Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 457 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g f=:% v. b.». Allgemeine Zionisten! Letzter Ablieferungstermin für Schekaiim Montag, dien 17. Juni JÜDISCHE ZEITUNG NACH PALÄSTINA zu den besonders verbilligten SOMMERPREISEN I. Klasse Hin- und Rückfahrt jetzt nur S 986.-! DIE PALKSTINA-EILLINIE DES „LLOYD TRIESTINO“ ist seit einem Jahrzehnt die Linie des jüdischen Einwanderers und Touristen I Touristenklasse einfache Fahrt nur. . S 846|50 Hin* und Rückfahrt nur.S 493" alle* in zwei* und vierbettigen AuSenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (4 Mahlzeiten täglich). 6 Abfahrten im Monat mitden großen Schiffen .GALILEA’, .GERUSALEMME1, ,PALESTINA* Oe 12 500 Tonnen Deplacement) auf der direkten Palästinalinie, außerdem dichter Verkehr via Ägypten, Gelegenhei. zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer Lloyd Triestino, Wien, l.f Kärnlnerring 6. Tel. U 47-5*60 Nr. 457 | Wien, 14. Juni 1935 Hedaktlon und Administration. Wion, 1., Msrc-Aurel*Strs8e 6 Tel.: U 22-3-91 .ledsktionssohluA Montag and Mittwoch vorm. (13. Siwan 5*95) I 8. Jahrgang XIX. Zionistenkongreß schon am 20. August Vorverlegung um eine Woche London, 12. Juni. Das Zionistische Zentralbureau teilt mit: Auf dringendes Ersuchen überseeischer zionistischer Verbände hat sich die Exekutive veranlaßt gesehen, im Einvernehmen mit dem Präsdium des Aktionskomitees den Termin des Kongresses um eine Woche vorzuverlegen. Der 19. Kongreß wird somit in Luzern in der Zeit vom 20. bis 30. August stattfinden. An den Kongreß wird sich eine Sitzung des neugewählten Aktionskomitees anschließen, die vom 1. bis 3. September dauern wird. Einberufung des Councils der Jewish Agency London, 12. Juni. Dae Pressebüro der Jewish Agency teilt mit: Die Exekutive der Jewish Agency hat die 4. Tagung des Council der Jewish Agency für den 4. und 5. September 1935 nach Luzern einberufen. Nach Beendigung der Council- Tagung wird das neuzuwählende Administrative Komitee am 6. September seine konstituierende Sitzung abhalten. VH*. KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 Die Krakauer Weltkonferenz Am 17. und 18. Juni findet in Krakau die Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten statt. Zu dieser Konferenz wurden verschiedene Landesverbände, dio bisher dem Weltverband nicht angehören, als Gäste eingeladen. Den Gästen wurde von der Leitung des Weltverbandes die Teilnahme an den Beratungen, jedoch ohne Stimmberechtigt! ng zugcbilligt. An der Abstimmung dürfen sich die Gästo nur dann beteiligen, wenn sie vorher auf Grund vorzulegender Vollmachten ihrer Verbände das Krakauer Programm anerkannt und der Beitritt ihrer Landesverbände zum Weltverband erklärt haben. Wir erachten diese Feststellungen für notwendig, weil von einem Teil der Presse, die plötzlich ihr Allgemein-Zionistisches Herz entdeckt hat, die bevorstehende Krakauer Konferenz fälschlich als eine Konferenz „der Allgemeinen 'Zionisto n“ bezeichnet wird. Diese Manöver werden von den Linkon und ihren Gefolgsleuten aus allzu durchsichtigen Gründen lanciert. Schmarjahu Lewin gestorben Aus H a I £ a kommt die bestürzende Nachricht, daß dort am Sonntag, den 9. Juni, 8 Uhr abeiids, der Nestor der zionistischen Bewegung, Schmarjahu Lewin, 68 Jahre alt, an Herzschlag plötzlich gestorben Ist. * * * Im Jahre 1867 in Swislowitz geboren, kam er schon in jungen Jahren nach Deutschland, wo er in Berlin und Königsberg seinen Universitätsstädten oblag. Im Leben der Juden in Vorkriegsrußland spielte Doktor ^chmarjahu Lewin eine außergewöhnlich große Rolle. Er hatte das schwere Amt des Kronrabbiners, wie die Prediger und Vertreter der jüdischen Gemeinden in