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Die Stimme · 1935-06-04 · Heft 455 (4.6.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 455 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sötte 4 Dlf STIMM! Kr. 159. ** ’L Vun! im Hießt braun, nicßt rot! Blau-weiß ist die Faßne cf es Allgemeinen Zionismus! Fräse der deutschen Juden vor dem Weltverband der Völkerbundligen Vom Landesverband der Allgemeinen Zionisten Palästinas Die Gruppe der Mitkadmim (Progressive), die •während der letzten Landeskonferenz in Palästina die Konferenz, jedoch nicht die Organisation verlassen hat, ist wieder in den Parteirat der Landesorganisation eingetreten. Der Parteirat des Landesverbandes der Allgemeinen Zionisten Palästinas hat eine sechsgliedrige Delegation, bestehend aus Vertretern aller Schattierungen zur Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten nach Krakau zu entsenden. Bas neue palästinensisch• ägyptische Handelsabkommen Jerusalem, 2. Juni. (2. T. A.) Der Schatzmeister der Palästina-Regierung. Johnson, der kürzlich die palästinensische Handels delegat i o n nach Ägypten führte, erklärte nach seiner Rückkehr den Pressevertretern, daß zwischen Palästina und Ägypten ein für beide Länder günstiges Handelsabkommen abgeschlossen und unterzeichnet worden ist. Er erwarte, daß die ägyptische Regierung die Frachtsätze für gewisse landwirtschaftliche und industrielle Produkte aus Palästina. beträchtlich ermäßigt., wodurch sich die Handelsbilanz Palästinas gegenüber Ägypten wesentlich bessern werde. Einmal im Jahre werden die palästinensischen und ägyptischen interessierten Kreise zusammentreten, um die Situation zu überprüfen. Der von Johnson geführten Delegation gehörten das Mitglied der Ständigen Kommission für Handel und Industrie S.hukri Bey el Taji. der Präsident des palästinensischen Fabrikanten-Vereins A. Shenkar und eine Anzahl oftizielter Sachverständiger an. Die im Citrus-Handel und in der Industrie maßgebenden jüdischen Kreise geben ihrer ■Unzufriedenheit mit dem palästinensisch-ä.gyp tischen Handelsabkommen Ausdruck und erklären, Palästina werde nur wenig Nutzen aus dem Abkommen ziehen. Revolutionäre“ arabische Jugend in Tulkarem Jerusalem, 2. Juni. (2. T. A.) Plakate in Tulkarem kündigten die Gründung eines „revolutionären“ arabischen Jugendverbandes an. Die Plakate trugen -die Losungen: „Gerechtigkeit über Gewalt“, „Das Volk über der Regierung!“ und ähnliche mehr. Einige Tage vorher waren in der Gegend von Tulkarem Plakate angebracht worden, in denen die arabische Bevölkerung zu 8 t e u e r s a b o t a g e aufgefordert -wurde. Eine der Losungen lautete: „Tötet die Reg; e n ingsb ea mten! “ Eine Polizeiabteilung ist nach Tulkarem abgegangen, um diese Umtriebe zu untersuchen. Rutenbergs Haifaer Kraft- Station Haifa, 31. Mai. (2. T. A.) Rutenbergs Haifaer Kraftstation, die an Arbeitsleistung die Ruten.bergsta.tion am Jordan libertrifft, hat zu arbeiten begonnen. Eine neue Siedlung im Süden Palästinas. Der Keren Kajemeth Leisrael hat jetzt eine größere Bodenfläche nicht weit von der jüdischen Kolonie Gedera. gekauft. Hier wird ein Dorf auf den Namen Menachem Lbsischkin gegründet werden. Hier wir der Verband ..Menachem“, der uns 100 Arbeiterfamilien in Rechobot, und Umgebung besteht. angesiedelt werden. Die Mitglieder des Verbandes befinden sich bereits 8 bis 15 .Jahre im Lande und arbeiten die ganze Zeit in der Landwirtschaft. Der