Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 456 (7.6.1935)
- Date
- 1935-06-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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tfr. m — T. Juni 1935 Dil STIMMI Seite 11 Symphonie der Arbeit Bilder aus dem ersten Palästina^Tonfilm „Awodali // Zur Uraufführung des ersten Palästina/Tonfilms »Seaen der Arbeit« (»Awodah«) * * llii Der erste palästinensische Tonfilm, fegender Arbeit“ („A woda h“) ist mehr als ein Film. Er ist ein Hymnus auf die Arbeit. Die Arbeit, wie sie im ständigen Ringen mit den Kräften eigenwilliger Natur, mit den ihren eigenen Gesetzen gehorchenden Gewalten heißer, wasserverschlossener Erde erobert, erlebt wird. „Segen der Arbeit“ scheint mir nicht der richtige Titel zu sein. Die hebräische Bezeichnung „Awodah“ deutet sinngemäßer alles, was in diesem Film vorgeht. Der Film, von einem genialen Regisseur geschaffen, will nichts anderes, als bloß einen einzigen Ausschnitt, allerdings den heroischen Sektor neu jüdischen Lebens, neußdischcr Arbeit auf Palästinas Boden vermitteln. Dies gelingt, ihm in überreichem Maße. Vor dem Segen der Arbeit aber steht das qualvolle Suchen, das inbrünstige Streben junger Menschenleiber, die in sengender Hitze des subtropischen Klimas ihr hartes Dasein leben. Es ist nicht schlechthin Arbeit, was diese Bilder — ein einziges Bildergedicht von ungeahnter Schönheit — zeigen sollen. Es ist A woda h, und A wodah nannte man auch jene Arbeit, die die Cohanim, die Priester des alten jüdischen Volkes, am Versöhnungstage im Heiligtum zu verrichten hatten. Was unsere Chaluzim in Erez Israel tun, denen hier vor allem das Denkmal ihres Heldentums gesetzt wird, ist Awodah. Dieses ist es, icas durch den Film in berauschender und erschütternder Bilderfolge vorgeführt und transparent gemacht wird. * Hart, verschlossen, brach liegt Jahrhundert um Jahrhundert der einst fruchtbare Boden des Landes in einein langen, verträumten, nur von pittoresken Bildern arabischer Hirten, die auf kärglichen, armseligen Weideplätzen ihre ausgedörrten Herden führen, durchbrochenen Dämmerschlaf. Müde Mauleseln schleppen im monotonen Takt im Kreis den Pflug und müde, lastenschwer verrichten die Bewohner des Landes die Arbeit, die ihnen die notdürftige Frucht zum Leben schenkt, ln diesem Zustand der Versunkenheit findet die jüdische Jugend das Land ihrer Träume, ihrer Väter. Aber: Mit heißem Herzen, mit stählernem Willen schreitet diese Jugend an ihre harte Arbeit. Hinter dem Schlagbaum, an der palästinensischen Grenze, leuchtet ein strahlendes Gesicht kraftvoller Jugend, die schneeweiße Zahnreihen des schöngeschwungenen Mundes zeugen von Kraft und Schönheit, und Freude lacht aus den Augen dieses über Berge, Sc/duchten und Meere wandernden jungen Juden. Lange zeigt der Regisseur des Films, Lerski, bloß das Beinpaar, das nicht müde wird, den Pfad, den Weg über Gebirgskümme und Landstraße nach Palästina zu suchen, bis es ihn gefunden hat. Symbol der nach Erez strebenden, sich sehnenden, sich mühenden jüdischen Jugend. Doch nun erst beginnt das Heldentum dieser Jugend. Das hohe Lied der Arbeit dieser jungen Menschen ist noch nicht geschrieben. Hier im Film „Awodah“ werden die ersten erhabenen Töne angeschlagen, die ersten Rhythmen erfühlt. Es ist das Lied, das brennende, sengende, dürstende Lied der Wassersucher. IFas wissen wir hier von jenem unsagbaren harten Menschenmühen, Erde wieder treiben zu lassen, was wissen wir von den nagenden, unheimlichen Qualen , dürstender Lebewesen? „Der Reichtum eines I Landes liegt in seinem WasserUnd dieses feuchte Gold ist etw'as, was Palästina so sehnsüchtig erstrebte, erträumte. Wie ein Gespenst, ein ewig mahnendes Motiv, erscheint immer wieder der W asserwagent dessen spärliche Tropfen noch unter den unsäglichen Mühen und Qualen erkämpft wer* den muß. Wasser, es ist keines da . . . Aber ein Glaube ist da. Ein Glaube, daß die Arbeit es schaffen werde, daß einst der Tag der Geulah kommen werde. Und also arbeitet man Tag um Tag, Nacht um Nacht. Ritzen zeichnen sich in die verkarstete und doch so geliebte Erde palästinensischen Bodens. Grabfurchen sind über dieser Erde gezogen. Kein Wasser. Man muß weiterziehen, die ausgetrockneten Furchen, aus denen man doch JFt/.svsef erhoffte, werden mit Brettern verdeckt. Eine Hoffnung wird begraben. Und weiter zieht die Karawane ... Und wie im ewigen Rhythmus klingt es als Trostspender für dunkle Stunden „Und der Tag wird kommen ...“ Und es kam der tag. Immer tiefer bohren sich die Maschinen- I spitzen in das trockene Fleisch palästinensischer Erde, immer schneller rollt das frei-