Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 455 (4.6.1935)
- Date
- 1935-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 455. — 4. Jun! 1035. Oll STIMM! Salt« 3 Jabotinskys-Monologe Wladimir Jabotinsky, der Führer der Wifit,Union der Revisionisten, sprach Samstag nachmittags vor den Vertretern der Presse und am gleichen Abend in einer Verßammlung im Großen Konzerthaussiaal. Er versuchte mit viel Geist und leidenschaftlichem Temperament die Gründe da,rzulegen, die ihn und seine Anhänger veranlaßten, ans der Gesaintorganisation auszuscheklen, und kündigte die Veranstaltung eines „Plebiszits“ an, das über den weiteren Schritt entscheiden soll: über die Gründun einer neuen u na b h ä n g ig e n zion etischen Organisation. Jabotinskys Reden in Wien waren Monologe. In der Pressekonferenz bat er, von seinen Reisen ermüdet, um Entschul digung, etwaige Fragen, seine „Abrech nung“ betreffend, nicht beantworten zu kön neu. In clor großen Versammlung, die, von einem Zwischenruf eines einzelnen, gegne risch eingestellten Besuchers und einem daraus eich ergebenden Zwischenfall abge sehen, trotz den heftigen Ausfällen gegen die Exekutive und alle nicht revisionistisch Orientierten einen hohen Grad von Dis zlplin der Wiener Zionisten zeigte, ver teidigte Jabotinsky seinen Standpunkt, ohne aber überzeugen zu können, wenn auch der Boifall der jugendlichen Betanim das Gegenteil dem oberflächlichen Kenner der Psyche von derartigen Veranstaltungen zu verraten schien. Den mit der Materie und der Geschichte des Zionismus Vertrauten konnte Jabo tinsky, der jüdische Patriot, als den er sieh bezeichnet, nicht überzeugen, daß seine im Negativen wurzelnde Kritik gerade das ent halte, was der Führer von seinen Anhängern verlangt: autoritäre Disziplin. Von allen sachlichen und mit Ziffern belegten Argumentationen und allen gegen die Exekutive erhobenen Anklagen abgesehen, die aus den vielen Enunziationen der Revisionisten bekannt sind und auf Kongressen und Konferenzen vielfach diskutiert wurden, blieb 'Jabotinsky die Darlegung seiner konstruktiven Ideen, die man von einem Realpolitiker, auch wenn er in verantwort l ieh er Stellung als Führe r an der Spitze einer Opposition steht, unbedingt verlangen muß, schuldig. Nicht nur das: die Vorhersage einer Katastrophe in Palästina., die bei Einhaltung des gegenwärtigen Kurses eintretea müsse, ist klassischer Defai- ’t is m u s, der niemals deprimierender wirken muß als gerade jetzt in der tragischen Situation des jüdischen Volkes, da es alle Anstrengungen macht, der Weltöffentlichkeit einen geschlossenen Willen des Aufbaues zu zeigen unid sich anschiokt, alle Kräfte, geistige und materielle, in den Dienst seiner heiligen Sache zu stellen. Wo in aller Welt gibt es nicht Konstruktionsfehler, wo nur Vollkommenes aus einem Guß, das von vornherein für die Ewigkeit bestimmt ist, in .welcher Politik, auch der der mächtigsten Völker und Staaten, gibt es nur einen Weg, eine Taktik? Beseitigt man Mißverständnisse, die es im Leben der einzelnen und der Gesamtheit immer geben wird und geben muß, dadurch, daß man die Fahne .verläßt? Jabotinsky vermeint konsequent zu sein in seiner Ideologie und schaltet sich aus. Gerade er, der Herzl-Zionist, der Judenfitaatspolitiker, der glaubt idem jüdischen .Volk einen heroischen Dienst zu erwoisen, Indem er aus den Reihen seiner Freunde von gestern grollend wegigelit, um ein besseres Morgen vorzubereiten, müßte wissen, was es bedeutet, ärn Krieg ungehors a. m sein! Wer in kleinen Dingen irrt, warum sollte er nicht in großen irren können? Und hier sei, ahne auf sachliche Diskussionen, deren es wahrhaftig scheinbar auch in den klarsten Dingen oft zu viele gibt, einzugehen, eine Episode ans der Werboversammlung — denn nur eine solche wa.r es und nicht die Erörterung des angekündigtem und erwarteten Themas: „Die Schicksal »stunde des Judentums — Palästina, ein jüdisches Land?