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Die Stimme · 1935-06-07 · Heft 456 (7.6.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 456 (7.6.1935)
Date
1935-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 4B6 — 7. Juni 1935 DU STIMMI Sette 5 Der Herzl-Grabgang Der heurige Herzl-Grabgang findet Sonntag, am 16. Juni, statt. Das Polizeipräsidium hat den Grabgang jedoch nur in dem Umfange bewilligt, wie er im Vorjahre stattfand. Es ist daher den Jugendlichen das Tragen von Uniformen ausnahmslos verboten. Ebenso ist mit Rücksicht auf das bestehende Aufmarschverbot der geschlossene Marsch zum Friedhof nicht gestattet. Die Teilnehmer begeben sich in losen Gruppen zum Friedhof und rangieren sich im Friedhof zum Vorbeimarsch beim Grabe Theodor Herzls. Die Teilnehmer sammeln sich ab 9 Uhr vormittags im Raume Hartäckerstraße. Der Zug setzt sich um präzise 10 Uhr beim Friedhofstor in Bewegung. Die näheren Weisungen werden in der nächsten Nummer der „Stimme“ veröffentlicht und gehen allen Organisationen schriftlich zu. Wiener Zionisten! Rüstet zum Herzl-Grabgang! Der Grabgang muß eine große Manifestation der Wiener Juden für die zionistische Idee und eine imposante Ehrung Theodor Herzls sein. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) II., Taborstraße 12 Telephon R 40-5-57 Ausgiebige Braten-Menüs S 1*00 -mm«. " Geflügel .. S 2-20 <£7-> Voiiüglldie Zubereitung-Schwechater Biere-Natui weine Großer Saal mit Bühne lür Veranstaltungen und Hochzeiten abzugehen Schöner staubfre'er Garten Keine Touristenzertiilkate mehr Die amtliche „Wiener Zeitung“ meldet: Das Einwanderungsdepartement der J e- ,wish Agency in Jerusalem hat bisher eine Anzahl der ihm von der britischen Jlandatsregierung für Palästina zur Verfügung gestellten Einwanderungszertifikate für mittellose jüdische Einwanderer zu dem Zwecke zurückbehalten, um in Einzelfällen Personen, die als Touristen usw. zu vorübergehendem Aufenthalte nach Palästina eingereist sind und dort eine Beschäftigung gefunden haben, nachträglich mit Einwanderungszertifikaten zu beteilen und auf diese Art die unerlaubte Einwanderung dieser angeblichen Touristen zu legalisieren. Die Mandatsregierung hat jetzt das ermähnte Einwanderungsdepartement verstän¬ Maturaschul^Universum' Wien, IX., Garnisong. 3. Tel. A 20-4-48 digt, daß sie diesem Vorgang nicht mehr zustimmen kann, weil die nachträgliche Beteilung solcher Personen mit Einwanderungszertifikaten andere Personen ermutigen kann, unter dem Vorwand eines . vorübergehenden Aufenthaltes nach Palästina einzureisen und sodann dort zu verbleiben, und weil durch dieses Vorgehen der Jewish Agency jene Personen benachteiligt werden, die geduldig im Heimatlande die Beteilung mit einem palästinensischen Einwanms smxim orih. Pension Wciss Früher Laurana Terrassen, Zimmer mit Meeraussicht. Bestrenommierte Küche. Schattiger Garten Zeitgemäße Preise derungszertiflkat abwarten. Das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency hat sich zwar bemüht, eine Zurücknahme oder Abschwächung dieser Verfügung der palästinensischen Mandatsregierung zu erreichen, doch waren diese Bemühungen vergeblich. (Wir haben zu dieser Maßnahme bereits vor längerer Zeit Stellung ge nommen. — Die Red.) Es kann somit in Hinkunft niemand mehr damit rechnen, im Falle des unerlaubten dauernden Verbleibens in Palästina nachträglich durch da> Eipwanderungsdepartemeut der Jewish Agency ein Einwanderungszertifikat unr damit die Bewilligung zum dauernder Aufenthalt in Palästina zu erhalten, neuMv PaCa^Kna. WELTURAUFFÜHRUNG fl j ARBEIT £uv lOTlftwl and dem nemtv PaMtHncc ’iriU mm i Al AB DIENSTAG, DEN 11. JUNI täglich 164, 5, 167, 8 und 1/6f0 Uhr im KRUGER-KINO KARTEN an der Kasse des Kruger-Kinos, In der Buchhandlung R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, in