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Die Stimme · 1935-06-18 · Heft 458 (18.6.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 458 (18.6.1935)
Date
1935-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 458 | Wien, 18- Juni 1935 I Kedaktion und Administration. Wien, u, Mare-Aiiral-StraB« 0 Tel.: (J 22*3-91 .TedaktionsschluB Montan und Mittwoch »arm NACH PALÄSTINA zu den besondersverbllligtenSOMMERPREISEN I. Klasse Hin- und Rückfahrt Jetzt nur S 986.-1 DIE PALXSTINA-EILLINIE DES „LLOYD TRIESTINO“ Ist seit einem Jahrzehnt die Linie des jüdischen Einwanderers und Touristen I Touristenklasse einfache Fahrt nur . . S 246-50 Hin- und Rückfahrt nur . . . ... S 493-— alles In zwei- und vierbettigen AuBenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (4 Mahlzeiten täglich). 6 Abfahrten im Monat mitden großen Schiffen .GALILEA*, .GERUSALEMME', .PALESTINA' (je 12 500 Tonnen Deplacement* auf der direkten Palästinalinie, außerdem dichter Verkehr via Ägypten, Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Lloyd Triestino, Wien, i., Kärntnerring 6. Tel. U 47-5-60 I (17. Siwan $895) | 8. Jahrgang Zwei Monate Gefängnis für' den „amerikanischen Hitler“' New York, 14. Juni (2. T. A.) Der Führer der amerikanischen National- Konsreßder Völkerbundligen gegen Judenverfolgungen in Deutschland Spezialbericht der „Stimme“. sozialistischen Partei Raymond H e a 1 e y der sich „Der Amerikanische Hit 1 e r“ nennt, wurde zu 60 Tagen G e f ä n g n i s, verbunden mit Zwangsarbeit verurteilt. Die Verurteilung erfolgte, weil Healey judenhetzerische Plakate anbringen ließ. Strafverschärfend wirkte sein arrogantes Auftreten vor Gericht, das er mit dem Nazi-Gruß betrat. Bie Juden und die neue polnische Wahlordnung Warschau, 14. Juni. (Z. T. A.) - Der Verfassungsausschuß des polnischen Sejm befaßt sich jetzt in mehreren Sitzungen mit der heuen Wahlordnung zum Sejm, ■zu der die Führer sämtlicher Regierungs¬ und oppositionellen Parteien Stellung nehmen. Der Nationaldemokrat Wyniarski brachte zum Ausdruck, es wäre gut, f ii r die Juden eine eigene Wahlkurie einzu richten. Der Deputierte Dr. Rothenstreich vom jüdischen Klub erklärte, daß der Wahlgesetzentwurf des Regierungsblocks den Umstand nicht berücksichtige, daß in Polen 3K Dillionen Juden leben. Der jüdische parlamentarische Klub fordere eine W a h 1 r e f o r m, die die Grundsätze der Proportional wählen berücksichtige. * Jüdische Parlamentarier heim polnischen Minister- Warschau, 14. Juni. (2 T. A.) Der polnische Ministerpräsident Oberst Valery Slawek empfing zu einer einstüudigen Besprechung den Deputierten das Jüdischen Klubs Dr. Rosmarin und den früheren Deputierten Adv. Hartglas. In der Besprechung wurden die jüdische Situation bei den Wahlen und allgemeine Probleme des jüdisch-polnischen Zusammenlebens besprochen. Wichtig für Kor grell Wähler! , Schekelzahler, die außerhalb des Ortes, in dem sie in die Wählerliste eingetragen sind, ihr Wahlrecht ausüben wollen, müssen eine von der Hauptwahlkommission ausgestellte Wahllegitimation vorweisen, die sie zur Ausübung ihres Wahlrechtes an dem betreffenden Orte berechtigt. Solche Wahllegitimationen sind längstens sieben Tage vor dem Wahltage von der Hauptwahlkommission anzufordern und hat diese dem betreffenden Wahlort eine diesbezügliche Verständigung zwecks Kenntnisnahme weiterzuleiten. Diese Wahllegitimation ist nach erfolgter Stimmabgabe einzuziehen. Weiters: Jeder Wähler sehe nach, oh sein Name in der Wählerliste vorkommt. Die Wählerlisten werden