Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 455 (4.6.1935)
- Date
- 1935-06-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jfflr. m - t 7nflf im. m «TIMMI Seite 5 »i Das Neueste : . Polizei Im Istanbuler tcam Büro Istanbul, 2. Juni. (2. T. A.) Pölizef erschien überraschend im Büro der Jewish Colonisatlon Association Istanbul, ‘verhaftete den Leiter der Ica-Arbeit in der Türkei Direktor Tscherniak und beschlagnahmte sämtliche Akten. Auch in der Privatwohnung Tscherniaks und in den Wohnungen der übrigen Angestellten wurden Haus d u r ch s u ch u n g e n vongenommen. Pin Grund für die polizeiliche Aktion wurde bisher nicht gegeben. Einem Vertreter der 'Jüdischen Gemeinde, der Tscherniak im Polizeigefängnis aufslichen wollte, wurde die Erlaubnis hiezu verweigert. Generat Kondytts an die Juden Salonikis Saloniki. (2. T. A.) Der Vizepremier und Kriegsminister General K 0 n d y 1 i e 'ißt in Saloniki eingetroffen, um für die Regierungspartei den Waihlfeldzug zu leiten. In einer von Zehntansendeji besuchten Massenversammlung gab der General seiner Sympathie für die .Inden Ausdruck und sagte u. Die Juden können sich immer auf mich verlassen. Die Juden sind eine große, mit Vorzügen ausgestattete Rasse; nie werden wir vergessen, daß wir ihnen unsere Religion zu verdanken haben. Kondylis erklärte, dae Gerücht, wonach die Regierung beabsichtige, einen gesonderten jüdischen Wahlsektor in Janina, eine Art „W a;h l - G h e 11 o“, zu errichten, sei grundlos und wurde von Feinden der Regierung ausgestreut. * Die Zahl der Juden Salonikis Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde von Saloniki hat eine Zähl u n g der jüdischem Bevölkerung der Stadt elngele.itet; es wird dies die erste jüdische Volkszählung in der Geschichte Griechenlands sein. Die Zahl der Juden in Saloniki wurde vor dem Kriege auf mehr als 100.000 Seelen geschätzt. Nach dem ersten und dem zweiten Balkanbrieg haben maßgebende europäische Staatsmänner dem Plan erwogen, die Stadt 'Saloniki und Umgebung als eine Art jüdischen Freistaat zu erklären. Seither ging es mit den Juden Salonikis wirtschaftlich, sozial und kulturell abwärts, ihre Zähl verminderte sich von Jahr au Jahr beträchtlich. . Heute schätzt man die Zahl der jüdischen Bevölkerung Salonikis auf etwa 60.000 Seelen, die Zahl der seit, dem Kriege ausgewan eierten Salon ilcier Juden wird auf etwa 50.000 geschätzt, die natürliche Zunahme auf weniger als 10.000. Der große Brand in Saloniki im Jahre 1917, der einige jüdische Stadtviertel in Aß che legte, hat wertvolles Material über Zahl, Herkunft und Leben der Juden in Saloniki vernichtet. Argentinien nimmt Fiücktiinge auf Buenos Aires. (2. T. A.) Der Hochkommissar de« Völkerbundes für die deutechen Flüchtlinge, James Mac Donald, der kürzlich aus Buenos Aires nach Uruguay abreiste, erklärte Pressevertretern, die argentinische Regierung verhalte »ich günstig zu dem von ihm, Mac Donald, gestellten Verlangen, eine gewisse Zahl Flüchtlinge aus Deutschland nach Argentinien einzulassen, wo sie sich seßhaft machen sollen. MacDomflld verhandelte auch, mit der Regierung von Uruguay und begab sich von dort nach Brasilien, um mit der dortigen Regierung die bereits im Apni begonnenen Verhandlungen wegen Seßhaftmaohumg deutscher FlüohtMnige In Brasilien zu Ende zu führen. Angriff auf die Juden im Lodzer Stadtrat Warschau. (2. T. A.) Der Überfall der nationaldemokratisohen auf die jüdischen Stadträte in der Sitzung des Loclzer Stadtrates hat in ganz Polen einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Die Regierung erhält Aufforderungon aus vielen Teilen des Landes, den Lodzer Sta.dtrat aufzulösen. Zu den blutigen Ereignissen kam es bei der Abstimmung über das Budget. Als 1Ö5.000 Zloty für das Stadttiheater bewilligt wurden, rief der sozialistische Stadtrat U nbach, der kein Jude ist: „Es lobe die pol nie che Kultur, nieder mit den polnischen Hitle riete n!