der Buchhandlung A. Mejstrik, I., Wollzeile 6-8, in der Bücherstube M. Rath und in der jüdischen Kunststelle, II., Aspernbrückengasse 2 Prof. Dr. Lugmayer: Geistige Zusammenarbeit von Juden und Christen Dorotheum ZwelgansaU Baden Baden bei Wien,Weilburggasse 103 Kxekutive Yorsteigcrun; Schönes alles und Stilraoblllar, ficmfllde, Antiquitäten, Teppiche, Spiegel. Ferner komplette einfache Zimmereinrichtungen, zahlreiche Einzelmöbel, Reit- und Sattelzeug, Schlitten und Wagen, Bibliothek. Rcslchtlgung: r r e i t a g, 7., S a in s t a e, 8., D i e n b t a g, 11. Juni 1935 und Mittwoch, 12. Juni 19.15 von 10—6 Uhr. Versteigerung: Donnerstag, 13., bis Mittwoch, 19. Juni ah 3 Uhr Baden, Weilburggasse IC3. Frieden dienen will, der dem Standpunkt der jüdischen Minderheit Verständnis entgegenbringt und sich durchaus positiv einstellt. Kulturelle Autonomie und Schulwesen soll den Juden selbst überantwortet werden; die Par a 1- 1 e 1 k 1 a s s e n in ihrer gegenwärtigen beleidigenden Form, für die sich nur die Aguda und mit ihr die „Reichspost“ einsetzen, ist als unzweckmäßig abzulehnen. Dio Stellung zur Hochschulfrage dagegen scheint uns der Ergänzung zu bedürfen nach der Richtung hin, daß die Lehr- und Lernfreiheit für die Juden nicht eingeschränkt werden kann. Zu begrüßen Ist die Erklärung, daß die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden unantastbar ist und außer Diskussion bleibt. Das ist in der Tat die einzige Voraussetzung für eine Aussprache zwischen den geistigen Führern. Früher hat man von anderer Seite gehört: „Wir werden euch viel nehmen, aber auch viel geben.“ Dies war als Ausgangspunkt für Besprechungen untragbar. Auf der Basis des vollen Rechtes und grundsätzlicher Gleichstellung ist das Judentum stets zu Verhandlungen bereit. Die Stelle, mit der Besprechungen dieser. Art geführt werden, ist gegeben. Es ist die Leitung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Sie ist die vor dem Gesetz und dem Gewissen verantwortliche Führung des Judentums in Österreich. Der Volksbildimgsreferent der Stadt Wien. Prof. Dr. Lugmayer, erklärte in einem dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur gegebenen Interview unter anderem: Ich sehe im Judentum eine religiöse Gemeinschaft, die wahrscheinlich so lange existieren wird, wie die christlichen Gemeinschaften existieren werden. Die Assimilation ist ein viel zu langwieriger Prozeß und im großen und ganzen nur eine Randerscheinung, die den Kern des Volkes nicht erfaßt. Die Zukunft der Juden sehe ich, im Gegenteil, in einer religiösen Vertiefung, die auch zu einem friedlicheren geistigen Zusammenleben von Juden und Christen führen kann. Ich bin auch für einen Ausbau der jüdischen Kulturautonomie. Es müßte ein vollständiges autonomes jüdisches Schulwesen geschaffen werden, das von den Juden selbständig verwaltet werden soll, wie überhaupt sämtliche kulturellen Agenda des Judentums von den Juden selbst versehen werden sollen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, will ich gleich bemerken, daß ich das selbständige jüdische Schulwesen nicht aus dem Grunde verlange, weil ich etwa einen ungünstigen Einfluß der jüdischen Kinder auf die nichtjüdischen befürchten würde. Derartige Auffassungen würden meiner langjährigen Erfahrung als Schulmann und Professor am Wiener Rainer-Gymnasium (mit einer zahlreichen jüdischen Schülerschaft) widersprechen. Aber die Judensohaft hat ein Recht auf ein eigenes autonomes Schulwesen. Die Einrichtung der Parallelklassen ohne jüdische Erziehung halte ich für unnvookmäßig. Hingegen soll das autonome jüdische Schulwesen grundsätzlich von der Volksschule bis zur Universität reichen, wenn auch eine jüdische Universität nicht in jedem Staate, sondern etwa in einem Staate für ganz Mitteleuropa geschaffen werden könnte. Ich