Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 457 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054212--5111-3060807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 DIE STIMME Nr. '457 — 11. 'Juni 1035 1^3 HOTEL BELLEVUE i®3 PÖRTSCHACH ah WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor* und Nachsaison . . S 9- Hauptsalson ...... . S 12- Seebac' und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / Verlangen Sie Prospekte müsse. denn Englands Stabilität sei wesentlich für die ganze übrige Welt. Zu diesem Zweck aber sei es wichtig, daß die Regierung sich auf die breiteste Öffentlichkeit stützen könne. So sieht also England MacDonald. Und wir Juden'? Es ist kein Zweifel, daß die Stabilisierung der englischen Währung auch das palästinensische Pfund gerettet hat. Es wäre nicht auszudenken, welche Orgien bei einer Inflation die schon so schrecklich genug wütende Bodenspekulation gefeiert hätte und welchen schweren Erschütterungen der Jisehuw ausgesetzt gewesen wäre. Wir haben also allen Anlaß. England für seine Währungspolitik dankbar zu sein. Man darf das sagen, ja man soll es gerechterweise sagen. Daß wir mit der Palästina-Politik Englands berechtigterweise unzufrieden sind, verschlägt dieser Feststellung nichts. Man tut vielleicht MacDonald Unrecht, wenn man ihn für seinen sozialistischen Klubgenossen Passüeld verantwortlich macht. Es heißt nämlich, daß das Kolonialministerium eine weitgehende Selbständigkeit hat. Es sei aber dem wie immer. MacDonald trägt zweifellos für P a s s f i e 1 d s Weißbuch die Verantwortung, denn das Weißbuch war eine Erklärung der englischen Regierung, an deren Spitze M a c D o n a 1 d stand. Die damals sehr .schwache Regierung der Arbeiterpartei glaubte eben mit dieser Politik die Mohammedaner Indiens auf unsere Kosten an sich fesseln und die englische Politik im Nahen Osten fördern zu können. Es hat lange Zeit und viel Arbeit bedurft, bis MacDonald im Februar 1931 jenen bekannten Brief an Weizmann richtete, der seither als M a c D o n a 1 d-B rief bekannt ist. Dieser Brief nahm dem Weißbuch Pas-sfieldä eeine giftigsten Spitzen, hielt es aber ausdrücklich aufrecht. Wir haben es hier mit einem Schulbeispiel englischer Regierungskunst, der ewigen divide et imper a-P o 1 i t i k, zu tun. Trotzdem muß anerkannt werden, daß der MacDonald-Brief ein Schritt nach vorwärts war. Heute, wo wir zu den Ereignissen der Jahre 1929 bis 1931 Distanz gewonnen haben, muß man aber auch zugeben, daß die politische Kommission des 17. Kongresses in Basel und das Plenum des Kongresses gut daran taten, als sie den MacDonakl-Briof als „Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht“ ablehnten und ihn nur als „Basis für weitere Unter h a n d 1 u n g e u:; akzeptierten. Der MacDonald-Brief hat nämlich nicht nur eine uns hemmende B o d e n Gesetzgebung in Aussicht gestellt und die Bestimmung des Churchill-Weißbuches von 1922 fe.stgehalten, die besagt: „Es ist wesentlich, Sicherheiten zu schaffen, daß d i e E in w a n d e r e r fl e r palästinensischen B e v ö 1k e r u n g nicht zur Last fallen und d aß sie nicht irgend einen Teil der gegenwärtigen Bevölkerung seiner Beschäftigung beraube n.