in den wenigen Minuten ein packendes Bild der unglücklichen Lage der deutschen Juden und appellierte in flammenden Worten an den Kongreß, hier ein Bekenntnis zu den Prinzipien der internationalen Völkerbundligen, zur Humanität und Toleranz, abzulegeu, wozu jetzt durch die Annahme der Resolution Gelegenheit gegeben sei. Die Worte Doktor Mossineohns hatten ihre Wirkung getan. Ihre Ferienreise nach Polen-Czernowiiz mit Sammelpaß, D-Zug 2. u. 3. Klasse, am 7., 21. Juli, 11. und 26. August. Retour 4., 11. August u. 15. September mit dem Reisebüro „IRUT“ Hafer. I. Rosenkranz, I., Kartspl. 1 Telephon U 44-5-79 Von allen Seiten wurde er zu seiner blendenden Ansprache beglückwünscht. Ein Riesenapplaus brachte dies ebenfalls zum Ausdruck. Und schließlich fanden ßcino Worte im Ergebnis der folgenden Abstimmung über die Palästinarefcolution den kraftvollsten Ausdruck. Für die Resolution stimmten zehn Länderdelegationen, der ungarische Vertreter stimmte dagegen, vier Lündcrdolegatioiien enthielten sich der Stimmen, darunter sonderbarerweise auch die der tschechoslowakischen. Dr. Nahum Goldmann ausgebürgert Die deutsche Regierung gibt die Ausbürgerung Dr. Nahum Goldmanns bekannt. Dr. Nahum Goldmann, der jetzt in Paris und Genf lebt, ist Präsident des Comit£ des D61£gations Juives und des Comite für den Jüdischen Weltkongreß und hat als solcher bei den internationalen Instanzen zu Gunsten der entrechteten Juden interveniert. Er war zuletzt auch einer der Vorsitzenden des zionistischen A. G. f Herzl-Huldigung der Wiener Zionisten Massenbesuch am Döblinger Friedhof Unter außerordentlich großer Beteiligung fand Sonntag, den 16. d., der traditionelle diesjährige Gang der Wiener Zionisten zum Grab Theodor Herzig statt, war dieser Sonntagvormittag einer erhebenden Huldigung- Herzls durchmassenhaftes .Pilgern zu seinem Grabe gewidmet. Der Grabgang an dem nicht allzu heißen, sommerlichen Sonntagvormittag — dieser ernste und pietätsvolle Aufmarsch, dieses Flattern unzähliger blau-weißer Fahnen und Transparente durch das wundervolle Grün der Döblinger Auen und der von Reben umxankten Gärten, diese ernsten Gesichter vieler Tausender jüdischer Jugendlicher — bot ein überaus hübsches und imposantes Bild. Die Beteiligung war diesmal eine außergewöhnlich starke und zeigte deutlich das Wachst u m d er All g e m e i n - zionistischen Bewegung im letzten Jahre auf. Im beson-dorn war dies Anwachsen an der außergewöhnlich großen Zahl von Jugendlichen festznhalten, von denen die allgemein-zionistischen Jugendverbände hervorsüaehen. Schon Au den ersten Morgenstunden sah man in den Zufahrtsstraßen nach Döbling zahlreiche Jugendgruppeu zum Sammelpunkt ziehen. Gegen 10 Uhr setzte sicli der imposante Zug — mit Rücksicht auf das bestehende Auf mar s oliv erb o t durfto dor Zug nur in losen Gruppen autfinaraehieren — in Bewegung und erst gegen 1 Uhr nach mitt ags verließen die letzten den Gottesacker. Drei Stunden lang defilierten etwa 15.000 Zionisten in weihevoller Stille an dom Grabe ihres unvergeßlichen Führers vorbei, senkten sich vor dom Grabe zahllose Fahnen und Standarten. Dio Ehrenwache am Grabe hielten Mitglieder dor Jugendverbäude, ChaluzLm sowie Mitglieder der Haganah und Studenten. Unter den Teilnehmern sah man an der Spitze den Oberraibbiner Prof. Dr. Fe u c h t,- wang, den Vizepräsidenten der Kultusgomeindc Dr. Löwctihorz, den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Eh r 1 i c h In Vertretung des bei der Krakauer Weltkonferenz Grünbaum, den Vizepräsidenten des Lau-: deskomitees Dr. Paul Berger, den Mitarbeiter Herzls Medizinalrat Dr. Schal iL Es folgten dann die Mitglieder des Landeskomitees, die Präsidien der Fonds, die: zionistischen Kultue.v.pi'steher, die Damen der „WIZO“ mit ihrer Präsidentin Frau Sophie Löwenherz, sämtliche zionistische Bezirk&sektionen des Landesverbandes und die Sonderverbände. Der diesjährige Grabgang erhielt sein besonderes Gepräge durch die J u g e n d, deren Anblick besonders erfreulich und erhebend war. Allen voran die Allgemeinzionistischen Jugendbünde G d u d Z i r i m, Brith Herzl und Zirenu und Mirjam. Lauter stramme, sehnige Burschen und Mädels mit gebrffunten Gesichtern. Ein prächtiges, farbenfrohes Bild. Schließlich ergänzten den Zug zahlreiche Abordnungen und Deputierte aus der Provinz sowie aus dem Ausland (Adolf Hausmann für die Zionistische Exekutive Klein- Polens). Der Grabgang, vom Zionistischen Landeskomitee veranstaltet und organisiert, verlief in mustergültiger Ordnung und Ruhe. Die Polizei fand keinerlei Anlaß zum Einschreiten. Die Organisierung des Grabganges lag in den Händen des Herrn Doktor F. P i c k Ji o 1 z. Den Ordnerdienst versahen unter Leitung ihres Führers Topf die Mitglieder der „Haganah“. Der Saimariterdienst wurde von den weiblichen Mitgliedern dor „Hagamah“ versehen. der Allgemeinen Zionisten weilenden Präinternationalen Forum, wie es der Kongreß «identen de« Lande.skomitees Dr. Oskar Das Glockenspiel des kanadischen Parlaments stimmt „Hatikwak“ an Die Glocken des kanadischen Bundesparlamcntes haben am 10. Juni die Melodie der zionistischen Hymno „H a t ikwah“ zu Ehren des jüdischen Parlamentsmitgliedes Frau A. J. F reim an, die an diesem Tage ihren 50. Geburtstage gefeiert, hat, u»gestimmt. Frau Freiinan ist eine bekannte zionistische Führerin und Präsidontin der zionistischen Frauenorganisation „Hadassah“ in Kanada. 15 15 JAHRE GEREDE UM DEN JUDENSTAAT! Resultat: Zersplitterung der Zionistischen Organisation JAHRE ALLGEMEIN-ZIONISTISCHE ARBEIT Resultat; Der Zionistische Landesverband stärker als alle anderen zionistischen Organisationen Österreichs 5555555555555555555555+5555555555555555555555555