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Die Stimme · 1935-06-07 · Heft 456 (7.6.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 456 (7.6.1935)
Date
1935-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 0 DU STIMM! Nr. 456 — 7. Juni 1935 iiiioti ihre Vorherrschaft, in gewissen Berufen erschüttert ist/4 Das ist eine offenherzige Interpretation des Zweckes der Fachbeiräte. Wir nehmen sie zur Kenntnis. Restaurant Billet Bestrenommierte Küche “iU’2 Reichhaltige Menüs 1*90 u. 2-60 SdiwethaterBräu II. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrück« Telephon A 41-0-25 mmammmmammmmmmmmmmm Anschauungen der Sturm• scharen Nachdem schon die ..Reichspost” in ihrer Smllungnahiue zu den M ii n ebener E re i on fs s e n die Sache so dargestellt hat, al/ ob die Juden heute die Herren in Deutschland wären, versendet der „I n f 0 rm a t. i 0 n s d i e n s t der Ost. in ä x k iti c h e n Sturmscharen, R e i c li s f ü hr w w geinen Bericht, in welchem ausgefülirt wird: _ , ..Vom Antisemitismus des Nationalsoziali-auis kann man somit sagen: .Es war einmal .. .* Vielleicht erleben wir noch den Tag. da jüdische Hakenkre uz 1 er ak" besondere Elite hinter dem Hoheitszeichen des Nationalismus marschieren; denn ette Welt ist rund und muß sich drehen. Für uns ist daran noch interessant, daß man also im Dritten Reich zur selben Zeit Juden unter besonderen polizeilichen Schutz stellt, zu der man Katholiken und Protestanten in ihren geistigen Vertretern zu Dutzenden einsperrt und arme Klosterfrauen wegen Devisenvergehen, die sicher weit hinter den Geschäftspraktiken anderer Leute zurückstchen, ins Zuchthaus steckt. Das ist das wahre Gesicht des Nationalsozialismus.“ Der Führer der Ostmärkischen Sturmst*hären ist Bundeskanzler Schuschnigg. MOSES RATH’S „SFATAMEHU“ Lehrbuch der hebräischen Sprache und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mil deutscher, polnischer, ungarischer, ruma nlscher oder englischer Unterrichtssprache. ElnxJgfe Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache In Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S 3-00, der englischen Ausgabe Dollar f—. Buchhändler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Rabatt. Zu beziehen bei M. RATH, Verlag Wien, II., TaborstraBe 20 a itEs lebe der %udenre\ne Bundesstaat Österreich!“ Unangefochten erscheint allwöchentlich (das nationalsozialistische Organ Dr. Walter Riehls, die „Deutsche Arbeiter-Presse“, obwohl dieses Blatt nicht etwa getarnte, sondern — offene nationalsozialistische Propaganda betreibt. In der dieswöc-hentlichen Ausgabe wird wieder für ein bundesstaatliches Verhältnis mit dem Deutschen Reiche Propaganda gemacht und in diesem Sinne die alte Parole aus ihrem staatsrechtlichen Programm: „Es lebe der judenreine Bundesstaat Österreich!“ zitiert. Das Blatt bringt außerdem noch einen großen antisemitischen Artikel unter dem Titel: „Aus dem Judenlager.“ Das Material entnimmt das Blatt teilweise dem Berliner „Judenkenner“ und dem „Welt-Dienst“ Fleischhauers. Es ist übrigens ganz interessant, was dieses Publikationsorgan über „Internationale Verjudung der Flugwaffe“ zu berichten weiß. Zu diesem Thema wird folgender Bericht aus Berlin gebracht: „Der hier seit kurzer Zeit erscheinenden Zeitung ,Der Judenkenner4 entnehme ich folgende äußerst interessante Tatsachen: Der oberste Leiter dos Flugwesens in Sowjetjudäa ist der Jude Unschlicht, der vor einigen Monaten