Weltverband der Völkerbundligen wird vom 9. bis zum 13. Juni seine XIX. Ja.hreekonferenz in Brüssel ahhalten. Einen Punkt der Tagesordnung wird ein dem Weltverband von der palästinensischen V ö 1 k e r b u n d 1 i g a vorgelegter Entschließungsent.wurf über die Lage der Juden in Deutschland bilden. Dieser Entsohiießimgsentwurf hat den folgenden Wortlaut: „Die XIX. Jahreskonferenz des Weltverbanrles der Völkerbundligen erinnert an die durch die XVII. Ja.hreskonferenz angenommene Entschließung über die Lage der Juden in Deutschland sowie an den anläßlich dieser Jahreskonferenz von Lord C ec-il im Namen des Welt.verbandes an die deutsche Völkerbundliga gerichteten Appell, (Es handelt sich um die Resolution und den Brief Lord Ooits anläßlich der vom 3. bis 7. Juni 1933 abgehaltenen Jahresversammlung des Welf verbandes der Völkerbundligen in Montreux.'). bedauert, daß dieser Appell nicht die erwünschten Folgen in Form irgend einer Besserung der Lage der Juden in Deutschland gezeitigt, hat, stellt fest, daß, im Gegenteil, die seither durch die Reiehsregierung getroffenen gesetzlichen und administrativen Maßnahmen gegen die jüdischen Bürger Deutschlands, einzig und allein wegen ihrer Zugehörigkeit zut jüdischen Rasse, noch ganz bedeutend verstärkt wurden: ist der Ansicht, daß die Auf rech terha.Itung von Maßnahmen, die die jüdischen Staatsangehörigen des Reiches von der Gleichberechtigung ausschließen und sie der unwandelbaren Menschen- und Bürgerrechte berauben, eine Herausforderung bedeutet gegenüber den elementaren Grundsätzen, auf denen der Völkerbund und die menschliche Zivilisation aufgebaut sind; sieht es als eine Pflicht der internationalen Gemeinschaft an. den Minderheiten der Rasse, Sprache und Religion in allen Ländern die Anwendung der .allgemeinen Grundsätze der Gerechtigkeit und Freiheit4 ihnen gegenüber zu garantieren; protestiert, gegen das Gesamtauemaß der Verfolgungen, denen die Juden in Deutschland ausgesetzt sind, und bittet den Völkerbund und alle Regierungen, wirkungsvoll zugunsten der Juden in Deutschland zu 'intervenieren und entsprechende Mittel und Wege zu finden, um die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden in Deutschland wiederherzustellen und dem in dieser Hinsicht in Deutschland herrschenden, das Gewissen der ganzen zivilisierten Menschheit verletzenden Zustand ein Ende zu setzen.“ Die palästinensische VölkerbnndUga wird auf der Brüsseler Konferenz durch eine zahlreiche Delegation vertreten sein, der I>r. Nabum G o 1 d m a n n, Dr. M o s s i ns o n, T o 1 k o v s k y, H o o f i e n und Dr. F e i n h e r g angehören werden. Am 7. Juni wird in Brüssel eine Beratung des Exekutivkomitees des Weltverbandes der Völkerbundligen unter Teilnahme der Vertreter von Jugendorganisationen stattfinden, die über die Einberufung eines Weltkongresses der mit dem Völkerbundgedauken sympathisierenden .Jugendverbände aller Länder und Völker für das Jahr 1936 zu beschließen haben wird. Ais Vertreter aller jüdischer Jugendverbände Palästinas (Ha,nor Haoved und Beta.r mit einbegriffen) wird an dieser Beratung der Delegierte der Vereinigten Jugendverbände Palästinas, Nn.hum Bogratsehow, teil nehmen. Flüchtlingsfragen auf der Tagung der Völkerbundligen Auf der Tagesordnung der Jahreskonferenz dee Weltverband es der Völkerbundligen steht noch eine Anzahl anderer Fragen von mittelbar jüdischem Interesse, und zwar: 1. Die Frage der Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverträge. 