“ Die Nationaldemokraten begnügten sich nun nicht damit, gegen die sozialistischen Bänke loszustürmen, sondern sie warfen sich mit ihrer größten Kraft auf die jüdischen Stadträte, auf die eie mit Bänken losschlugen. Am schwersten verwundet wurde der Vertreter des jüdisch-sozial istischen „Bund“ Advokat N u t k i e w I c z, der ins Hospital gebracht werden mußte. Schwer verwundet wurde auch der Sejmdeputieirfce M i n z b e r g, agudistisciber Präsident. der Lodzer Jüdischen Gemeinde, der schon bei den national demokratischen Ausschreitungen im Lodzer Stadtrat im April erhebliche Verletzungen erhielt. Lejohter verwundet wurden die drei jüdischen Stadträte Fein, Ruß und S e i d e. Auch drei Nationaldemokraten wurden verletzt. Fünf Ärzte verbanden die Verletzten. Der Angriff wurde von den nationaldemokratisohen Stadträten Czernik, K ö szy c h o w s k i und Kowalski geleitet. Ein Bauerndorf will zum Judentum übertreten Vor einiger Zeit hat sich die Bewohnerschaft eines gesamten, weißrussischen. Dorfes in -der Nähe v on Pins k, bestehend aus 27 Männern, 16 Frauen und mehreren Kindern, an das Warschauer R a b b inat mit der Bitte gewandt, ihr zu helfen, daß sie zum Judentum übertrete. Das Rabbinat wies auf die aus der Zarenzeit herrührenden und heute noch geltenden Vorschriften hin, wonach es verboten ist, Christen zum Übertritt zum Judentum zu verhelfen. Nunmehr erschien eine Abordnung von drei Bauern beim Warschauer Rabbinat und bat, drei Mohelim (Beschneidungsfunkbionäre) zu entsenden. Die drei Bauern erklärten, die Bewohnerschaft des Dorfes halte schon jetzt an den Vorschriften der jüdischen Religion fest, bete dreimal am Tage und genieße nur rituelle Kost. Das Rabbinat versprach den Bauern, bei den Behörden vorstellig zu werden, damit ihrem Wunsche willfahren werden könne. Die Jüdische Partei in den tschechoslowakischen Bezirksvertretungen Prag. (2. T. A.) Die Jüdische Partei hat zum erstenmal Kandidaten für mehrere Bezirksvertretiingen aufgestellt. In M ä h r I s c h - O s t r a u gelang es der Partei, fast 85%, aller jüdischen Stimmen auf ihre Liste zu vereinigen. Gewählt wurde Dr. Othmar H it ß, In 2ili.na betrug die Wahlzahl 1450; für die Jüdische Partei wurden 1244 Stämmen abgegeben, das sind 70% aller jüdischen Stimmen. Durch. Koppelung mit der tßchechoßlowakischeii Sozialdemokratie wurde der Kandidat der Jüdischen Partei Gejza Hoff mann gewählt. In Karpathorußland wurden die folgenden Kandidaten dier Jüdischen Partei gewählt: Berehovo (J.gnac Feldmant), Svalava (Marcell G oIdstein), Chust (Dr. Emil I c h t c n b e r g), TaCovo (Adolf Krakau er). Die Vertreibung der indischen Bauern von Groß- Gaglow Der Bescheid des Reichsu n d Pro ußi sehen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft, betreffend die Auflösung der jüdischen Siedlung in G r o ß - G a g 1 o w, über die wir berichtet haben, lautet: „Es handelt sich nicht um die grundsätzliche Frage, ob Nichtarier, insbesondere ehemalige Frontsoldaten, in Deutschland überhaupt