einen Erkundungsflug mit einem Sowjetgeschwader Über Europa ausführte und in Frankreich und Prag lebhaft gefeiert wurde. Der entscheidende Leiter der Flugwaffe in England ist der Judo Sir Philipp S a s s o o n, Unter Staatssekretär im Luftfahrtministerium. Der Oberste Leiter der Flugwaffe in Frankreich ist der jüdische Minister und General Denain. Er war 1914 Kavallerieoffizier und wurde im Kriege Wie hoch ist die Zahl der Arbeitsuchenden im Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis? In den fünf Monaten dieses Jahres wurden 1766 Arbeitslose neu angemeldet, so daß unter Berücksichtigung der Anmeldungen des Vorjahres die Gesamtzahl der derzeit vorgemerkten Arbeitslosen 4020 beträgt. Und der Arbeitslosenanstieg nimmt kein Ende. Wie beim Steinwurf ins Wasser, dessen Wellen immer weitere Kreise ziehen, so erfaßt die Erwerbs- und Arbeitslosigkeit immer mehr Schichten der jüdischen Bevölkerung. Infolge schlechten Geschäftsganges bauen jüdische Unternehmer Angestellte und Arbeiter a.b oder lassen ihre Betriebe auf. Es erscheinen dann auf dem Arbeitsmarkt, beziehungsweise im Arbeitsnachweis nicht nur entlassene Angestellte, sondern auch Unternehmer mit ihren Familienangehörigen. Leider ist die Erscheinung symptomatisch, daß sehr viele Kaufleute und Gewerbetreibende im Alter von 40 bis 70 Jahren angesichts der Unmöglichkeit der Berufsumstellung, infolge der durch die Gewerbeordnung getroffenen Maßnahmen, als Arbeitsuchende Ihre willigen Arbeitskräfte anbieten. „Jede Arbeit nehme ich an“, lautet die Wehbitte dieser unglücklichen Menschen, denen man die Qualen des Hungers, die körperliche Ermattung und seelische Verzweiflung anmerkt. Es fällt auf, daß es vorwiegend Menschen des jüdischen Mittelstandes sind, Ärzte, Juristen, Bankbeamte, Geschäftsführer, Buchhalter, Kontoristen, Verkäufer, Kaufleute sowie manuelle Gewerbetreibende, wie Schlosser, Spengler, Ledergalanteriearbeiter, Installateure, Elektriker, Automeohaniker, Chauffeure usw., die ohne Arbeit und ohne tägliches Brot rat- und hilflos vor dem Nichts stehen. Chef des Flugwesens der Orientarmee in Saloniki.“ Wir können dein hinzufügen, daß der auch nicht ganz rassenreine Marschall Italo Balbo, als er noch italienischer Luftfahrminister war, zu seinem Adjutanten den jüdischen Major Ivo Le vi ernannt hat. Man sieht also, daß die Juden im Ernstfälle wieder einmal allerhand Eisen im Feuer haben. radezu, kaufmännische Bcrufsstcllen anzutreten. Der bevorstehende Schulschluß stellt die Leitung dets Vereines vor außerordentlich schwere Aufgaben. Im Hinblick auf das Berufsbildungswesen der Jugendlichen handelt es sich um das Problem der Berufs- und der Arbeitsbeschaffung sowie um Einordnung des arbeitenden, jugendlichen Menschen in den Arbeitsprozeß und in die Gemeinschaft. Sind gelernte oder ungelernte Arbeiter besser gestellt? Es kann gesagt werden: Die Durch- Schnittearbeitskraft ringt eich leichter durch. Denn der Arbeitnehmer mit langjähriger Praxis und Qualifikation ist infolge der hohen Kollektivlöhne, beziehungsweise Gehalte eher im Nachteil als Vorteil. Kein Unternehmer ist gewillt, einen Angestellten mit 15- bis 20jähriger Praxis zu beschäftigen. Die jüdischen ungelernten Arbeiter findeu auffallenderweise auch in der Privatwirtschaft keine Beschäftigung, obwohl sie infolge ihrer Verläßlichkeit, Seriosität und Arbeitswilligkeit als Geschäftsdiener, Transportbegleiter, Hauebesorger usw. Verwendung finden