2. Die Frage dee Schutzes der Flüchtlinge durch den Völkerbund. Zu dieser Frage liegt der Jahreskonferenz ein Entechließunigsentwiirf der britischen Völkerbundliga, vor, der die Schaffung einer zentralen Institution für Flüchtlingsschutz unter den Auspizien des Völkerbundes fordert. Der Entschließungsentwurf weist unter anderem darauf hin, daß das Oberkonimissariat für die Flüchtlinge aus Deutschland g a r k e i n e f i n a nzielle Unterstützung vom V ö 1- 1f Stürmer“ "Tafeln vor einer Berliner Synagoge Wie die Polnische Telegraphen-Agentur meidet, macht es einen niederdrückenden Eindruck auf die jüdische Einwohnerschaft des Berliner Stadtviertels Linde n s t r a ß e, daß die Polizei es Julius Streicher erlaubt hat, eine der Berliner Verkaufsstellen und blutrünstig antisemitischen Werbetafeln des „Stürmer“ in unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge Lindenstraße aufzustellen.- Ausbürgerungen von Juden Frankfurt a. M., 2. Juni. (2. T. A.) Die „Frankfurter Zeitung“ meldet: Nachdem bereits mehrere Listen von Ausgebürgerten für den Bereich der Reichshauptstadt bekanntgegeben worden sind — neuerdings hat der Berliner Polizeipräsident 50 Ausbürgerungen, fast ausschließlich von Nichtariern, verfügt — haben auch andere deutsche Städte, gestützt, auf das Gesetz über den Widerruf der Einbürgerungen, die bei ihnen zwischen dem 9. Jänner 1918 und dem 30. Jänner 1933 vollzogenen Einbürgerungen auf unerwünschten Zuwachs hin überprüft. Ein Überblick über die erfolgten Ausbürgerungen ergibt, daß vom Widerruf der Einbürgerung in der Hauptsache Ostjuden betroffen wurden. In Ludwigshafen wurde zunächst die Einbürgerung von 16 Leuten widerrufen. Zuchthaus für Druckschriftenverbreitung Berlin, 1. Juni. Wegen Verbreitung illegaler Druckschriften wurden d r e-i Juden z u Z u c h th ausstrafen verurteilt. Es sind dies der 30jährige Walter Ehr mann, der im Berliner Westen einen fliegenden Buchhandel betrieben hat, der 33jährige Wilhelm Ti sch au, der einen Zeitungsstand hatte, und der 26jährige Bernhard D a n z i n g e r. Sie erhielten je d r ei J a. h r e Z u c h thau s. Im Zusammenhang damit wurde eine Frau Margarete Freudent-hal, die diese Schriften gekauft ha.tt.e, zu vier M onaten Gefängnis verurteilt.. Kinder am Pranger Der regierungsoffiziöse „Westdeutsche Beobachter“ in Köln kündigt an, man werde von nun au fortlaufend die Namen arischer Mädchen und Frauen, die in einem „rasseschänderißohen“ Verhältnis zu Juden «toben, nebst, denen ihrer Kinder veröffentlichen. Das Blatt schreibt dann wörtlich: „Jüdisches Blut, ist für ums Deutsche Gift. Eß wirkt unbedingt und in jedem Falle tödlich. Für den davon Infizierten gibt es keine Rettung, denn wenn wirklich in einer Generation die bessere Erbmasse die Oberhand gewinnen sollte, so kann man schon für die nächste da« Gegenteil a.nnehmen ... Die Kinder, die so entstehen, ftind Ln jedem Fall verurteilte, gezeichnete Bastarde... Es muß auch völlig belanglos eein, ob unser Vorgehen in einem Ein/.elfall eine Härte bedeuten könnte. Wer sich am Gesetz der deutschen Racöc vergeht, ißt. ein Verbrecher, genau so wie ein Mörder oder ein. Dieb!“ kerb und oder von clen Regie* r u n g e n erhält. Die zu schaffende zentrale! Organisation solle (sich mit dem Schutz aller Flüchtlinge, also auch jener aus Deutschland, beschäftigen. 