Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 456 (7.6.1935)
- Date
- 1935-06-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 456 — 7. Juni 1035 DIB STIMM! Seit® 7 Vor dem Am 10. und 17. Juni wird in Krakau die Weitkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten statt,finden. Die Konferenz wird auch dadurch ein besondere« Gepräge erhalten, daß bisher noch außenstehende Gruppen als Gäste anwesend sein werden, nämlich die Englische Zionistische Föderation, das Warschauer Zentralkomitee, die Gruppe Kidma.h in Palästina und die Gruppe der Allgemeinen Zionisten in Holland. In der Öffentlichkeit ist vielfach auf Grund dieser Einladungen die falsche Ansicht verbreitet, daß es sich um eine Preis¬ Kongreß Daraus ergibt sich, daß der Weltverband der Allgemeinen Zionisten ein geschlossenes Ganze bilden muß, ideologisch und taktisch. Der Woltverband der Allgemeinen Zionisten kann nicht d?i rauf verzichten, die allgemein-zionistische Jugend, die 60.000 Mitglieder zählt, in seiner Ideologie zu verankern und seine Arbeiterjugend in Palästina, die eine Gegnorin jedes K 1 a s e e n k a m p f e s ist, zu organisieren. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten kann auch auf die Disziplin Verpflichtung seiner Delegierten dem Verbände gegenüber nicht verzichten, da er sonst, wie in Prag, zum Spielball der Linken wird. Der 19. Kongreß wird uns nur dann dem Frieden in der zionistischen Organisation näher bringen, wenn dort der Woltverband der Allgemeine Zionisten in respektabler Stärke und geschlossen auf tritt. Die Splitterparteien werden zur Bedeutungslosigkeit verurteilt werden. Die Linken werden, insbesondere deswegen, weil in Palästina schon auf 1500 Stimmen ein Delegierter entfällt, während in der Galuth hiezu 3000 Stimmen notwendig sind, wahrscheinlich die absolute Pension Eckstein - Semmering Mehrheit erreichen. Im Kongreßsaa.1 können sie, wenn sie ihr Maohtwahn wie bisher hemmungslos weiter treibt, regieren und alles niederstimmen. Das aber würde ein Pyrrhussieg sein, dessen Auswirkungen auf die Zionistische Weltorganisation verheerend sein könnten. Da,ran sollten die Linken und ihre Nachläufer denken. Nur ein starker, disziplinierter Weltverband der Allgemeinen Zionisten kann das Chaos meistern, in das die Zionistische Weltorganisation zu stürzen droht. Daranmußjeder Kongreßwähler denken, wenn er zur Urne geht. Sein Stimmzettel muß lauten: „Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zioniste n.“ gäbe des bisherigen Programms des Weltverbandes handelt. Davon kann keine Rede sein. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten verfügt über ein festes Programm und eine klare Ideologie. Bei der nächsten Krakauer Konferenz wird eine freundsohaft- Die Jewish Agency an die Mandatskommission liehe Auseinandersetzung mit den Gästen stattfinden, um sie zum Beitritt zu bewegen. Daß ein Beitritt nicht in Betracht kommt, der das Aufgeben des bisherigen Programms oder ideologisch grundlegender Prinzipien voraussetzt, bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Die als Gäste erscheinenden Landesverbändo wurden zur Konferenz eingeladen, um es ihren Delegierten, die entsprechende Vollmachten mitbringen werden, zu ermöglichen, den sofortigen Beitritt zum Weltverband zu erklären, oder den Beitritt abzulehnen. In diesem Zusammenhänge sei daran erinnert, daß es an Versuchen, den Weltverband zu sprengen, nicht gefehlt hat. Insbesondere wurde verlangt, daß eine „W e 11konferenz der Allgemeinen Zionisten“ „und nicht eine Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten“ einberufen werden solle, das heißt, der Weltverband sollte als nicht mehr existierend angesehen werden und ein neuer, den Wünschen unserer Gegner genehmer Verband geschaffen werden, der ein Spielzeug in den Händen der jetzigen Machthaber in der Exekutive gewesen wäre. Dieser Versuch ist mißlungen und es wurde nur die längst in Aussicht genommene Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten einberufen. Ihre Tagung fällt in einen ungewöhnlichen Zeitpunkt, mitten in die Wahlagitation zum Kongreß. Eines ist sicher: Wer eine Sprengung versucht, wird auf Granit beißen. Der Weltverband existiert und wird ohne Rücksicht darauf exi- * stieren, ob ihm alle Landesverbände, die ihm bisher angeboren, treu bleiben, ob einer oder der andere Landesverband austritt, ob neue Verbände hinzukommen oder nicht. Gewiß ist eine Verbreiterung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten sehr erstrebenswert. Er kann aber nur