könnten. Im allgemeinen ist das Schicksal der ungelernten jüdischen Arbeiter ein sehr trübes und beklagenswertes, weil die Arbeiten der öffentlichen Hand sich hier nicht auswirken. Wird die Fürsorgezentrale der jüdischen Kultusgemeinde durch die Zuweisung von Arbeitsstellen an Arbeitsuchende teilweise . entlastet? Mit Rücksicht darauf, daß es sich vorwiegend um Handefeangestellte und Handwerksgehilfen handelt, die die soziale Fürsorge der Kultusgemeinde nicht in Anspruch nehmen, wird durch Erlangung von ^rbeits- H Demnächst erscheint AMITKADEM" (Der Fortgeschrittene) von Beu-Chaviv Verfasser des bekannten und verbeitetsten Buches für Anfänger „Lerne Hebräisch" Verlag: Jos. Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 5 plätzen nicht diese, sondern der staatliche A rb e i ts 1 os e n fo n ds entlastet. Wird der Verein seitens der jüdischen Bevölkerung hinsichtlich der Anforderung von Arbeitskräften unterstützt? Jüdische Arbeitnehmer sehen allzu oft nichtin ihren Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben das Unglück, das Darben, den Zusammenbruch und die an Hoffnungslosigkeit grenzende Verzweiflung der jüdischen Arbeitsuchenden, die dem Untergang preisgegeben sind, und für die ein Arbeitsplatz ein Stück trockenes Brot für sic und ihre hungernden Kinder bedeutet. Es bleibt nichts anderes übrig, als an die noch vorhandenen Sympathien und die tätige Mitarbeit der jüdischen Unternehmer mit der Bitte zu appellieren, den jüdischen Arbeitnehmern Gelegenheit zur Arbeit zu geben. * Jüdische Unternehmer} erfaßt den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffung zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmesser« gasse 4, Telephon U-27-0-65, an. Steimatzky's Neuer Palästina-Führer Verfaßt von Sev Vilnay u. Dr. A. Benne Enthält vier farbige, große Karten von Palästina, Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa, sowie eine Eisenbahn- und Omnibuskarte mit Fahrplan. Außerdem 77 Karten, Skizzen und Photos im Text. 648 Seiten stark. Preis gebunden 7 Mk oder 40 Frs Verlag: Steimatzky Publishing Co. Ltd. Jerusalem Zu beziehen durch die Administration der „Stimme" gegen Voreinsendung des Betrages Zur Frage der jüdischen Arbeitslosen Von Dr. A. Schmerier (Aus einem Gespräch.) Wie hoch ist die Zahl der im Monat erlangten Stellen? Aktion „Kinder aufs Land44 Kaum 80 bis 90. Hievon entfällt die eine Hälfte auf gewerbliche und die andere auf kaufmännische Arbeitsuchende, mit dem, daß die weiblichen Arbeitslosen einen höheren Anteil an den erlangten Stellen aufweisen. Es würde wohl im Interesse der Krisenbekämpfung und Wirtschaftsbelebung liegen, daß vorwiegend männliche Arbeitskräfte angefordert werden sollen, denn der männliche Arbeitsuchende gründet gewöhnlich nach Erlangung einer Existenz einen Haushalt, der denknotwendigerweise zu Bestellungen, Adaptierungen, Anschaffungen usw. führt und die weibliche Arbeitsuchende erhält dadurch die schönste soziale Berufung, das ist die Stelle als Frau. Erlangen auch Jugendliche Lehrstellen? Durchschnittlich werden derzeit monatlich 20 Jugendliche Lehrstellen zugeführt, mit dem, daß auch hier die Zahl der gewerblichen und kaufmännischen Arbeitsplätze die gleiche ist. Allerdings drängt die Jugend gemäß den Umschichtungsbestrebungen — um ihren Ausdruck zu gebrauchen — nach „produktiven“ Berufen: sie wollen Arbeitebildung und keine Bildungsarbeit. In erster Reihe will jeder eine Stelle bei einem