Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 456 (7.6.1935)
- Date
- 1935-06-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 9 Oll STIMMI Nr. 456 — 7. Juni 1935 Jüdisches Kinderheim „Atid" In Seebenstein (Fitteutal;, herrlich <:0t-ge», eig. Waldbestand, ständige ärxilidie Aufsicht, individuelle pädagogische Beeintlußung, vorzügliche rituelle Verptlegung, Sport, Gymnastik, Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanierstraße i2, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3 bis 6 Uhr. Tel. A 26 3-73. Professor Freuä — Ehren• mitglted der Royal Cociety Wie ans London gemeldet wird, hat die Royal Soc.iety of Medicine in ihrer letzten Sitzung den Professor Dr. Sigmund Freud in Wien einstimmig zum Ehrenmitglied gewählt. Kein Vereinsrecht für Juden Cuxhaven, 3. Juni. (%. T. A.) Tm Anschluß an die Auflösung des „Bürgervereines für Harvestehude und Rotherbaurn“ durch die Hamburger Polizei, der laut Begründung durch die Polizei unter jüdischer Leitung stand und vornehmlich Juden als Mitglieder zählte, schreibt das „C'uxhavener Tageblatt“ unter anderem: „Die Ariergesetzgebung hat sich darauf beschränkt, bestimmte öffentliche Berufe, Beamte, Rechtsanwälte, Schriftleiter usw. von Juden freizuhalten. Es hat aber a uch von privater Seite her alies zu erfolgen, die Juden aus der Volksgemeinschaft selbst auszuschalten. Der Vorfall des Bürgervereins zwingt dazu, die Forderung nach einem nationalsozialistischen Vereinsrecht nachdrückiiehst zu unterstützen. Das Vereinsgesetz gibt allen Reichsangehörigen das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht, zuwiderlaufen, Vereine zu bilden und sich zu versammeln. Nach nationalsozialistischer Auffassung darf dieses Recht künftighin nur durch deutsche Volksgenossen ausgeübt werden. 'Juden darf dieses Recht nur unter bestimmten Voraussetzungen und unter ständiger Kontrolle Polizei und a u ch nur für stimmte Zwecke erteilt werden/1 Juden und Wehrmacht Körperliche Fähigkeiten allein waren nie-1 Fil nals identisch mit militärischer Tüchtigkeit. Ei; der Ein Beruf, In dem der Jude geschätzt wird Für unsere Vertreibung von den Hochschulen werden wir noch einmal zu danken haben. Das Gymnasium hat seine mittelalterliche Mission längst beendet. Der akademische Doktorgrad ist vielfach eher ein Hindernis als ein Vorteil. Wieder ein Vorkriegsideal, das endgültig verloren ist. Aber aus den Trümmern dieser Ideale sind neue Berufe erwachsen. Einer dieser Berufe ist der des Reklamefachmannes. Niemand fragt den Menschen, der Erfolg bringen kann, ob er ein Jude oder ein Christ ist. man fragt ihn nur, was er kann. Und es ist auch nicht nur das kaufmännische Feld allein, das nach dem Reklamefachmann ruft. Städte und Staaten machen Propaganda. Halb künstlerisch, halb kaufmännisch ist der Beruf des Reklamefachmannes, einer derjenigen, in dem der Jude Außerordentliches leisten kann. Der höchsten Ausbildung als Reklamegraphiker und Reklametechniker ist das Institut für Werbung und Verkauf in Wien gewidmet. Gegründet vom Gremium der Wiener Kaufmannschaft steht an seiner Spitze der bekannte Reklamefachmann Werbe-Mendel, während die Graphikklasse (zeichnerische Vorbildung nicht gefordert!) von Julius Klinger geführt wird. Wir können jedem Juden und jeder Jüdin empfehlen, vom Direktionssekretariat dieses Instituts (Wien, I., Kohlmarkt 10) sich eilig einen Prospekt kommen zu lassen. male Denn sonst, hätte nicht der verkrüppelte Na re es, sondern der strahlende Beiisar die Goten besiegt, sonst wäre der Prinz Eugen