“ — als Beweis dafür angeführt.. Vor der Estrade hatte ein Zug uniformierter Betarim, die den Ordnungsdienst in der Versammlung versahen, Aufstellung genommen. Unter den jungen Leuten, die tagsüber offenbar anstrengenden Dienst geleistet hatten und trotzdem einen guten, disziplinierten Eindruck machten, wurde einem unwohl, er fiel, von einem Ohnmaehtsanfall betroffen, glattweg um und wurde in wenigen Sekunden, ohne viel Aufsehen und ohne daß eine Störung ©ingetreten wäre, von seinen Kameraden in die frische Luft aus dem Saale getragen. Schon nach kurzer Unterbrechung konnte der diensthabende Arzt dem Führer Jabotinsky melden, daß es sich um ein vorübergehendes Unwohlsein handle. Jabotinsky gab Befehl, daß der vor der Estrade postierte Zug ohne Kommando den Saal zu verlassen habe. Den Abmarsch der Jungen begleitete ein Teil der Versammlungsteilnehmer mit Händeklatschen, um seiner Zustimmung Ausdruck zu geben, daß die braven Jungen abtreten durften. Jabotinsky nahm diesen sicherlich humanster Regung entsprungenen Applaus zum Anlaß, der Versammlung gereizt eine Rüge zu erteilen: „Ich mißbillige diese Manifestation, sie ist taktlos!“, rief er in den Saal.. Hätte er, ein besserer Psychologe, den wahren Grund des Beifalle erfaßt oder hätte er durch Abstimmung das Motiv, das den Beifall aualöste, erfahren können, er hätte sich überzeugt^ daß er irre und die unscheinbare Episode andere Beweggründe halbe, als die ähr unterschobenen. So wurde dieser an und für sich ganz unbedeutende Zwischenfall dem aufmerksamen Beobachter zum bedeutsamen Gleichnis: Ein Führer kann nicht nur in kleinen, er kann auch in großen Dingen irren: Jabotinsky irrt und die Geschichte kann und wird gegen ihn entscheiden. Dawid Jehuda. Zionistische Organisation und Arbeitsregelung Milan MH. lel-MI Neueröffnetes Hotel in Tel-Aviv, Jarkon-Straße 72. Herrliche Lage. Direkt am Strande. Schöne Zimmer, alle mit fließendem Wasser und Balkon. Aussicht aufs Meer. Mäßige Preise. Konziliante Bedienung.! Aus Tel-Aviv wird uns geschrieben: Der Prager Kongreß nahm, als er schon in den letzten Zügen lag, eine Reihe von Beschlüssen zur Regelung der Arbeitsverhältnisse in Palästina gemäß Formulierung der Arbeiterpartei an. Dort heißt eis zum Titel „Kollektivverträge“ unter anderem: „Die wichtigste Grundlage für die Entwicklung der V olkswirtschaft ist die Festsetzung geregelter Verhältnisse zwischen den Arbeitgebern und ihren Organisationen einerseits und der organisierten Gemeinschaft der Arbeiter anderseits durch Arbeitsverträge, welche angemessene Arbeitsbedingungen und zugleich Formen der Vermittlung und eines obligatorischen Schiedsgerichtes bei allen Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Teilen für die Dauer des Vertrages sichern.“ ‘ Als nun bei der letzten AK.-Sitzung in Jerusalem die Exekutive mehrfach befragt wurde, ob und was sie zur Ausführung des Kongreßbeschlusses, die Errichtung der obligatorischen Schiedsgerichte betreffend, veranlaßt habe, blieb sie jede Antwort schuldig. Dafür meldete sich Meier JaaTi zum Wort. Es ist ebenderselbe, der als Führer des Haschomer Hazair- Kibuz Arziam Kongreß nach Annahme oberwälmter Beschlüsse namens seiner Delegiert,engrnppe erklärt hatte, sie habe sich beim Passus, wonach gemeinsam wirkende Arbeitsämter durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber und eine gemeinsame oberste Arbedtsinstanz zu schaffen seien, der Stimme enthalten; „well wir gegen gemeinsame Arbeitebüros und für die Erhaltung des besonderen Arbeitsbüros der Arbeiterorganisation sind.