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Die Stimme · 1935-06-04 · Heft 455 (4.6.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 455 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seftd Z Dü STIMM! Nr. %8. — l yimf IMS,' reicht worden. Diese 300.000 Menschen sind nicht,, wie Jabotinsky erörtert, ein „geistiges Zentrum'' — was ja an eh nicht ga.r so geringschätzig zu -behandeln wäre — sondern eine sehr starke und eich stetig vermehrende politische Kraft. Sie kann allerdings nur dann nutzbar gemacht werden und bei den Verhandlungen mit der Regierung und der Mandatskommission sich auswirkcn, .wenn sie durch eine einheitliche Organisation vertreten wird. Herr Jabütosky sabotiert dies. Er begnügt ei oh aber nicht mit 400.000. Er sieht die gegenwärtige entsetzliche Lage des europäischen Judentums als •Vorbereitung der Evakuation an und will Millionen aufnehmen. Wir stad nicht so pessimistisch. Aber wenn er Recht hätte, ist die Lahmlegung der zionistischen Organisation der Weg zu einer solchen, alle Vorstellungen über schreitenden Massenimmigration? So wie Herr Jabotinsky Transjordanien und die Erweiterung der Einwanderung als notwendige Postulate frisch entdeckt hat, eo hat er noch mit anderem alten Forderungen aufzuwarten, die er als „programmatisch“ verkündet. Er wirft den Schekel in idie Debatte, und wieder sagt er nicht, daß diese Angelegenheit seit Jahr und Tag gerade von den Allgemeinen Zionisten 'behandelt wird. Es ist tatsächlich so, wahr, daß der Schekel, das Dokument für das Wahlrecht zum Kongreß, ein Handelsgegenst-and fiat: so wie die theoretische Möglichkeit besteht, daß einmal die nichtzioniö tische Hälfte der Agency, wenn es ihr darauf ankommt, Tein durch Geld, durch Massenkauf von Schekeln, den Kongreß dirigieren kann, so ist es ein Unding, daß eventuell die Amsterdamer Internationale, der die palästinensische Sozialdemokratie angeschlossen ist, einmal mit demselben Mittel Einfluß auf den Kongreß gewinnen könnte. Die Gefahr besteht und es könnte sich sogar ereignen, daß in der arabischen Frage, in der Frage des Parlamentes, ein Druck aus dem Ausland von einer nichtjüdischen Stelle zumindest versucht würde. Aber dieseT Gefahr beugt man nicht vor, indem man sich eine neue Fahne kauft und abmarechiert. Ein Soldat, Herr Jäbötinsky, bleibt auf dem Posten — oder er ist nur Agitator. Der Allgemeine Zionismus hat die sehr schwierige Aufgabe, daß er auf dem Kongreß allein um die Reinheit der zionistischen Arbeit, um ihre Sicherung gegen nichtjüdische Ideologien kämpfen muß. Er sieht die groteske Situation, daß rechts und links Parteien und Gruppen entstehen und so tun, alt? wäre Palästina schon jüdischer Staat. Sie kämpfen und reden und agitieren — und dabei ist England da, sind die Araber da, und dabei iet der Zionismus nur eine Minorität im Judentum und dabei besteht die Hitlerei und eine tiefgehende Verarmung und Entmutigung des ganzen jüdischen Volkes. Und um dies alles noch quälender zu gestalten, wirbt Jabotinsky für eine zweite zionistische Organisation. Ihre nächste Folge wäre wohl die, daß der englischen Macht das Divide et impera noch leichter gemacht wird. Keine noch eo blendende Rhetorik, keine noch eo großartig aufgemachte Wiederholung alter, allen gemeinsamer Wünsche und Forderungen kann darüber hinwegtäuschen, daß Jabotinskys neuer Plan den Zionismus in seinen Grundlagen trifft und alles gefährdet, was in 30 Jahren mühsam aufgebaut worden ist. 4> Jabotinsky entwickelt sieh Ein Detail aus der Rede Jabotinskys zeigt, daß diesem Führer itn Kampf das Gefühl für Verantwortung vollständig abhanden gekommen ist, Er hat ein Gespräch mit einem religiösen Zionisten in