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Die Stimme · 1935-06-07 · Heft 456 (7.6.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 456 (7.6.1935)
Date
1935-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b, Preis dieser Nummer 20 g Heute Schewuoth-Festnummer 16 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG Hach Amerika »nd Kanada Koschere Küche auf der Majestlc 56.000 t Berengaria 52.000 t Aqufitanla 46.000 t Cunard White Star Repräsentanz: Wien, L, Kärntnerring 4 TeL V 46 0-48 ü 42-0-43 Nr. 456 | Wien, 7. Juni 1935 I Redaktion und Admin.stration; Wien, iH Marc-Airel-Strade o. Tel.: U 22-3-81. .ledaktlonsschluB Montag und Mittwoch vorm. Die nächste Nummer der „Stimme“ Infolge der Pflngstfeiertage entfällt die Dienstagn ummei, Die nächste Nummer der „Stimme“ erscheint daher erst Freitag, den 14. Juni. Die Uraufführung des ersten Palä stina-Tonfilms „Segen der Arbeit" Unter allen Zeichen eines besonderen künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignisses fand gestern im Rahmen einer Pressevorführung die Uraufführung des ersten Palästina- Tonfilms „Segen der Arbeit“ („Awodah“) «tatt Die Vorführung dieses Films, über den wir eine ausführliche Besprechung im Innern des Blattes veröffentlichen, hinterließ bei allen Anwesenden nachhaltigsten Eindruck. Überdies bringen wir aus Anlaß dieser Uraufführung Bilder aus dem Film auf Seite 11. VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSEBSTBASSE 6 An die Allgemeinen Zionisten Die Hauptwahlkommission hat den Wahltag zum XIX. Kongreß für den 4. J u 1 i festgesetzt. Der letzte Abrechnungstag für die Schekalim ist der 18. Juni. Wir machen hiemit ausdrücklich darauf aufmerksam, daß spätestens am 18. Juni im Laufe des Vormittags die Scbekelabrecbnungen, die Schekelhefte und außerdem die auf die verkauften Schekalim entfallenden Geldbeträge im Büro des Zionistischen Landeskomitees eingelangt sein müssen. Wenn das Geld, die Abrechnungen oder die Schekelhefte später einlangen, so verlieren die betreffenden Schekelkäufer das Wahlrecht. Es ist daher unbedingt darauf zu achten, daß die ordnungsgemäße Abrechnung unbedingt bis zum 18. Juni, vormittags, erfolgt sein muß. Aus der Provinz müssen die Abrechnungen, die Schekelhefte und die entsprechenden Geldbeträge am 18. Juni, vormittags, bei der Hauptwahlkommission, Wien, I., Marc- Aurel-Straße 5, eingelangt sein. Me Jerusalemer Wasserleitung Jerusalem, 4. Juni. (2. T. A.) Hier wird mitgeteilt, daß der Bau der neuen Jerusalemer Wasserleitung erst im Mai 1936 fertiggestellt sein wird. Ein neues offenes Reservoir soll bis dahin die Wasserversorgung verbessern. Zwischen dem Jerusalemer Stadtrat und der Regierung finden Besprechungen wegen Herabsetzung der Wasserpreiso statt. Die zehn Sätze der Sinai-Verfassung - Für unsere- LesÖr nur : r Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inzersdorf (Nleder-Östö.rrelc'h) Prtlfungserieichterunfl dwfoch.:, II Lauf eitles Auto im Lehrsaal!! Sie wiaren Sklaven gewesen in Ägypten, die 600.000, die hinter Moses das Nilland verlassen hatten, um in die ferne Heimat zu ziehen. Sie waren Sklaven gewesen, dii nichts weiter wußten, ale daß sie atmeten und daß sie bei der Arbeit von Aufsehern geprügelt wurden. Sie hatten immer nur Zwang gesehen und der rauhe Zuruf irgend eines stock bewehrten Fron vogtes war ihnen Gesetz gewesen. Nun waren sie sich selbst übergeben, die Sorge um Leben, Weg und Ziel und die tausend anderen Notwendigkeiten des Daseins traten an sie heran, an Menschen, die nie gewohnt gewesen waren, sich zu dem Mann neben sich, zu dem Nächsten, in Beziehung zu setzen oder die Beziehung zu