Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 456 (7.6.1935)
- Date
- 1935-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife Z DIB STIMME Nr. 456 — 7. 'Juni 1£mö ii i •tmmnrnmxm Tw= HOTEL BELLEVUE-»^ PÖRTSCHACH ah WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9‘- Hauptsaison.. , S12- Seebad und Garage frei / Geöffnet von Mai bisOktober / VerlangenSie Prospekte AUS DEM DRITTEN REICH Ein jüdischer Rückwanderer ermordet Im ..Pariser Tagblatt.1 wird das Schicksal eines unpolitischen Rückwanderers namens Alfred Ros e n b a, u in erzählt: Rosenbaum, ein junger kaufmännischer Angestellter aus Tauberbischofsheim, emigrierte Ende März 1033 nach Frankreich und arbeitete zunächst in einer Tischlerei in Straßburg, Später fand er in einer Möbelfabrik in Lyon eine Anstellung. Jedoch sein Gesuch um eine Arbeitskarte wurde abgeschlagen, weil er bei seiner Einreise angegeben hatte, daß ernichtpolit i s c h e r Emigrant sei, sondern als Jude emigrierte. Die französische Behörde stellte sich auf den Standpunkt, ein unpolitischer Flüchtling könne ruhig nach Deutschland zurück. Im März 1933 wurde ihm anbefohlen: ..Wenn Sie nicht innerhalb zweier Tage abreisen. werden wir Sie abschieben!11 Rosenbaum fuhr nach Würzburg in Bayern, wurde im April 1935 in ein ..S chnlungslage r11 gebnacht. Bereits einen Tag nach seiner Abführung wurde sein total zerfetzter Körper seinen Eltern zur Verfügung gestellt. Die offizielle Version lautete: Rosenbau in habe erklärt, er wolle lieber sterben, als in ein Konzentrationslager kommen, und habe sich unter die Lokomotive eines fahrenden Zuges geworfen. Die Freunde Rosenbaums in Lyon aber halten dies für unglaubhaft, man nimmt an, daß er bereite bei seiner Verhaftung totgeschlagen wurde und daß man den Körper zur Verdeckung des .Mordes unter den Zug g e w o r f e n hat. I die größte private Musikschule der Reiehs- I hauptstadt, da sie a u f j ii d i s <• h e m K apital basiert, auch in stärkstem .Maße jüdisch beeinflußt ist. Uml das bei einem zahlenmäßigen Verhältnis von 7 jüdischen Lehrern und 28 jüdischen Schülern zu 72 arischen Lehrern und über 270 arischen Schülern. Durch die Initiative der nationalsozialistischen Lehrer und Schüler ist diesem Spuk — anders kann man es nicht, nennen — endlich ein Ende bereitet wurden.“ Es wird sodann berichtet, daß die arischen Lehrer und der NS-Studentonbuml die geistige Führung dieses wichtigen Musikinstitutes übernommen haben, und daß der Chordirigent Bruno Kittel zum kommissarischen Direktor des ironischen Konservatoriums eingesetzt worden sei. Schändung eines jüdischen Fried• hofes In der Nacht zum 28. Mai sind auf dem jüdischen Friedhof in Oldenburg zahlreiche Grabdenkmäler uingeworfen und zertrümmert worden. Unter den von den bereits ermittelten Tätern heimgosuchten Gräbern befindet sich auch der Gedenkstein des Kriegsgefallenen Peter de Vries. eines Patenkindes des verstorbenen Großherzogs von Oldenburg, Nikolaus Friedrich Peter, der seinerzeit die Überführung der Leiche des Gefallenen aus dem Felde nach Oldenburg veranlaßte. Heß verbietet den Verkehr mit Juden Wie die ..Westfälische Landeszcitung Rote Erde“ in Dortmund berichtet, machte in einer Kundgebung der Ortsgruppe Herne- Mitte der NSDAP, der Ortsgruppenleiter eine Anordnung des Stellvertreters des Führers, Heß, bekannt, „die sich klar und bestimmt gegen den Verkehr mit Juden wendet11. „Es wird'1, so heißt es in der Anordnung, „von jedem Parteigenosse 9. erwartet, daß er weltanschaulich genügend gefestigt ist, um die Grenzen zwischen einem etwa dienstlich oder sonstwie nicht vermeidbaren und einem vermeidbaren persönlichen V erkelir mitJuden selbst finden zu könne n.“ Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, „läßt keinen Zweifel darüber, daß würdelose Parteigenossen und Parteigenossinnen, die trotzdem bewußt beim Juden einkaufen, mit ihnen 2>ersunlieben Verkehr pflegen oder gar als Angestellte durch Tragen von Parteiabzeichen Reklame für jüdische Geschäfte machen, sofort ans d e r B e w e g u n g a u s z u c h 1 i e ß e n sind“. Die Münchener Ausschreitungen Zu den Münchener Maßnahmen gegen eigenmächtige antisemitische Aktionen nimmt der bayrische Innenminister Wagner in einer längeren Veröffentlichung Stellung. Er erklärt darin: „Das Resultat, der nationalsozialistischen Revolution habe für das Judentum darin zu bestehen, daß heute Deutschland nach einem Programm regiert werde, in dein die Brechung des jüdischen Einllusses einer der wichtigsten Punkte sei. Wenn er. der Innenminister. trotz dieser Erkenntnis mit seinem ..Erlaß gegen Torrorgruppeu in München" gegen antisemitische Ausschreitungen vorgegangen sei. dann nicht, weil er die Juden unter seinen besonderen Rechtsschutz stellen wolle, sondern deshalb, weil I. diese Art des Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung unwürdig sei, 2. durch solche Terroraktionen das Ansellen der Slaat-sautorität schwer gefährdet werde, und ß. ein solcher Kampf das Judentum in Wirklichkeit nicht treffen könnte. Denn einen Schaden für zertrümmerte Fensterscheiben zahlen schließlich nur die Versicherungen. Den Schaden aber, den der nette Staat durch die Schädigung seines Ansehens in der Welt erleide, habe die Ge.samtbevölkerimg und nicht das Judentum zu bezahlen. Ein offenes Wort müsse auch an die Geschäftsleute gerichtet werden, die jenen Elementen Geld zur Verfügung gestellt hätten." Gänzlicher Boykott der Juden Wesentlich radikaler äußert sich der hessische Reichsstatthalter Sprenger auf der nationalsozialistischen Gauleitertagung in Darmstadt ztun Juden-Froblem. Er bczoichnete zwar die Anwendung von Terror als Unsinn, forderte aber zum vollständigen Boykott der Juden auf, die, wenn man sie ganz unter sieh lasse, gezwungen sein würden, Deutschland zu verlassen. Zu diesem Verhalten den Juden gegenüber sei nicht nur die Parteimitgliedschaft, sondern das gesamte deutsche Volk hinzuzuzichen. tüchtig, verläßlich, werden gesucht im Radio- HffAnv Wien, XX.,Staudingergasse 14 Eiektrohaus fllijCi Telephon A 43-4-25. Stera’sche I Schulu. Erziehungsanstalt |Schuldirektion: Malvine Friedmann | Wien, 1. Bezirk, Werdertorgasse 12 (Knaben u. M;!dchen),9-Uhr-Beginn, Öffentlichkeilsrecht mit Franz., Fnf:l., Latein (nach Wahl) :liii HMichi! Smaihlnirse Neue Schultyps fUr schul- Franniitrhllln (ein- und entlassene Mädchen: flfluUlljlllUlB zweijährig) I. Allgemeinbildung (Fremdsprachen, Literatur, Kunstgeschichte) - II. Praktische Ausbildung (ilandelsfächer, Stenographie, Maschinsetireibem —III. Moderner Koch- und Haushaltungskurs Tagesbeiin ÄK;hKuns,s‘w*tb“ Internat FßfißnflßilH an Wörthersee Telephon U 28-1-97 Das Sternsche Konservatorium wird gleichgeschaltet Berlin, 3. Juni. (%. T. A.) Der „Völkische Beobachter'1 berichtet über eine Versammlung, die die arische Lehrerschaft und die XS-Studcntonbimdgruppe am .8 fern s c h e n Kon s e r v a t. 0 r i u m r*inberufen hatte, um grundlegend die Verhältnisse an diesem Institut zu klären. Das Sternsche Konservatorium ist von Juden ge- ~BT Z~inderliebendes Fräulein wird zu mS 2 Mädeln, 7 und ISjährig, ganz insllaussofort auf genommen. J- Bedingung: Englisdi, Miltelsdudnaddiilfe, eventuell auch Klavier. Vorzustellen: Sonntag 12, bis 2 Uhr, Knisbadier, II., Unt. Augartenstr. 1, 1. 8 gründet, von Juden erhalten worden und wurde unter jüdischer Führung zu einer der angesehensten Lehranstalten. ..Es ist von höchstem öffentlichen Tnteres.v zu erfahren'1, so schreibt der „Völkische Beobachter“, „daß heute noch, im dritten Jahr .der Butipnalsoziaiistischen Revolution; Der Blick hinter die Kulissen Der menschliche Trieb, Kulissen ihres Geheimnisses zu berauben, ist, airailt und beschränkt sich nicht allein auf das Theater, sondern greift mit lüsterner Hand nach allen Kulissen, die. greifbar oder symbolisch, ein den menschlichen .Sinnen zugängliches Szenarium für Vorgänge aus der höheren Geiste* weit gefällig umgrenzen. Dem Theater kommt als Szenarium solch höherer, nur geistig zu deutender Handlungen nicht einmal primärer Rang zu. Es ist ja bei allen Völkern aus dem religiösen Ritual licrvorgegangcn: Das altgriechische Theater aus dem Dionysos-Kult, das neuzeitliche Theater aus den christlichen Mystode/ispielen des Mittelalters. Die altjüdische Literatur hat kein Drama hervorgebraeht, doch linden sich Ansätze hiezu in den Wechselgesäiigen einiger Psalmen und den Dialogen des Hohenliedes. Aber auch ohne diese letzte Entwickliingspha.se, die ihm Übergang zur profanen Kirnst bildet, .haftet dein Ritual jeder Religion genug Geheimnisvolles an, das die Neugier Außenstehender zum „Blick hinter die Kulissen11 aufstuehelt. Als das jüdische Heiligtum noch stand, mußte die Androhung der Todesstrafe das Eindringen Freunder in die geweihten Stätten verhindern. Besonders anregend wirkte auf die allgemeine Phantasie naturgemäß das Allerheil igste, das bloß vom Hohenpriester und auch von diesem mir einmal im Jahre betreten werden durfte. Als der Tempel den Belagerern in die Hände liel, beeilten sieh die römischen Soldaten, vor allein in diesen mysteriösen Raum cinzudringen, und als sie dort nichts fanden, was einigermaßen ihren phantastischen Vorstellungen von unermeßlichen Gold- und Silhorschät.zen entsprochen hätte, warm i-ir so enttäuscht, daß sie entgegen dein Gebote des Kai* er* 2 der; da* Heiligtum I gern erhalten hätte, die Brandfackeln ins Gebäude schleuderten. Dieser Vorgang ist für das Judentum symbolisch geworden. Man züchtet in der Phantasie der unwissenden Volksinassen gewaltsam die Vorstellung unermeßlichen jüdischen Reichtums, und wenn die Genarrten nicht* dergleichen bei uns linden, schleudern sie aus Rache Brandfackeln in unser Heiligtum. Alle Schmähungen gegen die Juden und das Judentum basieren auf dieser Taktik. Dabei gebärden sich die Brandstifter scheinheilig, als ob ihre Fackeln nicht sengen und brennen, sondern bloß leuchten sollten: leuchten hinter die Kulissen der jüdischen Weit. So entstanden die famosen „Protokolle der Welsen von Zion“, so die verschiedenen „Enthüllungen“ von Kit.11a.lmorden, Mostiensebändüngen, die beliebten „Entlarvungen“ unserer rabbiniseben Literatur, des Talmuds und Seluiichan Anteil, Pamphlete, die in Wirklichkeit nicht« anderes entlarven als die Ignoranz und Böswilligkeit ihrer Verfasser, kurz alles, was im Laufe der Jahrtausende über uns Juden ziisammengelogen wurde: elende Theatorcoups, hinter deren Kulissen zu leuchten, wie der Berner Prozeß jüngst be- Bei Verdauungsschwüche, Blutarmut, Abmagerung, Bleichsucht, Driisonerkranknngcn, Hautaiisschlägen, Furunkeln regelt das natürliche „Franz-Jos&f“-BitLenvassor vortrefflich dio so wichtige Darmtätigkcit. wiesen hat, für das Judentum nicht holastend, sondern nur befreiend wirkt. Dio wirklichen Kulissen der jüdischen Welt — das sind nicht die Potomk,machen Dörfer, die antisemitische Phantasie dem Pöbel zur lmat auf baut, sondern das sind die ehrwürdigen Bilder, die Bibel und Ge- BcUichtQ vom jiidj^oltüp, GdttsuchiOü Ihre Ferienreise nach Polen—Czemowitz mit Sammelpaß, D-Zug 2. u. 3. Klasse, am 7., 21. Juli, 1t. und 26. August Retour 4., 11. August u. 15. September mit dem Reisebüro „IRUT*4 Refer. S. Rosenkranz, I., Karlspl. 1 Telephon U 44-5-79 werfen. Audi in diese Kulissen ist in neuester Zeit oft 111111 gründlich liitieingoleueiltet worden, und soweit dies von der objektiven, wissenschaftlich seriösen Forschung besorgt wurde, hielt unsere 'Tradition der Untersuchung stand. Sogar Vorgänge der Urzeit, deren legendärer Charakter anzuhaften mhieu, wurden in den letzten Jahren historisch beglaubigt. 80 der SdiwelVlrcgen über Sodom und Gomorrha und die Sintflut. Die Goburtestadt Abrahams, das vor kurzem ausgegrabene Gr, entpuppte sich als Kulturstätte höchsten Ranges, als ein Venedig des grauen Altertums. Viele Wunder, z. B. der Fall der Mauern von .Jericho, fanden natürliche Aufklärung und damit Besfütigung, daß sie sich wirklich ereignet haben. Sogar die umstritten*t.o Epoche: die sieben Schöpfiuigslago haben in einem so hervorragenden Natunvissenschaftier wie Belache einen höchst geistreichen Deuter erhalten. Aber selbst wenn mim solche Erklärungen ablehnt, wenn mau sich an den Buchstaben klammert und dann Widersprüche zwischen einzelnen Erzählungen der Bibel und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung feststellt, dann sind doch nur einige Kulissen gefallen, aber nicht die höhere Wahrheit, die. sich hinter den Kulissen birgt und der das faustische Sehnen der Menschheit, hinter die Kulissen des Welttheaters blicken zu können, gilt. Schiller hat die Schaubühne als moralische Anstalt gewertet. Ist es von diesem Standpunkt aus nicht gleichgültig, ob Fiesko ertrunken oder ertränkt worden ist, ob die Jungfrau von Orleans auf dem Schlachtfeld oder auf dem Scheiterhaufen gestorben ist? Ebenso gleichgültig ist die schon vom Talmud aufgeworfene Frage, ob Hiob gelebt Iiat oder nicht. Wer sich von den im Buche Hiob aufgeworfenen Fragen im Innersten bewegt fühlt und wer von den dort gebotenen Antworten einen neuen Verbindungsweg zwischen Menschheit und Gottheit gezogen sieht, für dem ist dieses Buch etwas von Besuchet das schöne das österreichische Seenparadies BAD ISCHL größtes und meistbesuchtestes Solbad Österreichs Hotel-Pension Tis S E RAN D horrl. staubfreie Lage, gutbtlrgerlicke Pension von 3 8.—aufw. Park-Sanatorium Dr. H0R0WITZ GOISERN Tel. 12. EfiaSL*. SEEBAD ST.WOLFGANG SSO m U. d. 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