Grundbesitz erwerben dürfen, sondern nur darum, ob in dem behördlich geleiteten Siedlungsverfahren von Groß-Gaglow arische oder nichtarische Siedler angesetzt werden. Für dieses Siedlungsverfahren aber muß ich, entsprechend meinen allgemeinen Richtlinien für die Auswahl und Vermittlung neuer Bauern in behördlich geleiteten Siedlungsverfahren, daran festhalten, daß nur solche Personen angesetzt werden, die gemäß dem Reichserbhofgesetz deutschen oder stammesgleichen Blutes sind, und zwar auch auf Stellen, die der Größe nach keine Erbhöfe sind. Hier kann ich auch für ehemalige Frontkämpfer keine Ausnahme machen. Die rechtliche Grundlage für die Ansledlung der nichtarischen Siedler in diesem Verfahren liegt darin, daß es in einem solchen behördlich geleiteten Siedlungs- und Rentengutsverfahren im Ermessen der Behörde steht, wen sie als Siedler zulassen will. Dabei ist die Behörde auch berechtigt, bereifs erteilte Genehmigungen im Laufe des Verfahrens wieder zurückzunch rn c n. Es muß daher bei den von mir für die Überleitung der Siedlcrstcllon auf arisolv Siedler ungeordneten Maßnahmen verbleiben.“ Jüdischer Professor in Amerika wegen Antt - Mtler Tätigkeit entlassen New York. (2. T. A.) Professor Leonard B e r g e 1 vom Frauen- Collegn der Rütgers University in New Brunswick im Staate New Jersey ist seines Amtes enthoben worden. Die Maßnahme wurde.mit Sparrücksichten begründet. Prof. Bergei erklärt, seine Amtsenthebung erfolgte aus dem Grunde, weil er versucht hat, den im College vordringenden antisemitischen Geist zu bekämpfen und weil er gegen die Verbreitung antisemitischer Literatur in der deutschen Abteilung' 'des College aufgetreten war. Der Präsident der Rütgers University, Robert C. C1 othier, hat einen Ausschuß zur Untersuchung des Falles eingesetzt. Kfar Kremenezky — eine österreichische Kolonie [lllllllllllllllllillllllllllBllllllllllllllllllll Schon vor Monaten hat die KKL-Landesstelle Österreich gemeinsam mit dem Zionistischen Landeskomitee beschlossen, durch spezielle Sammlungen jene hoc! •'urige testamentarische Widmung Johann riieinenezkys entsprechend zu ergänzen und den Gesamtertrag dem KIvL-Hauptbüro in Jerusalem . bereitzustellen; dieses wurde zugleich gebeten, aus dein erhofften Ertrag eine Bodenfläche in Erez auszulösen, worauf eine landwirtschaftliche Kolonie „Kfar Kremenezky“ für Siedler aus Österreich erstehen soll. Der Plan wurde vom Hauptbüro froh begrüßt und gebilligt. Bisher haben aber leider die Sammlungen noch nicht jenen Schwung erhalten, welcher der Wichtigkeit dieser Aktion unbedingt gebührt. Die Schuld daran lüag nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben sein, daß in den Kreisen der Palästina-Freunde die Meinungen über den Wert landsmannschaftlicher Kolonien geteilt sind. Es scheint daher zweckmäßig aufzuzeigen, daß bei solchen Siedlungen die Vorteile weitaus das Übergewicht über die freilich unverkennbaren Nachteile haben. Sprechen wir zunächst von den Vorteilen! Jede Übersiedlung von Land zu Land, und gar die aus einem europäischen Kulturzentrum wie Österreich nach Asien, bedeutet zunächst eine Entwurzelung aus altgewohnten und liebgewordenen Verhältnissen. Durch dieses schmerzliche Empfinden wird, selbst für den besten Zionisten bei seiner Alijah die freudige Genugtuung darüber, daß sich die langgehegte Sehnsucht endlich erfülle, mehr minder beeinträchtigt. Das aber läßt sich durch die gemeinsame Übersiedlung und Kolonisierung in bedeutendem