“ Der MacDonald-Brief hat darüber hinaus für das Ausmaß der Einwanderung das „Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigti&Esenluft und Höhensonne J k e i t“ eingeführt. Wir wissen, daß die Mandntsregierimg hiebei willkürliche Ziffern festsetzt, von ihnen, trotz dos Arbeitermangels. nicht abgeht und trotzdem tausende Araber ins Land läßt.. Das geschieht alles, obwohl der MacDonald-Brief die Verpflichtungen Englands aus dem Mandatsvertrag als „Verpflichtung gegenüber d e m jüdischen Volke und nicht nur gegenüber der jüdischen Bevölkerung in P a 1 ü st in a“ ausdrücklich anerkennt. MacDonald hat weiters in seinem Brief versprochen, daß die Regierung „9 o schnell wie möglich eine Untersuchung a n s t e 11 e n w e r d e“, um für die jüdischen Einwanderer S t a a t s 1 ä nd e r e i e n zur Verfügung zu stellen, „eine V e r p f 1 i c h t u n g, d i e gemäß A rt i k e 1 VI fl es M a n d a t s v e r t r a g e s der Mandatsregicrung oblieg e“. Dieses Versprechen, auf dessen Erfüllung wir nach Artikel VI des Mandatsvertrages Anspruch haben, wurde nicht erfüllt. D i e Araber haben Staatsländereien fast umsonst bekommen, die Juden nicht. MacDonalds Brief hat weiters den „Anspruch jüdischer Arbeiter auf einen gehörigen Anteil an der vorhandenen Arbeitsgelegenheit festgestellt, wobei man die jüdischen Beiträge zu den öffentlichen Einnahmen in Rechnung zu stellen hat“. Wie steht es damit? Die Juden tragen mehr als 50 Prozent zu den Einnahmen der Regierung bei. Wieviel jüdische Polizisten gibt es, wieviel jüdische Richter und Beaante? Wie groß ist die Beschäftigung der Juden bei den öffentlichen Arbeiten? Was nützt es uns, wenn der MacDonald-Brief das Prinzip ausschließlich jüdische Arbeit bei jüdischen Unnehmungen feststellt, wenn uns England, gestützt auf denselben MacDonald- Brief und ohne eine Spur von Berechtigung die „w i r t s c h a f 1 i c h e Aufnahmsfähigkeit“ willkürlich festsetzt und so die Einstellung arabischer Arbeiter ^erzwingt? Man sieht: Auch der MacDonaJddJrief ist ein Produkt der divide et impera-Politik Englands. England weiß, was viele Juden nicht wissen, daß man nämlich Politik mit kühlem Kopf machen muß und nicht nur Lord M e 1 c h e 11, der vor einiger Zeit in einem Brief an die „Times“ die Frage der Öffnung Transjordaniens für jüdische Siedlung angeschnitten hat, kommt in einem zweiten Schreiben, das nun von der „Times“ veröffentlicht wird, auf diese Frage zurück und führt aus: Infolge der Zunahme der Einwanderung kapitalistischer Elemente nach Palästina erklimmen die Preise für Boden und Waren ein hohes Niveau. Das Steigen der Werte, begleitet von akutem Arbeitermangel, hat ein starkes Ansteigen der Löhne im Gefolge gehabt. Dies wäre an sich nicht durchaus zu beklagen; es besteht jedoch die Gefahr des Einströineus von Waren aus den an Palästina grenzenden Ländern. Die bei weitem niedrigeren Bodenpreise, Arbeitslöhne und Steuern in diesen Territorien werden die Unternehmungslust dort zum Schaden Palästinas steigern. Würde Palästina zwecks Korrektur solcher Tendenz hohe Einfuhrzölle erheben, so würde dies eine weitere Steigerung des Preisniveaus in Palästina zur mit heißem Herzen. Macht man die Politik Englands, dann treibt man Realpolitik unter der Devise: First my country! Dann versteht man, sich selbst zu den Realitäten der Welt in die richtige Beziehung zu setzen, man denkt real und rennt nicht Wünscht räumen nach, ohne für sie alle Machtmittel im eigenen Lager zu mobilisieren. Man zieht sich nicht zurück, wenn man persönlich gekränkt ist und man spaltet nicht die Bewegung, wenn man unzufrieden ist. Auch hier ist M a c D o n a 1 d f ii r u n s ein Lehrmeister. Er hat sich im Momente der Gefahr, als die englische Währung wankte, an die Spitze einer nationalen Regierung gestellt. Er fühlte die Verpflichtung in sich, im Augenblick der Gefahr seiner