Warschau geschildert, das sich um die Disziplinklausel auf dem Schekel drehte. Jabotinsky habe ihm gesagt, daß doch ein religiöser Mann nicht die Disziplinklausel annehmen könne; darauf habe ihn der Mann auf das Kol Nirlre-Gebet verwiesen. Die Erzählung verursachte einen Entrüstungssturm im Publikum. Einige Anwesende verließen den Saal. Darauf setzte eine Applausdemonstration der Betarim ein, die schließlich Jabotinsky selbst minutenlang fortsetzte. Seine Erzählung wird jetzt dom Archiv Hitlers einverleibt. Man weiß, welche Rolle das Kol Nidre-Qebet in der antisemitischen Propaganda spielt. Sie kann sich jetzt auf den Überjuden Jabotinsky berufen. Er hat übrigens auch behauptet, daß der Keren Kajemeth und der Keren Hajes*od Gleiches Recht für die Allgemein-Zionistische Jugend! Gegen das ungerechte Alijah-System! seit 15 Jahren ihre Gelder in die Kassen der HifltAidmth geleitet haben. Er hat weiter behauptet, daß Schekel an Katholiken, Aqttidishen und Kommunisten verkauft werden 1 Er ist also nicht, nur in das antisemitische Fahrwasser Hitlers gelangt, er sagt auch wider besseres Wissen Unw a h r h c i t c n. Herr Jabotinsky entwickelt sich in sonderbarer Richtung. Und mit ihm die Jugend, die er führt. Siebentes Dominion, Kronkolonie oder judenstäat Es gab schon einmal eine Periode in der zionistischen Geschichte, da der Erhebung des Landes zum siebente® Dominion des britischen Weltreiches das Wort geredet wurde. Zu den Wortführern gehörten damals Jabotinsky und d©T englische Abgeordnete Oberst Wedgewood. Nach dien Augustunruhen des Jäheres 1029 erklärte aber Oberst Wedgewood, daß mit Rücksicht auf das Verhalten Englands mir Zeit der Unruhen und auf die üaehherige Politik Lord Passfields die Idee eines siebentem Dominions als gescheitert angesehen werden müsse und die damals bestandene Liga für das 7. Dominion löste sich auf. In der letzten Zoit erfuhr die Idee vom siebenten Dominion eine Art Wiederbelebung. Zunächst meldete sich als ihr Verfechter Mos oh eh Smilansky, der Präsident des Kolonistenverbandes in Palästina, und auch Oberst Wedgewood tritt neuerdings auf den Plan. Er veröffentlichte kürzlich in der dem KolomuLministeriiim nahestehenden Zeitschrift „The Near East and In dia“ (London) einen bemerkenswerten Artikel. Die Redaktion dieser Zeitschrift erklärt zwar, daß der Artikel nicht die Ansichten der Redaktion wiedeTgeibe; es ist aber immerhin bemerkenswert, daß dieser Artikel gerade in „The Near Bast and India“ erschienen ist. Wedgewood bemerkt eingangs, es sei vielleicht nur ein frommer Wunsch, daß Palästina ein britisches Dominion mit eigener Regierung werden könnte, aber die Umwandlung in eine Kronkolonie würde praktische Politik bedeuten. Palästina sei nun einmal das einzige Land, wohin sich die bedrängten Juden wenden können, und es sei unvernünftig, die Einwanderung auf die Dauer von der „wirtschaftlichen A uf nahm sfähigkei t“, wie sie von christlichen Beamten festgestellt wird, abhängig zu machen, anstatt die Gesetze von Angebot und Nachfrage zu respektieren. Wären die Einwanderer Engländer, dann würde die gegenwärtige Situation nicht eine Minute andauem. Wedgewood kritisiert die Halbung der englischen Beamten gegenüber den Juden, insbesondere die Beamten aus der ersten Zeit, und auch jetzige Beamten, die sich offenbar in dem neuen Milieu nicht wohlfühlen. Wenn man auf die schlechten Straßen, die Mängel des Erziehungewesens, die schlechten Steuern usw. Mnwelse, dann bekomme man von den Beamten immer zur Antwort: „Sie vergessen, daß wir hier nur ein Mandat zu verwalten haben.