dann den Kotgreß erfolgreich beeinflussen, wenn er mehr ist als eine arithmetische Zusammenfassung verschiedener Landesverbände, die in den grundlegenden Fragen verschiedener Meinung und noch dazu innerhalb der einzelnen Landesverbände uneinig sind. Insbesondere darf nicht übersehen werden, daß es Landes verbände gibt., die zu den Fragen der chaluzischen Jugend keino Beziehung haben, oder aber die Jugend schalten und walten lassen, wie eie es für g-ut befindet, beziehungsweise wie es die Ilistudruth und ihre Abgesandten in der Galuth für gut tindon. Es kann nun gar keinem Zweifel unterliegen,'daß der Allgemeine Zionismus, der seine eigene Ideologie hat, die Erziehung seiner Jugend nicht d o n Linken überlassen kann. Dor Allgemeine Zionismus begeht Selbstmord, wenn seine Jugend nicht als geschlossene Gruppo daran geht, das Ideal des Allgemeinen Zionismus in Palästina zu verwirklichen. Dieses Ideal heißt: Abkehr von jedem Klassonk a m p f, komme er nun von rechts oder links und Primat der Interessen dor ganzen Nation vor den Post u laten einzelner Klasson und Stände. Unter dem Vorsitz von Marquis T h e od o 1 i (Italien) begann am 3. d. in Genf die XXVII. Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Das Memorandum der Jewish Agency für Palästina an die Mandatskommission umfaßt 50 Seiten und gibt eine eingehende Darstellung der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims im Jahre 1934. Dem Memorandum ist ein vom Präsidenten der Jewish Agency Dr. Nahuin S o k o 1 o w unterzeichnetes Mantelschreiben beigefügt. Dem Memorandum ist zu entnehmen, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas Ende 1934 etwa 300.000 Seelen, gegen 245.000 Seelen Ende 1932, betrug, und daß im Verlauf des Jahres 1934 Palästina weiteren 42.359 Juden aus vielen Ländern eine Heimat wurde. Die Einwanderer kamen aus nahezu 50 verschiedenen Ländern der Welt, in der Mehrzahl aber aus Polen und Deutschland; diese beiden Länder stellten allein 60 Prozent der gesamten Einwanderung des Jahres. Aus Deutschland wanderten 6941 Juden deutscher Bürgerschaft ein; zuzüglich der aus Deutschland geflüchteten Juden nichtdeutscher Staatszugehörigkeit betrug die gesamte Einwanderung aus Deutschland im Jahre 1934 9429 Seelen. Über Bodenerwerb durch Juden wird im Memorandum berichtet: 110.970 Dunam Boden im Werte von 7,001.420 Pfund wurden im Jahre 1934 durch Juden erworben, im gleichen Jahre haben Juden 48.856 Dunam Boden im Werte von 5,353.584 Pfund verkauft, so daß sich ein Mehrbesitz an jüdischem Boden von 62.114 Dtinam ergibt, für die 1,647.830 Pfund gezahlt wurden. Es gibt heute in Palästina 160 jüdische Siedlungen mit einem Gesamtgebiet an landwirtschaftlichem Boden von 1,300.000 Dunam und einer Bevölkerung von etwa 70.000 Seelen, von der etwa 40.000 Seelen als Erwachsene landwirtschaftlich tätig sind. Etwa 200.000 Juden, das sind zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung des Landes, sind in den Städten Tel-Aviv, Jerusalem, Haifa und Jaffa konzentriert. Im Jahre 1934 wurden durch Juden, hauptsächlich durch jüdische Neueinwanderer, 170 neue Industriebetriebe errichtet. In fast allen Zweigen der jüdischen Industrie war ein befriedigender Fortschritt zu verzeichnen, obwohl die Fabrikanten bei ihren Bemühungen, die notwendige Zahl gelernter Arbeiter anzuworben, auf Schwierigkeiten stießen, die in der Begrenztheit der Einwanderung von Arbeitskräften ihre Ursache hatten. Nach zuverlässigen Schätzungen wurden im Jahre 1934 annähernd 10 Millionen Pfund neuen jüdischen Kapitals nach Palästina gebracht und in verschiedenen Unternehmungen investiert. Dem Keren Hajessod sind seit seiner Gründung im Jahre 1921 bis Ende 1984 5,152.257 Pfund zugeflossen. Die Brutto-Eingänge des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1934 betrugen 283.428 Pfund, wovon 31.000 Pfund in Palästina selbst gesammelt wurden. * * * Präsident Dr. Nahum S o k o 1 o w führte in seinem Begleitschreiben unter anderem aus: Der nun seit drei Jahren andauernde akute Arbeitermangel stellt es außer Zweifel, daß die Regierung bei der Abschätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes fehlgegangen ist und daß die von der Jewish Agency unterbreiteten Schätzungen, beziehungsweise Bewerbungen um Zertifikate nicht lediglich vorübergehende Bedürfnisse berücksichtigten, sondern auf der Abschätzung der Gesamtentwicklung basierten. Die Jewish Agency ist der Meinung, daß die neue Situation eine fundamentale Richtigstellung der bisherigen Konzeptionen hinsichtlich des