in der Zeit vom 23. Juni bis 30. Juni zur Überprüfung bei der Hauptwahlkommission, I., Marc-Aurel-Straße 5, den Ortsgruppen und bei den Bezirkssektionen zur Einsichtnahme auiüegen, Wer, wenn auch versehentlich in der Wählerliste nicht vorkommt, hat kein Wahlrecht. Reklamiert daher rechtzeitig euer Wahlrecht! Der dieser Tage in Brüssel zu Ende gegangene Kongreß des Weltverbandes derVölkerbundligen hat mit den Stimmen von zehn Länderdelegationen gegen eine Stimme bei vier Stimmenthaltungen die von der Palästinaliga eingebrachte Resolution betreffend die Lage der Juden in Deutschland angenommen. In der angenommenen Resolution der Palästinaliga wird unter anderem zum Ausdruck gebracht: „Die XIX. Jahreskonferenz des Weltverbandes der Völkerbundligen erinnert an die durch die XVII. Jahreskonferenz angenommene Entschließung betreffend die Lage der Juden in Deutschland sowie an den von Lord Cecil im Namen des Weltverbandes an die deutsche Völkerbundlig'^ gerichteten Appell... bedauert, daß dieser Appell nicht die erwünschten Folgen in Form einer Verbesserung der Lage der Juden in Deutschland gezeitigt hat, stellt fest, daß im Gegenteil die seither durch die Reichsregierung getroffenen gesetzlichen und administrativen Maßnahmen gegen die jüdischen Bürger noch ganz bedeutend verstärkt wurden... sieht es als eine Pflicht der internationalen Gemeinschaft an, den Minderheiten der Rasse, Sprache und Religion in allen Ländern die Anwendung der „allgemeinen Grundsätze der Gerechtigkeit und der Freiheit“ ihnen gegenüber zu garantieren, protestiert gegen die Verfolgungen, denen die Juden in Deutsch land ausgesetzt sind und bittet den Völkerbund und sämtliche Delegationen der Völkerbundligen, auf ihre Regierungen einzuwirken, wirkungsvoll zugunsten der Juden in Deutschland zu intervenieren und entsprechende Mittel und Wege zu finden, um die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden in Deutschland wiederberzustellen und dem in dieser Hinsicht in Deutschland herrschenden, das Gewissen der ganzen zivilisierten Menschheit verletzenden Zustand ein Ende zu setzen.“ (Über den weiteren Verlauf der Tagung berichten wir im Innern des Blattes.) Das ludiscne Nationameim wachst In London wurde soeben der Bericht der englischen Mandatar» macht an den Völkerbund über die Verwaltung Palästinas und Trans» Jordaniens im Jahre 1934 veröffentlicht. Der Bericht, der ein um» lassendes Bild von der Entwicklung des Jüdischen Nationalheimes vermittelt und das Wachstum des jüdischen Palästina im letzten Jahre deutlich aufzeigt, stellt eine öffentliche große Anerkennung für die grandiosen jüdischen Leistungen in Palästina dar. (Wir veröffentlichen im Innern des Blattes die bemerkenswertesten Telle dieses Berichtes). Die 4. Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten Eigener Telephonbericht der „Stimme“ Sonntag begann in Krakau bei Anwesenheit von 52 Delegierten und 14 Gästen, die aus 18 Ländern gekommen sind, die Vierte Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten. Die 14 Gäste (Englische Federation, Zentralkomitee Warschau und „Kidmali“) haben das Stimmrecht erst dann, wenn sie ihren Beitritt erklären. Für die Exekutive ist Herr Berl Locker erschienen, der bei aller Höflichkeit mit kühler Reserviertheit empfangen wurde. Die Tagung wurde von Dr. Schwarzbart, der zuerst hebräisch, dann polnisch! -‘■••Irür unsere jLeser nur,: INeudegger Fahrschulen Wittn, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46:5 72 , und "Inxcrfdorf (Nlecier-Österreich) Äi i. Prüfungserleichterung durch :. 