Partei den Rücken zu kehren und ungeachtet aller Anfeindungen und Beleidigungen eine Koalitionsregierung zu bilden. Er zog sich nicht in eine splendid Isolation zurück. Sein Land war ihm wichtiger. Und bei uns? Die Arbeiterpartei bläht sich wie ein Pfau vor Selbstlob oder steckt wie der Vogel Strauß gegenüber den drohenden Sturmzeichen im zionistischen Lager den Kopf in den Sand. Die Revisionisten trampeln im zionistischen Porzellanladen herum und bilden sich darauf noch etwas ein. Parteien und Politiker drehen ihr Mäntelchen nach dem Winde. Ein großes Wettrennen nach Kongreßmandaten und Sitzen in der Exekutive hat begonnen. Man spricht vom jüdischen Volk und meint, sich selbst, seinen Ehrgeiz, seine Sucht nach der Pfründe, das Prestige seiner Partei! Wo ist der jüdische MacDonald? Wo ist der Mann mit der starken Hand, der bereit ist, sich über die Parteien zu stellen und zielbewußt die sündhafte zionistische Politik in reinere Bahnen zu lenken? Wie beneidenswert ist doch das englische Volk! Im Momente der Gefahr hatte eis seinen MacDonald. Wen haben wir, der bereit und fähig wäre, der zionistische MacDonald zu sein? Facharzt für Augenkrankheiten Dr. Georg Kimel ordiniert ab 18. Juni: II., Taborstraße 24a, i. Stiege, Mezz. Telephon Nr. R 47-3-26 Folge haben, was für den Exporthandel katastrophal werden könnte. Auch eine erhöhte Einwandererquote würde nicht Abhilfe schaffen, denn erhöhte Einwanderung hat erhöhten Verbrauch und damit weitere Arbeiterknappheit und ein weiteres Steigen der Werte im Gefolge. Dieses Problem des circulus vitiosus ist nicht neu, in Palästina tritt es darum so stark akzentuiert auf, weil das einer so intensiven Entwicklung unterworfene Gebiet klein ist. Die einzige Lösung wäre, das Gebiet territorial zu vergrößern. Die Zahl der Juden vermindern ist unmöglich. Der europäische und außereuropäische Antisemitismus intensiviert das Tempo und die Energie des Zionismus. Eine Vergrößerung des Gebietes ist für die ganze Zukunft des Zionismus von einer vitalen Bedeutung. Eine territoriale Ausdehnung nach Syrien hin wäre katastrophal. Denn da kämen die Juden in eine zwiefache Untertanschaft, was ihnen ja jahrhundertelang in der Welt eine Quelle der Konflikte war. Ferienfahrt der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung mit Sammelpaß nach Polen und Czernowitz nin 7. und 28. Juli 1035 für vier und acht Woelien iechnische Durchführung, Anmeldung u. Auskunft; stsrrelehlsche VsrkihrsUro, Wian, I., Frisdriehstr. 7. Tel. B 27-500. Osttrreichischas Vsrkehrtbüro, Wien, I, Qrtben 20. Tel. U 20-0-35. Pultdaches Rslsebllro „Orbis1*. Wien, I, Klrntnerstr. 41. Tel. K 21-5-78. Kelsebür, jüsr/enbrUeks“, Wien, I, Rotenturmstr. 26. Tel. R 21-2-80 bis 8o Der Skandal um die Zertifikate Die letzte Zuweisung von Zertifikaten nach Österreich hat in (len Kreisen der Allgemeinen Zionisten größte Empörung hervorgerufen. Das Präsidium des Zionistischen Landesverbandes hat beim Alijah-Departcmont. der Exekutive energisch protestiert und eine Revision der Zuteilung der Zertifikate und eine Ergänzung-Schedule verlangt. Weiters wurden die Leitungen des Keren-Kajemeth und Keren-Hajessod in Jerusalem vom Präsidium des Zionistischen Landesverbandes um Intervention ersucht. Die Allgemeinen Zionisten Österreichs sind nicht gesonnen weiter ruhig zuzusehen, daß sie bei der Zuteilung von Zertifikaten systematisch benachteiligt werden. VERTRETER tüchtig, verläßlich, werden gesucht im Radio- HnAaw Wien, XX„Staudingergas8el4 Elektrohaus Klu^wi Telephon A 