Umfanges der jüdischen Einwanderung erforderlich macht. Die gegenwärtige Fortschrittsperiode bat der arabischen Bevölkerung Palästinas erhebliche Vorteile gebracht, ihren Lebensstandard gehoben und die Arbeitslosigkeit unter den arabischen , Landarbeitern vollkommen , beendet» ’ Aber gleichzeitig tritt ein neues beunruhigendes Zeichen in Erscheinung: das ungesetzliche Einströmen großer Zahlen armer Einwohner Transjordaniens, Syriens, Ägyptens und anderer Länder. Es kommen in immer wachsender Zahl Personen ins Land, die sich im Laude ansässig machen. Ich f.ordere dringend, schreibt Sokolow, daß wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um diesen an Umfang stetig zunehmenden Prozeß aufzuhalten. Es wird schwer sein, einen Zustand, unter dem nichtjüdische Einwanderer aus den Nachbarländern ungehemmt einströmen dürfen, während die jüdische Einwanderung nicht in dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit des Landes zugelassen wird, mit den Bestimmungen des Mandats in Einklang zu bringen. Die durch ungenügende jüdische Einwanderung entstandene Uustabilität auf dem Arbeitsmarkt war auch für die Verminderung des jüdischen personellen Anteils in der Polizeimacht und im Eisenbahnwesen verantwortlich. Kürzlich hat die Jewish Agency große Anstrengungen gemacht, um Juden zu veranlassen, in die Polizeimacht einzutreten. Ähnliche Anstrengungen wurden auch in der Werbung von Juden für den Eisenbahnerdienst gemacht. Es ist aber klar, daß solche Anstrengungen nicht erfolgreich sein können, wenn nicht die in diesen Dienstzweigen bezahlten Löhne in eine gewisse Relation auf dom Arbeitsmarkt gebracht werden. Das Problem der Beschäftigung von Juden im Zivildienst der Regierung hat der Jewish Agency Sorge bereitet; man wird diese Sorge verstehen angesichts der Tatsache, daß die Zahl der Juden in den Regierungsdiensten stationär geblieben ist, während die allgemeine Zahl der jüdischen Bevölkerung in starkem Wachsen begriffen ist. Insbesondere möchte ich auf die g eringe Zahl von Juden im Ge* richts wesen hinweisen. Die fortdauernden Bodenerwerbungen durch Juden haben keineswegs eine Zunahme des landlosen Elements unter den Arabern zu Folge gehabt, sondern sie haben im Gegenteil eine wachsende Prosperität der arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung in den Distrikten, in denen die jüdische Siedlung im Wachsen begriffen ist, direkt bewirkt. Was aber den Bodenerwerb durch Juden im allgemeinen betrifft, so kann der Beh. konz. Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kau) und Verkauf von Realisten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwisdienkredite Gebäudeverwaltung ★ Büro: Franz-Josefs-Kai 11 lei. R-25-0-44 Wohnung s II., Vorgerfenslr. 150, Tel. R-41-8-88 zufällige Kauf kleiner und verstreuter Flä-* chen zu durch Bodenspekulanten in die Höhe getriebenen Preisen keineswegs der Situation gerecht werden. Es ist notwendig, daß unter M i t a rheit der Regierung spezielle Arrangements getrogen werden, um den jüdischen Kolonisation sgesellschaften größere Gebiete zu Siedlungszwecken in Übereinstimmung mit Artikel 6 des Palästina-Mandats — natürlich bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Bedürfnisse der bodenständigen arabischen Landbevölkerung — zur Verfügung zu stellen. Sokolow schließt: Die Exekutive der Jewish Agency begrüßt den Übergang der H u 1 e h - Ko n z e s s i o n in die Hände jüdischer Interessenten. Ich ergreife diese Gelegenheit, um dem High Commissioner für seine hilfreiche Haltung bei der Erwerbung der Konzession durch die Palestine Land Development Company meine dankbare Anerkennung auszudrücken. Die Übertragung der Konzession an Juden erschließt ein neues Gebiet für eine dichte jüdische Ansiedlung bei gleichzeitigen bedeutenden Vorteilen für die dort ansässigen arabischen Bauern. Die Jewish Agency hofft, daß die Regierung Palästinas zu der Sicherung des Erfolges der Trockenlegung und Urbarmachung des Konzessionsgebietes und der angrenzenden Ländereien mithelfen wird. Die Jewish Agency vertraut darauf, daß die Vorschläge, die sie hinsichtlich Erschließung anderer Gebiete für jüdische Siedlung zu unterbreiten hofft, bei der Regierung wohlwollende Erwägung finden und zu einer beträchtlichen Erweiterung der landwirtschaftlichen Basis, des Jüdischen Nationalheims und zu einer erhöhten Prosperität dor gesamten Bevölkerung führen werden. Du wählst zum KonsreB die Liste der selbstlosen zionistischen Pioniere: Dr. Oskar Grünbaum, Frau Sophie liMierz, iffiuäusnsaä: (