'vnLaüfendesAutoimLehrsaal!! und schließlich jiddisch sprach, eröffnet. Dr. Schwarzbart widmete dem Marschall P i 1S u d s k i einen Nachruf. Es wurde die Absendung eines Telegrammes an den Präsidenten der polnischen Republik beschlossen. Die Konferenz, bei der auch ein Vertreter der polnischen Regierung anwesend war, wurde durch Dr. Thon und Berl Locker begrüßt. Dann leitete Dr. Schwarzbart die Konferenz mit einem Referat über die Probleme des Allgemeinen Zionismus ein. Dr Mosslnson hielt einen Nachruf für Schemarjahu Lewin und besprach dann die Streitfragen des Allgemeinen Zionismus. Uber die Probleme des Allgemeinen Zionismus beim 19. Kongreß sprachen Dr. Schmorak und Dr. Rufeisen, über den Irgun und die Probleme der Arbeitsbeziehungen Medzini und Dr. Stupp. Wir kommen auf diese Referate noch zurück. In das Präsidium der Konferenz wurden Dr. Schwarzbart (Krakau), Dr. Schmorak (Lemberg), Dr. Moses (Berlin) und Dr. Mos«* sinson (Palästina) gewählt. Es wurde weiters gewählt Permanenzkommission, Organisationskommission für die Fragen der Reform des Statuts der Weltorganisation, Jugendkommission, Kolonisationskommission und eine Kommission für die Fragen der Arbeitsbeziehungen in Erez Israel. Natiiona.l30zLalistisc.he Betätigung und nationalsozialistische Zeitungen sind in Österreich verboten. Nur Herr Dr. Walter Riehl scheint das Privileg zu haben, in seiuem Blatt „Deutsche Arbeiterpresse“ offen nationalsozialistische Propaganda machen zu dürfen. Daß Dr. Riehl gegen Habicht loszieht, ändert nichts daran, daß sein Blatt unbehindert die Methoden des Herrn Goebbels und des Stürmer- Streicher kopiert. In der Nummer der „Deutschen Arbeiterpresse“ vom 13. SechstmoncI — zur Verständlichmachung dieses offenbar nordischen Wortes ist in Klammem das Wort Juni beigesetzt — finden wir, so gunz in der Streicher-Manier Emanationen des für den Nationalsozialismus typischen erotischen Antisemitismus. Da wird eine Lanze dafür gebrochen, daß nicht mehr jungfräuliche Mädchen das Recht verwirkt haben sollen, wegen Verführung unter nicht eingehaltener Zusage der Ehe zu klagen. Der wahre Zweck des Artikels wird aber im. letzten Absatz enthüllt. So bedingungslos ist die Forderung nach Straffreiheit aber nicht, wenn es sich um Juden handelt. Wir lesen da: „Dagegen gibt es wieder sehr viele Fälle, die eine viel schärfere strafrechtliche Verfolgung wünschenswert erscheinen lassen. Besonders verheiratete Juden (Geschäftsreisende usw.) geben sich gegenüber sehr ehrbaren, jungen Mädchen als ledig aus, bezeichnen sich als Generaldirektoren usw. und erschleichen unter der Vorspiegelung einer glänzenden Versorgung die Hingabe. Gerade diese lügenhaften Angaben sind es, die den betrügerischen Charakter tragen! Durch absolut vertrauliche, unter strengstem Ausschluß der Öffentlichkeit durchzuführendes Verfahren, von Staats wegen (also durch Anzeigen, um die Ängstlichke’t gerado der anständigen, gerichtsscheueu Mädchen zu schonen) durchzuführende Untersuchungen und Verhandlungen sollten diese wirklichen Opfer der Erschleichung der Hingabe besser geschützt werden.“ Da« ist eine schlechte Stürmer-Kopie, ebenso wie eine weitere Notiz, daß sich wohlhabende arische Mädchen bester Kreise mit Juden verloben, und man höre und staune, trotz oft sehr radikaler (gemeint ist wohl nationalsozialistischer) Brü- Nur kein Schreck vor einem Fleck, /Exquisit" putit alles weg Abholung und Zustellung kostenlos R 20*3*34

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