3. Eine Entschließung der britischen VölkerbundLiga, die gegen die in gewiesen Staaten vorherrschende Praxis der Ausbürgerung protestiert und den Völkerbund auffordert, sei Cts durch internationale Konventionen, eei as durch andere Mittel, dem weiteren Steigen der Zahl der durch Ausbürgerung (staatenlos werdenden Menschen Einhalt, zu tun. An der .Jahreskonferenz nehmen auch Vertreter des n a. t i o n a, 1 s o z i a 1 i s t. isehen Deutschland a,ls Delegierte der „Deutschen Gesellschaft, für Völkerbundfragen“ teil. Warnung vor Besuch der Banziger Bäder Das Zentralkomitee der A n t, i - Hitler- Aktion warnt in einer Mitteilung Juden vor dem Besuch der Bäder im Danziger Freistaat: Z o p p o t., Oliva, Bregen und G I e t k o w. In der Mitteilung heißt es, daß nicht allein in Danzig, sondern auch in den Bädern ein ant.ijücLischer Terror herrscht. Obwohl die jiidiißchen Kurgäste die. Hauptquelle des Einkommens der genannten Bäder sind, werden die Juden dort fort* während terroris iert und offen Mich beleidigt* wobei die Polizei die angegriffenen Juden durchaus nicht schützt. Alle jüdischen Angestellten ßind in diesen Bädern entlassen worden, die Angehörigen der jüdischen Intelligenzberufe werden schart boykottiert. Sehr oft. sind auch jüdische Kurgäste attackiert und he* 1 e i d i g t worden. Erklärung der Prager Kultusgemeinde über die Goedsche-Lügen Die den „Protokollen“ zugrunde liegenden Lügen, die der deutsche Postsekretär und Polizeispitzel G o e d s c h e in seinem ira Jahre 1869 erschienenen Roman „Biarritz“ aufgenommen hat, sind, wie jetzt bekannt wird, von der Prager jüdischen Gemeinde znm Gegenstand einer Untersuchung gemacht, worden. Goedsche hat unter anderem eine Rede eines Rabbiners Reichhorn am Grab des Großrabbiners Simon ben Jehuda, auf dem alten Friedhof in Prag wiedergegeben. Auf eine Anfrage aus der Schweiz hat nun die Jüdische Gemeinde Prag folgendes Schreiben gesandt:; Praha, 5. Dezember 1934. G. Z. 5062/34. P. T. Abraham Lekus, Ministre officiant de la Comraunaute Jsraelite de Vevey-Montreux La Tour-de-Peilz. ln Beantwortung Ihrer Zuschrift vom 28. November 1934 teilen wir höflich folgendes mit: Die im Archiv unserer Gemeinde und die bei der jüdischen Beerdigungsbrüderschaft in Prag eingeleiteten Nachforschungen haben ergeben, daß im Jahre 1869 k e i u Ra bh i n e r S i m e o n ben J e h u d a, j n P r a g gestorben o der b e i g e s e t, z t wurde, so daß auch keine G r a b r e d e auf dem jüdischen Friedhofe gehalten werden konnte. Weiter wurde festgestellt, daß weder im Jahre 1869 noch überhaupt im ganzen neunzehnten Jahrhundert ein R, a b b i n e r n am e n s R e i c h h o r n in Prag gewirkt hat, und n i e h t, e i n m a 1 d e in N a m e n n a e h in Prag bekannt, ist. Ebenso wurde festgestellt, daß weder in dem Archiv noch in der Bibliothek der jüdischen Gemeinde eine Grabrede eines Rabbiners Reichhorn oder eines Rabbiners Simeon ben Jehuda enthalten ist und daß iiher eine solche Grabrede absolut nichts bekannt, ist. Infolgedessen halten wir uns für berechtigt, zu erklären, daß Milleibingen über eine solche Grabrede, und ihren vermeintlichen Inhalt betreffend, erfand e n sind. — Jüdische Kultusgemeinde-Repräsentanz Prag. Zion. Verein „Alt-Blau-Weiß", I.,Neutorgasse 6 VaS*’ Uhr abends Dr. Oskar Grünbaum,Pr3si ent d0%zolrcl“cL-andesverba'1';es „Der bevorstehende Zionistenkongreß" Aus Dritten

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