43-4-25. Protest der Palästinaamts* Kommission Die Paläsünaawts-Ivomm'ission hat. folgendes Pro tost soh reiben an das Emwandemngsdepartement der Jewish Agency gerichtet: „Die in der Palästinaamts-Kommission anwesenden Vertreter sämtlicher zionistischen Parteien Österreichs haben, mit Ausnahme des Verbandes der Radikalen Zionisten, mit größter Bestürzung von der Zuteilung von kaum 135 Zertifikaten für Österreich Kenntnis genommen. Diese Zuteilung ist ausschließlich dazu angetan, die große Kluft, die zwischen den einzelnen Parteien hier herrscht, bis zur Erbitterung zu vertiefen. Ganz besonders unverständlich ist es uns, daß die Exekutive der Agudah, die hier immer als größter Feind des Palästinaaufbaues auftritt, 16 Zertifikate zugewiesen hat, während sämtliche zionistischen Parteien gänzlich ohne Zertifikate ausgehen müssen. ' k Else Reich Dr. Nathan Klausner Wien II. Wien IX. Verlobte Im Juni 1Q35 Es berührt uns besonders peinlich, daß die Exekutive auf die Verhältnisse in der österreichischen Provinz keine wie immer geartete Rücksicht nimmt. Die Leute in der Provinz gehen wirtschaftlich vollkommen zugrunde und wir können ihnen nicht einmal den Schein einer Hilfe angeüeiheu lassen. Wir erheben alle zusammen, mit Ausnahme des Verbandes der Radikalen Zionisten, ohne Unterschied der Partei, feierlichsten Protest gegen die geringfügige Zuweisung von Zertifikaten und verlangen in letzter Stunde Abhilfe. Wir sind von unseren Organisationen beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß für den Fall der nicht sofortigen Gutmachuug die größte Gefahr für den Erfolg der weiteren zionistischen Arbeit in Österreich besteht.“ Für Düren «nfl Dürreirorchiren empfiehlt eich Parlament schon in diesem Herbst? Lord Meldiett fordert Öffnung Transjordaniens im für 3—15juhrige MM Sommerheim Kreinberg am Wechsel herrliche Villa; Barl, fließendes Wasser, elcktr. Lieht, W. C. Erstklassige Kinderdiät (ritaeil). Eigener Nadelwald, Spielwiesen. Ausgezeichnete pädagogische Leitung, Gymnastik, Schwimmunterricht, Hehulnachhilfe (Vorbereitung für Anfnahmspiüfurigen). Fremdsprachen, Arzt, Apotheke. Anmeldung täglich von 10—12 und 4—6 Uhr JMice Freistadt-Lederer Wien! II., Kleine.Plarrsoise 1« Tel. A 41*3*56, Jerusalem, 6. Juni. (2. T. A.) Die arabische Presse berichtet, daß die Frage der Schaffung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina in eine neue Phase getreten und sehr aktuell geworden sei. Schon im Herbst 1935, nach der Rückkehr Wauchopes von seiner Englandreise, werde die Verkündung des Gesetzes Uber den Legislative Council erfolgen. Die Jutfaer arabische Zeitung „Adifaa“ meldet! daß die Wahlen zum Legislative Council im Frühjahr 1936 stattfluden werden. Die in Kairo erscheinende Zeitung „Al Ahrara“ weiß zu berichten, daß Sir Wauchope von der Schaffung des Legislative Council sein Verbleiben 1 m Amt als H ig h Comnilssloner abhängig macht. Sollte das Colonial Office in London der Proklamierung des Legislative Council nicht zustimmen, so sei er zum R U c k t r i 11 entschlossen. (Wir verweisen auf die Unterredung mit Moshe Bhertok aiuf Seite 3, Red.) Alexander Grosz ßpo/.iallHt für Priizisions- und für untiko Uhren, I., WlpiiliagerstraOo 22, Houli parterre. Tnlofon U 24-022. Sensationeller Erfolg des hebvfr tsehen Tonfilms „Awodoh“ fis Wien Dio Aufführung (ins ersten hebräischen. Tonfilms „Sogen der Arbeit“ („Awodah“) in Wien hat hei Presse und Publikum einen sensationellen Erfolg errungen. »Sämtliche Aufführungen gehen vor aus verkauf teil Häusern vor sieh,