Mechaniker, Elektriker, Schlosser, Baumeister usw. und im Nichterlangungsfalle eine solche bei anderen Handwerkern zugewiesen erhalten. Die Kinder fürchten ge- Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien und die Zentralkommission für soziale Fürsorge wenden sich an die Mitglieder der Wiener Kultusgemeinde um Förderung ihrer diesjährigen Aktion „Kinder aufs L a n d“. Nach entbehrungsvollen Monaten naht wieder die Zeit, die für viele Tausende armer Kinder und ihre Eitern, sei cs auch nur für wenige Wochen, Freude und Erlösung aus dumpfer, drückender Not bedeuten kann — wenn gute Menschen sich ihreT Pflicht, zu helfen, bewußt sind. Nur wer unmittelbar mit den Kindernn in Berührung steht, die sich ein ganzes Jahr lang auf ihre Aufnahme in eine Ferienkolonie freuen, kann ermessen, wie groß das Glück ist, das man diesen Kinder bereitet, wenn sie aufeenommen werden, wie ungleich größer aber die Enttäuschung, wenn eie zurückgewiesen werden müssen. Die jüdische Gemeindo tut, was in ihren Kräften steht; durch eine hochherzige Stiftung der sei. Eduard und Rosa Gottlieb war es in diesem Jahre möglich, ein eigenes zweckdienliches Kindererholungsheim in Payerbach-Küb zu erwerben, das nach seiner Ausgestaltung weit mehr als 400 Kindern einen idealen Sommeraufenthalt bieten könnte. Allein dio Kostenaufbringung für dieses Heim sowie für andere Vorkehrungen — im Vorjahre wurden mehr als 2500 jüdische, unterernährte, durch Entbehrungen geschwächte Kinder der ErholungsfilrBorgo zuge führt — bereitet schwerste Sorge, wenn die Aktion a’-eh durch das im Aufträge der Regierung arbeitende Kinderferienwerk der Vaterländischen Front und das Jugendhilfswerk der Gemeinde Wien in dankenswerter Weise unterstützt wird. Der Kultusvonstand appelliert deshalb an die immer und auch in Zeiten schwerer wirtschaftlicher Not bewährte Hilfsbereitschaft der Wiener Judenschaft und bittet sie, mitzuholfen, damit arme Kinder, deren junges Leben ohnehin von so wenig Glück und Froude erfüllt ist, wenigstens vier Wochen lang Jugendglück, Freude und Sorglosigkeit genießen können. Alle, dio zu diesem Werke der Nächstenliebe beitragen, werden für ihre oigene Erholung von sorgenvoller Arbeit das beseligende Bewußtsein mitnehmen, ihre Menschenpflicht erfüllt und mitgeholfon zu haben, tausenden armen jüdischen Kindorn einige Wochen ungetrübten Glücks zu schaffen. Spenden werden an die FUrsorgezentrale der Kultusgemeinde Wien, I., Seitonstettengasse 2 (Postsparkassenkonto B 29.659) erbeten. * Von der Fremdenverkehrsstello wird mitgeteilt, daß in Frankreich lebende jüdische Eltern ihre Kinder (zwischen 12 und 22 Jahren) während der Ferienmonate bei österreichischen Familien unterbringon möchten, wo den Kindern Gelegenheit geboten wird, die deutsche Sprache zu erlernen, beziehungsweise sich in der Konversation zu vervollkommnen. Es kommen Aufenthalte ln Wien als auch in österreichischen Sommerfrischen in Betracht. Personen, die solche Kinder bei sich aufnehmen wollen, werden ersucht, unter Bekanntgabe der Familienverhältnisso und des Pensionspreises Namo und Adresse der FUrsorgezentrale, Wien, I., Seitenstottengasso 2, zwecks Weiterleitung bekanntzugeben. Die Histadruth hat den Friedanspakt niedergestimmt. Laß dir von ihren Sendlingen nicht Sand in die Augen streuen! Gib ihnen mit dem Stimmzettel die Antwort: Liste des UeltverMes der Allgemeinen Zionisten!

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