“ Bei der AK.-Sitzung nun erklärte Jaari laut „Palcor“ wörtlich: „Dio Einführung eines Systems von Schiedsgerichten wäre eine Degradation des Arbeiters zu einem Interessenten. Es kann nach unserer Meinung keinen neutralen Schiedsrichter geben.“ Was soll das heißen? Wer das wirklich nicht versteht, dem sei es hiemit verdolmetscht, wobei wir zum besseren Verständnis zunächst den zweiten Satz Juans vornehmen. Die Scheidung des Jis c h u w durch den Klassenkampf sei so tiefgreifend, daß es im ganzen Volk keinen Menschen gibt, welcher eine objektiv gerechte ausgleichende Meinung hegen und äußern kann, mag nun der Schiedsrichter von der Zionistischen Organisation, der Knesse Israel als Organisation des Jisehuw, von einem Gerichtshof oder von wo sonst entsandt werden. Und nun zum ersten Satz zurück! Daher sei der Arbeiter allein würdig, alle Arbeitsfragen nach seinem alleinigem Ermessen zu regeln... Nun gut, Jaari ist. zwar ein Wortführer des Haschomer Hazair, jener in Erez und in der Galufh während der letzten Jahre großgezogeneu Arbeiterorganisation, welche bei Ablehnung des Heskem Ben Gurion- Jabotinsky eine entscheidende Rolle gespielt hat und letzthin vom Aktionskomitee die Rechte eines Sonderverbandes verliehen erhielt. Doch immerhin stellt der Haschomer Hazair als radikaler Flügel der linken Arbeiterschaft erst eine Minderheit derselben dar und man kennt Jaari als Enfant terrible, das allein von allen linken Rednern bei der AK.-Sitzung für die Entfernung der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation auftrat. Was aber hatte zur einschlägigen Regelung der Arbeitsverhältnisse Ben Gurion zu bemerken, welchem als Generalsekretär der Histadruth, dieser die gesamte linke Arbeiterschaft umfassenden Gewerkschaft, und zugleich als Mitglied der Zionistischen Exekutive ein maßgebendes, verantwortungsschweres Wort zustehfc. Er hat sich laut „P a 1 c o r“ am 1. April in der Abschliußrede ' zur Generaldebatte des Aktionskomitees wie folgt geäußert: „... Inhaltlich bezog sich dieser Entwurf zu einem Abkommen auf die Beziehungen zwischen der Histadruth und den revisionistischen Arbeitern. Warum ist dieser Vorschlag nicht seitens der Zionistischen Exekutive gemacht worden? Weil ihr hiezu die Autorisation fehlt. Solange die Exekutive nicht die Befugnis besitzt, über den Besitz von Juden nach ihrem Gutdünken zu verfügen, hat sie a.ueh nicht die Befugnis, über die jüdische Arbeit nach ihrem Willen zu verfügen. Die Regelung der Arbeit und der Beziehungen zwischen den Arbeitern ist die eigene A n g e 1 e g e n h e d t der Arbeiter selbst...“ Und als Hauptpunkt der Arbeitsregelung nennt Ben Gurion gleich darauf das Streikrecbt. Welcho Gedankenspriinge! Die Exekutive verfüge nicht über den Besitz von Juden? Gewiß nicht in dem Siiln, daß sie deu Besitz konfiszieren darf, wohl aber, indem sie ihn 6o zu regeln sucht, wie es dem Gesamt- Interesse des jüdischen Volkes entspricht. Daher zum Beipiel die Förderung des nationalen Bodeais neben dem Privateigentum an Boden, die Stellungnahme gegen jede Art Bodenspekulation, der moralische Zwang gegen den Besitzer, jüdische Arbeit zu verwenden, auch wenn sie ihm teurer kommt als arabische Arbeit usw. Die Regelung der Arbeit aber, Chawer Ben Gurion, auf Seite des Arbeitnehmers, die Regelung der Frage, ob und wann zum Kampfmittel des Streiks gegriffen wird, soll die Exekutive nichts angeheu? Das soll nicht Sache der