Rußland genannt wurden, inne, und als solcher entfaltete er eine überaus segensreiche national-jüdische Tätigkeit. Seine besondere Liebe galt der Ausgestaltung jüdisch-kulturellen Lebens, insbesondere des he b r ä ischen Schul-- und Lehrwesens unter der russischen Judenschaft. Im Jahre 1906 wurde Schmarjahu Lewin als jüdisch-nationaler Abgeordneter in die erste russische Reichsduma entsendet. Hier wirkte er mit größter Leidenschaft und Wärme für die bürgerliche Gleichberechtigung der russischen Juden. Aus seinen markanten und leidenschaftlichen Reden über die traurige Lage des russischen Judentums sprach der treue Anwalt des russischen Judentums. Wegen Unterzeichnung des „V i b o r g e r Manifestes“ und wegen seiner nationaljüdischen Tätigkeit mußte Schmarjahu Lewin Rußland verlassen. Er ließ sich in Berlin nieder, von wo er 1925 nach Palästina übersiedelte. Mit Schmarjahu Lewin ist eine der markantesten Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung dahingegangen. Er war der letzte „große M a g i d“ des Zionismus. Denn die große Liebe Schmarjahu Lewins galt von seiner frühesten Jugend an der zionistischen Bewegung. Dieser schenkte er sein großes warmes Herz, seinen Geist, seine Klugheit, seine zündende einzigartige Beredtsamkeit. In dieser Bewegung wuchs Schmarjahu Lewin zu einer ihrer hervorragendsten Figuren. Seine Wirksamkeit als Student im Verein der russisch-jüdischen Studenten in Berlin, seine Zugehörigkeit zum Zionistischen Aktionskomitee — er war von 1911 bis 1918 Mitglied des engeren Aktionskomitees — seine großzügigen Propagandareisen für den Zionismus iu Amerika während des Weltkrieges und schließlich seine unschätzbare Arbeit für den Keren Hajessod seit dessen Begründung, wären ungefähr die äußeren Marksteine seiner zionistischen Arbeit. Doch mit Schmarjahu Lewin ist mehr als ein zionistischer Propagator und Politiker gestorben. Mit ihm fällt ein Stück zionistischer Geschichte sowohl aus der Häuserverwaltungen Reparaturkredite tieldbeschaffungen Tel. A 48-9.SS _esNSAl_ R. TAUBMANN WIEN, II., NORDPOLSTRASSE X/] Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest I heroischen Zeit, als auch aus den Tagen der Verwirklichung zionistischer Ideale ins Grab, Schmarjahu Lewin, der seit 1924 j seinen ständigen Wohnsitz in Palästina hatte, lebte in den letzten Jahren wohl vom zioni- . stlschen Parteigetriebe zurückgezogen. Auf [ den zionistischen Kongressen, wo die schlanke Erscheinung mit dem scharf gemeißelten Kopf zu den markantesten Figuren des zionistischen Parlaments gehörte, erschien er in den letzten Jahren nur mehr : seltener. Aber hatte er einmal das Wort ergriffen, so lauschte ihm das ganze Haus wie gebannt. Faszinierend war seine Rede, voll herrlichen Humors, von sarkastischem Witz erfüllt. Schmarjahu Lewins Größe bestand nicht zuletzt in seiner unermeßlichen Vielseitigkeit. Ein hinreißender Propagator, ein Redner von Gottes Gnaden, ein Politiker von weitem Horizont, ethischer Warte und bestechender Klugheit, ein Mann von umfassendem allgemeinen Wissen, europäischer Bildung und. zugleich von tiefster jüdisch-hebräischer Gelehrsamkeit, und nicht zuletzt ein blendender, feingestaltender Schriftsteller und ein Mensch voll persönlichen Scharmes. Seine Werke „Kindheit im Exil“ und „Jugend in Aufruhl“, durch die der Schriftsteller Schmarjahu Lewin auch in der nichtjüdischen Öffentlichkeit bekannt wurde, sind Perlen jüdischer Erzählungskunst. Seine Schilderungen sind Gesänge von geradezu biblischer Schönheit. Darüber hinaus aber bleibt Schmiarja.hu Lewin allen, die jemals mit ihm in Berührung kamen, als ein Mensch von hoher Ethik, bezauberndem Seharme, geistsprüheudem Humor, scharfem Witz in Erinnerung. Sein