von Savoyen, der von seinem allerhöchsten Kriegsherrn Ludwig XIV. als militärisch untauglich befunden wurde, niemals der bedeutendete Feldherr seiner Zeit geworden. Mit fortschreitender Technisierung des Krieges kam den körperlichen Fähigkeiten im Kriege eine immer geringere, den geistigen und Charaktereigenschaften eine immer größere Bedeutung zu. Die Frage der Befähigung des Juden zum Militärdienst bildete daher schon während des Weltkrieges und heute noch weniger ein Problem und wird zu einem solchen erst und nur durch den Antisemitismus. Der militärische Antisemitismus hat in Deutschland schon vor dem Weltkrieg zu verhindern gewußt, daß — bis auf einzelne verschwindende Awi-nahiwJälb' --- Juden Offiziere wurden. Sie konnten es höchstens bis zum Vizofeklwtbei (Offiziersstell vertreten bringen. Im Kriege, wo Charakter und Gesinnung des einzelnen Vorgesetzten voll zur Geltung kamen, hat der militärische Antisemitismus zwar nicht oft. aber doch i.u einzelnen Fällen Orgien gefeiert. Einige „Kapazitäten im Aufopferimgsfaoh“ haben ihre antisemitischen Gefühle praktisch betätigt,, indem sie Juden auf verlorene Posten stellten. Ein antisemitisches System hat. es in der alten österreichischen Armee nicht gegeben, wohl aber in der russischen Armee. Vor PrzemysI jagten die Russen ganze Reihen jüdischer Soldaten gegen die elektrisch geladenen Drahthindernisse. Ein antisemitisches System gab es in der alten k. u. k. Armee nach den Erfahrungen des Verfassers bei sudetendeutschen Reserveoffizieren mit tschechisch klingenden Namen. Immerhin konnten auch die rüdesten militärischen Antisemiten in Deutschland und in Österreich die Leistungen und Ver- Fiilm ,lm Westen nichts Neues4 kämpften? auch im Kriege gewesen, hat aber dann das Andenken der Toten des Weltkrieges in den Schmutz gezogen.“ Außerdem sei kein Jude so hoimattreu und vaterländisch begeistert gewesen, um für sich und seine Anhänger den Trennungsstrich zwischen sich und solchen Volksvorrätern zu ziehen wie den Schriftstellern Feuchtwanger, Kerr und Zweig. Diese in erbärmlichem Deutsch vorgebrachten Argumente, oder richtiger gesagt Vorwände, sind viel zu fadenscheinig, zu verlogen und niederträchtig, als daß man sieh damit überhaupt auscinandersetzen könnte. Wichtig ist nur, was tatsächlich im Reiche geschieht. Wenn sich die Reiehsrogierimg auf den .Standpunkt gestellt hätte: Juden sind keine. ..deutschen Volksgenossen“. folglich sind sie vom Wehrdienst ausgeschlossen, so wäre dies einfach und folgerichtig, aber nicht genügend antisemitisch gewesen. Bezeichnenderweise sind ja Angehörige anderer nationaler Minderheiten, wie zum Beispiel Polen, nicht vom Militärdienst ausgeschlossen. „Nichtarier“ unterliegen aber der militärischen Meldej pflicht und der Überwachung; für den | Streng rituell! Pension HERMINE EICHNER BADEN, ROLLETTBASSfc NR- 7 Ganzjährig geöffnet Zentralheizung. Fließendes Warmu. Rilfvasser' Telephon Nr. 1032/4 Kriegsfall hat Herr Hitler sieh eine ^besondere Regelung“ Vorbehalten. Man kann sich ungefähr anomalen, wie diese Regelung aus sehen wird. Man wird entweder eine Art Strafbataillone aus Juden zusammenstellen — wie die Deutschen dies während des Weltkrieges mit belgischen Staatsbürgern gemacht haben — imd diese als unbewaffnete Arbeitsbataillone zu Arbeiten in der Front, bei passenden Gelegenheiten auch als Kanonenfutter verwenden. Oder: Die Erfahrung hat gezeigt, wie zum Beispiel der durch die deutsche militärische Schule gegangene Enver-Pascha während des Weltkrieges das Armenierproblem „gelöst“ hat. Die Türken haben die Armenier auch nicht mehr gehaßt, als die Deutschen die Juden hassen. Man wird also immerhin mit Tatsache rechnen müssen, daß ein Krieg deutscherseits dazu benützt wird, um die Juden in Deutschland zu vernichten. Welche Mittel sie zu diesem Zweck anwen* len werden und durch welche Gesetze sio lieses Verbrechen verdecken oder zu rechtfertigen versuchen werden, ist eine Frage zweiten Ranges. Die Entwässerung des Hule-Gebietes dienste der Juden während des Weltkrieges nicht ableugnen: Die Zahl der Toten und Verwundeten, die erhaltenen Auszeichnungen sprechen eino deutliche und unwiderlegliche Sprache. Solange es in Deutschland und Österreich nach Kriegsende nur Söldnert.ruppen _ gvib. half man sich, indem man einfach keine Juden aufnahm. Die Identifizierung von Staat und Wehrmacht führte aber dazu, daß öffentliche Angestellte Militärdienstleistung naehweisen müssen, daß also der Ausschluß vom Militärdienst praktisch den Ausschluß vom öffentlichen Dienst überhaupt bedeutet. Wenn jetzt im neuen deutschen Wehrgesetz — über persönlichen Wunsch des Reichskanzlers — reinrassige Juden vom aktiven Wehrdienst überhaupt ausgeschlossen, nicht „reinrassige“ oder mit nichtarischen Frauen verheiratete Arier von der Erlangung jeder Charge ausgeschlossen sind, so mußte man dafür schon andero Gründe als das Verhalten der Juden während des Weltkrieges suchen. Bezeichnend in dieser Richtung sind die Auslassungen eines Blattes der S. S. „Das schwarze Korps“: „Es ist zwecklos, die Anzahl der jüdischen Frontkämpfer im Weltkriege mit Pathos aufznrechnen. Entscheidend ist die Haltung der Juden in dor Nachkriegszeit. Auch wenn jüdische Soldaten im Kriege ihre Pflicht getan haben, so ist dies nicht ausreichend, die Sünden des Judentums in der Nachkriegszeit wieder gutzumachen. Wo waren die jüdischen Frontkämpfer, dio als anständige deutsche Soldaten gegen den Tel-Aviv (Palnews). Der vou der Palestine Land Development mit den Vorarbeiten für die Aufstellung der Hule-Bauprojekte bauftragte Dr.-Ing. A. Werber äußerte sieh einem Vertreter der Palnews-Redaktion gegenüber über die Entwicklung des Hule-Gebietes: Die Untersuchungen haben ergeben, daß das Projekt, das die Grundlage der Konzession bildete, in vollem Umfang von den natürlichen Verhältnissen bestätigt worden ist. Der Voranschlag für die Kosten der Urbarmachung des Hule-Gebietes ist daher als stichhaltig erwiesen. Er stellt sich wie folgt: Entwäsesrungskosten . £ 2I5.000, Uaupt-bowässerungslcaual £ 80.000, insgesamt £ 295.000. Zu diesen Kosten in Höhe von rund £ 300.000, dio von der Palestine Land Development Company zu tragen sind, kommen noch die Kosten für Kanäle und Anlagen auf den einzelnen Sicdlerparzellen, die von den Siedlern selbst zu übernehmen sind, in Höhe von £ 140.000 hinzu. Nach der Regierungsvermessung umfaßt das Konzessionsgebiet einen Flächenumfang von 57.200 Dunam. Von diesem Gebiet elien 3700 Dunam für Dämme und Kanäle, 12.000 Dunam für den verkleinerten See ab, daß eine nutzbare Fläche von 41.500 Dunam verbleibt. Die Kosten der Meliorierung betragen pro Dunam also £ 7.2. Nach den Konzessionsbodiingungen müssen jedoch 15.000 Dunam den Arabern ohne Beteiligung an den Kosten der Urbarmachung überlassen werden, so daß sich die nutzbare Fläche für jüdische Hände auf 26.500 Dunam verkleinert. Dadurch steigen die Kosten der Melioration pro Dunam auf £ 11.3 einschließlich der Kosten für Detailbewässcrung in Höhe von £ 140.000, die von den Siedlern selbst getragen werden, auf £ 17, einschließlich der Kosten für don Konzessionsorworb, die Zinsen und landwirtschaftliche Vorbereitung des Bodens, sind die Kosten pro Dunam auf insgesamt £ 24 zu veranschlagen. Das Sumpfgebiet ist mit einer mächtigen Humusschicht aus verwitterten Pflanzenresten bedeckt, der für Jahrzehnte natürlichen Dünger abgibt. Nimmt man nur an, daß die Humusschicht 1 Meter dick ist, so beläuft tsicli die Humusmenge auf 35 Millionen Tonnen. Ein zweites Projekt, das sieh in der Ausarbeitung befindet, sieht die Trockenlegung des ganzen Sees, dessen Tiefe 2 bis 2'A Meter (bei Hochwasser 4 Meter) beträgt, vor. Der für jüdisch« Zwecke nutzbare Geländegewinn würde sich dadurch auf 38.000 Dunam erhöhen, die Kosten pro Dunam würden eich einscbließ^ lieh der Trockenlegungskosten auf £ 20 erniedrigen. Die Kostenberechnung ist als' absolut zuverlässig anzueeheir. Zu 80 Prozent setzen sieh die Koeten aus der Erdbewegung voi 2 Millionen Kubikmeter Erde zusammen, die mit modernsten Maschinen bewältigt werden soll. Aus Ereparungs* gründen wird die Handarbeit auf das Nötigste beschränkt. Die Regierung trägt sich mit der Absicht, den nördlichen Teil des Hule- Gebietes — einen Komplex von etwa 95.000 Dunam —, der ebenfalls unter Wasser * leidet, wenn er auch kein ausgesprochenes Sumpfgebiet darßteilt, zu entwässern. Da beide Gebiete unter gleichen hydrologischen Bedingungen stehen, wären sie im Rahmen eines gemeinsamen Arbeit sf planes zu entwässern, wobei durch größere Rationalität weitere Ersparnisse erzielt werden könnten. Dr.-Ing. Werber wurde von der Regierung mit der Pro-: grammausarbeitung eines Projekts betraut. Dio Angelegenheit liegt zur Zeit den Londoner Instanzen vor. Dio Wassermonge, die das Hule-Gebiet überschwemmt, beträgt etwa 110 Millionen Kubikmeter. Würde sie in Stauseen aufgespeichert, so könnte sie die Bewässerungsfrage in Nordpalästina bedeutend erleichtern. Das zweite Rutenberg-Kraftwerk soll eventuell in Verbindung mit don Meliorierungsarbeiten gebracht werden. Die Hule-Arbciten sollen in drei Jahren abgeschlossen werden. Im ersten Jahr sollen die Vorarbeiten (topographische Aufnahmen und weitere Wassermessungen) . abgeschlossen werden, so daß im nächsten Früh-: jahr mit den Erdarbeiten bogonnen werden kann. MaimonMeS-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Sektion Prater Am IS. Juni I. J., präz. 9 Uhr abends, findet im Lustspieltheater (Prater) die Mäimonides-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Bezirkssektion und Wizo Prater statt. Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der spanischen Republik, Exzellenz E. Garcia Coitlin, hat sein Erscheinen zu dieser Feier zugesagt.. Das Programm: Eröffnung: Dr. N. Frey, Begrüßungsansprache: Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde; Festrede: Dr. David Rothblum, Präs, der Histadruth Ivrith. El wirken mit: Opernsänger Josef Schmidt, Opernsängerin Frltxl Merley, Klaviervirtuosin Dr. Morgenstern-Haftel, Klaviervirtuosin Sarra Stukkard, Violinvirtuose Heinrich Haftel Kartei« erhältlich i Zionistischer Landesverband, Wien, I., Marc-Aurel-Straße Nr. 5, Telephon U 22-2-11 Sektion Prater. Wien, II, Jungstraße Nr. 8 (ab 6 Uhr abends). Wäschesalon Ilona Abraham, Wien, I., Christinengasse Nr. 4, Telephon U 11-0-63 Optiker Karl Seidner. I., Franz-Josefs-Kai 33, Telephon U 28-9-66; Sektion Leopoldstadt, Wien. II., Praterstraße 13, Tel. R 42-407, L. Hirschier & Co., Wien, I., Rabensteig 2 (Buchhandlung): M. Brückner, II., Glockeng. 11, Wizo I., Schottenring 25, Tel. A11-6-20