erkennen... Sie mußten sich selbst erst das Gesetz des Zusammenseins, der Ordnung schaffen. Und so gab ihnen Moses das Gesetz. Von zwei Stein tafeln las er ihnen zehn Gebote vor, während der Berg donnerte und die Erde bebte. Tief grub sich 1 in ihre Erinnerung dieses Ereignis, mit erschauernder Seele hatten sie die Worte vei nommen, die ihnen‘ verkündeten, daß der Mensch drei Dinge heilig zu halten hat: die Freiheit, die Familie und das Leben. Der Mensch — so sagten ihnen die Steintafeln Moses — hait Pflichten gegen den Nebenmensehen. Er ist nicht für sich allein da und er muß die Unwahrheit meiden, Besitz, Familie und Arbeit des anderen achten. Diese zehn Artikel der Sinai-Verfaßsung sprachen in einfacher, klarer, unmißverständlicher Fügung zu einfachen Menschen. Nirgends wurde mit Strafe gedroht. Es ist selbstverständlich: Du sollst nicht falsch aussagen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht töten, du sollt am siebenten Tag mit Familie und Gesinde ruhen, du sollst kein fremdes Gut begehren, fremde Ehre nicht lästern. Vor allem aber: das höchste Gut sei dir die Freiheit, denn ich, der Seiende, habe dich aus der Sklaverei erlöst. Das wurde zu Menschen gesagt, vor deren Augen noch das ungeheuerliche Erlebnis der Freiheit brannte. Sie waren eben noch Sklaveu gewesen, gehorsam dem Stock und der Peitsche; und nun sprach unter Blitz und Donner, im rasenden Sturm der Elemente, der Gott ihres Stammes zu ihnen, sagte ihnen, daß sie frei wären, daß sie sich aber alles erarbeiten müßten, was dieses Leben adelt: die Freiheit, die Heimat, die Ordnung der Arbeit. Das wurde in zehn Sätzen ausgesprochen, hinter denen kein Richtbeil, kein Kerker, keine Buße stand. Du sollst, du sollst nicht» Diese zehn Sätze fassen alles zusammen, was Recht.und roohtens ist. Es ist an ihnen nichts zu erklären und zu deuteln. Und so, in ihrer kristallenen Klarheit, in ihrer Selbstverständlichkeit, sind sie zum ewigen Besitz des jüdischen Volkes geworden. Alljährlich, wenn dieses Fest der Erteilung der Lehre da ist, werden in der Synagoge, die mit grünem Laub geschmückt ist, die zehn Worte verlesen und feierlich, stellend, hört die Gemeinde sie an, dieses erste Gesetz, das eine Sklavenmenge sich gab, dieses Gesetz, das aus stumpfen Ziegelstreichern, Lastträgern, aus armen, gepeinigten, gedemiitigten Proletariern stolze, selbstbewußte Menschen machte, die das Recht vernahmen, das mit jedem geboren ist. Dieses Bewußtsein der persönlichen Würde und Pflicht hat das jüdische Volk als erstes in diese zehn Sätze gefaßt und sie als das schönste Geschenk den anderen Völkern übergeben. Es ist die Lehre von dem Mensehen und dem Nächsten, die Lehre, die da besagt, daß nichts bestehen oder gedeihen kann, was sich auf Gewalt und Macht gründet» Diese Lehre haben die anderen Völker, die nur an das Schwert und an Strafe glaubten, vom jüdischen Volk gehört Sie haben erkannt, daß diese zehn Worte die Wahrheit sind, haben sie übernommen und dem Volk, aus dessen Seele die Lehre kam, mit ewigem, unauslöschlichem Haß gedankt. Millionen Menschen, ganze große Völker lernen in der Sehule die zehn Worte und behaupten, daß auch ihr Zusammenleben von dem Licht dieser Wahrheit bestrahlt wird. Aber eie tun in allem und jedem das Gegenteil, und da die Existenz des jüdischen Volkes immer ihr Gewissen beunruhigt, haben sie diesem Volk die Last der Erbstrafe aufgebürdet. Für diese zehn Worte hat das jüdische Volle Unsägliches gelitten, ist es durch alle Höllen geschritten, ist es der Prügelknabe der Geschichte geworden. Aber kein Leid war imstande, aus seiner Erj Sätzen niedergelegt und ihr Inhalt heißts inueriing