“ Wedgewood kommt zum Schluß, daß nur die Umwandlung in eine Krönkolonie Abhilfe schaffen könne, denn dann würde Palästina die Vorteile der Imperial Preferenoe genießen. Weder Juden noch Araber haben den Wunsch, in die mittelalterlichen Zustände der arabischen Herrschaft zurückgeworfen zu werden, noch auch wollen sie unter der Herrschaft der Histadruth (siel) stehen. In Palästina könne England eine größere Rolle spielen, als das alte Griechenland es jemals getan hat. Man dürfe auch nicht vergessen, daß die deutsche Sprache in Palästina im Vormarsch sei. Jiddisch sei deutsch. Es gebe auch deutsche Kolonien, die deutschen Juden wandern ein und sind maßgebend im Geschäft,sieben, in der Warenerzeugung und im Bankwesen. In 100 Jahren wird Palästina entweder deutsch oder englisch sein. In dasselbe Horn wie Wedgewood stößt die in London erscheinende Zeitschrift „The Crown Co 1 on is t“, die eich auf Smilansky ate Gewährsmann beruft. Wenn wir nicht wüßten, daß Oberst Wedgewood ein ergebener Freund der zionistischen Sache ist, so wäre man fast versucht, auszuruien: „Gott schütze uns vor unseren Freundenl“ Ee ist allerdings Tatsache, daß Oberst Wedgewood schon bei einer Rede im Unterhaus bei all seiner Freundschaft bewiesen hat, daß ihm, der die Frage eines jüdischen Palästinas nur vom Standpunkt der Judenverfolgungen in Europa betrachtet, der tiefe Sinn der zionistischen Idee nicht klar geworden ist. Wir Zionisten wollen in Palästina kein Nachtasyl haben und wir wollen unsere Erstgeburt auch nicht dafür verkaufen, daß wir nach Smilanskys Wunsch die Hoffnung auf den Judenstaat aufgeben, um dafür Z o 11 f r e i h e i t, Zollo d e r Frachtbegünstigungen für die Palästinaorangen zu erhalten. Uns geht es um mehr. Uns geht es um die Existenz des jüdischen Volkes ln seinem Land. Auch wenn wir die Impcrial-Proferonce nicht erhalten, auch wenn uns der Gesetzgebende Rat droht, gibt es für uns kein Abweichen von dem Wege, den uns Theodor Hcrll gewiesen bat. Wir verschließen uns keiner der Gefahren, die in der Politik Englands, in der Araberfrage, in der Monopolstellung der Histadruth, in der Gefahr der Verdrängung der hebräischen Sprache durch die Einwanderung der deutschen Juden und in der Gefahr eines Gesetzgebenden Rates liegen. Wir meinen aber, daß uns nichts dazu bewegen darf, das Enclziol des Zionismus herabz u m i n d e r n. Wir haben das schon einmal durch Ablehnung der Brith Schalomb e w e g u n g, deren Überflüssigkeit und Unstiehhältigkeit durch den Fortgang des Aufbauwerkes sich dargetan hat, bewiesen. Wir müssen schon jetzt im K e 1 in jede Bewegung ersticken, die einer Politik des nächsten Vorteiles zuliebe, den Weg zur Freiheit des jüdischen Volkes für alle Ewigkeit verrammeln könnte. Es macht dabei keinen Unterschied, Ob die Reformideen, mögen sic nun Siebente Dominion oder Kronkolonie heißen, von gutmeinenden Freunden, von ängstlichen Seelen oder von Menschen kommen, die glauben, daß sie noch immer zu wenig verdienen. Unser Ziel heißt und bleibt: Der Judenstaat, Die zionistische Exekutive würde gut daran tun, in eindeutiger Form allen diesen für den Zionismus lebensgefährlichen Aspirationen durch eine autoritative Erklärung die Spitze abzubrecheu. Tut sie es nicht, dann wird es Aufgabe des nächsten Kongresses sein müssen, hier ein klares Wort zu sprechen. Die Araber Die arabische Zeitung „Falastln“ und andere arabische Zeitungen setzen den Kampf gegen den Jerusalemer M u f t i Haj Amin e 1 II u s s e i ni, gegen den Emir S h a k i b A r s 1 a n vom syrisch-palästinensischen Komitee in Genf und andere „sündige Führer“ fort, die nach Meinung dieser Presse ihren eigenen Nutzen über die nationalen Interessen stellen und einmal für die Interessen der Engländer, ein andermal für die der Italiener, ein drittesffiäl