Maße mildern. Zumal für die Frauen, welche erfahrungsgemäß mit außerordentlicher Zähigkeit am Alten hängen, Ist diese Überlegung wichtig. Neben dem seelischen Moment spielt aber noch die praktische Erwägung eine große Rolle, daß alle Maßnahmen, welche zur gedeihlichen Kolonisierung nötig sind, sich unter Landsleuten leichter beraten und beschließen lassen — möge es sich nun bloß um die losere Zusammenfassung im Gemeindeverband oder um den strafferen Zusammenschluß in Genossenschaften aller Art handeln. Dabei dürfen alle diese Schöpfungein, wenn sie als solche österreichischer Siedler agieren, auf die dauernde Förderung durch die Landsleute in Palästina und im Hinterland zählen. So hat sich in Palästina nach dem Vorbild jener Landsmannschaften, -welche früher und stärker nach Erez kamen und sich dort' organisierten, vor allem der' Polen und der Deutschen, jetzt auch die „Hitachduth Olej Austria“ mit der Zentrale in Tel-Aviv und mit Zweigvereinen in den wichtigsten anderen Ortschaften gebildet und in das Programm die Förderung landsmannschaftlicher Siedlungen, vorstädtischer und agrarischer Natur, aufgenommen. In diesen werden nicht zuletzt die Siedlungskandidaten aus dem Mitgiiederkreis der HOA, als mit den Landesverhältnissen schon näher vertraut, willkommen sein, und schon deshalb wird die HOA mit all ihren moralischen und finanziellen Kräften diese Kolonisationsarbeit, und voran Kfar Kremenezky, fördern. Das gleiche gilt vom Zionistischen Landeskomitee in Österreich mit all seinen Sektionen sowie von den verschiedenen Sonderverbänden hierzulande, welche sich — trotz ihrer divergierenden Fraktiönsansichten — bereits einmütig für die Mitarbeit an Kfar Kremenetzky erklärt haben. Möge dies ein tröstlicher Fingerzeig sein, wie durch das praktische Aufbauwerk in und für Erez das Interesse vom zersetzenden Einfluß der Galuth und ihrem Parteihader abgelenkt und zu harmonischer Kooperation geführt werden kann! Hiezu kommt noch folgende Erwägung. Bekanntlich stellen die strengen Nonnen der Immigration Ordinance für viele Alijah-Kan- ’didaten ein ernstliches Hindernis dar. Eine Alijah aber zwecks planmäßiger Kolonisiemng — hier der österreichischen Landsleute — empfiehlt sich der Mandatbciliönie schon durch die geschlossene Organisationsform, welche eine erhöhte Garantie der Verwirklichung bietet. Darüber hinaus läßt sich hoffen, es werde gelingen, den österreicbi- Die Maimonides-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Bezirkssekiion Prater Am 15. Juni I. J.f präz. 9 Uhr abends, findet im LllStspielfihcater (Prater) die Maimonides-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Bezirkssektion und Wizo Prater statt Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der spanischen Republik, Exzellenz E. E. Garcia Comin, hat sein Erscheinen zu dieser Feier zugesagt Das Programm: Eröffnung: Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde; Festrede: Dr. David Rothblum, Präs, der Histadruth Iwrith / Es wirken mit: Der berühmte Tenor Josef Schmidt, Opernsängerin Fritzi Merley, Frau Dr. Mor ge n s tc r n - H a f te I, Sara Stukk har dt, Herr Heinrich Haftel Karten erhältlich: Zionistisches Landeskomitee. Wien, I., Marc-Aurel-Straße Nr. 5, Telephon U 22-2-11 Zionistische Bezirkssektion Prater, Wien, II., Jungstraße Nr. 8 (ab 6 Uhr abends) Ilona Abraham, Wien, I., Christinengasse Nr. 4 (Wäschesalon), Telephon U 11-0-63 Qptlkat KarJ Söldner, L Franz-Josefs-Kai 33, Telephon U 28-9-66