diese große Stunde am Sinai zu | Recht und Menschlichkeit. bannen, niohts konnte aus seinem Fühlen? und Denken den Stolz reißen,: daß es .als erstes Volk sich zu Recht und Sitte bekannt hat, daß es auf seinem ersten Weg in-die. Freiheit gehört hat, wie Gott selbst ihm befahl: heilig ist das Leben, heilig das Wort, heilig die Arbeit und das Erarbeitete, heilig; die Familie. Kreuzzüge und Inquisition, Scheiterhaufen und Pogrome, Acht und Feme haben wir für, diese zehn Worte tragen müssen, und was auch heute rings um das Haus des Juden in zischendem Haß, in Mord, Brand, Hetze und Boykott geschieht, das schreibt sich ans dem Minderwertigkeitsgefühl her. Sie haben das jüdische Gesetz abgeschrieben und sind von ihm abgewichen. Der Beschenkte bestraft den Geber. Wir aber tragen unser Gesetz wieder in die Heimat. Die Lehre vom Recht des Menschen, von der Gleichheit mit dem Nach« sten, von der Verwerfung jeglicher Kränkung fremden Gewissens, von der bedingungslosen Ablehnung der Gewalt, ist mit uns in die Verbannung gezogen und; ist immer Richtschnur . des Tuns der . Gesamtheit gewesen. Im ehemaligen österreichischen Abgeordnetenhaus hat einmal ein jüdischer Abgeordneter, Dr. Arthur Mahler, gesagt: „Das jüdische Volk ist ein kleines Volk und kann es sich leisten, Grundsätze zu haben und ehrlich zu bleiben.“ Wir bauen das jüdische Land und die jüdische Zukunft auf dem jüdischen Gesetz auf. Es ist -in zehn Die Verschleppung der Danziger Judenfrage Danzig, 3. Juni. Die Überweisung der Danziger Fragen, darunter auch der Petition der Danziger Juden, durch den Völkerbundrat an einen Juristenausschuß wird von dem nationalsozialistischen Regierungsblatt Danzigs als ein Erfolg des Senats bezeichnet, weil dadurch angeblich die Pläne der Petenten durchkreuzt worden wären, die eine sofortige politische Entscheidung durch den Rat erwartet hätten. Demgegenüber gibt das Blatt der Danziger Juden, „Danziger Echo“, der Auffassung Ausdruck, daß eine sofortige und demnach oberflächliche Entscheidung des Genfer Rates durchaus nicht im Interesse der Danziger Juden liegen konnte, sondern daß eine sorgfältige Prüfung der Petition durch sachverständige Juristen der jüdischen Sache nur dienlich sein kann, daß somit der Beschluß des Rates durchaus im Sinne der Petenten lag. Der Senat und die nationalsozialistische Partei Danzigs setzen ihre antisemitische Propaganda unentwegt fort und versuchen, den Unwillen der Bevölkerung wegen der Guldenabwertung und der damit verbundenen Teuerung von sich auf die Jtw den abzulenken. So veröffentlichte der Gauleiter von Danzig, Förster, soeben einen — auch von der reichsdeutschen. Presse wiedergegebenen — Artikel zur Guldenabw ertung und stellt dabei fest, daß eine der Hauptursachen für diese Maßnahme die schlechte Finanzlage des Reiches gewesen sei, das nicht imstande’ war, seine Exportschulden an Danzig zu be« zahlen. Aber Deutschland treffe hierfür —* so erklärt Förster — keine Schuld, sondern vielmehr die „Judenschaft der ganzen Welt, die über das nationalsozialistische Deutschland einen wirtschaftlichen Boykott verhängt hat, um den Wiederaufstieg der deutschen Nation zu verhindern.“ Zu gleicher Zeit hat auch der „Stürmer*4 eine Nummer herausgebracht, die zum Großteil Danzig „gewidmet“ ist t Tel A 48-9-22 .SENSAL. Häuserverwaltunsen Reparaturkredite ■% taiibu a mm Geldbeschaffungen ■*. lAUBWlANN WIEN, II., NORDPOLSTRASSE 2/3 Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest Zur Putzercb da braucht man Vertrauen/ Auf „Exquisit" kann man ruhig bauen Abholung und Zustellung kostenlos R 20-3-34

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