Tod wird überall schmerzlichst empfunden werden. Schmerzlichst des Menschen Schmarjahu Lewins wegen, schmerzlichst auch deshalb, weil. mit ihm eine der letzten Gestalten aus der Herzlechen Bewegung verschwunden ist. Noch vor wenigen Wochen hatte ich das Glück, eine Stunde in Schmarjahu Lewins Heim in Rechawiah in Jerusalem zu verweilen. Der Mann sah wohl ein bißchen angegriffen aus, aber machte im großen und ganzen doch einen frischen Eindruck. Ich beobachtete lange dio charakteristischen Züge seines interessanten Gesichtes, als ob ich sio für immer festhalten wollte. Wir alle, die wir damals in seinem Hause weilten und andächtig seinen Worten lauschten, ahnten wohl nicht, daß er bereits ein vom Tode Gezeichneter war. Schmarjahu Lewin sprach lange, seine Worte waren die eines Weisen. Stunden und Tage später glaubte man sie noch immer zu vernehmen. Nun ist auch Schmarjahu Lewin tot. Im Herzen seines Volkes wird er als großer Jude und wundervoller Mensch lebendig bleiben. J. R. MacDonald und wir Von Dr. Oskar Grttnbanm Sir Ranisey MacDonald hat als Premierminister Englands demissioniert und Baldwin ist an seine Stelle getreten. Wir Juden begehen oft den Fehler, alle Ereignisse der Umwelt nur vom jüdischen Standpunkte aus zu beurteilen. So sieht man im zionistischen Lager in MacDonald nun den Mann, der es zugelassen hat, daß nach den blutigen Unruhen des Jahres 1929 der Kolonienminister Lord Passfield den Palä* stinaaufbau abwürgen wollte und in dem berüchtigten Weißbuch den Versuch machte, die Balfour-Deklaration, den Sinn und Wortlaut des Mandats Vertrages über Palästina, zu einer Verpflichtung Englands umzudeuten, in Palästina ein arabisches Nationalheim zu errichten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß England uns in den Jahren 1929 bis 1931 bitteres Unrecht getan hat und daß es uns noch immer benachteiligt. Es ist auch richtig, daß es MacDonald war, der Passfield lange Zeit gewähren ließ, derselbe MacDonald, der einige Jahre zuvor über das jüdische Aufbauwerk in Palästina begeistert war. Will man aber MacDonald, auch vom rein jüdischen Standpunkt aus gerecht werden, so muß man, bei aller Ablehnung der Palästina-Politik der Regierung MacDonalds, von der Tatsache ausgehen, daß MacDonald der Ministerpräsident Englands war. MacDonald war Sozialist und wurde nach dem Wahlsieg seiner Partei Ministerpräsident. Er war der erste sozialistische Ministerpräsident Englands. Als nun die englische Währung ins Wanken kam, stellte sich MacDonald entschlossen an die Spitze einer Koalitionsregierung, die man in England eine nationale Regierung nennt. Seine Parteigenossen waren wütend. Er wurde von ihnen als Verräter beschimpft und aus der Partei ausgeschlossen, gab aber nicht nach. Er fühlte, daß er die ungeheuere Last der Verantwortung für die Wirtschaft und damit auch für die Weltgeltung Englands zu tragen hatte und er hielt sich an das englische Wort: „Right or wrong, first my country.“ Recht oder Unrecht, es ist mein Land, das ich in erster Linie zu verteidigen habe. MacDonald ist den Weg der Pflichterfüllung gegangen und — soweit man es beurteilen kann — mit Erfolg. Es ist daher mehr als diplomatische Höflichkeit, wenn der neue Ministerpräsident Baldwin iu seiner ersten Rede mit warmen Worten dev Leistungen MacDonalds und seiner Regierung gedachte. Keine Parteiregierung, sagte Baldwin, hätte je das leisten können, was in den letzten vier Jahren erreicht worden sei. England erfreue sich heute einer Stabilität, die schwer erkämpft worden sei, die nun aber mit allen Mitteln gestützt werdeu Zu „Exquisit" man gerne kommt Sie putzt verläßlich, gut und prompt Abholung und Zustellung kostenlos R 20-3-34 ^oiE ppr. XQUISIT ÖN|D gV