Zionistischen Organisation als Repräsentanz der Volksgemeinschaft und ihres Gesamtinteresses sein? Wie verträgt sich das alles mit den eingangs zitierten K o ng r e ßb e s c h Ui sie e n auf Kollektlvverträge mit obligatorischem Schiedsgericht und auf gemeinsame Arbeitsämter? Und warum wurde dann der Kongreß bemüßigt, feierlich zu erklären, daß gegen joden Bruch eines Streiks, der — also einseitig — von der „Arbeiterschaft,“ (oder vielmehr von ihrem in der Histadruth organisierten linken, zum Teil an tl z i o n i st Isehen Flügel) beschlossen wird, die Machtmittel der Zionistischen Organisation durch Diffamierung und Bestrafung dem „streikbrechenden“ Arbeiter einzusetzeui sind? Es scheint hocherwünscht, daß Ben Gurion, daß die H i s t adruth, daß die Zionistische Exei kutive selbst diese Wider-* Sprüche erschöpfend aufklären, Und das umso rascher in einer Zeit, da die heilige Pflicht zur Disziplin, zur unbedingt ten Unterordnung unter die Beschlüsse de? Zionistischen Organisation so scharf gepredigt wurde und wird! Separiertes tenzlmmer möbliert oder unmöbliert billig zu vermieten. (II., Matthäusgasse 6, 3. Stock 32 Ben Gurion für einen ge• einten Zionismus Der gegenwärtig in Amerika weilende! politische Leiter der Jerusalemer Exekutive! der Jewish Agency, David B e n - G u r i o n, hielt an die Vertreter der amerikanißohjüdisohen Press© eine Ansprache, in der er erklärte: Die politische Lage ist nicht ohne Gefahren. Wir sind für möglich ei kritische Ereignisse nicht ge* rüstet. Der kommende Zionistenkongreßl müsse einen erneuerten, willenskräftigen und vereinigten Zionismus schaffen, der das ganze jüdisch© Volk für eine .große kolonisatorische Tätigkeit mobilisiert. PALASTIN^IELDETs Achi-Meir behält die Palästina-Bürgerschaft Die Palästina-Regierung hat ihre Absicht* Achi-Meir die Palästina-Bürgerschaft zu entziehen, nunmehr definitiv fallen gelassen. Hingegen hat die Regierung das Ansuchen Zvi Rosenblatts, der wie erinnerlich zusammen mit Abraham Stavskl des Mordes an Dt. Arlosoroff angeklagt war und freigesprochen wurde, um Zuerkeiinung der Palästina-Bürgerschaft gemäß dem Naturalisationsgesetz, nachdem er diie im Gesetz vorgeschriebene Zeit in Palästina verbracht hat, ohne Angabe) des Grundes abschlägig beschieden. Jüdische Bodenkäufe bei Die arabische Zeituug „A Difaa“ berichtet, daß der 5000 Dunarn umfassende Boden des Dorfes G e o r a nördlich von Haifa an Juden verkauft worden sei. Der Ver» kaufspreis habe 13.800 Pfund betragen. Vier Millionen Pfund des Keren Kajemeth Das Zentralbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem teilt mit, daß beim Fonds seit seinem nun 33Kjährigeu Bestehen bis heute vier Millionen Pfund an Spenden eingegangen sind. Die erste Million wurde in der Zeit von 1902 bis 1922 gesammelt, dagegen sind seit 1922 in jeder vierjährigen Periode ungefähr je eine Million Pfund eingegangen. Nunmehr ruft der Keren Kajemeth zur Aufbringung der fünften Million im Verlauf von zwei Jahren auf. Die hebräische Sprache im palästinensischen Postwesen Israel Ami kam, der 6 eit Jahren für die Gleichberechtigung der hebräischen Sprache mit den anderen offiziellen Landesvsp rachen kämpft und es im vergangenen Jahre durchgosetzt hat, daß die Regierung die Zulassung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen bei zwanzig Postämtern in Palästina verfügte, hat, der Mandats« k o m m i 6 6 i o n des Völkerbundes ein Memorandum unterbreitet, in dem die Ausdehnung dieser Verfügung auf alle Postämter Palästina« gefordert wird. Allgemeine Zionisten! Bei Letzte Schekelabrechnung am 11. Juni! Abrechnung Verlust des Wahlrechtes! i'i-