trete für eine Ergänzung der jüdischen Berufsschichtung durch Ausdehnuug der Berufstätigkeit auf die gewerblichen ind landwirtschaftlichen Berufe ein. Es gibt jedoch manche Berufe, für die die Juden durch generationenlange Übung und Selektionen größere Fertigkeiten erworben haben, wie beispielsweise im ärztlichen Beruf, in dem immer eine relativ große Zahl von Juden tätig sein wird. Der Übergang von Juden zu den manuellen Berufen soll auch nicht durch Erschwerung des Studiums erzwungen werden. Meine Auffassungen müssen allerdings nicht nur den Juden, sondern auch den Christen erst klargemacht werden. Ich würde daher eine Aussprache zwischen den geistigen Vertretern beider Lager sehr begrüßen. Selbstverständlich kann es sich dabei nicht darum handeln, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden erst zur Diskussion zu stellen. Die Staatsbürgerrechte der Juden sind ebenso wie die der Christen unantastbar und daher außer Diskussion. Es kann sich auch nicht um gegenseitige Bekehrungsversuche handeln. Die Aussprache soll bloß dahin führen, daß die Juden und die Christen der Jetztzeit sich gegenseitig verstehen und nicht auf Grund geschichtlicher Rekriminationen (mittelalterliche Verfolgung auf der einen und Ablehnung der Erscheinung Christi auf der anderen Seite) einander Vorwürfe machen. Die internationalen Beziehungen der Juden sind meines Erachtens kein Hindernis für ihre Vaterlandsliebe. Diese Beziehungen können sogar zugunsten des Vaterlandes, in dem die in Betracht kommenden Judengruppen leben, eingesetzt werden, was heute auch vielfach geschieht. Ich bin der Meinung, daß die Juden nicht nur kn liberalen, sondern auch im christlichen Staate frei leben können. Ich hoffe, daß eine geistige Befriedung zwischen Juden und Christen, die schon bis jetzt auf beiden Seiten sehr aktivo Förderung erfahren hat, in Zukunft Tatsache werden wird. Diese Entwicklung erwarte ich insbesondere von der allgemeinen Erkenntnis der Prioritäf geistiger Werte. « Aus dem nebulösen Gerede über die „Vor etändigung von Volk zu Volk“ tritt di Äußerung Dr. Lugmayers als die erst klare und eindeutige Meinung heraus. Es is die Ansicht eines echten Patrioten, der dem jjg Heue jüdische Bücher §3 BS JiisJäSEEiiai Abraham Heschel: Maimonldes. Eine Biographie, Leinen.S 10*50 Das jüdische ABC. Ein Führer durch das jüdische Wissen in einigen hundert Artikeln, herauf, von E. B. Cohn, Leinen . . S 10 12 H. I. Schoeps: Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit, W. I. S 11*—- F. M. Kaufmann: Die schönsten Lieder der Ostjuden. 47 ausgewählte Volkslieder mit Sing, noten, 2. Auf!., Geb. . . . S V40 Steimatzky’s Palästina-Führer. Von Sev. Vilnay und Dr. A. Bonne, mit vielen Karten und Plänen, Leinen.S IV— j|j Buchhandlung R. Löwit ga Wien, I., Wollzeile Nr. 6—8 jg Telephon R 25-4-53 ij „Stimmungsmache gegen Österreich“ Wie berichtet, sind beim Generalsekretariat der „Vaterländischen Front“ Fachbeiräte der Ärzte und Rechtsanwälte eingerichtet worden, wobei kein einziger jüdischer Arzt und Rechtsanwalt berufen worden ist. Diese Maßnahme ist in allen jüdischen Kreisen als Symptom einer Konzession an die Numerusclausus-Agitation und an die nationalsozialistischen Aussohaltungstendenzen aufgefaßt worden. Pflichtgemäß und korrekt hat die „Jüdische Telegraphen-Agentur“ die Tatsache und ihre Beurteilung der jüdischen Öffentlichkeit mitgeteilt. Dies wird von den ,,Wiener Neuesten Nachrichten“ als , typische Stimmungsmache gegen Österreich“ veruadert. Wir meinen, daß die Stimmungsmache durch diejenigen erfolgt, Ho judenreine Fachbeiräte vorschlagen. Im übrigen“ — schreibt das Blatt -— scheinen die Juden immer noch nicht bekiffen zu haben, daß mit dem Ende der sozialdemokratischen Herrschaft in Wien

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