für die der Juden arbeiten. Diese Führer handeln mit dem Blut des Volkes, das während der Ereignisse in den Jahren 1921, 1Ö29 und 1934 vergossen wurde. Neun Zehntel der für die arabischen Opfer dieser Ereignisse eingeflossenen Spenden haben sie in die eigenen Taschen gesteckt. „Faiastin“ spricht die Überzeugung aus, daß die arabische öffentliche Meinung diese Führer bald zwingen wird, abzutreten. „Al Jamea el Islamia“, ein Organ der arabischen Opposition, richtet die folgenden Fragen an den Mufti: 1. Wieviel Geld haben Sie in Indien gesammelt? 2. Wo ist dieses Geld? 3. Wird es seinem Bestimmungs- Zweck zugeführt werden? Der Mufti — greift die Juden an Das Organ des Mufti, „AI Jamea el Arabia“, gibt keine A n t w o r t auf diese peinlichen Fragen. Es weiß nur zu erwidern, die Urheber dieses Sturmes gegen den Mufti seien die Juden; die Jewish Agency habe für ihr „arabisches Büro“ in diesem Jahre 80.000 Pfund aufgewendet, mit diesem Gelde werden dio Schreibfedern und die Herzen der Araber erobert. Die Jewish Agency sehe in dem Mufti ihren Hauptgegner, weil er es nicht, zuläßt, daß arabischer Bodon in jüdische Härido übergeht. Deshalb organisiert dio Jewish Agency die öffentliche Meinung gegen den Mufti und gegen Emir Arslan, der „im Herzen von Europa, in Genf, für dio arabische Palästina-Sacho tätig ist“. Die Italien-Briefe gefälscht Emir Arslan hat von Genf aus die Palästina-Regierung ersucht, ihm zu erlauben, in dem gegen einige arabische Zeitungen in Palästina geführten Prozeß Erklärungen abzugoben. Emir Arslan behauptet, die von diesen Zeitungen abgedruckton Briefe Ars laus an den Mufti, betreffend Ar>slans Zusammenarbeit mit Italien, seien Falsifikate. Arslan wandte sich mit der gleichen Bitte an den englischen Premier MacDonal d. In seiner Depesche an MacDonald leugnet Arslan, pro-italienische Propaganda zu betreiben und behauptet, er nehme einzig und allein die arabischen und moslemitischen Interessen wahr. Die arabische „Nationale Verteidigungspartei“ Die aus Anhängern der Nasha,shüM- F a, m i I i e sich zusammensetzende arabische „Nationale Verteidigungspartei“ gründete eine Gesellschaft mit einem Kapital von; 25.000 Pfund zur wirtschaftlichen Entwicklung des Beer-Sheba-Distrikts. Das Kapital soll auf 50.000 Pfund erhöht! werden. In einer Resolution sprach die Partei der von Emir Arslan geführten „syrisch-palästinensischen Delegation“ in Gen! das Mißtrauen aus, ebenso kritisierte die Resolution scharf die Tätigkeit’ des Jerusalemer Mufti. In einer anderen Resolution sprach sich die Partei gegen jüdische Einwanderung und Kolonisation aus und beschloß, vor dem. Haager internationalen Tribunal Klago gegen die Palästina- Regierung und den Völkerbund wegen! „V e rg e wal tigu n g Palästinas“ durch angebliche Verletzung von Art. 23 des Völkerbundstatutes zu erheben. * Konflikte mit Arabern Jerusalem, 31. Mai. (2. T. A.) Siebzehn Araber, diie widerrechtlich Bo-t den des Jüdischen Nationalfonds in der Nähe von Haifa betraten, wurden von der Polizei verhaftet. Bevor die Polizei ein-i traf, versuchten die jüdischen Siedler, diel den Boden bearbeiten, die Araber zu buwegen, den Boden zu verlassen. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Siedlern und dein Ambern, in dessen Verlauf vier jüdische Siedler v ß rletzt wurden. Ein Fellache wurde vom Gericht wegen versuchten Mordes an einem jüdischen Wäohtor in Ramat Hakovosh im Wadi Havant zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sich hwrausgestellt hat, daß der Fellache Mitglied einer organisierten Horde war, die sich planmäßige Überfälle auf jüdische Siedler «um Ziel gesetzt hat.

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